Michael Frontzeck konnte sein Lächeln kaum unterdrücken, als er auf der Pressekonferenz vor dem Spiel über die Probleme der Nürnberger bei ihren vorausgegangenen Heimspielen referierte. Dass sie „vor ausverkauftem Haus in der eigenen Hälfte auf uns warten“, zweifelte er etwas verschmitzt an. Genau das aber taten die Clubberer dann tatsächlich über 87 Minuten lang. 

 

Erlauben konnten sie es sich dank des frühen 1:0-Führungstreffers, durch den sie ihre bereits in Frankfurt und Stuttgart erfolgreiche Auswärtstaktik anwenden konnten. Borussia war gefordert, eigenständig Druck zu erzeugen und wie eine Heimmannschaft aufzutreten. Dabei tat man sich ähnlich schwer, wie man es gewöhnlich gegen einen so defensiv starken, gut organisierten Gegner tut. Von daher macht es auch wenig Sinn, sich ausgerechnet nach dieser Partie über eine Fortsetzung der altbekannten Auswärtsschwäche zu sorgen. Die vorigen drei Halbzeiten in Bochum sowie Bremen könnten dazu Anlass geben. Nicht aber dieser Auftritt in Nürnberg, bei dem Borussia so dominant aufgetreten ist, wie man es auswärts jahrelang nicht erlebt hat.  

Aber alle Feldüberlegenheit nutzt schlußendlich nichts, wenn sie dermaßen brotlos und ineffektiv umgesetzt wird und zu so wenigen klaren Torchancen führt. Raul Bobadilla hatte kurz nach Pause die einzige so genannte „hundertprozentige“. Darüber hinaus gab es außer einigen ansehnlichen Weitschüssen nicht viel, was Raphael Schäfer an diesem Nachmittag ernsthaft in Verlegenheit gebracht hätte.  

Zu weiteren Torgelegenheiten hätte es kommen können, wenn Schiedsrichter Gagelmann einen besseren Tag erwischt hätte. Dennis Diekmeier sollte sich vom Bremer Referee persönlich beleidigt fühlen, da dieser ihm unterstellte, er habe den offensichtlichen Rückpass auf seinen Keeper in der Nachspielzeit so nicht gewollt. So sinnvoll die Rückpassregelung im Allgemeinen ist, um den modernen, schnellen Fussball zu fördern, so sollte man – ähnlich wie beim Handspiel – eine bessere Regelung finden, wie man den Tatbestand der „Absicht“ weniger von der willkürlichen und oft abenteuerlichen Auslegung des Schiedsrichters abhängig macht.  

Das Foul an Karim Matmour hätte gleichfalls einen Elfmeter gerechtfertigt. Hier sollte sich der Algerier aber besser an die eigene Nase fassen und sich an den alten Kinderspruch erinnern, dass man demjenigen nicht glaubt, der schon einmal gelogen hat. Spätestens seit dem Berlin-Spiel und seinem anschließenden flapsigen Interview hat sich Matmour als Gelegenheits-Schauspieler enttarnt, was verständlicherweise auch von den schwarz(-gelb)en Männern des Landes wahrgenommen wird. Auch in Nürnberg versuchten es einige Borussen allzu plump, einen Elfmeter zu provozieren. Ein guter Schiedsrichter sollte sich von solchen Eindrücken zwar lösen und jede Situation neu bewerten. Einem Schiedsrichter wie Herrn Gagelmann kann man es aber eher nicht vorwerfen, dass ihm dies nicht immer gelingt.  

So unglücklich es ist, zum wiederholten Male in dieser Saison durch strittige Entscheidungen benachteiligt worden zu sein. Die Niederlage ist nicht am Schiedsrichter, sondern an der viel zu wenig zwingenden eigenen Spielweise festzumachen. Gegen einen harmlosen Gegner hat man die große Chance verpasst, bereits nach 5 Spieltagen ein beruhigendes Polster auf die Abstiegsregion aufzubauen. Die bislang erzielten 7 Punkte sind weiterhin eine ordentliche Ausbeute. Sie sollten uns angesichts der bisherigen Gegner aber nicht dazu verleiten, uns bereits sicher zu fühlen. Gerade der Vorsprung z. B. zum 1.FC Köln ist sehr trügerisch, da uns die schweren Gegner in der zweiten Vorrundenhälfte noch bevorstehen. Das einzige Spitzenteam, gegen das wir bislang antreten mussten, zeigte uns vor drei Wochen sehr deutlich unsere Grenzen auf. 

Immerhin werden demnächst einige Spieler zurückkehren, die uns weiter verstärken können. Rob Friend wird noch einige Wochen brauchen, ehe er seine Topform wieder gefunden hat. Dann sollte er aber mehr Qualität ins Angriffsspiel bringen können als es Roberto Colautti in den letzten Wochen gelungen ist. Logan Bailly ist ein Torhüter, der in einer Saison so manchen Punkt festhalten kann. Die defensiven Außenbahnen sind mit Levels und Jaures verbesserungswürdig. Filip Daems wird hier in einigen Wochen zusätzliche Stabilität erzeugen können und auch Paul Stalteri sollte bald seine Chance auf ein Comeback erhalten.

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