VfL WolfsburgNa, heute auch brav auf der Beifahrerseite in den Volkswagen geklettert und anschließend auf der Bahn schön den Geisterfahrer gemacht? Immerhin befinden wir uns gerade mitten in einer sogenannten „englischen Woche“. Also wird es doch wohl erlaubt sein, eine der widersinnigsten Wortverbindungen des Fußballberichterstattersprechs auch entsprechend beim Wort zu nehmen. Wobei ein Fußball-Spiel an sich, hingegen, so herrlich einfach sein kann. Wenn man gewinnt und damit die Resultate handfest auf seiner Seite hat.

Wie Hans Meyer gegen Karlsruhe. Obwohl jedem Mündigen hoffentlich klar ist, dass in Ermangelung umfassender Bilder und bleibenden Eindrücken nach lediglich einer Hand voll Arbeitstagen es schwerlich ein Effekt des neuen Trainers ist, dass die Tabellensituation für die Borussia nicht mehr völlig betrüblich erscheint. Für die jetzt anstehende Auswärtspartie im östlichen Niedersachsen beim UEFA-Pokal-Teilnehmer VfL Wolfsburg ändert das zwar nicht viel mehr als das Bauchgefühl, allerdings kann so etwas manchmal durchaus einen Spielausgang in eine andere Richtung beeinflussen.

Borussias Defensive

Während sich der Boulevard in den ersten Tagen daran ergötzt hatte, Hans Meyer eine „Streichliste für den Winter" mit auf den Weg zu geben und dem 65-jährigen in der „Torwartfrage" zu assistieren, tat der wieder beschäftigte Cheftrainer das Erwartbare: er beschränkte sich auf die allernötigste Umstellung.

Diese betraf die Defensive, in der Meyer für den verletzten Gohouri mit Sebastian Svärd einen Vertreter für die rechte Abwehrseite ins Rennen schickte, der mit entsprechenden Leistungen auf dieser Position sich dieser Rolle für die Zukunft ergattern könnte und damit gegebenenfalls einen leichteren Weg in die Stammformation finden würde, als wenn er sich im zentralen Mittelfeld gegen etablierte Kräfte (Paauwe) oder Neuankömmlinge (Alberman, Bradley) weiterhin gehörig die Zähne ausbeißt. Gleichwohl muss der ehemalige Nachwuchsprofi von Arsenal London sich auf dieser Position auch dann erst einspielen, wenn er dennoch bereits als die dauerhafteste aller momentan greifbaren Überbrückungslösungen erscheint. Weil er fußballerisch besser ist als Steve Gohouri oder Tobias Levels, weil er defensivstärker ist als Marcel Ndjeng & schneller auf den Füßen ist als Jan-Ingwer Callsen-Bracker.

Einen wesentlich schlechteren Einstand hatte da in der Woche zuvor schon Uwe Gospodarek im Tor der Borussia. In Bochum wackelte der Bayer beim großen Teil seiner unmittelbaren Situationen, konnte sich bei flachen Bällen in Richtung seines Strafraums oft nicht sofort auf eine Verhaltensweise (Rauslaufen!?, Drinbleiben!?) entscheiden und blieb bei hohen Bällen in den Sechzehner (vornehmlich bei Standards) gerne beharrlich auf der Linie pappen. Selbst wenn eine sofortige Präsenz im Fünfer vonnöten gewesen wäre. Entschied sich der 35-jährige jedoch seine Torlinie auch einmal zu verlassen, irrte er in einer Weise durch jenes Hoheitsgebiet, das man als Zuschauer geneigt war Borussias Funktionsteam zu bitten, dem Schlussmann per sofort das Navigationssystem des vereinseigenen Mannschaftsbusses dafür zur Verfügung zu stellen.
Gegen Karlsruhe gelang dem „Michael Rensing von Raimond Aumann“ am Samstag allerdings bereits ein besseres Spiel, mit zwei starken Paraden zur rechten Zeit. So dass es möglich scheint, dass der Straubinger mit zunehmender Spielpraxis insgesamt einen gefestigten Eindrück als erster Borussentorwart hinterlassen könnte – die Argumente, ihn umgehend wieder zu ersetzen, sind nach seiner Leistung vom Samstag jedenfalls viel beliebiger als noch in der Woche zwischen Bochum und Karlsruhe.

(Update: Erst einige Stunden nach Fertigstellung des Vorberichts wurde bekannt, dass Uwe Gospodarek mit einer Muskelverhärtung im Oberschenkel für das Spiel in Wolfsburg nicht zur Verfügung stehen und somit wieder Christofer Heimeroth zwischen die Borussenpfosten rücken wird!)

Nicht allein aufgrund seines Kopfballtreffers in Bochum machte Innenverteidiger Thomas Kleine von all diesen sogenannten Debütanten in diesen zwei zurückliegenden Spielen den insgesamt besten Eindruck. Gegen Karlsruhe war der seit Tagen an der Schulter lädierte ähnlich aufmerksam wie in Bochum und unterstrich ferner die Komplimente, die man dem kopfballstarken Wermelskirchener auch schon während seinen partiellen Einsätzen in der vergangenen Rückrunde in Borussias Anfangsformation machen konnte: aufgeräumt, einsatzfreudig, zuverlässig. Deshalb dürfte Kleine auch zunächst einen der Plätze in der zentralen Deckung erobert haben und, gemessen an seinen momentanen Einsatzzeiten, für manchen auf Krawall gebürsteten Berichterstatter rund um die Borussia sicher als der „große Gewinner des Trainerwechsels" erscheinen; so wie umgangssprachlich bei Sonnentiefststand selbst Zwerge lange Schatten werfen.

Während in der Restabwehr von Filip Daems und Alexander Voigt Arbeit abgeliefert wird, die man von beiden Protagonisten in dieser Weise stets erwarten kann, muss mit Spannung der Blick auf das zentrale, eher defensive, Mittelfeld gelegt werden. Hier auf diesen Arbeitsplätzen wird manches Spiel gern verloren und hier auf diesen Positionen hat die Borussia jedoch gleich vielfältige Besetzungsmöglichkeiten. Wenn der enorm geschmeidige Gal Alberman, der eher strategische Patrick Paauwe und der noch bloß hochgepriesene Michael Bradley Filip Daems und Alexander Voigts Leistungskontinuität adaptieren könnten, dürften sie in den kommenden Wochen keine Kurzarbeiter werden.

Borussias Offensive

Ist es nun ein 4-3-3, das Hans Meyer gewöhnlich auf den Rasen bringen lässt? Oder ist es nicht vielmehr ein 4-5-1? Eine Frage, die für den Moment für die Saisonausbeute der Borussia so wichtig ist wie zum Beispiel allgemein die Frage, ob Borussias Ex-Trainer Holger Fach sein Traineramt beim FC Augsburg auch wirklich bis zu seinem ordinären Vertragsende ausüben darf. Eine Frage aber, die man natürlich dennoch diskutieren kann. Irgendwann. Und irgendwann muss man sich dann eben entscheiden, ob es im Fußball der heutigen Prägung (in dem „die Kompaktheit" ein führender Begriff geworden ist) sinnvoll sein kann, die äußeren Mittelfeldflügel mit Akteuren zu bestücken, die nur den Vorwärtsgang kennen und nach einem Ballverlust auf die Rückeroberung durch ihre Mitspieler warten können.

Für den Moment ist dies belanglos, beliebig und uninteressant. Bei der Komposition des Spielerkaders der Borussia in dieser Saison wird Hans Meyer zwangsläufig häufiger in einer Grundformation wie gegen Karlsruhe operieren müssen. Ganz einfach deshalb, weil er für dieses Schema die meisten Alternativen für die meisten Positionen hat. Das kann man gutheißen oder eben nicht, aber man hat es zu erkennen und gleichermaßen einzusehen. Wenn der Cheftrainer dann um dreizehn Minuten nach Zwölf an jenem Mittwoch, 14. Januar 2009, schließlich jene vierzehntätige Findungsphase komplettiert hat, die er bei Dienstantritt im Hinblick auf die Frage nach personellen Änderungen zur Winterpause nicht nur dem Boulevard apostrophierte, dann könnte dies allerdings wieder von Interesse werden.
Nicht allein weil etwa Sportdirektor Eberl bis dahin gewiss auch einen Vertrag erhalten haben dürfte, mit dessen Ausbleiben in der vorigen Woche manches dubiose Geschichtchen aus der Groschenpresse etwa völlig aus der Kontrolle laufende Abläufe im Klub selbst vorgaukeln mochte.

Aufgrund seiner Physis, die sich auch weiterhin mit Kopfballstärke und Einsatzfreude paart, bleibt sicherlich und wenigstens bis zu jenem Januarmittwoch auch Rob Friend ein Akteur, über den einer der verbleibenden Stammplätze in der Mannschaft entschieden werden dürfte. Gegen Karlsruhe war der Kanadier sehr umtriebig, konnte in der einen und in der anderen Szene seine Torgefährlichkeit allerdings nur andeuten und blieb insgesamt ohne eigenen Treffer. Karim Matmour als nächster der drei vordergründig offensiv engagierten Spieler unterstrich zum wiederholten Male, dass ihm bei aller Begeisterung im Vorwärtsdrang selbst dann noch das akkurate Defensivverhalten abgeht, wenn er es nicht vernachlässigen möchte. Oftmals wünscht man dem Algerier aus Straßburg, dass er schaffe seinen Kopf einfach „länger oben" zu behalten. Mit seiner Leistung gegen den KSC müsste er sich jedoch genauso wenig akut aus dem Team gespielt haben wie Marko Marin, Borussias Nationalspieler.

Der Gegner aus Wolfsburg

Sascha Rösler wird sich erinnern. Mit drei Punkten und vierzehn Toren Vorsprung ging der VfL Wolfsburg am 12. Mai vergangenen Jahres in sein zweites Abstiegsendspiel binnen zwölf Monaten. Hatten die Wolfsburger nach einer grausigen Saison, in der Holger Fach die Elf bis in den Winter hinein betreuen konnte, unter Trainer Klaus Augenthaler im Sommer 2006 am letzten Spieltag in ein Endspiel um den Klassenerhalt gegen den 1. FC Kaiserslautern (2:2), standen sie in der besagten Saison einen Tag früher in Aachen auf der Schwelle zur zweiten Liga.

Die ersatzgeschwächte Alemannia mit Sascha Rösler, aber ohne ihre beiden etatmäßigen Torhüter und die angestammte Innenverteidigung, musste ihr Heimspiel gewinnen, sollte der Kampf um den Klassenerhalt auch für Wolfsburg noch einmal wirklich kniffelig werden. Nach torloser erster Halbzeit ging die Rösler-Elf dann Mitte der zweiten Halbzeit durch einen Strafstoß in Führung, und kurze Zeit später erhöhte sie das Ergebnis um ein Tor. Die Stimmung vor ausverkauftem Haus war glänzend, angesichts der Paarungen des letzten Spieltags schien die Alemannia allerbeste Katen zu haben.

Doch dann kamen die Schlussminuten, zwei Aachener Patzer und zwei Wolfsburger Tore. Ein Remis am Schluß und am letzten Spieltag der Erhalt des Status Quo - die Alemannia stieg ab, der VfL Wolfsburg blieb in der Liga und vollzog eine Radikalkur unter Neu-Trainer Felix Magath, die den Volkswagenstädtern einen Husarenritt bis in den diesjährigen UEFA-Pokalwettbewerb ermöglichte.

Und auch in dieser Saison deutet sich an, dass der VfL sich eher in die obere Tabellenregion zu orientieren haben dürfte. Gleichwohl muss sich auch erst erweisen, ob der mittlerweile mit internationaler Erfahrung geschwängerte Kader der Mannschaft (im Sommer holte man für mehr als die Hälfte des letzten Zweitligaetats der Borussia nicht nur die italienischen Weltmeister von 2006, Cristian Zaccardo und Andrea Barzagli vom US Palermo) die so genannte Doppelbelastung von Ligabetrieb und Europapokalgeschehen akkurat verkraften kann oder sich doch darin verheddert

Wolfsburgs Defensive

Deutsche Sportjournalisten sollten sich manchmal wundern. Als Dick Advocaat im Verlauf der Saison 2004/05 mehrere Entscheidungen traf, die - bei seiner mehrmonatigen Stippvisite an der Hennes-Weisweiler-Allee - auch die Torwartposition betrafen, da überschlugen sich die Zeitungen und Zeitschriften darin den Erfolgstrainer von Zenit St. Petersburg für seine unbarmherzige Vorgehensweise zu tadeln. Der von Advocaat vorgenommene Tausch von Darius Kampa mit Kasey Keller erwies sich aber als genauso elementar für den Saisonerfolg der Borussia damals, wie sich die ebenfalls als unbarmherzig getadelte Entscheidung Magaths in Wolfsburg in der vergangenen Saison als Schlüssel bewies.

Der immer nur gefühlte Nationaltorhüter Simon Jentzsch, gebürtiger Mönchengladbacher und beim VfL noch während der Zeit Peter Panders als Verantwortlicher in die Allerwiesen gelotst, hatte Magath mit einem Potpourri seines gewöhnlichen Torwartspiels in der vergangenen Saison fünfzehn Mal zu solch einer Verzückung getrieben, dass er ihn schnurstracks durch den Schweizer Nationaltorwart Diego Benaglio ersetzte, der flugs aus der portugiesischen Liga nach Niedersachsen kam und den Platz zwischen den Pfosten mit allerhand wirklich guten Leistungen zu seinem Zuhause im VfL-Team machte.

Auf den Außenpositionen der Viererkette führt der VfL gemeinhin sogar zwei gefühlte Mönchengladbacher. Da sich Weltmeister Zaccardo noch ein bisschen sehr schwer tut mit der Umstellung von der Serie A auf die deutsche Bundesliga und gern auch einmal angeschlagen im Training fehlt, überließ Magath auf der rechten Abwehrseite in dieser Saison meist dem im letzten Sommer aus Freiburg geholten Sascha Riether die Einsatzzeiten. Der frühere Juniorennationalspieler war gemäß einem zentralen Pressemedium der Fußballnation Ende August ein Kandidat für die Borussia in Sachen Nachverpflichtung, während sich Wolfsburg just zu dieser Zeit den ohnehin schon berstend vollen Kader mit Borussias einstigem Shootingstar Bernd Korzynietz aufhübschte (der dank all seiner in seiner Bielefelder Zeit hinreichend unterstrichenen Durchschnittlichkeit jedoch vor allem die Trainingsgruppe der Bundesligaspieler im niedersächsischen Osten komplettieren darf), verweigerte die Konzernelf einen Transfer Riethers mit Nachdruck.

Ebenso gedrungen, geflissentlich und energisch wie Riether in seinem Spiel ist auch Wolfsburgs linker Außenverteidiger, Marcel Schäfer, der sich obendrein noch durch einen erheblicheren Offensivdrang bemerkbar macht und auch bereits als Vollstrecker aus der Distanz aufgefallen ist. So, dass ihm zwar die balltechnische Brillanz des Schalkers Christian Panders abgeht, er aber dennoch in den Dunstkreis potentieller Nationalelfaspiranten zu zählen sein dürfte. Vor allem auch, nachdem er den von Magath transfertechnisch angeleierten Zweikampf mit dem von Belenenses Lissabon angeheuerten Brasilianer Rodrigo Alvim bisher so klar für sich entschieden hat.

Im Zentrum der Abwehrreihe hat der frühere Trainer von Bayern München mit der Begegnung gegen die Borussia wieder eine Alternative mehr, den Portugiesen Rodrigo Costa, den man vor der letzten Saison vom FC Porto erstand und der sich in dieser Saison etwas überraschend einen Zweikampf mit dem im Kopfball noch imposanteren Alexander Madlung (ein Ex-Spieler von Hans Meyer bei Hertha BSC Berlin) liefern muss, da einer der beiden Plätze in der zentralen Verteidigung an den anfänglich erwähnten Barzagli vergeben ist.

Ein wesentlicher Bestandteil des Wolfsburger Spiels, und aufgrund seiner Basisrolle in der defensiven Anordnung aufzuführen, ist der brasilianische Nationalspieler Josué Anunciado de Oliveira, den der VfL während seiner Runderneuerung zur vorherigen Saison vom FC Sao Paulo für ein Butterbrot dessen erstand, wo nun der letztliche Gegenwert des energischen „Schalterspielers" und Zweikämpfers anzusiedeln sein müsste. Hapert es bei dem inzwischen zum Mannschaftskapitän erkorenen Südamerikaner allgemein am Toreschießen, ist er im Hinblick auf eine defensive Stabilität enorm wichtig für die Niedersachsen und zeigt jene Attribute, die ihn bis zu seinem Wechsel nach Wolfsburg auch als einen der auffälligsten Akteure in der brasilianischen Liga auf jener Position hatten erscheinen lassen.

Wolfsburgs Offensive

Hätte sich die Borussia am finalen Tag der ersten Transferperiode dieser Saison anders entschieden, den Rumänen Vlad Munteanu müsste man ganz sicher nicht an dieser Stelle erwähnen. Doch die Borussia ließ den ehemaligen Mitspieler von Jean-Sébastien Jaurès beim AJ Auxerre wieder abreisen und verzichtete auf seine Übernahme. Das ist für den im Sommer 2006 hastig im Paket mit dem jetzigen Kölner Sergiu Radu aus Cottbus nach Niedersachsen gekarrten linken Mittelfelspieler insofern bedauerlich, als er deshalb in dieser Hinrunde komplett auf Spielpraxis in der Bundesliga verzichten muss. Beim VfL in Wolfsburg spielt der auch schon einst in der rumänischen Nationalelf aktive 27 Jahre alte Profi nämlich überhaupt keine Rolle mehr.

Trotz aller Alternativmöglichkeiten, die sich Felix Magath besonders in der Offensive bieten würden, hat der einstige Mittelfeldspieler des Hamburger SV seine Hauptakteure dort im Großen und Ganzen gefunden. Neben dem erwähnten Josué, für den es beispielsweise mit dem gebürtigen Argentinier Jonathan Santana - der seine Vorschußlorbeeren zum Zeitpunkt seiner Verpflichtung nie vollumfänglich bestätigen konnte und mittlerweile sein bereits drittes Dienstjahr in den Allerwiesen absolviert - eine Alternative gibt, sind dies in erster Linie der gebürtige Schwabe Christian Gentner (vielseitig!), der Japaner Makoto Hasebe (zuverlässig!), Juniorennationalspieler Ashkan Dejagah (intuitiv!) und der besonders durch den Boulevard gern als „Zwetschge" bezeichnete Zvjezdan Misimovic, der nach dem Abstieg mit dem 1. FC Nürnberg für eine Abstandszahlung von cirka vier Millionen Euro nach Wolfsburg rübergemacht ist und beim VfL mit dem Beginn dieser Saison den gelegentlich herausragend, meist aber kapriziösen Marcelinho ersetzt, den die Wolfsburger zwischenzeitlich für die Dauer von anderthalb Jahren zur Überbrückung ihres Kreativnotstands im Mittelfeldspiel engagiert hatten.

Für den Angriff hatte Wolfsburg im Sommer mit der Verpflichtung des Mahir Saglik vom Wuppertaler SV überrascht, der nach einem gescheiterten Versuch bei Borussia Dortmund über Umwege im Bergischen gelandet war und dort in der letzten Saison mit fast dreißig Treffern in beinahe ebenso vielen Einsätzen Torschützenkönig jener Liga geworden war. Beim VfL konkurriert er nun mit dem brasilianischen Zweitligaspieler Caiuby Francisco da Silva und den Platzhirschen Edin Dzeko und Edinaldo Batista Libanio „Grafite" um die nicht immer zwei Startplätze in der Anfangsformation.
Hierbei bleibt wieder einmal auffällig, dass auch der VfL Wolfsburg nicht nur am Boden gute Angreifer - wie Caiuby oder Saglik - zum Repertoire seiner Stürmern zählt.

Auf ihren  Besten, Grafite, werden die Niedersachsen gegen den Borussia wohl doch nicht zu verzichten haben. Der letztjährige Goalgetter des VfL (11 Saisontreffer), der auch in dieser Saison bereits viermal zugeschlagen hatte, wurde in der vergangenen Woche mit der Nachricht über den Tod seines Vaters konfrontiert und aufgrund dessen von Trainer Magath vorläufig freigestellt. Schon beim Auswärtsspiel bei Bayern München (2:4) war er allerdings wieder mit dabei und könnte auch gegen die Borussia wieder spielen. Neben dem geschmeidigen und torgefährlichen Techniker mit Gardemaß ist auch mit dem Bosnier Edin Dzeko zu kalkulieren, einen der ersten Spieler, den Trainermanager Magath in seiner Amtszeit nach Wolfsburg eingeflogen hatte; der baumlange 22-jährige mit der Statur eines Rob Friend hatte bis zum Sommer 2007 in Tschechien beim FK Teplice erste Meriten als kraftvoller Mittelstürmer gesammelt, ist aber noch nicht so „winterhart" eine Bundesligasaison fernab von markanten Leistungsschwankungen zu durchleben.

Schiedsrichter

Mit Michael Kempter ordnete der DFB der Borussia für dieses Auswärtsspiel jenen Schiedsrichter zu, der vor einem Monat im Pokalspiel bei Energie Cottbus von den Borussenspielern dazu genötigt wurde drei Foulelfmeter zum 0:3-Endstand auszusprechen und dort deshalb weniger im Zentrum der Kritik stand als etwa in der vergangenen Spielzeit beim Auswärtsremis beim VfL Osnabrück, als er für einen doch relativ fragwürdigen und spielentscheidenden Strafstoßpfiff von einem sichtlich erbosten Alexander Voigt im Nachhall des Spiels so angepflaumt worden war, dass der seine Schiedsrichter traditionell beschützende Deutsche Fußball-Bund sich schnell dazu entschloß Voigt eine Strafe in Höhe von 10.000 Euro dafür aufzubrummen; ebenfalls in der vergangenen Saison leitete 25-jährige das torlose Remis der Borussia bei 1860 München, jenes in dem Sharbel Touma in einem seiner wenigen Spiele von Spielstart einen famosen Pfostentreffer verzeichnete.

Dem Banker aus dem Badischen, Kempter, muss man an und für sich Anerkennung dafür zollen, dass er es in seinem Alter bereits bis an die Pfeiffen der 1. Bundesliga gebracht hat. Jedoch darf man als Anhänger von Schiedsrichterstilen wie sie in der Bundesliga beispielsweise der Rottenburger Knut Kircher beispielhaft vorexerziert doch schon eine gehörige Portion ernüchtert darüber sein, dass Kempter mit solchen Kircherschen Idealen nichts anfangen kann. Er ist lediglich geringfügig kommunikativ und übertüncht seine offenkundige Nervosität gegenüber den meist doch noch älteren Fußballern auf dem Platz gewöhnlich mit einer Impertinenz, die Alexander Voigt in seinem Groll nach dem besagten Match in Osnabrück so gut getroffen hatte, dass man sich als das Spiel liebender Fußballfreund fast schon mit einem Euro an der Begleichung seiner damaligen Buße beteiligen mochte.

Bilanz

Zweimal gewann die Borussia bislang Spiele beim VfL Wolfsburg. Dafür, dass sie mittlerweile zu ihrem neunten Auftritt in die ehemalige Zonenrandregion anreist, ist das eine sehr magere Ausbeute. Die allerdings, natürlich, von Borussias auffälliger Erfolglosigkeit in fremden Erstligastadien seit ihrem ersten Wiederaufstieg beeinflusst ist. Die einzigen Siege in Wolfsburg erreichte die Borussia, als sie an die Beschäftigung eines Sportdirektors Peter Pander (der Vor-Vorgänger von Max Eberl, zur Erinnerung!) noch nicht gedacht hatte. Einerseits am 22. November 2003 mit 3:1 (Tore: van Hout, van Lent, Kolkka) unter Trainer Holger Fach, andererseits am denkwürdigen 9. Mai 1998  mit 2:0 (Tore: Effenberg, Wynhoff) unter Trainer Friedel Rausch - damals indes noch am alten Stadion am Elsterweg, der jeher den Charme einer Bezirkssportanlage besaß und bis zu seinem Austausch gegen die Volkswagenarena genauso von der (kaum mehr als trüben) Wolfsburger Vergangenheit zeugte, wie es in Mönchengladbach der (jedoch ruhmreiche) Bökelberg bis 2004 noch tat.

In der Ägide „Meyer I" bei Borussia spielte Mönchengladbachs VfL insgesamt zweimal in Wolfsburg, verlor aber beide Vergleiche (1:3, 0:1). Beim ersten Vergleich durchlebte der später von Hans Meyer zum 1. FC Nürnberg nachgeholte Peer Kluge unter den Augen seiner eigens eilends aus dem Sächsischen angereisten Eltern sein Debüt in der höchsten deutschen Spielklasse, als er beim Stand von 0:2 nach einer abschreckenden ersten Spielhälfte für Max Eberl ins Spiel kam.

Aufstellungen

Wolfsburg: Benaglio - Riether, Madlung, Barzagli, M. Schäfer - Josué - Hasebe, Santana - Misimovic - Grafite, Dzeko.
Ersatz: Lenz - Zaccardo, Alvim, Simunek, Gentner, Reiche, Krzynowek, Saglik, Dejagah, Caiuby
Es fehlen: Hitz, Deumeland, Platins, Korzynietz, Evljuskin, Kreuels, Adlung, Wolze, Domingos Martins Costa "Alex", Munteanu, Karow, Hill, Esswein (nicht im Kader), Jentzsch (alle nicht berücksichtigt)

Borussia: Heimeroth - Svärd, Kleine, Daems, Voigt - Matmour, Bradley, Alberman, Paauwe, Marin - Friend.
Ersatz: Löhe - Brouwers, van den Bergh, Ndjeng, Levels, Colautti, Neuville.
Es fehlen: Gospodarek (Muskelverhärtung im Oberschenkel), Coulibaly (Muskelverletzung), Rösler, Baumjohann, Lamidi (jeweils U23), Schachten (Reha), Callsen-Bracker (Knochenhautreizung), Jaurès, Touma (nicht im Kader).

Schiedsrichter: Michael Kempter (Sauldorf)
Schiedsrichterassistenten: Detlef Scheppe, Marco Fritz
Vierter Offizieller: Norbert Grudzinski

SEITENWAHL-Meinung

Thomas Zocher: Es ist ein Bonusspiel. Trotz oder aufgrund der Tabellensituation. Und deshalb ist es am Ende sicherlich weniger ärgerlich, dass die Borussia mit einem 2:4 aus Wolfsburg heimkehrt. Denn alle hier gezeigten Probleme sind bekannt und die Niederlage deshalb nicht überraschend.

Hans-Jürgen Görler: Alles meckert und nörgelt über Hoffenheim, obwohl hier jemand seinen Traum verwirklicht und viele mit Herzblut bei der Sache sind. Der Klub, der aus Marketinggründen seit Jahren mit Geld um sich werfen kann und trotzdem weder Erfolg noch Anhängerschaft findet, ist jedoch in Wolfsburg ansässig. Vor 13 Jahren war der Verein Außenseiter im Pokalfinale gegen die Borussia, heute ist er eine Nummer zu groß für Hans Meyers Team. Geld schießt also doch Tore - das war es dann aber auch schon. Mehr kann man sich nicht erkaufen. Die Borussia unterliegt mit 0:2.

Michael Heinen: Der Wunschtrainer ist zurück, mit ihm eine ganze Menge Euphorie und Erwartungshaltung, das erste Spiel wurde sofort gewonnen. Aber dennoch traut uns niemand wirklich etwas in Wolfsburg zu. Irgendwann werden wir auch mal ein solches Spiel gewinnen müssen, um die vorherigen unnötigen Punktverluste auszugleichen. An diesem Dienstag wird es aber leider noch nicht soweit sein. Borussia verliert mit 1:2.

Mike Lukanz: Ich unterhielt mich nach dem Spiel gegen den KSC mit dem geschätzten Kollegen Joachim Schwerin über die kommenden Aufgaben Borussias. Dabei erwähnte ich, dass so viele (kleine) Teams der Bundesliga in den vergangenen Jahren immer mal wieder einen Überraschungscoup landeten: Bielefeld gewinnt mal in Bremen, Frankfurt in Leverkusen, Cottbus in Berlin oder Bochum punktet nach Rückstand bei den Bayern. Geprägt durch gefühlte 100 Jahre Auswärtsschwäche in der Bundesliga, traut man sowas Borussia nicht zu. Dabei wäre das in der jetzigen Phase ein Segen, in jeder Hinsicht. Da Konjunktive im Fußball albern sind: 3:1 für Wolfsburg.

Christoph Clausen: Kampf, Krampf und Glück: Das Dreigestirn eines Tabellenletzten reichte für einen erfolgreichen Start in Hans Meyers zweite Gladbacher Regentschaft. Gegen ein Spitzenteam bräuchte es auch spielerisch mehr, aber damit dürfte die Mannschaft zumindest im Augenblick noch überfordert sein. Mit einer 0:3-Niederlage kehrt man aus Wolfsburg zurück.

Christian Heimanns: Da haben wir doch mal jemanden, der sich ehrlich über den Aufstieg von Hoffenheim freut. Der Sinsheimer Stadtteil lässt die VW Werkssiedlung wie das reine Establishment in der Bundesliga aussehen. Verglichen damit, wirkt unsere 0:2 Niederlage in Wolfsburg wie eine vorübergehende Sorge.

Christian Spoo: Der Sieg gegen Karlsruhe war wichtig - und glücklich. Um gegen eine Mannschaft wie Wolfsburg zu bestehen, fehlt der Borussia derzeit fast alles. Im Gegensatz zu den Karlsruher Stürmern wissen die Wolfsburger zudem, wo das Tor steht. Borussia geht sang- und klanglos mit 0:4 unter.

Der VfL Wolfsburg im Internet: http://www.vfl-wolfsburg.de/

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