Der deutsche Pokalsieger 2009 steht noch nicht fest, er wird jedoch nicht Borussia Mönchengladbach heißen. Die Mannschaft von Trainer Jos Luhukay verabschiedete sich am Dienstagabend im Stadion der Freundschaft in Cottbus gegen die gastgebende Elf des FC Energie mit einer 0:3-Niederlage aus dem Wettbewerb und wusste dabei nahtlos an ihren uninspirierten und von zahllosen Fehlpässen gespickten Auftritt im vorangegangenen Bundesligaspiel am vergangenen Samstag anzuknüpfen. Erst sechs Minuten vor dem Spielende gelang dem eingewechselten Coulibaly mit einem satten Distanzschuss die erste Tormöglichkeit für die Borussia. Sie hatte es zuvor fertiggebracht sich drei vollkommen berechtigte Foulelfmeter einzuhandeln, deren Zustandekommen allein ihre erschreckende Leistung auf das Vortrefflichste skizzieren.

Mit zahlreichen Änderungen in der Startelf im Vergleich zur Heimniederlage gegen Hertha BSC Berlin begann die Mannschaft der Borussia die Partie. In die Abwehrformation rückte auf der rechten Seite Tobias Levels, im Mittelfeld begannen Alexander Baumjohann und Sascha Rösler die Partie von Beginn an. Dafür musste Michael Bradley weichen, der anders als Marcel Ndjeng, der als rechter Mittelfeldspieler den verletzten Karim Matmour vertrat, keine Berücksichtigung fand. Auch Torjäger Robert D. Friend stand nicht in der Startelf der Borussia, in deren vorderster Front Nationalspieler Oliver Neuville agierte.

Nachdem die Heimelf bereits in den ersten Sekunden der Begegnung forsch den Weg zum Tor des Christofer Heimeroth gesucht hatte, schien sich zunächst eine lebhafte Begegnung zu entwickeln. Schließlich hatte Momente später auch die Borussia, über Marko Marin, Anstalten gemacht sich eine feine Torchance zu ermöglichen. Fernab eines weiteren Versuchs von Oliver Neuville, einige Minuten später aus einer noch ungünstigeren Position als Marin vor ihm, blieben diese Szenen allerdings schnell die goldenen Ausnahmen in einem Spiel, in dem jede der beiden Mannschaften das unmittelbare Risiko scheute und sich vornehmlich darauf verlegte den stets mit einer Präzision eines Schweizer Uhrwerks auftretenden Fehlpass ihres sportlichen Gegenübers geschwind aufzunehmen und ebenfalls mit einem unzulänglichen Zuspiel in die Füße des Gegners zu beantworten. Variantenreichen Tempofußball durften die kaum 10.000 Zuschauer im zuletzt mit einer weiteren neuen Tribüne ausgestatteten Cottbusser Stadion aufgrund der Tabellenpositionen beider Mannschaften vor dem Anpfiff zwar nicht erwarten, das geschwindigkeitslose Gebolze mit dem beide Teams ihr Kommen zu goutieren schienen war allerdings trotzdem schwer mit anzusehen.

Da in solch öden Partien es dann oft zufällig erhaschte Standardsituationen werden, die einem müden Spiel eine gewisse Fahrt geben, konnte es nicht verwundern, dass es der von Christofer Heimeroth abgewehrte Freistoß des Ervin Skela war (17.), der dem Spiel die erste wirkliche Tormöglichkeit für eine der beiden Mannschaften bescherte. Etliche Minuten zuvor hatte der Cottbusser Atan einen ebenfalls von Alexander Baumjohann verursachten Freistoß aus erheblicher Torentfernung wesentlich unpräziser in Richtung des früheren Gelsenkircheners bugsiert. Da hatte Heimeroth nicht einmal eingreifen müssen. Etwas, dass auf der Gegenseite gegen Mitte der ersten Spielhälfte auch der Cottbusser Schlussmann Gerhard Tremmel nicht musste, als die Borussia durch einen Fehler des Verteidigers Pavicevic zu einem ersten Eckball kam, der allerdings nach einem Foul von Jan-Ingwer Callsen-Bracker im Cottbusser Strafraum während seiner Ausführung vom nicht geforderten Referee Michael Kempter abrupt beendet wurde. Jenseits der Situation, die die Borussia nach einer halben Stunde über ihre rechte Angriffsseite durch Alexander Baumjohann und Marcel Ndjeng zu initiieren versuchte (Energies Mariusz Kukielka verhinderte dabei Schlimmeres für die Hausherren), blieb dies die gefährlichste Situation der Borussia zum gegnerischen Tor innerhalb des ersten Spielabschnitts - auch, weil sechs Minuten vor der Halbzeit Oliver Neuville in einer klassischen Kontersituation auf seinem Hosenboden landete.

Nein, das Spiel der Borussia war nicht gut. Sie wirkte passiv, richtig dickfellig, und auch wenn sie auf einen in dieser Hinsicht ihr völlig ebenbürtigen FC Energie traf, ihre schon hier schwache Leistung beschönigen kann dieser Umstand nicht. Allenfalls während einer Situation, als mehrere Borussenakteure den ballführenden Cottbusser auf der rechten Abwehrseite der Hausherren situativ und konsequent unter Druck setzten, konnte man ihr die für einen Auswärtserfolg nötige Aggressivität zum Ball respektive Tor hin unterstellen. In nahezu allen anderen Perioden konnte der Beobachter sich nicht zu dem Eindruck durchringen, dass die Mannschaft ihrerseits den Einzug in die nächste Pokalrunde fest ins Visier genommen hätte. Ja, dass sie am heutigen Abend nichts lieber tun wollte als in Cottbus den gastgebenden FC Energie aus dem DFB-Pokal zu werfen. Oder ihrerseits die Notwendigkeit begriff sich hier das in der Liga zuvor verloren gegangene Selbstvertrauen zurückzuerobern, und sei es auch auf Kosten weiterer ungemütlicher Präsenztermine im diesjährigen Pokalwettbewerb.

Die nicht gute erste Spielhälfte wurde dann in der 42. Spielminute durch ein Foulspiel von Rechtsverteidiger Tobias Levels im Borussenstrafraum zum Höhepunkt gebracht. Der wieder einmal berücksichtigte erwischte den Cottbusser Iliev eindeutig an dessen Fuß und ließ Schiedsrichter Kempter dadurch keinen Interpretationsspielraum. Den versuchte Christofer Heimeroth im Duell mit dem zum Strafstoß angetretenen Dimitar Rangelov auch in dessen Körperhaltung zu erkennen, doch der früher in Frankreich bei Racing Strasbourg unter Vertrag stehende Stürmer der Heimelf wusste den Ball sicher zur Halbzeitführung für Energie im Tor unterzubringen.

Unverändert begann die Borussia diesen zweiten Spielabschnitt, doch in der 50. Spielminute hätte der im Borussenstrafraum völlig freistehende Ivica Iliev die Partie schon vorentscheiden können. Doch der einstige Italienlegionär serbischer Nationalität scheiterte hierbei an einem Reflex von Christofer Heimeroth, der zehn Minuten später einen Kopfball von Rangelov parierte und damit in der Anfangsviertelstunde der zweiten Halbzeit bereits signifikant mehr zu tun hatte als sein beschäftigungsloser Cottbusser Kollege. Dieser regte sich in der 55. Minute zwar mächtig über einen von Marcel Ndjeng ergatterten Freistoß für die Borussia von der Strafraumkante auf, konnte sich aber schließlich beruhigt zurücklehnen, denn Filip Daems verstand es den Ball in der vielbeinigen Cottbusser Freistoßmauer zu begraben.

Ereignislos und fad war das Borussenspiel schon vor der Pause gewesen, nach der Pause war kein echter Unterschied festzustellen. In der 57. Spielminute wechselte Trainer Jos Luhukay dann mit Rob Friend (für den blassen Marko Marin) einen zweiten Stürmer ein, doch zu mehr als beinahe einer Torchance reichte es auch mit dem kanadischen Nationalspieler für die Borussia nicht. Sie schaffte es zwar nicht durchgängig ihr zuletzt schon gegen Hertha BSC Berlin zelebriertes Fehlpassspiel aufzuziehen, aber immerhin konnte sie ihr uninspiriertes Getue in gekonnt um sich greifende Lethargie steigern. Dass sie so keine echte Gefahr für das Tor von Gerhard Tremmel darstellte, blieb offensichtlich.

Offensichtlich war dann in der 72. Spielminute ebenso der hanebüchene Ballverlust des Jan-Ingwer Callsen-Bracker auf der rechten Abwehrseite der Borussia nahe ihres eigenen Strafraums. Der Neuzugang aus Leverkusen verstolperte als sogenannter letzter Mann in einer konzentrationsarmen Sekunde den von ihm geführten Ball an den lauernden Cottbusser Rangelov. Dieser nahm das Spielgerät gekonnt auf und mit und ließ sich von dem Abwehrspieler der Borussia in Borussias Strafraum zu schlechter Letzt auch noch umschubsen. Den fälligen Strafstoß überließ Rangelov diesmal Ervin Skela, der keine Mühe hatte Christofer Heimeroth zu bezwingen und mit dem Treffer mehr als die potentielle Vorentscheidung herbeizuführen.

Nachdem die Borussenmannschaft zwischen dem ersten und zweiten Cottbusser Elfmeter keine nennenswerte Anstalten unternommen hatte das Spiel und den Spielverlauf zu ihren Gunsten zu beeinflussen, erlaubte sich in der 84. Spielminute der kurze Zeit vorher für Tobias Levels eingewechselte Soumaila Coulibaly aus etwa 20 Metern Torentfernung die Chuzpe den Cottbusser Schlussmann Tremmel mit einem satten Distanzschuss zu dessen einziger Parade des gesamten Spiels zu zwingen. Tremmel ließ sich aber eben nicht auf dem falschen Fuß erwischen, sondern parierte die Kanonenkugel des Maliers.
Nur Situationen später, auf der Gegenseite, erzielten die Hausherren dann ihren dritten Foulelfmeter der Begegnung, als ein Abwehrversuch Christofer Heimeroths gegen den unverschuldet frei vor ihm aufgetauchten Rangelov in einem Foulspiel des Borussenschlussmannes mündete; zwar hatte Rangelov beim entscheidenden Zuspiel dem Borussentor einen nuancengleichen Schritt näher gestanden als der auf der rechten Abwehrseite aufgetauchte Marcel Ndjeng, doch an der Entscheidung auf Foulelfmeter war insgesamt nichts auszusetzen.

Es folgte ein kleines Scharmützel der Cottbusser Rangelov und Skela, die sich um die Ausführung des fällig gewordenen Elfmeters rissen, als sich Skela jedoch in dem Zwist durchgesetzt hatte, verwandelte der frühere Frankfurter und Kaiserslauterer auch den dritten Strafstoß dieser Begegnung in akkurater Manier. Es war Borussias drittes Gegentor am heutigen Abend, gleichzeitig das vierte Elfmetergegentor der Saison und der fünfte gegen sie ausgesprochene Strafstoß innerhalb der letzten 2 Auswärtsspiele.

Alles in allem, also unter dem Strich, mag die Höhe der Niederlage überraschen, an der Rechtmäßigkeit gibt es indes keinen Zweifel. Cottbus war die wachere von zwei arg schläfrigen Mannschaften und profitierte besonders zwischenzeitlich, etwa gegen Ende des ersten Spielabschnitts, erheblich von dem scheinbaren Desinteresse der Borussia am diesjährigen Pokalwettbewerb. War beim letzten Auswärtsauftritt der Borussia in dieser Saison, in Hannover vor weniger als 10 Tagen, an dieser Stelle noch von einem Intervallfußball Borussias die Rede, so darf man bedenkenlos konstatieren, dass es in dieser Begegnung noch nicht einmal zu diesem vielleicht zum Alibi tauglichen Argument eines vernünftigen Arbeitsnachweis langte - war Borussia in Hannover in zusammen 37 Minuten tauglich, muss man sich in diesem Spiel schon die Minuten förmlich hinten und vorn zusammenkratzen, um wenigstens auf tüchtige 10 Minuten zu kommen.

Und somit muss das Resümee so schlicht wie abrupt sein. In dieser Form und insbesondere in dieser Art und Weise hat die Borussia beim Kampf um den Titel des deutschen Pokalsiegers einfach nichts verloren und muss sich auch im Ligaalltag unheimlich sputen, möchte sie zwei bis drei Klubs ihrer Wahl in der Tabelle am Schluss noch hinter sich wissen. Nach den Eindrücken der Partie im Stadion der Freundschaft in Cottbus ist die völlig zusammenhanglos spielende Borussia derzeit zweifellos ein sehr heißer Favorit auf den sofortigen Wiederabstieg.

Energie Cottbus
: Tremmel - Pavicevic, Kukielka, Cvitanovic, Cagdas - Angelov, Rost - Sörensen (Vasiljevic 89), Skela, Iliev (Mitreski 84) - Rangelov.

Borussia: Borussia: Heimeroth - Levels (Coulibaly 82), Callsen-Bracker, Daems, Voigt - Alberman, Rösler - Ndjeng, Baumjohann, Marin (Friend 57) - Neuville.

Tore: 0:1 Rangelov (42., Foulelfmeter) 0:2 und 0:3 Skela (73. und 86., jeweils Foulelfmeter)  

Zuschauer: 9.800  

Schiedsrichter: Michael Kempter (Sauldorf)

Gelbe Karten: Baumjohann, Levels

Besondere Vorkommnisse: Nachdem die Borussia in der Saison 2004/05 in der 1. Hauptrunde an der U23 des FC Bayern München gescheitert war, hat sie in den darauf folgenden vier Spielzeiten nun jeweils die 2. Hauptrunde im DFB-Pokal erreicht. Die (somit) weiterhin auf ein Heimspiel in ihrem 2004 eingeweihten Stadion an der Hennes-Weisweiler-Allee wartende Borussia verlor 2005/06 bei Hertha BSC in Runde 2, 2006/07 1:2 beim unterklassigen VfL Osnabrück und 2007/08 beim ligahöheren FC Bayern München (1:3).

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