Energie CottbusSie ersparen uns nichts. Nicht ein einziges Gefühl, das ein mitfiebernder Fan im Lauf einer Saison durchmachen kann. Enttäuschung, Angst, Hoffnung, Zorn, Resignation waren alle schon zu Gast im Karussell der Leidenschaften und als Überraschungsgast begrüßen wir seit Sonntag einen fast schon ausgeschiedenen Kandidaten zurück: Hoffnung leuchtet noch einmal auf, die – immer noch kleine – Möglichkeit, dass diese Saison ein gutes Ende finden kann. Das ganze Ausmaß dieses Wirbels der Gefühle wurde in der 90. Minute des Spiels gegen Schalke sichtbar, als sich nach dem späten Siegtreffer die emotionale Befreiung wuchtig Bahn brach: Mit einem Jubel wie ein Vulkanausbruch.

Wieder einmal hat es Borussia geschafft, eine Mannschaft zu schlagen, die im Kampf um die oberen Tabellenplätze steht. Was gegen die Abstiegskonkurrenz mit unschöner Regelmäßigkeit nicht gelingt, muss dann zumindest gegen Hamburg oder Schalke klappen. Im Grunde könnte es ja egal sein, wer uns mit den nötigen Punkten beliefert, sofern sie am Ende reichen. Wenn wir aber stattdessen  Bochum oder Cottbus aufpäppeln, werden die Sorgen nur umso größer. Für eine dieser vollkommen unnötigen Pleiten kann man sich nun in Cottbus revanchieren. Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein.

Borussias Defensive

Nach den verschiedenen Erkundungen, wie viele defensive Mittelfeldspieler eine Mannschaft aufbieten kann, war gegen Schalke wieder Normalität angesagt, mit Galasek vor der Abwehr und Bradley im zentralen Mittelfeld. Es spricht alles dafür, dass diese Formation auch in Cottbus wieder zum Zug kommt. Energie wird kommen müssen und Meyer wird die Mannschaft nach Möglichkeit kompakt halten.

Der zentrale Punkt der Abwehr, die Innenverteidigung, scheint sich nunmehr nach der Integration von Dande stabilisiert zu haben. Hatte der Brasilianer in den ersten Spielen  noch diverse Aussetzer, so hat er sich im Verbund mit Brouwers dem Druck der Schalker zu widersetzen gewusst. Es ist zwar nicht gerade eine Offenbarung an neuer Abwehrbrillanz, aber in den direkten Zweikämpfen macht Dante oft eine ganz gute Figur. Sein Anpassungsprozess an die Schnelligkeit der Bundesliga ist noch nicht abgeschlossen und eine weitere Leistungssteigerung zu erwarten. Es dürfte ganz wesentlich für einen glücklichen Saisonabschluss sein, dass sie bis zum Saisonfinale eintrifft.

Borussias Offensive

Kontrollierte Offensive gegen Schalke, gar keine gegen Bayern; Gladbachs Kreative haben unbefriedigende Spiele hinter sich. Das vorhandene Sturmpotential lässt wenig andere Optionen zu als den Versuch, mit Torgefahr aus dem Mittelfeld zum Erfolg zu kommen, aber auch da sind die Möglichkeiten beschränkt. Besonders, wenn Baumjohann maximal durchschnittliche Partien abliefert, ist eine erstligareife Offensive nicht in Sicht. Ganz egal, wie diese Spielzeit ausgeht, sind die Prioritäten für die Zugänge der nächsten Saison bereits gesetzt.

Rob Friend beschert uns dieser Tage ein déja vu. Leider nicht  mit ihm selber sondern mit der Geschichte, dass eine harmlos scheinende Blessur einen Spieler auf unabsehbare Zeit außer Gefecht setzt. Sein Ausfall bis zum Saisonende wird bereits kolportiert und Karim Matmour damit wohl weitere Einsätze im sogenannten Sturmzentrum erhalten. „Vorderster Spieler" wäre vielleicht eine angemessenere Bezeichnung. Auch wenn Colautti gegen Schalke sein erstes Bundesligator erzielte, gerade auswärts wird Meyer eher auf Matmours Laufstärke setzen, um Cottbus wenigstens ansatzweise in Atem zu halten.

Wichtiger als die Formation auf dem Papier dürfte es ohnehin sein, dass bei eigenen Möglichkeiten entschlossen nachgesetzt wird und mehr als 2 Borussenspieler zügig den Weg zum gegnerischen Tor suchen. Da auch Marins Stärke die Vorbereitung ist und nicht der eigene Abschluss, ist es wesentlich dass ausser Baumjohann auch Bradley bei eigenen Angriffen vorstößt. Nur auf diese Weise ist Borussia im Moment in der Lage, Tore planmäßig herauszuspielen, ohne auf den reinen Zufall angewiesen zu sein. Produktionen mit Flügelangriffen über Neuville werden nicht mehr oft vorkommen.

Daher kommt es gerade in Cottbus weniger auf die Aufstellung der Mannschaft an als auf deren Einstellung. In der Lausitz einen oder drei Punkte zu holen ist alles andere als ein Ding der Unmöglichkeit, aber dazu muss man bereit sein, Tritte und Schläge einzustecken und gelegentlich auch auszuteilen. Die Bereitschaft muss da sein, jeden Meter mitzulaufen und noch ein paar Meter mehr, über das ganze Spiel. Und alle Versprechungen zu erfüllen, die in den vergangenen Wochen über die Presse gemacht worden sind. Dann könnte auch der Wechsel der Emotionen mal einen Gang zurückschalten, zumindest für ein paar Tage.

Der Gegner aus Cottbus

Mit der Mannschaft aus der Lausitz verbinden sich die Vorstellungen von einer Auswahl osteuropäischer Spieler, die mit defensivem Spiel und oft übertriebenem Einsatz Jahr für Jahr im Abstiegskampf steht. Die Cottbuser selber sehen sich als Underdogs, die mit minimalem Budget im großen Geschäft mithalten wollen und die ihr fehlendes fussballerisches Potential mit maximalem Kampf wettmachen müssen, um nicht unterzugehen.

Das robuste Auftreten des einzigen Vertreters des einstigen Ostdeutschlands weckt bei den meisten Betrachtern nicht gerade besondere Sympathien. Keine fußballerischen Visionen wie in Freiburg, keine strahlende Trainerfigur wie in Mainz; Energie Cottbus wirkt um nichts attraktiver als ein ausgedehnter Braunkohleabbau. Vielleicht ahnt man in der Lausitz, dass es keinen Sinn hat, in der Öffentlichkeit das Bild der sympathischen Provinz besetzen zu wollen. Unabhängig von Mauerfußball und gelben Karten ist es aber trotzdem eine respektable Leistung, wenn sich eine Stadt von etwa 100.000 Einwohnern am Rand der Republik im bezahlten Fußball hält.

Eines kann man dem FC Energie sicher nicht vorwerfen: Dass er mit falschen Vorstellungen von spielerischer Schönheit im Abstiegskampf bestehen wollte. Wenn Borussia nur an zwei oder drei Spieltagen dieser Saison etwas mehr von „Hauen, kratzen, beissen Cottbus" gehabt hätte, stände sie wohl nicht so unter Zwang, im drittletzten Spiel derart dagegen halten zu müssen. Aber wenn sie es jetzt lernt, kann es immer noch reichen.

Cottbuser Defensive

Im Tor hat der gewöhnlich sichere Tremmel schon längst die Cottbuser Symbolfigur Piplica abgelöst. Viele Borussen hätten in Erinnerung an alte Zeiten sicher lieber den Kroaten zwischen den Pfosten gesehen. In der Verteidigung muss Trainer Prasnikar den gelbgesperrten Atan Cagdas ersetzen, was der ohnehin nicht sattelfesten Abwehr nicht gerade gut tun dürfte. Voraussichtlich wird Cvitanovic den Türken ersetzen.

Sofern die Aufstellung in der taktischen Formation die gleiche bleibt, reihen sich davor die beiden Sechser Kukielka und Rost ein, Kategorie „kampferprobte Haudegen". Wie die ganze Abwehr symbolisch für das Cottbuser Spiel: Kampfstark und mit unbedingter Laufbereitschaft, fußballerisch nicht mal Durchschnitt. Falls die Borussia den Kampf annimmt, werden sich die Möglichkeiten schon ergeben, zum Erfolg zu kommen.

Cottbuser Offensive

Die Niederlage gegen Bayern brachte Cottbus größere Probleme als der Umstand, dass drei Punkte weg waren, mit denen eh keiner so recht gerechnet hatte. Das größere Problem bestand im voraussichtlichen Ausfall von Dimitar Rangelov, der mit neun Treffern ein Drittel der Cottbuser Tore zu verantworten hat. Die möglichen Ersatzleute Jula und Jelic haben zwei bzw. drei Tore auf dem Konto und wären die deutlich geringere Gefahr. Auch bei Ivica Illiev ist es zur Stunde unsicher, ob er auflaufen kann. Wenn man sich daran erinnert, was der dribbelstarke Illiev im Pokalspiel mit Tobias Levels veranstaltet hat, dürfte man einen Ausfall des Serben getrost für einen Vorteil halten. Auch wenn inzwischen Paul Stalteri die Seite verteidigt, an der zuvor Levels Dienst hatte. Ganz sicher ist hingegen noch nichts bei der Aufstellung des FC Energie.

Hinter dem Sturm, in welcher Besetzung auch immer, zieht der Albaner Ervin Skela seine Kreise. Seine Laufbahn bei diversen Bundesligisten im Abstiegs- oder Aufstiegskampf wird seinen Fähigkeiten nicht ganz gerecht - Skela ist ein technisch feiner Regisseur, der mit Dribbelstärke und Übersicht gefährliche Angriffe einleiten kann. Wenn ihm wichtige Anspielstationen fehlen, würden auch seine Aktionen an Gefahr einbüßen, insofern muss man sich als Borusse ernsthaft dazu herablassen, auf gegnerisches Verletzungspech zu hoffen. Schließlich geht es um alles. Wieder mal.

Schiedsrichter

Die Ansetzung des DFB beschert uns als Spielleiter Florian Meyer mit den Assistenten Christian Dingert und Carsten Kadach, sowie den vierten Offiziellen René Hammer. Seinen letzten Einsatz bei einem Bundesligaspiel der Borussia hatte der Niedersachse Meyer am 11. Spieltag der laufenden Saison bei der 1:2-Heimniederlage der Borussia gegen Eintracht Frankfurt. Hierbei zeigte er sich als souveräner Leiter einer Partie, die in ruhigen Bahnen verlief.

Bilanz

Drei Treffen in der Bundesliga sind noch keine umfangreiche Statistik. Das Spiel aus der Saison 2001/02   hat jedoch seinen Platz in der kollektiven Erinnerung der Borussen, weniger durch sein Ergebnis von 3:3 als durch das sagenhafte Ausgleichstor in der 86. Minute durch Tomislav Piplica. Auch damals war es ein Spiel mitten im Abstiegskampf. Damals konnte Borussia ihn bestehen.

Aufstellungen

Cottbus: Tremmel - Pavicevic, Burca, Cvitanovic, Ziebig - Angelov, Kukielka, Skela, Rost, Jula - Jelic.
Ersatz: Piplica; Radeljic, Rivic, Bitroff, Rajnoch, Shao, Vasiljevic, Peterson, Sörensen
Es fehlen: da Silva, Kurth, Adi, Angelov, Illiev

Borussia: Bailly - Stalteri, Brouwers, Dante Bonfim, Daems - Marin, Galasek, Bradley, Baumjohann, van den Bergh - Matmour.
Ersatz: Heimeroth; Kleine, Levels, Paauwe, Colautti, Neuville, Callsen-Bracker,
Es fehlen: Friend, Gohouri, Alberman, Jaurès (alle verletzt)

Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Schiedsrichterassistenten: Christian Dingert, Carsten Kadach
Vierter Offizieller: René Hammer

SEITENWAHL-Meinung

Christian Spoo: Das Last-Minute-Tor vom Sonntag lässt die Hoffnung rund um den Borussia-Park sprießen. Der Sprössling wird leider nur drei Tage später schon wieder halb eingetrocknet sein. Gegen die entschlossen kämpfenden Lausitzer findet unsere Mannschaft kein Mittel. Am Ende steht eine ernüchternde 1:3-Niederlage und die Erkenntnis, dass man mit dem Relegationsplatz am Ende mehr als gut bedient wäre.

Mike Lukanz: Nein, auch das Spiel gegen Schalke war keine Offenbarung. Letztlich hatte Borussia lediglich das Glück, das sie in einigen Partien der Rückrunde nicht hatte. Fakt ist aber auch, dass sie noch kein Auswärtsspiel bei einem aktuell direkten Konkurrenten verloren hat. Dabei bleibt es auch am Mittwochabend, denn nach dem für viele überraschenden 2:0 in der Lausitz warten zwei Heimspiele (eines davon in Düsseldorf) in Folge, in denen der Klassenerhalt gesichert werden kann.

Christoph Clausen: Abstiegskampf mit Betonung auf der letzten Silbe: Nehmen die Borussen ihn an Mittwoch an und spielen in entscheidenden Momenten auch mal den einfachen statt den Zauberpass, sollte man zumindest einen Punkt mitnehmen können. Nach dem 1:1 bleibt im Tabellenkeller alles kuschelig beeinander.

Hans-Jürgen Görler: Bis zur 90. Minute hielt mein Tipp vom vergangenen Spieltag. Dann schlug Herr Colautti zu. In der Hoffnung, dass sich Ereignisse wiederholen, tippe ich diesmal auf ein 1:1.

Thomas Zocher: Es gibt Spiele, die zu durchleiden nicht lohnt. Das Tor von Roberto Colautti hat der jungen Borussenelf jedoch jeden Grund gegeben in Cottbus das zu tun, was am Sonntag besonders in der 1. Halbzeit nicht immer sichtbar schien: sich gegen den Abstieg aufzulehnen, ihn mit Macht zu verhindern. In der Lausitz gelingt der Borussia deshalb auch ein 2:2.

Michael Heinen: Spannend, aber nicht schön. So ist der Abstiegskampf und so wird auch das Spiel in Cottbus. Wenn sich Tremmel nicht kurzfristig noch verletzt und Piplica zu seinem Comeback verhilft, endet das Abstiegsendspiel 0:0, was Borussias Chancen auf den Klassenerhalt am Leben erhält.

Thomas Häcki: Ein Sieg wäre ein Befreiungsschlag. Doch die Borussia wäre nicht die Borussia, wenn sie es nicht bis zum Schluss eng machen würde. Ein 0:0 würde uns daher nicht schlecht zu Gesicht stehen.

Christian Heimanns: Die offensive Rasanz, die da aufeinander trifft, dürfte für ein 0:0 gut sein. Zudem scheint Borussia in dieser Saison erst in der letzten Minute des letzten Spiels ihr Schicksal entscheiden zu wollen; diesem Plan wäre alles andere als ein Unentschieden abträglich.

Der Gegner im Internet: www.fcenergie.de

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  • @chbiermann Aber die Fünfjahreswertung... 😉
  • Wir wussten übrigens schon immer, dass der #BVB Scheiße ist. #APNBVB
  • Man kann aus einem langweiligen 0:0 auf Zypern selbst in der 97. Minute noch einen Sieg machen. Wendt man Elfmeter schießen kann. #apnbvb
  • @kluettermann Zugegeben, wir haben dafür einen Telefonjoker benutzt! 😀
  • Im UEFA-Intertoto-Pokal am 24.07.2004 traf Igor de Camargo 2x zum 2:1 für KRC Genk in Dortmund, der BVB schied dadurch aus! #APNBVB #SkyCL
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