Nach dem siebten Rückrundenspiel lässt sich festhalten, dass nur ein einziges Mal ein Sieg unverdient gewesen wäre, da man ausgerechnet beim Tabellenletzten aus Berlin die schwächere Mannschaft war. Man könnte sich also darüber ärgern, dass von gut möglichen 19 Punkten nur 9 übrig geblieben sind. Gerade das unglückliche 1:1 gegen harmlose Freiburger böte hierzu ausreichenden Anlass. Andererseits ist das Glas mehr als nur halbvoll, wenn man die aktuelle Situation mit dem vergleicht, was in den letzten Jahren unser Standard gewesen ist.

Das vergangene Borussen-Jahrzehnt war geprägt durch zwei kurze Zweitliga-Intermezzi, aber auch durch stetig unansehnlichen Fussball am Rande der Schmerzgrenze. Speziell in Auswärtspartien war dem leidgeprüften Borussen-Fan bereits vorab klar, auf was er sich einzustellen hatte. Gelang dem Gegner das erste Tor, konnte man alle Hoffnungen auf eine Sensation – also einen Punktgewinn auf fremdem Platz – begraben. Unter Dick Advocaat begann Borussia immerhin, diese Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsleistungen anzugleichen, indem man nunmehr auch im heimischen Borussia-Park ähnlich lethargisch auftrat. Das ganze gipfelte im desolaten Abstieg 2007 und setzte sich nach dem Aufstieg im Vorjahr fort.  

Fünf Trainern und mehrfach ausgewechselten Spielerkadern gelang es nicht, diesem Teufelskreis zu entrinnen. Die Einkäufe des vergangenen Winters, allen voran Dante und Bailly, machten zwar etwas Mut. Aber wie sollten ausgerechnet der als unerfahren geltende Eberl sowie der zweifache Abstiegstrainer Frontzeck an dieser Situation etwas ändern, an der zuvor international anerkannte Trainer wie Jupp Heynckes und Dick Advocaat kläglich gescheitert waren?
 

Nach nunmehr 24 Spielen sieht es ganz danach aus, als ob es ihnen tatsächlich gelungen ist. Und dies lässt sich weniger an der immer noch eher durchschnittlichen Punktausbeute festmachen als an der Spielweise des Teams, die eine klare, offensive Handschrift verrät. Wer mit dem 1:1 gegen den SC Freiburg nicht zufrieden ist, der hat natürlich Recht. Gegen einen solchen Gegner, den man über 90 Minuten sicher im Griff hat, muss mehr herausspringen als ein mickriger Zähler. Schon in den Spielen gegen Bochum, Mainz und Nürnberg war zu monieren, aus der eigenen Überlegenheit kein größeres Kapital geschlagen zu haben. Doch es darf als Erfolg gewertet werden, dass man inzwischen wieder in der Lage ist, solche Vereine zu dominieren und dass diese sich mit einem ermauerten Unentschieden im Borussia-Park zufrieden geben.  

Borussia hat den nächsten Schritt gemacht und befindet sich völlig zurecht im gesicherten Mittelfeld mit veritablem Abstand zu den Abstiegsregionen. Dies darf natürlich nicht das Ende der Reise sein, aber man sollte vorsichtig sein, zu schnell zu viel auf einmal einzufordern. Die Verantwortlichen weisen bewusst darauf hin, dass sie eine Politik der kleinen Schritte bevorzugen und dass man eine Fehlentwicklung von 10-20 Jahren im Verein nicht innerhalb eines Jahres ausgleichen kann. Zahlreiche andere Vereine besitzen finanzielle und sportliche Wettbewerbsvorteile, die nur durch konstant gute Arbeit langsam abgebaut werden können. 

Während die beiden stärksten Spieler der bisherigen Saison – Dante und Marco Reus – gegen Freiburg einen mäßigen Tag erwischten, sei unserem Torwart ein erneutes Lob ausgesprochen. Bei den hohen Bällen gegen die Sonne hatte Logan Bailly in Halbzeit 1 ein wenig Glück, gab sich aber keine Blöße. In der für einen Torwart denkbar ungünstigen Situation, über 90 Minuten so gut wie gar nicht geprüft zu werden, rettete er dagegen in der 87. Minute bei Freiburgs zweiter Torchance des Spiels immerhin den einen Punkt mit einem starken Reflex gegen Idrissou.   

In der ersten Halbzeit war man mit deutlich zu hohem Respekt gegen eine Mannschaft zu Werke gegangen, die vorab allzu vehement als auswärtsstark angekündigt worden war. Dies hatte sich offensichtlich in den Köpfen der Spieler festgesetzt, die sehr verhalten agierten, anstatt an die guten Leistungen aus den vorigen Heimspielen anzuknüpfen. Die einzig zwingende Aktion wurde durch eine starke Aktion von Bobadilla eingeleitet, von Colautti ordentlich abgeschlossen, aber von Freiburgs Keeper hervorragend vereitelt. Eine echte Torchance war in diesen 45 Minuten aber deutlich zu wenig, wenn man bedenkt, wie sehr die Breisgauer Abwehr unter Druck wackelte.  

In Hälfte 2 setzte es die Elf von Michael Frontzeck deutlich besser um und es war lediglich zu bemängeln, dass aus 5 weiteren Großchancen nur ein Tor heraussprang, welches bezeichnenderweise mal wieder ein Abwehrspieler erzielte. Borussias Stürmer blicken zur Zeit neidisch auf die Torquote von „Raul“ Brouwers, der mit seinen 6 Saisontoren der treffsicherste Abwehrspieler der Liga ist.  

Wenngleich Karim Matmours Fehlschuss aus kurzer Distanz nicht anders als kläglich zu nennen ist, wäre es zu einfach, nach dieser Partie unsere Angreifer komplett zu verdammen. Es ist Fakt, dass keiner von ihnen momentan über das Potential für einen Spitzenverein verfügt. Alle vier bewegen sich aber relativ gleichwertig auf einem Niveau, das unseren aktuellen Ansprüchen voll und ganz genügt. Zu mehr reicht es bei ihnen ebensowenig wie bei der Mannschaft insgesamt, die genau aus diesem Grund noch immer keine Ansprüche auf höhere Tabellenregionen stellen darf.  

In den kommenden Wochen werden uns einige stärkere Kaliber erwarten als es zuletzt der Fall gewesen ist. Dann werden andere Qualitäten gefragt sein als einen tief stehenden Gegner ausreichend unter Druck zu setzen und so in die Knie zu zwingen. Dann wird sich zeigen, wie groß der Schritt ist, den man bereits gegangen ist, bzw. wie groß der nächste wird ausfallen müssen. Wenn man sich aber an die letzten Auftritte der Vorrunde gegen Schalke, Bayern und Bayer zurück erinnert, so spricht vieles dafür, dass wir auch hier einen deutlichen Fortschritt gegenüber dem letzten Borussen-Jahrzehnt werden erkennen können. 

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