FC Energie CottbusEntgegen der populären Annahme, es handele sich beim Kellerduell Borussia gegen Energie um ein Sechs-Punkte-Spiel sei beruhigend vorausgeschickt, dass es im Borussia-Park am Samstag in Wahrheit maximal derer drei zu gewinnen gibt. Und selbst wenn Borussia ein weiteres Spiel, das sie nicht verlieren darf, verliert, wäre sie noch nicht abgestiegen. Angesichts der bis Weihnachten noch kommenden Gegner stellt die Partie gegen Cottbus allerdings realistisch betrachtet die letzte Gelegenheit dar, Punkte einzufahren, ohne sich vom Christkind vorab eine Riesensensation wünschen zu müssen. Will sagen: Borussia sollte gegen Energie Cottbus gewinnen. Egal wie. Sonst überwintert die Mannschaft auf einem Abstiegsplatz und so etwas macht schlechte Laune unterm Tannenbaum.


Borussia

"Gut mitgespielt" habe die Mannschaft bei der 1:3-Niederlage auf Schalke. Das bescheinigten Borussia nicht nur die mitgereisten Fans, sondern auch viele neutrale Beobachter. "Da haben wir schon viel schlechtere gesehen", war während und nach dem Spiel auch von vielen Anhängern des siegreichen Gegners zu hören. Hans Meyer hatte für solcherlei Komplimente nichts übrig. Die schwache Abwehrleistung schien ihn mehr zu bekümmern, als ihn das vergleichsweise muntere Spiel nach vorne erfreuen konnte. So ist mit Änderungen wohl auch am ehesten im Defensivbereich zu rechnen, während das Offensivpersonal am kommenden Wochenende wohl personell und hoffentlich auch spielerisch konstant bleibt.

Borussia Defensive

Deutlicher als beim Auswärtsspiel in Gelsenkirchen war es nie: Die Abwehr ist Borussias große Schwachstelle. Hanebüchene Stellungsfehler, schneckenhaftes Tempo und schlafmützige Reaktionszeiten zeichneten das Spiel einiger Akteure gegen Schalke aus. Uwe Gospodarek bleibt ausgenommen: Er machte auf Schalke nichts falsch. Steve Gohouri richtete in der zweiten Halbzeit als Rechtsverteidiger weniger Schaden an als in der ersten Tobias Levels und weniger Schaden als er selbst auf der Innenverteidigerposition. Von daher spricht einiges dafür, dass der Ivorer auch am Samstag die rechte Seite beackern wird. In der Innenverteidigung wird Filip Daems spielen. Auch hier hat das Schalke-Spiel wertvolle Erkenntnisse geliefert: Daems ist innen unverzichtbar, auf seiner angestammten Position links hinten ist er im derzeitigen Abwehrgefüge verschenkt. So sieht es auch Hans Meyer und so sagte er es nach der 1:3-Niederlage auch sehr deutlich. Da Jan-Ingwer Callsen-Bracker noch nicht wieder zur Verfügung steht und Roel Brouwers bei seinen letzten Einsätzen die nötige Stabilität fehlte, wird wohl Patrick Paauwe wiederum als Innenverteidiger respektive „freier Mann in der Abwehr“, wie auf Schalke von einigen Beobachtern bezeichnet, firmieren. Wer den Linksverteidiger gibt, ist die offenste Frage, wenn es um die Besetzung der Abwehr geht. Alexander Voigt ist wieder fit, Christian Dorda hat gegen Schalke eine halbwegs ordentliche Halbzeit hingelegt. Johannes van den Bergh dagegen sollte sich, wenn auch auf anderer Position, erst einmal wieder aus der Startelf gespielt haben. Eingedenk der Tatsache, dass Voigt in dieser Saison noch kein wirklich schlechtes Spiel gemacht hat (wiewohl auch kein wirklich gutes), spricht einiges für seinen Einsatz von Beginn an.
Wenn Patrick Paauwe hinten gebraucht wird, wird das Duo vor der Abwehr voraussichtlich Alberman / Bradley heißen. Gal Alberman ist gesetzt, trotz der inzwischen wohlbekannten Schwächen im Aufbauspiel. Daneben oder ein Stück davor könnte – vorausgesetzt seine Trainingsverletzung erweist sich nicht doch noch als Hemmnis – der in den letzten beiden Spielen etwas verbesserte Michael Bradley agieren. Alternativ könnte auch Sebastian Svärd eine erneute Chance auf seiner Lieblingsposition bekommen.

Borussia Offensive

Die Superminis - von Borussia vergrault, runtergeputzt, schlecht behandelt. Es kommen einem die Tränen, liest man, was sich einige fachkundige Kollegen in Ermangelung echten Sensationspotenzials rund um den Borussia-Park in diesen Tagen aus den Fingern saugen. Fakt ist: In den vergangenen zwei Spielen waren Marko Marin und Alexander Baumjohann jeweils Borussias Beste. Fakt ist auch: Baumjohann gehörte vorher nicht zu Borussias Besten – und das lag weder am bösen "Buhukay" noch am finsteren „Big Boss“, wie das kleinere der beiden bunten Blätter zu schreiben nicht müde wird. Baumjohann ist ein talentierter junger Spieler mit Potenzial, das er bislang nicht regelmäßig abzurufen weiß. Er wird gegen Cottbus eine weitere Gelegenheit dazu bekommen und die hoffentlich zu unserer aller Erbauung auch nutzen. Bei Marin liegt der Fall etwas anders, sein Potenzial ist deutlicher und es bleibt weitaus seltener ungenutzt. Hans Meyer hat völlig recht, die aufgeregten Diskussionen um seine Zukunft und das hysterische Hochjazzen seiner Leistungen nicht noch anzustacheln, sondern gelegentlich auf die Bremse zu treten. Man sollte ihm hoch anrechnen, dass er Marin damit etwas aus der Schusslinie nimmt, indem er sich selbst mit Äußerungen, um deren Kontroversepotenzial er sicher weiß, in selbige begibt.
Interessant ist die Frage, wie das Mittelfeld aufgestellt wird, wenn Michael Bradley wie in der Schalker Arena aus der Zentrale zurück vor die Abwehr muss. Johannes van den Bergh hat wie oben angedeutet gegen Schalke ein Spiel zum Vergessen absolviert. Dass Hans Meyer das allerdings schon wieder vergessen hat, ist wohl ausgeschlossen. Davon könnte Karim Matmour profitieren, zumal das Risiko, einen offensiver orientierten Mann zu bringen, gegen Cottbus geringer ist, als gegen Schalke. Dass Hans Meyer umstellt und es mit einem Zwei-Mann-Sturm Friend / Colautti versucht, wäre eine faustdicke Überraschung. Angesichts der Tatsache, dass dann kein echter Joker mehr auf der Bank säße und dass es auch im Training keinerlei Anzeichen für diese Überraschung gab, wird Friend wieder den einsamen Wolf im Sturm spielen.


Der Gegner aus Cottbus

Hätte Energie im September die Borussia nicht deutlich geschlagen, man wäre geneigt, von einem Gegner der leichteren Kategorie zu sprechen: Vorne harmlos, hinten nicht sattelfest und in der Tabelle noch unterhalb der Gladbacher angesiedelt. Allerdings muss man konstatieren, dass es angesichts der instabilen Verfassung der Meyer-Mannschaft wohl in dieser Saison überhaupt keine leichten Gegner gibt. Sprechen wir also von einer „lösbaren Aufgabe“ und stellen das Phrasenschwein wieder weg.

Cottbus-Defensive

Dreimal 6, einmal 5 – so die Noten des „kicker“ für die Abwehrspieler von Energie Cottbus im Auswärtsspiel bei Bayern München. Nun ist Spielerbenotung nach dem Schulprinzip im Allgemeinen schon eine diskutable Angelegenheit und die des „kicker“ im Besonderen oft Gegenstand von berechtigter Kritik (wenn auch weniger als die Witznoten der bunten Sonntagsgazetten), dennoch ist die Benotung der Cottbusser Verteidiger ein Indiz dafür, dass es sich nicht um die stärkste Abwehr der Liga handelt. Allerdings sitzt man aus Borussensicht in Abwehrdingen natürlich in einem zugigen Glashaus und sollte selbst kleinste Kiesel tunlichst liegen lassen.
Vor dem unumstrittenen Torhüter Gerhard Tremmel verteidigt weiterhin eine Vierer-Abwehrkette. Rechts Ivan Radeljic, innen Mariusz Kukielka und zuletzt regelmäßig der Türke Atan Cagdas, zweifacher Nationalspieler und in der Regel ein zuverlässiger Vertreter seines Fachs. Der etatmäßige Stammspieler Mario Cvitanovic ist nach Verletzung noch nicht wieder einsatzbereit. Die linke Abwehrseite bekleidet Daniel Ziebig, der Mann, dem oben angesprochener „kicker“-Redakteur nach dem Bayernspiel die Gnaden-5 angedeihen ließ.
Die Doppelsechs werden voraussichtlich Timo Rost und Marko Kurth bekleiden. Kapitän Rost ist der Dauerbrenner im Cottbusser Spiel, als einziger Feldspieler verpasste er in dieser Bundesligasaison noch nicht eine Minute. Allerdings könnte diese Serie nach dem Gladbachspiel reißen, droht doch die fünfte Gelbe Karte. Marko Kurth hatte in der vergangenen Saison als Spieler von Erzgebirge Aue zwei Mal das Vergnügen, gegen Borussia zu verlieren. In dieser Spielzeit war er lange Zeit nur Bankdrücker, kam auch beim Pokalsieg im September nicht zum Einsatz. Seit dem zehnten Ligaspieltag ist er aber stets dabei – vor allem, weil sich der etatmäßige zweite „Sechser“ Stanislav Angelov verletzt hat. Der Bulgare ist zwar seit dieser Woche wieder im Training, ein Einsatz in Gladbach, zumal von Beginn an, ist aber nahezu ausgeschlossen.
 
Cottbus-Offensive

Das in Gladbach vielfach geforderte 4-4-2 System mit zwei Stürmern ist auch bei Cottbus die Ausnahme. Beim Heimsieg gegen Karlsruhe ausprobiert kehrte Bojan Prasnikar in der Münchner Arena wenig überraschend zum etwas defensiveren 4-2-3-1 zurück. Trotz der Gladbacher Abwehrschwäche dürfte Letzteres auch am Samstag zur Anwendung kommen. So wird Dimitar Rangelov den Alleinunterhalter in vorderster Front geben – wenn auch typbedingt erfahrungsgemäß weniger isoliert als sein Gladbacher Konterpart Rob Friend. Im zentralen Mittelfeld agiert Ervin Skela, links daneben der Serbe Ivica Iliev oder – latent offensiver - der Däne Dennis Sörensen. Der käme auch für die rechte Seite infrage, wo zuletzt Stiven Rivic mehr schlecht als recht agierte.
Für den unwahrscheinlichen Fall eines Zwei-Stürmer-Systems kämen Emil Jula oder Branko Jelic für die Anfangsformation infrage. Dabei wäre der Einsatz des kantigen Emil Jula eher überraschend. Der Rumäne kam bisher in dieser Saison meist nur zu Kurzeinsätzen und schoss noch kein einziges Tor. Das möge so bleiben. Branko Jelic traf immerhin schon drei Mal, was ihn neben Rangelov zum Torjäger Nummer eins bei Energie macht.

Schiedsrichter

Der in München residierende Peter Sippel kommt zu seinem ersten Saisoneinsatz in Verbindung mit der Borussia. Die wiederum hat zuletzt richtig hervorragende Erinnerungen an den Diplom-Betriebswirt sammeln können, war der Bayer doch der Referee, als die Borussia am 31. Spieltag der letzten Saison beim 7:1-Erfolg bei Kickers Offenbach den höchsten Auswärtssieg der letzten 20 Spieljahre ihrer Historie einfahren konnte. Dort erkannte er der Borussia zwei Elfmeter und den Offenbachern zwei Feldverweise zu, doch in Erinnerung ist der 39-jährige auch als Schiedsrichter der Auswärtspartien der Borussia beim 1. FC Kaiserslautern in den Jahren 2001/02 und 2002/03. Mit seinen dortigen Leistungen tat er der Borussia wiederum wahrlich nicht gut. Besonders die ausgedehnte Nachspielzeit im August 2001, mitsamt dem fatalen Siegtreffer der Lauterer und dem vorhergehenden Strafstoß für die Pfälzer, stößt auch heute noch bitter auf.

Das letzte Bundesligaheimspiel unter Sippels Leitung verlor die Borussia am 08. November 2006 mit 0:2 gegen den FC Schalke 04, es war das erste und bislang einzige Bundesligaspiel von Tim Rubink für die Borussia.

Bilanz


In Borussias erster Zweitligasaison trafen beide Teams erstmals im Ligabetrieb aufeinander. In jener Saison stieg Cottbus auf, Borussia verpasste die direkte Rückkehr ins Oberhaus. Die direkten Duelle endeten jeweils 2:2.
In der ersten Liga spielten beide Teams bisher sechs Mal gegeneinander. Zweimal gewann Borussia, einmal hatte Energie die Nase vorn. Dreimal wurden die Punkte geteilt. Zum letzten Mal in der Liga sahen sich beide in der Saison 2006/07. In Cottbus gewann Energie mit 3:1. An das letzte Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften überhaupt sei nur kurz erinnert: im DFB-Pokal unterlag Borussia am 23. September im Stadion der Freundschaft mit 0:3 nach Elfmeterschießen innerhalb der regulären Spielzeit.

Aufstellungen


Borussia: Gospodarek – Gohouri, Daems, Paauwe, Voigt – Alberman, Bradley – Matmour, Baumjohann, Marin – Friend
Ersatz: Heimeroth, Levels, Brouwers, Dorda, van den Bergh, Svärd, Jantschke, Ndjeng, Colautti
Es fehlen: Kleine, Jaurès, Callsen-Bracker, Schachten, Neuville (verletzt bzw. rekonvaleszent) Touma, Coulibaly, Rösler (nicht mehr berücksichtigt)

Cottbus: Tremmel – Radeljic, Kukielka, Cagdas, Ziebig – Rost, Kurth – Iliev, Skela, Sörensen – Rangelov
Ersatz: Piplica, Pavicevic, Rivic, Shao, Angelov, Vasiljevic, Jelic, Jula
Es fehlen: Cvitanovic, da Silva (verletzt bzw. rekonvaleszent), Mitreski (suspendiert)

Schiedsrichter: Peter Sippel (München)
Schiedsrichterassistenten: Walter Hofmann, Tobias Christ
Vierter Offizieller: René Kunsleben

SEITENWAHL-Meinung

Christoph Clausen
:Wie in Bielefeld wieder ein Spiel der Kategorie "Wenn wir die nicht schlagen, wenn denn dann?". Hoffen wir, dass es wie gegen Bielefeld mit einem 2:0-Sieg ausgeht.

Hans-Jürgen Görler:Nach zwei harten Brocken trifft die Borussia endlich wieder auf einen leichteren Gegner. Cottbus kann man nicht nur schlagen, angesichts der Tabellensituation und zwei noch ausstehender Partien ohne Punktegarantie muss man Cottbus sogar schlagen. Möglicherweise geht man mit lediglich 14 Punkten in die Rückrunde. Zum Klassenerhalt fehlen dann noch 20 bis 25 Punkte, diese sollten doch zu holen sein. Aber vorher muss ein 2:0 gegen das Team aus der Lausitz her.

Christian Heimanns: folgt...

Michael Heinen: Nach den "einfachen" Spielen gegen die Bayern und Schalke findet sich Borussia jetzt in der Favoritenrolle wieder. Auch wenn ihr dies in der vorigen Saison gut lag, wird man sich gegen Cottbus sehr schwer tun. Am Ende steht ein mühsamer 1:0-Erfolg, der den Abstand nach unten etwas erträglicher gestaltet.

Mike Lukanz
: Boah, Cottbus! Metaphernbetrunken von Joachims Seitenwechsel mit Maik sind die Lausitzer ganz sicher keine Naturkerzler, selbst für Elektrokerzen reicht es nicht. Sie sind ein Foto, auf dem eine Elektrokerze auf einem 2,50-Euro-der-Quadratmeter-Laminat aus'm Bauhaus (mit 20% Rabatt) abgebildet ist. Gegen die kannste nicht glänzen. Ein gutes Spiel ist eben wie guter Sex: Es gehören immer zwei dazu. Am Samstag ist nur wichtig, dass einer überhaupt einen Höhepunkt hat, und das wird Borussia sein. Sie gewinnt 1:0.

Christian Spoo
: Borussia muss gewinnen, Borussia wird gewinnen. Das wieder lebendiger gewordene Spiel nach vorne – gesehen gegen Bayern und Schalke – gepaart mit einer etwas weniger geforderten Abwehr sorgt dafür, dass am Ende ein deutlicher 4:1-Sieg steht.

Thomas Zocher: Punkteprognosen, die in den letzten Tagen gemacht worden waren, werden nach dem Schlußpfiff noch hinfälliger werden. Durch das pure Ergebnis, da man dann nicht mehr wetten und tippen muss, sondern sich auf ein Resultat mehr verlassen. Da die Borussia dieses Mal vor eigenem Publikum spielt und die bösen Elfmeter auf der schwarzen Liste stehen, siegt die Borussia mit 2:1.

Der FC Energie im Internet: http://www.fcenergie.de/

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