FC Bayern MünchenDer Klassiker“ – so heißt es regelmäßig, wenn die beiden Vereine, die einst den deutschen Fußball prägten, aufeinander treffen. Das reflektiert die herausragende Rolle von Bayern und Borussia in den 70er Jahren, ein Erbe, an der man in Gladbach immer noch und immer wieder sehr schwer trägt. Denn das ist die Zeit, an der sich noch jeder für Borussia tätige Trainer, Manager, Spieler und Funktionär messen lassen muss. Irgendwann, so scheint es im Fanbewusstsein tief verankert zu sein, irgendwann kommen wir wieder da hin, wo wir damals waren und immer noch irgendwie „hingehören“. Es war die Zeit, in der bei Borussia das Fundament gelegt wurde, für viele Probleme, die später kommen sollten.
Auch in München hängt man durchaus gerne Erinnerungen an die goldenen 70er nach. Sicher spielte damals eine der besten Bayern-Mannschaften im Olympiastadion. Seit damals ist im Bewusstsein der Bayern-Anhänger tief verankert, dass alles unter Platz eins in der Liga und dem Endstadium des Europacups bzw. der Champions-League unter der Bayernwürde ist. Es war die Zeit, in der bei Bayern das Fundament gelegt wurde für all die Erfolge, die später kommen sollten.

Der Unterschied ist damit hinlänglich beschrieben – und die Situation vor dem 13. Spieltag in der Saison 2008/2009 ist entsprechend: hier der Rekordmeister mit seinem stargespickten Team, der sich nach holprigem Start anschickt, die Bundesligaspitze zu erobern.  Da der Aufsteiger, der bisher eine Seuchensaison spielt und nur dank des glücklichen Sieges in Bielefeld die Abstiegsränge verlassen konnte. Die Rollen für Samstag sind klar verteilt: trotz des vermeintlichen Heimvorteils ist Borussia krasser Außenseiter.

Borussia


Für das Selbstbewusstsein der Fans war der Sieg in Bielefeld extrem wichtig. Nach den Katastrophenauftritten zuvor in Wolfsburg und gegen Frankfurt hätte eine weitere Niederlage die Stimmung wohl weit unter den Nullpunkt absinken lassen – oder bei emotionaler gewirkten Anhängern den Zorn schon wieder Richtung Siedepunkt aufgeheizt. Ganz sicher wäre die Angst, das rettende Ufer weit vor der Zeit aus dem Auge zu verlieren angesichts der zwei nun folgenden Spiele gegen Bayern und bei Schalke ins Unermessliche gestiegen. Ein starker Uwe Gospodarek und ein blendend aufgelegter Marko Marin waren es vor allem, die uns gelassener den beiden großen Aufgaben entgegensehen lassen.

Borussia Defensive

Uwe Gospodarek hat mit seiner Leistung in Bielefeld fürs erste die Kritiker zum Verstummen gebracht. Er wird gegen Bayern genug Gelegenheit bekommen, sich abermals auszuzeichnen.
Ob die Viererkette, die gegen Bielefeld auf dem Platz stand, so noch einmal aufläuft, hängt nicht zuletzt davon ab, in welcher Rolle Hans Meyer den genesenen Patrick Paauwe sieht. Dass Paauwe wieder ins Team rücken wird, hat Meyer schon deutlich gemacht, wo er eingesetzt wird, ließ er aber offen. Rückt er in die Innenverteidigung, verdrängt er entweder den am vergangenen Samstag bestenfalls soliden Roel Brouwers aus der Anfangsformation, oder aber den Debütanten von Bielefeld, Christian Dorda – dann nämlich wenn Meyer Filip Daems aus der Innen- in die Außenverteidigung beordern sollte. Auf rechts dürfte Tobias Levels weiter das Vertrauen des Trainers genießen – schon mangels Alternativen, aber auch dank im Rahmen seiner Möglichkeiten sehr ordentlicher Auftritte seit er wieder in die Mannschaft gerückt ist. Steve Gohouri, der sowohl für die rechte Seite der Viererkette als auch für die Innenverteidigerposition in Frage käme, scheint noch kein Kandidat für die Startelf zu sein, zumindest äußerte sich der Trainer dahingehend.
Möchte Hans Meyer Patrick Paauwe auf seinen angestammten Platz im defensiven Mittelfeld einsetzen, wird der Niederländer dort wohl im halbwegs bewährten Verbund mit Gal Alberman spielen. Michael Bradley müsste in diesem Fall entweder nach vorne rücken – oder raus. Albermans wahrscheinlichste Rolle ist die eines „Kettenhundes“ für Franck Ribéry. Kann der Israeli ihn ähnlich aus dem Spiel nehmen wie am dritten Spieltag den Bremer Spielmacher Diego, hätte Borussia eine der größten Stärken des FC Bayern neutralisiert.

Borussia Offensive

Die angesichts der bisherigen Ausrichtung der Borussia schon fast experimentell zu nennende Aufstellung mit zwei Stürmern in Bielefeld hatte gerade mal 45 Minuten Bestand. Entsprechend unwahrscheinlich ist es, dass Hans Meyer gegen die Bayern Rob Friend und Roberto Colautti gemeinsam von Beginn an spielen lässt. Zudem gibt es nach der Verletzung von Oliver Neuville beim U23-Einsatz kaum noch eine Variante zum offensiven Auswechseln, wenn beide Stürmer starten. Voraussichtlich wird es also wieder auf den Ein-Mann-Sturm Rob Friend hinauslaufen. Davon würde Alexander Baumjohann profitieren, neben Marko Marin der derzeit der offensivbegabteste von Borussias Mittelfeldspielern. Marin spielt sicher und auch Johannes van den Bergh hat bei seinen bisherigen Einsätzen genügend Argumente gesammelt, die für einen Einsatz auch gegen Bayern sprechen. Karim Matmour bliebe damit wieder nur der Platz auf der Bank. Michael Bradley käme für den offensiveren Mannschaftsteil wohl nur dann in Frage, wenn Meyer doch auf die Zwei-Stürmer-Variante zurückgriffe. Marcel Ndjeng scheint derzeit gar kein Kandidat für die Startelf zu sein.

Der Gegner aus München


Klinsmann: Das klang vor der Saison nach aufgebrochenen Strukturen beim FC Bayern, nach einer neuen Form der Außendarstellung, nach Machtverschiebung, womöglich sogar nach Fußball der attraktiven und offensiven Art. Dann kamen die Buddhas, ein paar maue Scharmützel mit der Presse und sonst nicht viel. Der Saisonstart verlief nicht nach Plan, erste Apologeten der „Mechanismen des Geschäfts“ sahen in Jürgen Klinsmann schon den zweitgefährdetsten Trainer der Liga (nach Jos Luhukay selbstverständlich) - aber der Blick auf die aktuelle Tabelle zeigt: So wild war das alles nicht. Die Bayern haben sich bekrabbelt, fünf Mal in Folge gewonnen und schicken sich an, standesgemäß in den Titelkampf einzugreifen. Wer sich von Klinsmann eine Revolution erhofft hat, wurde bislang enttäuscht. Denn Bayern spielt, wie Bayern halt spielt. Meist erfolgreich, leidlich attraktiv. Wenn Klinsmann die Tiefenstruktur des Vereins verändert haben sollte, hat er das bemerkenswert leise getan. Womöglich hat sich aber auch einfach nichts verändert.

Bayern Defensive

Dass Michael Rensing es nicht leicht haben würde, sich als Nachfolger von Oliver Kahn zu etablieren, war zu erwarten. Er macht seine Sache ordentlich, nicht ganz fehlerlos, eher unspektakulär. Bisher ist das genug, um eine Torwartdiskussion zu unterbinden. Begeisterung konnte Rensing derweil nicht entfachen, das vom Münchner Boulevard kolportierte Interesse der Bayern an Leverkusens René Adler ist Beleg genug.
Die Innenverteidigung der Bayern ist in dieser Saison bis heute Stein gemeißelt: Martin Demichelis und Lucio haben die Stammplätze inne. Für Daniel van Buyten ist nur Platz, wenn einer der beiden ausfällt oder wenn Demichelis – was in dieser Spielzeit aber nur einmal vorgekommen ist – im Mittelfeld aushelfen muss. Der einst als eins der größten Talente der Bundesliga geltende Breno spielt weiterhin keine Rolle. Auf der rechten Seite der Viererkette konnte der kurz nach Saisonbeginn vom AC Mailand ausgeliehen Massimo Oddo bisher nie überzeugen, möglicherweise wird anstelle seiner Christian Lell in die Startelf rücken. Der verteidigte in dieser Saison auch gelegentlich auf links, dort aber setzte Klinsmann zuletzt aber auf Zé Roberto als Ersatz für den verletzten Philipp Lahm. Der Nationalspieler ist am Samstag erstmals nach seiner Fußwurzelbruch wieder im Kader, womöglich spielt er direkt von Anfang an.
Zé Roberto würde in diesem Fall ins Mittelfeld rücken und sich gemeinsam mit Mark van Bommel um den Spielaufbau von hinten kümmern. Auch Tim Borowski zeigte im Mittelfeld zuletzt durhchaus ansprechende Leistungen, könnte aber auch weiter vorne spielen. Der zu Saisonbeginn noch als Stammplatzkandidat geltende Andreas Ottl scheint im Moment keine Chance auf einen Platz in der Startelf zu haben.

Bayern Offensive


Wie Philipp Lahm ist auch Bastian Schweinsteiger rechtzeitig zum Spiel im Borussia-Park wieder fit und somit auch ein Kandidat für die Anfangsformation. Toni Kross ersetzte ihn beim Sieg auf Schalke am vergangenen Sonntag eher schlecht als recht. Ohnehin kommt der hochtalentierte junge gebürtige Vorpommer in dieser Saison bisher nicht richtig voran. Schon wird spekuliert, ob die Bayern ihn nicht wie schon bei vielen jungen Spielern (Babbel, Lahm, Trochowski, Hummels) praktiziert, an einen Bundesligakonkurrenten ausleihen und bei entsprechender Entwicklung nach einem oder zwei Jahren zurückholen sollte.
Im linken Mittelfeld spielt Franck Ribéry seit Wochen in Topform, weswegen die oben angesprochene Sonderbewachung durchaus angemessen scheint. Im Sturm der Bayern ist für Lukas Podolski nach der Rückkehr des Luca Toni kein Platz mehr. Er wird sich das Spiel voraussichtlich die längste Zeit von draußen ansehen und dabei vom 1. FC Köln träumen, für den er gerne schon in der Rückrunde gegen Gladbach träfe. Toni und Miroslav Klose bilden am Samstag das Angriffsduo.

Bilanz

Beim letzten Aufeinandertreffen im Borussia-Park hatten die Gladbacher das bessere Ende für sich. Uwe Gospodarek wuchs an jenem Sommerabend über sich hinaus und hielt einen vielumjubelten 2:1-Sieg fest. Leider war diese Partie nur ein Testspiel, die nach dem Abstieg neu formierte Gladbacher Elf machte den Fans in dieser Partie Hoffnung auf eine gute Saison. Eine Hoffnung, die – manche haben es womöglich schon wieder vergessen – mehr als erfüllt wurde. Das letzte Pflichtspiel der Bayern gegen Borussia wurde in der Münchner Allianz-Arena ausgetragen. Im DFB-Pokal unterlagen die Gladbacher trotz engagierter Leistung mit 1:3.
Schauen wir auf die Begegnungen in der Bundesliga, so ist festzuhalten, dass sich die Heimbilanz der Borussia gegen Bayern sehr ordentlich ausmacht: 17 Siege, 14 Unentschieden und nur neun Niederlagen. In München sieht es deutlich anders aus, dort konnte Borussia nur ein einziges Mal gewinnen, am 14. Oktober 1995 durch Stefan Effenberg und
Ein Eigentor von Andreas Herzog.
Am Bökelberg hatten die Gladbacher 16 Mal die Nase vorn, im Borussia-Park gab es einen Sieg. Vor gut vier Jahren gelang der nach der Entlassung von Holger Fach von U-23-Trainer Horst Köppel betreuten Gladbacher Mannschaft ein als sensationell empfundener 2:0-Erfolg durch Tore von Macrelo Pletsch und Joris van Hout. Die Euphorie hielt sich nur kurz. Wenige Tage später kam Dick Advocaat. Hätte Horst Köppel einige Monate später nicht der Versuchung nachgegeben, dauerhaft Trainer der Bundesliga-Mannschaft zu werden, er wäre mit diesem Spiel unsterblich geworden, ein Kandidat fürs Borussen-Denkmal in der Eickener Fußgängerzone. Das letzte Pflichtspiel der Bayern im Borussia-Park gewannen sie mit 3:1. Wesley Sonck gelang der Ehrentreffer für eine ansonsten wenig ehrenhaft auftretende Borussia, die dem zweiten Abstieg entgegentaumelte. Fünf Spieler aus der damaligen Bayern-Mannschaft sind auch am Samstag an Bord (Demichelis, Lahm, Schweinsteiger, Lucio, Zé Roberto), bei Gladbach ist es mit Filip Daems nur ein einziger.

Schiedsrichter


Zum zweiten Mal in dieser Saison pfeift Michael Weiner ein Spiel der Borussia. Bei der 0:1-Niederlage in Hamburg verweigerte er den Gladbachern nach Foul von Mathijsen an Patrick Paauwe einen Elfmeter, über dessen mögliche Berechtigung auch nach dem Spiel keine Einigkeit herrschte. Ansonsten machte Weiner in diesem Spiel nichts falsch. Als Glücksbringer taugt der 39-Jährige FIFA-Schiedsrichter für Borussia keinesfalls. Fünfzehn Spiele mit Gladbacher Beteiligung leitete Weiner, neun Mal verlor Borussia, ein einziges Mal konnte sie gewinnen, 2005/2006 gegen den 1.FC Köln.

Aufstellungen

Borussia:
Gospodarek – Levels, Brouwers (Paauwe), Daems, Dorda – Alberman, Paauwe (Bradley) – van den Bergh, Baumjohann, Marin – Friend.
Ersatz: Heimeroth, Gohouri, Heubach, Ndjeng, Matmour, Colautti.
Es fehlen: Callsen-Bracker, Kleine, Schachten, Voigt, Jaurès, Svärd, Neuville (verletzt bzw. rekonvaleszent), Rösler, Touma, Coulibaly (nicht mehr berücksichtigt)

Bayern: Rensing – Lell, Lucio, Demichelis, Lahm – Zé Roberto, Van Bommel – Schweinsteiger, Ribéry – Klose, Toni
Ersatz: Butt, Oddo, van Buyten, Breno, Borowski, Ottl, Kroos, Sosa, Podolski.
Es fehlen: Sagnol, Altintop (verletzt)

SEITENWAHL-Meinung

Christoph Clausen: Wer Ribéry ausschaltet, schaltet Bayerns Offensive aus, heißt es manchmal. Am Samstag ist die Diskussion müßig, denn die Borussen haben auf der rechten Seite niemanden, der Ribéry ausschalten könnte. So reichen den Bayern einige geniale Aktionen des Franzosen, um bemühten Gladbachern ihre Grenzen aufzuzeigen und mit einem ungefährdeten 2:0 nach Hause zu fahren.

Hans-Jürgen Görler: Die Bilanz der letzten Jahre gegen den Rekordmeister sieht nicht so übel aus wie man vermuten würde. Am Sonnabend dürfte gegen die wieder erstarkten Bayern aber wohl nichts zu holen sein. Die Borussia unterliegt nach einer interessanten Partie mit 1:3.

Christian Heimanns: Ein Besuch der Bayern kommt nie gerade günstig, auch jetzt, in der Findungsphase nach dem Trainerwechsel, würde man ihn gerne verschieben. Die Bayern gewinnen mit 2:1 und es wird heissen, Borussia habe gut mitgehalten. In Schalke dürfen sie dann besser mithalten.

Michael Heinen: Die Bayern spielen zwar nicht überragend, aber wahnsinnig effizient. Unsere Elf wird mit großem Kampf dagegenhalten und am Ende viel Lob erhalten, so lange ordentlich mitgehalten zu haben. Die Punkte gehen durch das 1:2 aber dennoch verloren und es fehlt nicht mehr viel, ehe irgendein Boulevardblatt den Begriff der Heimdeppen in die Diskussion einbringt.

Mike Lukanz: Machen wir es kurz: Bayern ist seit 20 Jahren eine Nummer zu groß. Aktuell gleich deren zwei. Hoffen wir zumindest auf ein unterhaltsames Spiel, in dem Borussia dagegen hält, die Gäste aber immer dann einen Gang hochschalten, wenn sie es müssen. Borussia verliert 2:4.

Christian Spoo:
Borussia hat in Bielefeld drei Punkte geholt, aber nicht souverän gewonnen. Aus den Chancen der Arminen hätten Stürmer vom Format Klose/Toni fünf Tore gemacht. Da Franck Ribery bei Gal Alberman in guten Händen ist, wird es so arg nicht kommen. Trotzdem unterliegt Borussia nach engagiertem aber ineffektivem Spiel mit 1:3.

Thomas Zocher: Mühsame Eichhörnchen, diese Mönchengladbacher Borussen. Sie haben nichts zu verlieren und knüpfen an eine Leistung an, die ihnen am dritten Spieltag einen Sieg geschenkt hatte. Da die Münchener Bayern besser verteidigen als Werder Bremen, fahren sie nicht mit einer Niederlage heim. Aber auch nur mit einem Punkt, 2:2.

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