Selbst im Seitenwahl-Vorbericht wurden die oft als langweilig eingestuften Hannoveraner unterschätzt und mit einem asiatischen Sojabohnen-Gericht verglichen. Diese Anmaßung wollten sich die Gästespieler offensichtlich nicht gefallen lassen. Anstatt sich an einem geschmacklosen 0:0-Tofu zu verschlucken, sorgten sie für höchsten Gaumenschmaus mit leckerem Abwehr-Wackelpudding für echte Fussball-Feinschmecker.


Der nüchterne Betrachter bekam in 90 Minuten so ziemlich alles geboten, was den Fussballsport auszeichnet. Spannung, Spaß, Kuriositäten, Chancen im Minutentakt, 8 Tore, 3 Schüsse ans Gebälk und am Ende einen Sieg für unsere Borussia. Fußballherz, was willst Du mehr? Michael Frontzeck wird diese Frage intensiv beantworten können, denn für taktikinteressierte Zuschauer fiel der Nachmittag nur halb so unterhaltsam aus. Die in den vergangenen Wochen bei Borussia zunehmende Stabilität, Ordnung und Kompaktheit suchte man gegen Hannover vergeblich. Spätestens mit Djakpas unerklärlichem 3:1-Eigentor wurde jegliche Taktik aus dem Spielgeschehen verbannt. Beide Mannschaften spielten fortan vogelwild und bekamen ihre Defensive nicht mehr in den Griff.
 

Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Borussia erneut eine insgesamt sehr ansprechende Partie ablieferte und die Partie absolut verdient für sich entschied. Hannover hatte einzig zwischen dem 2:0 und 2:1 sowie in der Schlußoffensive nach dem 4:3 zwei Phasen, in denen sie unsere Defensive gehörig unter Druck setzten und sich diese zweifelsohne als höchst instabil erwies. In der übrigen Zeit gab es eigentlich keinen wirklichen Zweifel daran, wer den Platz zurecht als Sieger verlassen würde. Auf die gesamte Spielzeit bezogen war Borussia den Gästen in allen Belangen überlegen. 

Wer auch nach diesem Sieg noch Haare in der Suppe suchen möchte, der betrachte vergleichend die Borussen-Spiele aus der Vorsaison. Oder er schaue sich an, auf welch kläglichem Niveau aktuelle Abstiegspartien ausgetragen werden, z. B. bei den letzten Auftritten des 1. FC Köln in Bochum oder Freiburg. Borussia im Winter 2009 ist weit entfernt von jenem Abstiegskrampf, der uns in der vorigen Rückrunde immerhin 20 Zähler – und damit nur einen weniger als in den bisherigen 16 Spielen dieser Saison – einbrachte. Es ergeben sich teilweise Spielkombinationen, wie man sie von einer Mannschaft mit der Raute auf dem Trikot seit über einem Jahrzehnt nicht gesehen hat. Es wird schnell und präzise echter Fußball gespielt und folgerichtig ergeben sich jede Menge Torchancen. Nicht lange ist es her, da war man schon froh, wenn in einem Spiel in zweistelliger Anzahl in die Nähe des gegnerischen Tores geschossen wurde. 

Aber natürlich gibt es weiterhin Defizite zu bemängeln. In der Defensive spielen neben Dante drei Akteure, die noch zu Beginn des Jahres für die meisten Fans ganz oben auf der Verkaufsliste standen. Sie alle spielen bislang eine tolle Vorrunde, sind aber vor einem Rückfall in schwächere Zeiten nicht immer gefeit. Aktuell am meisten schwächelt Jaures, dessen wunderlicher Lauf durch den eigenen Strafraum für einen Mann seiner Erfahrung kaum erklärlich scheint und der sich nun doch wieder größere Sorgen ob einer baldigen Rückkehr von Filip Daems machen sollte.  

Vorne konnte Rob Friend zwar immerhin seinen zweiten Saisontreffer erzielen. In einigen anderen Aktionen deutete er aber an, dass seine technischen Fähigkeiten allzu begrenzt sind, um für größere Aufgaben geeignet zu sein. Dennoch ist er in unserer aktuellen Situation ein absolut unverzichtbarer Spieler, da er seine Leistung stets konstant abruft und durch seinen unermüdlichen Einsatz fernab von seiner Torgefahr einen wichtigen Beitrag zum aktuellen Gesamterfolg leistet.  

Wenn Borussia mehr erreichen möchte als um die Meisterschaft in der unteren Tabellenhälfte mitzuspielen, dann wird man sich auch im anstehenden ruhigen Winter über zukünftige Verbesserungspotentiale Gedanken machen müssen. Um den Rückstand gegenüber den Topvereinen der Liga aufzuholen bedarf es eines sehr langen Atems und permanenter Wachsamkeit. Einen Spieltag vor der Winterpause darf man aber auch gerne einmal zufrieden zurückblicken:

Vor einem Jahr stand der Verein vor dem Abgrund und kurz davor, wie so viele andere Vereine zur reinen Fahrstuhlmannschaft zu mutieren. Bei 11 Punkten aus 17 Spielen war der dritte Abstieg nah, der vermutlich weniger leicht zu kompensieren gewesen wäre als die vorherigen. 12 Monate später haben wir uns im gesicherten Mittelfeld der 1. Liga etabliert, spielen einen ansehnlichen, offensivfreudigen Fussball und im Umfeld scheint die so lange eingeforderte Kontinuität endlich Wirklichkeit zu werden.

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