FC Energie CottbusNach fünf Spieltagen in der ersten Fußball Bundesliga darf man feststellen: der Saisonstart ist missglückt. Auch das begeisternde 3:2 über Werder Bremen ändert nichts an der Gesamtbilanz: drei Punkte aus fünf Spielen sind zu wenig und unübersehbare Schwächen in fast allen Mannschaftsteilen lassen so manchen Borussenfreund etwas bang in die nähere Zukunft sehen.
Vielleicht kommt das Pokalspiel in Cottbus gerade recht. Immerhin geht es zu einer von zwei Erstligamannschaften, die noch schlechter in die Saison gestartet sind und die bei ihren bisherigen Auftritten noch weniger Schrecken verbreitet hat, als Borussia. Im Pokalspiel im Stadion der Freundschaft liegt mithin die Chance für die Mannschaft, sich Selbstvertrauen zurück zu holen und für die Fans, das womöglich etwas angeknackste Vertrauen ins eigene Team wieder zu gewinnen. Dass die Chance da ist, impliziert aber auch, dass es ganz anders kommen kann. Und würde Borussia am Dienstag aus dem DFB-Pokal ausscheiden, dürfte das Klima rund um den Borussiapark eisig werden. Die Wichtigkeit der jetzt anstehenden Aufgabe sollte also allen Beteiligten klar sein.

Borussia

Der Auftritt im Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin lässt den Beobachter etwas ratlos zurück. Eine solch bemühte aber letzten Endes vollständig harmlose Darbietung wirft die Frage auf, was nun zu ändern ist. Die schwache Leistung lässt sich nur schwer am mangelnden Willen, an einer Minderleistung einzelner Spieler oder an der taktischen Ausrichtung festmachen. Womöglich ist es ein Problem „in den Köpfen", oder aber es ist eine Problem der Qualität - nicht der Qualität einzelner Spieler, sondern des Gesamtgebildes Borussia 2008/2009. Gegen letztere Annahme spricht der beherzte Auftritt gegen Werder Bremen, nach Meinung nicht weniger Fans das beste Heimspiel seit dem Umzug vom Bökelberg zum Borussiapark. So bleibt also die Hoffnung, dass es irgendwo einen „Hebel" gibt, den Mannschaft und Trainer finden und bitteschön umlegen mögen.

Borussia Defensive

Torwart Christofer Heimeroth ist die „ärmste Sau" bei Borussia. Von seinen Vorderleuten immer wieder in entscheidenden Momenten im Stich gelassen hält er das Team mit guten Paraden im Spiel. Dass die Kritik an ihm dennoch nicht abreißt, dass immer noch Unruhe aufkommt, wenn er den Ball mal länger als fünf Sekunden bei sich behält und auf den Tribünen immer noch diverse Unsäglichkeiten zu vernehmen sind, wenn es um Heimeroth geht, das muss man womöglich inzwischen als Borussen-Folklore abtun. Unschön, aber nicht wegzubekommen und irgendwie Teil des Ganzen. Natürlich spielt Heimeroth trotzdem weiter und das ist richtig so.
In der Abwehr dürfte auch am Dienstag wieder die klassische Viererkette auflaufen. Marcel Ndjeng hatte gegen Hertha keinen guten Tag, der einzig denkbare Ersatz, Tobias Levels, saß nicht einmal auf der Bank. Voraussichtlich wird Jos Luhukay einmal mehr Ndjeng das Vertrauen schenken, ausschließen kann man einen Einsatz des in Liga Zwei noch gesetzten Levels aber nicht - es wäre nicht das erste Mal, dass ein Spieler von der Tribüne in die Startelf rotiert. Im Abwehrzentrum spricht einiges dafür, in den nächsten Wochen auf das Duo Jan-Ingwer Callsen-Bracker und Filip Daems zu setzen. Ausgerechnet Daems ließ sich zwar gegen Hertha vor dem Gegentor foppen, ansonsten spielte er aber solide, dass er der beste Fußballer unter unseren Verteidigern ist, dürfte Konsens sein. Der vielnamige Neuzugang aus Leverkusen spielt nicht komplett fehlerlos, hat bei seinen bisherigen Einsätzen aber mehr überzeugt, als Roel Brouwers. Auf der linken Seite hat Alexander Voigt gegen Hertha ein ordentliches Spiel gemacht. Er zeigte, was er kann und war erkennbar hoch motiviert. Das sollte reichen, um ihm weitere Chancen auf seiner angestammten Position zu geben.
Dass die Borussenabwehr zuletzt recht leicht auszuspielen war, liegt wohl nicht nur an individuellen Schwächen sondern auch an mangelnder Organisation. Das ist die Domäne von Patrick Paauwe, der gegen Hannover und Berlin an allen Ecken und Enden fehlte. Auch im Spielaufbau hätte man sich den unaufgeregten Ideenreichtum des Niederländers sehnlich gewünscht. Sollte Paauwe bis Dienstag fit werden, wird er spielen. Wenn nicht, haben wir ein Problem.
Michael Bradleys erste Bundesligapartie lässt noch keinen Rückschluss auf seine Fähigkeiten zu. Der US-Amerikaner versteckte sich nicht, versuchte in der ersten Halbzeit, dem Spiel ein Gesicht zu geben. In vielen Situationen war aber gut zu spüren, dass er noch nicht lange Teil dieser Mannschaft ist. Ob Jos Luhukay ihm und sich einen Gefallen tut, wenn er Bradley am Dienstag wieder von Beginn an aufbietet, ist zweifelhaft.
Gal Alberman hat gegen Hertha BSC gut gespielt, als einziger Mittelfeldspieler die nötige Galligkeit an den Tag gelegt und bisweilen Bälle erkämpft. Auch als Antreiber versuchte er sich das eine oder andere Mal, allerdings selten mit durchschlagendem Erfolg - was aber auch an seinen Mitspielern lag. Als Organisator oder Spielmacher taugt er bisher allerdings dann doch noch nicht. Im Moment stellt er einen guten „zweiten Sechser" dar.
Wenn Jos Luhukay gegen die offensiv bislang nicht eben furchterregenden Cottbusser mit einer Doppelsechs agieren möchte und Patrick Paauwe noch ausfällt, wäre wohl Sebastian Svärd die sinnvollste Ergänzung zu Gal Alberman. Alternativ muss der Israeli es alleine richten.

Borussia Offensive

Fangen wir vorne an und machen es kurz: Friend, Neuville. Alles andere wäre Kokolores.
Die offensiven Mittelfeldspieler haben sich gegen Hertha BSC sehr schwer getan. Karim Matmour hatte in der ersten Halbzeit noch die eine oder andere gute Szene, spielte aber später vor allem schlechte Pässe oder lief für seine Mitspieler offenbar nicht zu antizipierende Wege. Bei Marko Marin war es nicht viel besser. In kaum einer 1:1-Situation konnte er sich wie sonst gewohnt durchsetzen. Meist endete er in diesen Situationen lamentierend auf dem Hosenboden. Freistöße bekam er dafür eher zu viele als zu wenige. Aber: solche Tage gibt es, Marin sollte das wegstecken können. Er wird in Cottbus spielen. Sollte Borussia mit der „Raute" im Mittelfeld spielen, wäre ein Einsatz von Sascha Rösler auf der zentralen Offensivposition eine Überlegung wert. Gegen Berlin kam er spät und hatte eine schwer zu definierende Rolle zwischen Mittelfeld und Sturmspitze, ein Typ wie er ist aber in einem Pokalspiel möglicherweise viel wert. Im Falle eines 4-2-2-2 wäre Rösler womöglich wegen seiner Defensivqualitäten die bessere Wahl als der spielerisch begabtere aber im Defensivverhalten oft kopflose Matmour.

Der Gegner aus Cottbus

Zwei Punkte, ein Tor. Wenn schon ein Auswärtsspiel gegen einen Erstligisten, dann gegen diesen. Vor allem offensiv haben die Lausitzer bisher nicht viel zu Wege gebracht, in zwei Spielen je drei Tore kassiert. Andererseits hat Cottbus in Hannover ein 0:0 erarbeitet, andere Mannschaften sollen dort ja auch schon verloren haben. Und sogar hoch. Fest steht aber: an die beeindruckende Form der letzten Rückrunde kann Energie bislang nicht anknüpfen. Das Stadion der Freundschaft war zum Ende der vergangenen Saison eine Bastion, in dieser eher das Stadion der Gastfreundschaft. Genug der Phrasen, gehen wir ins Detail:

Cottbus-Defensive

Im Tor hat Gerhard Tremmel in der vergangenen Saison das Cottbusser Urgestein Tomislav Piplica verdrängt. Der Keeper weiß auch in dieser Saison zu glänzen - seine Rolle ist womöglich vergleichbar mit der von Christofer Heimeroth bei Borussia: guter Torwart hinter mäßiger Abwehr. Allerdings ist Tremmel in Cottbus unumstritten.
Bojan Parsnikar hat in der Innenverteidigung sein Stamm Duo gefunden. Der mazedonische Nationalspieler Igor Mitreski, vor der Saison als gesetzt geltend, hat seinen Platz an Mariusz Kukielka verloren. Der bisher vornehmlich im defensiven Mittelfeld eingesetzte Pole wusste in den vergangenen vier Spielen im Abwehrzentrum durchaus zu überzeugen. An seiner Seite steht der Routinier Mario Cvitanovic, trotz mäßiger Leistungen zum Saisonstart scheint der siebenfache kroatische Nationalspieler bisher gesetzt. Die Position des Linksverteidigers bekleidet Daniel Ziebig, rechts erhielt zuletzt Ivan Radeljic den Vorzug vor Savo Pavicevic, letzterer, vor der Saison aus Novi Sad nach Cottbus gekommen ist etwas offensiver orientiert.
Im defensiven Mittelfeld setzt Prasnikar seit dem zweiten Spieltag auf eine Doppelsechs. Nachdem Kukielka in die Innenverteidigung rückte, bilden Stanislav Angelov und Timo Rost das Duo vor der Abwehr.

Cottbus-Offensive

Ähnlich wie Jos Luhukay setzte auch sein Cottbusser Kollege Bojan Prasnikar meist auf ein System mit drei offensiven Mittelfeldspielern und einer Spitze. Der für diese Position geholte Rumäne Emil Jula - als Spielertyp noch am ehesten vergleichbar mit Rob Friend, kam bisher nur zu Kurzeinsätzen. Anstelle seiner spielten wechselweise Dimitar Rangelov, Branko Jelic und Dennis Sörensen. Gegen Bochum durften am vergangenen Samstag alle drei ran, wobei sich Rangelov dabei auf einer Position zwischen rechtem Mittelfeld und Sturmspitze wiederfand. Ebenfalls nomineller Stürmer, aber auch im offensiven linken Mittelfeld denkbar ist der Däne Dennis Sörensen, so etwas wie der Stareinkauf vor der vergangenen Saison. Der fünffache Nationalspieler brachte es in jener Spielzeit immerhin auf sechs Tore, genauso viele wie sein Sturmpartner Rangelov. Am Samstag war Sörensen dann für den ersten Treffer von Energie in der laufenden Saison verantwortlich. Im linken Mittelfeld könnte auch wieder Ivica Iliev zum Einsatz kommen, ein Serbe mit Serie-A-Erfahrung, er war zu Saisonbeginn gesetzt, musste gegen Bochum aber systembedingt auf die Bank. Die klassische Zehnerposition im Cottbusser Mittelfeld bekleidet Ervin Skela. Der albanische Nationalspieler, der in Deutschland gefühlt schon für jede mittelmäßige Mannschaft im Einsatz war, ist als Spielmacher und Standardschütze unumstritten.

Schiedsrichter

stand bei Redaktionsschluß noch nicht fest, inzwischen wurde der 25-jährige Michael Kempter als Referee angesetzt. Der Bundesligaschiedsrichter pfiff die Borussia zuletzt am 21. Spieltag der vergangenen Saison beim Auswärtsspiel in Osnabrück (2:2), in diesem verhängte er einen Foulelfmeter für Osnabrück über den sich Borussenverteidiger Alexander Voigt in einem Nach-Spiel-Statement so in Rage redete, dass der Deutsche Fußball-Bund den gebürtigen Kölner mit einer Geldstrafe von 10.000 Euro belegte. Im DFB-Pokal betreute Kempter die Borussia zuletzt beim 4:1-Auswärtssieg beim unterklassigen SV Roßbach/Wied in der 1. Hauptrunde der Saison 2006/07.

Bilanz

Vor fast genau zehn Jahren trat Borussia schon einmal in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim damaligen Zweitligisten an. In jener Saison, die für Borussia mit dem ersten Bundesligaabstieg der Vereinsgeschichte enden sollte, gelang der Mannschaft von Friedel Rausch ein 4:2 Sieg durch Tore von Polster, Ketelaer und Pflipsen (2). Das Spiel explodierte in der Schlussphase förmlich. Erst in der 79. Minute schoss Karlheinz Pflipsen die Borussia mit 2:1 in Führung. Marcel Ketelaer baute diese in der 86. aus, Cottbus kam durch einen Elfmeter von Steffen Heidrich noch einmal heran ehe Pflipsen mit dem Schlusspfiff alles klar machte. Schon damals stand bei den Cottbussern Tomislav Piplica im Tor, der dem Kader ja immer noch angehört.
In Borussias erster Zweitligasaison kam es wieder zum Duell mit Energie. Beide Spiele endeten 2:2, das nicht gewonnene Heimspiel am 29. Spieltag sorgte am Ende mit dafür, dass Borussia ein weiteres Jahr im Unterhaus bleiben musste, während Energie aufstieg.
In der ersten Liga stehen zwei Siege, eine Niederlage und drei Unentschieden zu Buche - das denkwürdigste sicher kurz vor Saisonschluss 2002, als Marcel Witeczek kurz vor Schluss eine Bogenlampe auf den Kopf von Tomislav Piplica und von dort ins Tor setzte. Dieser Punkt sicherte Borussia damals den Klassenerhalt. Das letzte Aufeinandertreffen gab es in Borussias zweiter Abstiegssaison. Cottbus gewann mit 3:1, das Tor für Gladbach schoss David Degen. Grund genug, doch lieber wieder nach vorne zu blicken.

Aufstellungen

Cottbus: Tremmel - Radeljic, Kukielka, Cvitanovic, Ziebig - Angelov, Rost - Skela - Rangelov, Jelic (Iliev), Sörensen.
Ersatz: Piplica, Mitreski, Cagdas, Pavicevic, Vasiljevic, Rivic, Jula
Es fehlen: Shao (verletzt), da Silva (zuletzt nicht berücksichtigt)

Borussia: Heimeroth - Ndjeng, Callsen-Bracker, Daems, Voigt - Paauwe (Svärd), Alberman - Marin, Matmour (Rösler) - Friend, Neuville.
Ersatz: Gospodarek, Brouwers, Levels, Schachten, Jaurès, Kleine, van den Bergh, Bradley, Coulibaly Touma, Baumjohann.
Es fehlen: Colautti, Lamidi (verletzt)

Schiedsrichter: Michael Kempter (Sauldorf)
Schiedsrichterassistenten: Detlef Scheppe, Marco Fritz
Vierter Offizieller: Daniel Siebert

SEITENWAHL-Meinung

Christian Spoo: Wenn nicht jetzt, wann dann? Gegen defensiv agierende Cotbusser wird sich Borussia lange Zeit schwer tun, am Ende aber dank eines 1:0-Erfolges in die zweite DFB-Pokal-Hauptrunde einziehen.

Christoph Clausen: Sehen wir es positiv: Ab Dienstag kann sich die Borussia ganz auf den Abstiegskampf konzentrieren. Und vielleicht wird die Doppelbelastung für Energie Cottbus, einen der Konkurrenten in jenem Kampf, noch mal zum Handicap. Die Borussia unterliegt mit 1:2.

Mike Lukanz: Not gegen Elend? Einzig die Tatsache, dass es einen Gewinner geben muss, hält mich davon ab, auf 0:0 oder 1:1 zu tippen. Und da man in dieser Phase den Kopf noch nicht komplett im Sand vergraben hat, ringe ich mich zu einem 1:0 für Borussia durch.

Thomas Zocher: Es gibt Mannschaften und somit auch Jahre, in denen geht im Pokal nichts und in der Liga dagegen sehr viel, andersherum gibt es das auch. Und nach dem 2:1 der Borussia beim FC Energie in Cottbus wird man sich mit ängstlichem Blick fragen, ob dieses Jahr ein solches ist.

Hans-Jürgen Görler: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Und deshalb kann ausnahmsweise auch einmal der 18. den 16. schlagen. Nach einem 0:2 in einer bescheidenen Partie bei bescheidenem Wetter in der Lausitz ist der Traum vom Triple (Klassenerhalt, Pokalsieg, Fairplay-Klassenbester) für die Borussia erst einmal ausgeträumt.

Michael Heinen: Nach sehr mäßigen 120 Minuten endet die Partie zwischen Energie Cottbus und Borussia 0:0. Es kommt zum Showdown im Elfmeterschießen, bei dem Borussia leider mit 3:4 Toren den Kürzeren zieht.

Der FC Energie im Internet: http://www.fcenergie.de/

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  • Für den #effzeh gibt‘s jetzt nur noch eine Rettung. #PeterFürPeter
  • Die Europa League hat angerufen, sie möchte die #fohlenelf zurück! #UEL
  • @doerpm Geheimtipp: #stepontoe
  • Die Elf vom Niederrhein #Cando #CandosMelodie #CandoLieder
  • @Peter_Ahrens From carlo to cando
  • @JrgNeb "Sie kehrt zurück", steht im ersten Absatz im Artikel & wird ganz genau auf dem Bild angezeigt.
  • @frankie1960 Das ist nahezu das erste Mal, daß man auch in Mönchengladbach einen Treffer von Ulf Kirsten gutfinden kann! 🙂

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