Der überraschende Sieg von Hannover 96 an diesem Wochenende rückt den Erfolg unserer Borussia vom Freitag abend in ein noch positiveres Licht. Man mag sich gar nicht vorstellen, welche Panik bei gewissen Teilen der Anhängerschaft im Falle einer Niederlage aufgekommen wäre. Auch mit 37 Punkten ist man zwar noch nicht endgültig gerettet und es haben sich in der Bundesliga schon viele Fohlen vor der Apotheke übergeben. Dass aber Bochum, Hannover und Nürnberg noch allesamt zur Elf vom Niederrhein aufschließen können, mögen sich nur größte Skeptiker ausmalen.

 

Vor diesem Spieltag wurde so oft von Vorbildern gesprochen, dass ein kleiner Rückblick erlaubt sei: Vor einem Jahr war Borussia der deutlich schwächste von drei Aufsteigern und nicht wenige werteten die beiden anderen als leuchtende Vorbilder, an denen man sich zu orientieren habe. Die TSG Hoffenheim mit ihrer angeblich so tollen Jugendarbeit und den schlauen Einkäufen. Der 1.FC Köln mit der Risikofreudigkeit, Geld in die Hand zu nehmen und in echte „Kracher“ zu investieren. Beide Konzepte schienen damals überlegen, was sich heute nicht nur tabellarisch ganz anders darstellt. Es ist ein schlechter Scherz, dass Gladbach sich nur 3 Punkte vor diesen Vereinen befindet, denn gefühlt sind es eher 10-15 Zähler, die man z. B. den Kölnern voraus haben sollte.  

Betrachtet man die Saisonleistung, so zählt aber nicht nur die reine Punktausbeute – hier ist und war wichtig, dass zu jeder Zeit ein deutlicher Abstand zur Abstiegsregion gewahrt werden konnte. Es zählt mindestens ebenso die Perspektive für die Zukunft. Denn auf Dauer wird sich gutes Fußballspiel eher auszahlen als ermauerte 0:0-Unentschieden oder Glückssiege, wie sie der FC zuhauf geliefert hat. Mit solchen Leistungen kann man sich zwar in der Liga halten, man wird aber kaum je in der Lage sein, höhere Ziele zu erreichen. Borussia hingegen hat in mindestens 20 Saisonpartien richtig ordentlichen Fußball gezeigt.  

Nicht immer war man wie gegen Frankfurt in der Lage, dies über 90 Minuten durchzuspielen und oft genug wurden so unnötig Punkte verschenkt. Aber ein Großteil der Spieler, denen wir jetzt zujubeln, galt noch vor einem Jahr bei vielen Experten als bundesligauntauglich. Es ist keine Sensation, dass andere Vereine, die vor jeder Saison in der Lage sind, zwei bis drei Millionentransfers zu stemmen, über eine andere Qualität verfügen und sich diese in den entscheidenden Situationen durchsetzt. Selbst die von vielen unterschätzten Frankfurter verfügen über einen weit teureren Kader als Borussia und ihre in dieser Saison erzielten Erfolge sind nicht zuletzt auf diverse Investitionen in den letzten Jahren zurückzuführen.  

Ob der Weg der Eintracht tatsächlich derart beispielhaft ist, dazu sollte man noch die eine oder andere Saison abwarten. Am vergangenen Freitag schien sich der Gast aus Hessen eher an Gladbachs typischen Auswärtsauftritten des letzten Jahrzehnts ein Vorbild genommen zu haben. Bei aller Schwäche des Gegners darf aber nicht übersehen werden, dass dies durch aggressives Auftreten und durch organisiertes Spiel über 90 Minuten von Seiten der Borussia erzwungen wurde. 

Vielleicht kann die Partie insgesamt sogar als beste der bisherigen Saison bezeichnet werden, denn selten spielte die Elf von Michael Frontzeck so souverän und kompakt über die gesamte Spieldauer. Gegen Bremen oder Hannover war es sicherlich spektakulärer, aber dort schlichen sich in das eigene Offensivfeuerwerk zahlreiche Defensivfehler ein. Dieses Mal stimmte fast alles, wenn man davon absieht, dass in der ersten Stunde des Spiels zu wenig zwingende Chancen kreiert und solche in der letzten halben Stunde dann allzu fahrlässig vergeben wurden.  

Raul Bobadilla steht aus diesem Grund bei vielen in der Kritik, denn zweifelsohne hätte ihm mindestens ein Treffer gelingen müssen. Er versucht viel, ist stets bemüht, von einem richtig guten Angreifer erwartet man in solch einem Spiel aber den einen oder anderen positiven Abschluss. Trotzdem lieferte er insgesamt eine ordentliche Partie ab – nicht nur wegen der Vorlage zum so wichtigen 1:0. Insgesamt hat er eine durchwachsene Runde gespielt und ein einziges überragendes Spiel gegen Bremen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass mittelfristig deutlich mehr kommen muss vom Argentinier. Dank seiner 22 Jahre sollte man ihn zwar nicht so sehr verdammen wie es einige Fans in den letzten Wochen tun. Dennoch sollte er schon in der kommenden Spielzeit eine Steigerung erkennen lassen. Bobadilla wird dann zeigen müssen, dass er in der Liga angekommen ist und sich auf diesem Niveau mehr als nur in Ansätzen durchsetzen kann.  

In einem Atemzug mit ihm wird meist Juan Arango genannt, der gegen Frankfurt eines seiner besten Spiele machte. Dieses Niveau hat der Venezolaner drauf und es wäre wünschenswert, wenn er dies öfter abrufen könnte. Ähnliches gilt für Michael Bradley, der endlich einmal wieder zeigte, wieso sein Trainer so große Stücke auf ihn im zentralen Mittelfeld hält. Die positivste Überraschung lieferte aber unser Kapitän ab, der seit seiner Genesung nie so recht in Tritt gekommen war und auf der linken Defensivseite oft enttäuschte. Dies war zuletzt schon etwas besser geworden, aber erst am Freitag konnte Filip Daems endlich wieder richtig positiv auf sich aufmerksam machen. Defensiv wurde er wenig gefordert, weshalb er einige Male in der Lage war, gefährlich mit nach vorne zu gehen. In dieser Form ist der Belgier ein echter Gewinn für die Mannschaft. Allerdings bedarf es mehr als einer guten Partie, um bereits seine Rückkehr zum Leistungsträger und Führungsspieler zu feiern. 

Dies sind aktuell in erster Linie die beiden Torschützen vom Freitag, nämlich Marco Reus und Dante, die mit ihrer Leistung in dieser Saison noch etwas über allen anderen stehen. Insgesamt ist es aber das Kollektiv, das stimmt und das mit der reinen Punktzahl nicht ausreichend gewürdigt wird. So zufrieden wir mit dieser Saison sein dürfen. Es bedarf weiterer Qualitätssprünge, wenn wir den kontinuerlichen Weg nach oben fortsetzen möchten. Auf den bestehenden Kader lässt sich aufbauen. Dieser sollte nun gezielt und punktuell verstärkt werden. Der größte Bedarf besteht im Sturm, wo auch Bobadilla von einem starken Nebenmann profitieren würde. Der Verein wird dies erkannt haben, denn betrachtet man die Entwicklung seit der vorletzten Winterpause, so ist vieles bei unserer Borussia als vorbildlich zu bezeichnen, ohne dass man dazu den Blick auf andere Vereine zu richten braucht.  

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