Es ist noch keine vier Monate her, da schien Borussia an die trostlose Vorsaison anzuknüpfen. 7 Punkte nach 9 Spieltagen wurden zu diesem Zeitpunkt nur noch von Hertha BSC Berlin unterboten. Damals hätte es kaum jemand für möglich gehalten, dass bereits nach 22 Spieltagen der Klassenerhalt so gut wie gesichert sein würde. Durch den hoch verdienten Sieg über Nürnberg stehen 28 Punkte und damit 11 Zähler Vorsprung auf die Abstiegsränge zu Buche. Man sollte sich zwar davor hüten, einzelne Mannschaften zu so früher Zeit bereits als „sichere Absteiger“ abzustempeln. Mit ziemlicher Sicherheit lässt sich aber sagen, dass der Abstieg in dieser Saison unter den letzten vier Mannschaften ausgehandelt wird. Allzu offensichtlich ist die Parallele zum Vorjahr, als sich ebenfalls eine Handvoll Vereine mit erschreckend niedriger Punktzahl vorzeitig deutlich nach unten absetzte. 

 

Diese Folgen der Dreiklassengesellschaft Fußball-Bundesliga müssen uns nur insofern interessieren, als dass wir uns erfreulicherweise durch kluge Einkaufspolitik und kontinuierliches Arbeiten im letzten Jahr vom untersten ins mittlere Drittel hochgearbeitet haben. Der Verein und insbesondere der Trainer müssen zwar der Vorsicht halber weiter auf potentielle Gefahren noch in dieser Spielzeit aufmerksam machen. Der realistische Betrachter darf den Sieg vom Freitag abend aber bereits zu einem kleinen Zwischenfazit nutzen. 

Eine kleine Enttäuschung im bislang so erfreulichen Saisonverlauf bietet Torhüter Logan Bailly, der nur noch selten an die beeindruckenden Leistungen aus der vorigen Rückrunde anknüpfen kann. Zwar lassen sich ihm nur wenige Gegentreffer eindeutig ankreiden. Aber das absolute Gefühl der Sicherheit hat man mittlerweile nicht mehr, wenn der Ball in seine Richtung unterwegs ist. Nun ist der Belgier noch jung und es besteht kein Bedarf, sich über seine Position Gedanken zu machen. Dass dieser Tage Diskussionen darüber aufkommen, andere Vereine könnten ihn für 5 Millionen Euro abwerben oder er könne gar bei den anstehenden Neubesetzungen in Leverkusen, München oder Hamburg zur Debatte stehen, ist aber wohl eher dem übergroßen Selbstbewusstsein des extrovertierten Keepers und seines Umfelds geschuldet als realistischen Erwägungen.
 

Die Abwehr wird gemeinhin als positive Überraschung wahrgenommen, was u.a. an den niedrigen Erwartungen liegt, die hier zu Saisonbeginn vorherrschten. Es ist fast schon zu souverän für einen Verein unserer aktuellen Kategorie, wie ein Dante gegen den FCN seine anfänglichen ein bis zwei Wackler wegsteckte und sein konstant hohes Niveau abspulte. Der Kauf des Brasilianers war ein absoluter Meilenstein für den Verein und hat ganz entscheidenden Anteil an der positiven Tabellenlage. An Dantes Seite konnte ein Roel Brouwers aufblühen und sich als voll erstligatauglich erweisen, wenngleich er gegen allzu starke Stürmer immer noch etwas überfordert wirkt. Dies zeigte sich gegen Pizarro oder jetzt auch beim 1:1 von Bunjaku, der in aller Ruhe den Ball annehmen und einschieben konnte, ohne dass der Holländer eingriff.  

Tony Jantschke hat sich als brauchbare Alternative für die rechte Außenbahn erwiesen, wenngleich man Tobias Levels inzwischen auf dieser Position nicht mehr missen möchte. Es ist bemerkenswert, dass man sogar eher auf der linken Seite die Notwendigkeit einer Verstärkung sieht, obwohl Filip Daems gegenüber den Spielen zuvor deutlich verbessert agierte. Es ist nicht leicht, für die Außenpositionen gute und bezahlbare Spieler zu bekommen. Dennoch wird unser Scouting um etwas mehr Klasse in diesem Bereich bemüht sein. 

Über Marco Reus braucht man kaum noch viele Worte zu verlieren. Ein Sololauf wie vor dem 1:0 gehört bei ihm mittlerweile zum Standardrepertoire. Beeindruckend ist für einen solch schnellen und trickreichen Stürmer seine Effizienz und Spielintelligenz. Stark verbessert gegen Nürnberg war aber auch Juan Arango, der fast alle gefährlichen Borussen-Szenen mit initiierte, die nicht zum Torerfolg führten. Sein Spiel wirkt immer etwas phlegmatisch und ist kaum vergleichbar mit der Dynamik seines quirligen Gegenübers. Aber es muss daher nicht minder wichtig sein, sofern es dem Venezolaner gelingt, die Leistung von Freitag zu konservieren. Dank ihm und eines ebenso offensiv stark verbesserten Michael Bradley war unser Angriffsspiel deutlich variabler, weil endlich auch einmal von der Spielmitte Gefahr ausging.  

Variabel sind wir nicht minder in vorderster Front, dank vierer nahezu gleichwertiger Stürmer. Mittlerweile ist mancherorts sogar von einem „Luxusproblem“ die Rede auf einer Position, auf der nicht wenige noch vor zwei Wochen eine dringlich nötige Verstärkung eingefordert hatten. Ob Bobadilla, Colautti, Friend oder Matmour. Sie alle haben ihre Stärken und Schwächen. Sie alle sind (bislang) aber auch keine Topstürmer, die uns pro Saison 12-15 Tore garantieren können. Bobadillia darf dies zukünftig noch am ehesten zugetraut werden. Es wäre für die neue Saison aber wünschenswert, ihm einen Topstürmer an die Seite zu stellen, neben dem er seine Stärken noch besser ausspielen kann als es ihm zuletzt schon immer mehr gelingt. 

Bliebe noch in Nachbetrachtung zum Nürnberg-Spiel die unsägliche Schiedsrichter-Diskussion, die von den Gästen und den boulevardesken Medien genüsslich ausgeschlachtet wurde. Wer in einer solch wichtigen Partie ganze zwei Torchancen zustande bringt, macht sich mit solchen Diskussionen ohnehin lächerlich. So indiskutabel aber wie es gemeinhin dargestellt wurde, war die legere Regelauslegung beim 2:1 mitnichten. Im Mittelfeld werden solche Aktionen nicht zwingend abgepfiffen. Im Fünfmeterraum ist es in Deutschland allerdings gemeinhin anerkannt, dass man den Torhüter um jeden Preis zu schützen hat. Von daher stellte sich Herr Meyer hier gegen den Trend, den seine Kollegen seit Jahren vorgeben. Aus diesem Grund wäre es konsequenter gewesen, die Situation abzupfeifen, denn wenig ist ärgerlicher als eine allzu uneinheitliche Regelauslegung.  

Die Aktion im Borussen-Strafraum gegen Charisteas kurz zuvor fällt hingegen genauso in die Kategorie „Kann-man-geben“ wie das Handspiel von Breno sowie das Trikotzupfen an Bobadilla auf der anderen Seite. Näher anschauen sollte man sich an der Noris zudem das 1:1, als Charisteas beim Schuss von Bunjaku eindeutig im Abseits sowie im direkten Blickfeld von Logan Bailly stand. Hier wäre mit mindestens ebenso gutem Gewissen wie beim 2:1 auf Irritation des Torhüters zu entscheiden gewesen, wenngleich es auf den ersten Blick nicht so offensichtlich gewesen sein mag. Insgesamt ist es aber aberwitzig, wenn die Gäste von einer Benachteiligung sprechen, angesichts der Menge an umstrittenen Entscheidungen zu ihren Gunsten, die das Spiel schon lange zuvor deutlich für Borussia hätten entscheiden können.  

Hier spricht eher die Verzweiflung eines Tabellenvorletzten und als Borusse darf man sich froh und glücklich schätzen, dass wir zumindest in dieser Spielzeit vor ähnlich peinlichen Erklärungsversuchen unserer Verantwortlichen bewahrt werden. Vor uns liegen jetzt noch weitere 12 interessante Partien, die wir beruhigt und optimistisch angehen können. Zudem ist es ein mindestens ebenso großer Gewinn dieser Spielzeit, dass man sich nicht mehr von Spieltag zu Spieltag quälen braucht, um sich konstant unansehnliche Auftritte der eigenen Mannschaft anzutun. Mittlerweile gehören Spiele mit Borussen-Beteiligung zu den Highlights der Liga und man darf sich tatsächlich schon jetzt auf den kommenden Freitag freuen, wo in Hoffenheim ernsthafte Hoffnungen auf ein weiteres positives Auftreten sowie auf mindestens einen Punktgewinn bestehen.

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