Energie CottbusMit dem zweiten 1:0-Siegtreffer binnen lediglich 75 Stunden hat die Borussia von Trainer Hans Meyer den zweiten wichtigen Erfolg im Abstiegskampf der 1. Fußball-Bundesliga erzielt und sich im direkten Duell bei Energie Cottbus genauso als Sieger durchgesetzt, wie sie vor genau drei Tagen den Schalke 04 bezwungen hatte. Im Spiel im Cottbusser Stadion der Freundschaft war es hier der im Winter von Standard Lüttich neuverpflichtete brasilianische Abwehrspieler Dante Bonfim, der eine Eckballvariante des eingewechselten Marin zum Torerfolg nutzte und der Borussia damit einen wichtigen Erfolg sicherstellte, den sich die Elf durch ihre Darbietung in der 2. Spielhälfte redlich verdiente.

Mit drei Änderungen im Vergleich zur Startformation vom vorangegangenen Spieltag wartete Trainer Meyer vor der heutigen Partie auf. Für den kurzfristig unpässlichen Tomas Galasek begann Patrick Paauwe in einem Mittelfeld, in dem sich auch Abwehrmann Tobias Levels anstelle von Nationalspieler Marko Marin befand. Levels agierte im zentralen Mittelfeld. Eine defensive Variante, mit der Meyer die Aufstellung von Stürmer Roberto Colautti abfederte. Der Siegtorschütze vom vorigen Spieltag begann statt Johannes van den Bergh, auf van den Berghs linker Spielfeldseite fand sich Karim Matmour wieder. Er hatte noch gegen Schalke in vorderster Linie begonnen.

In einem sogenannten Sechs-Punkte-Spiel begannen beide Teams die erste Spielhälfte äußerst verhalten und auf Sicherung bedacht. Die Heimelf, unterstützt von rund zwanzigtausend Anhängern, war es dann, die mittels eines Kopfballs des Dennis Sörensen nach rund einer Viertelstunde die erste halbwegs ordentliche Situation beider Mannschaften vor des Gegners Gehäuse verbuchen konnte. Für die Borussia war allerdings Torhüter Logan Bailly rechtzeitig zur Stelle und konnte den Kopfball des ehemaligen Stürmers des FC Midtjylland noch aus der Gefahrenzone treten. Auf der Gegenseite warteten die mitgereisten Borussenanhänger - die Mannschaft des VfL hatte ihre Auswärtsfahrt im Vorfeld subventioniert - erheblich länger auf eine Torsituation für die Borussia, da die Meyer-Equipe sich zwar ballsicher und kontrolliert zeigte, allerdings in der Vorwärtsbewegung zu schnell und zu nachhaltig ihre Bälle verlor. So blieb der beherzte Versuch Colauttis aus der 11. Spielminute sehr lange die einzig nennenswerte Aktion der Borussia, die mit einem Torschuss beendet wurde. Bei diesem Torschussversuch merkte man dem gebürtigen Argentinier an, dass ihm das Tor aus dem Sonntagspiel Selbstvertrauen gegeben hatte.

Aus Sicht der Heimmannschaft plätscherte das Spiel auch nach der zwanzigsten Spielminute höhepunktfrei wie zielstrebig dem Halbzeitpfiff entgegen. Während diverse Zwischenresultate von den anderen Plätzen die Anhängergruppen beider Teams aufheiterten, blieb das Geschehen auf dem Rasen des Stadions der Freundschaft überschaubar. Die Cottbusser zeigen gelegentlich mehr Verve zum Tor, doch die Borussia hatte ausreichend Routine in ihrer Formation, so dass die Lausitzer mit diesen aufflammenden Bemühungen in Richtung Logan Bailly keine Feldvorteile, geschweige denn ein Tor, erzielen konnten. In der 39. Spielminute kamen sie dennoch zu einer neueren Torgelegenheit. Der über die ganze rechte Spielfeldhälfte bis zur Grundlinie mit aufgerückte Außenverteidiger Ziebig konnte sich gegen zwei Borussen, inklusive Paul Stalteri, schadlos halten und den Ball darüber hinaus noch in Richtung Tor flanken. Hier war am Fünfmeterraum Roel Brouwers zwar schneller als Sörensen, doch der Cottbusser erreichte noch den Nachschuss. Diesen nahm allerdings Borussias Logan Bailly ebenso mühelos auf wie auf der Gegenseite Energies Gerhard Tremmel in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs einen Freistoßversuch von Michael Bradley; zuvor hatte der Cottbusser Timo Rost Alexander Baumjohann in zentraler Lage zum Tor regelwidrig zu Fall gebracht.

Unverändert begannen beide Mannschaften den zweiten Abschnitt der Partie. Hierbei zeigten die Gastgeber bereits in der Anfangsphase, dass es um ihr Nervenkostüm nicht sonderlich brillant bestellt war, denn die in der ersten Halbzeit zum Teil noch forschen Brandenburger begannen schon kurz nach Wiederbeginn im Abwehrverhalten mit lückenhaftem Spiel. Dennoch hatten die Hausherren in der 52. Spielminute beinahe Glück, als eine unnötige Nachlässigkeit von Borussias Teamkapitän Filip Daems im Zuge eines harmlosen Angriffszuges der Gastgeber deren nachsetzendem Stürmer Jelic beinahe die Möglichkeit zum Führungstreffer ermöglicht hätte. Zur Freude der Borussia konnte Borussias Schlussmann Logan Bailly dies mit einem katzenartugen Hechtsprung in Richtung des abprallenden Balles noch gerade so verhindern und die Borussia gegentorlos halten.

Diese Szene blieb für einige Zeit die letzte wirklich ernsthafte Angriffsbemühung der Hausherren, die ihrerseits von der bei eigenem Ballbesitz nun flotter nachsetzenden Borussia stetig in ihrer eigenen Hälfte belassen wurden. Die Elf aus Brandenburg musste sich insbesondere zwischen der 60. und 68. Spielminute dabei energisch gegen ein auf Seiten der Borussia nachhaltiger werdendes Offensivspiel wehren. Die Gastgeber hatten in diesem Zuge auch Glück, dass zum Beispiel Karim Matmour nach glänzender Vorarbeit des bis dahin eher nur bemühten Alexander Baumjohann es nicht schaffte gleichzeitig den Ball zu führen und dabei auf den Mitspieler zu achten. Hätte Matmour dies getan, in jener 61. Minute hätte Abwehrspieler Mario Cvitanovic für Cottbus den Ball nicht noch von der Torlinie des leeren Tores grätschen können. In der Mitte war Roberto Colautti frei gewesen, hätte Karim Matmour in der Eile des Augenblicks seine Blicke kurz vom Ball trennen können - so blieb es beim torlosen Zwischenresultat.

Auch noch torlos war die Begegnung nach Borussias zweiter richtiger Torchance der Partie. Hierzu hatte diesmal Roberto Colautti von einem Zuspiel Baumjohanns profitiert. Dem zukünftige Münchener, dessen stärkste Szenen diese zwei Situationen blieben, gelang es in der besagten 64. Spielminute sogar den israelischen Angreifer zentral vor Torwart Tremmel freizuspielen. Doch anders als noch beim Sonntagspiel vor heimischem Publikum missglückte Colautti die Wahl der Torecke und so war es Tremmel mit einem Reflex möglich der Borussia den inzwischen immer verdienter erscheinenden Führungstreffer zu versagen.
Unmittelbar nachdem Hans Meyer Marko Marin für Alexander Baumjohann eingewechselt hatte, kam die Borussia dann durch eben ihren deutschen A-Nationalspieler zu einer weiteren Tormöglichkeit, doch visierte der trickreiche Youngster die kurze Ecke zu genau an und verzog damit letztlich seinen Torschussversuch um entscheidenden Nuancen (70.).

Bojan Prasnikar, der Trainer von Energie Cottbus, reagierte seinerseits bis zur 80. Spielminute mit einem Dreifachwechsel. Für Abwehrmann Ovidiu Burca, Mittelfeldmann Stanislav Angelov und Angreifer Sörensen kamen mit Steven Rivic, Jinyi Shao und Dusan Vasiljevic hintereinander ausschließlich Offensivspieler in die Partie, denn es war dem Slowenen deutlich, dass von beiden Mannschaften vor allem seiner Mannschaft es überhaupt nichts nutzen könnte, sollte diese Begegnung ohne Sieger enden. Borussias Hans Meyer konnte sich, ob der Struktur und der füreinander arbeitenden Gemeinschaft seiner Elf in dieser Begegnung, diesen Beitrag Prasnikars in verhältnismäßiger Rast von außen anschauen, denn dieser Winkelzug ihres Trainer brachte den Cottbussern zwar merklich Entlastung vor dem eigenen Gehäuse, jedoch keine Nachhaltig- oder auch Zielstrebigkeit vor dem Borussenkasten.

Erst die unmittelbaren Schlussminuten der zu dieser Zeit allein von der Spannung der Tabellenkonstellation zehrenden Begegnung brachten dann beiden Teams wieder echte Torschüsse ein. Für die Borussia hatte der emsige Matmour nach 85 Minuten einen solchen in Richtung Cottbusser Tor gejagt, doch Torwart Tremmel bekam ihn vor dem Pfosten noch zum Stillstand. Kaum eine Minute später musste dann Roel Brouwers als einer von vier behände zurückgeeilten Borussenspielern für seinen bereits geschlagenen Torwart Logan Bailly zur Ecke retten, denn die Borussia hatte Sekunden zuvor den Hausherren in plumper Art völlig leichtfertig einen simplen Tempogegenstoß geschenkt, der Bailly zu einem waghalsigen Manöver zwang und dem eingewechselten Shao fast den erfolgreichen Torschuss ermöglichte. Der anschließende Standard, ausgeführt von Ervin Skela, brachte den Hausherren jedoch keine neuerliche Torchance.

Diese ergab sich zum Zeitpunkt der Einwechselung von Oliver Neuville (für Roberto Colautti) mittels eines Eckballs dagegen abermals für die Borussia. Die Nachspielzeit hatte längst begonnen und Marko Marin war zur Eckfahne hinausgeeilt. Seine anschließende Eckballflanke erreichte auf Höhe der Fünfmeterlinie am sogenannten langen Pfosten zielgenau den Kopf des aufgerückten Dante Bonfim. Dessen Kopfball klatschte buchstäblich wie gleichsam unbarmherzig von der Unterseite der Latte des Cottbusser Tores über die Torlinie und bescherte der Borussia einen entscheidenden Spielvorteil. Diesen musste sie anschließend - Dante Bonfim sah für seinen instinktiven Zaunsturm vor der Fankurve mit dem Borussenfans rasch Gelb - noch bis in die knapp vierte Nachspielminute vor den verzweifelnden und hadernden Cottbussern über die Zeit katapultieren. Da ihr das aber vergleichsweise souverän gelang, konnten sich die Borussen im Anschluss an den Schlusspfiff von Schiedsrichter Florian Meyer über den Gewinn von drei richtig wichtigen Zählern im Kampf um den Verbleib in der deutschen Eliteliga freuen.

Im Rückblick auf diese 90 Minuten ist festzuhalten, dass sich die Borussia diesen Erfolg in der Fremde aufgrund der erhöhten Zielstrebigkeit in ihrem Spiel nach der Halbzeitpause restlos verdiente. Ihr ist es gelungen die Souveränität des Ballbesitzes, die ihr Spiel der 1. Halbzeit ausgemacht hatte, nach der Pausenunterbrechung in eine bessere Offensivleistung umzusetzen. Sie verlor auch durch eine gesteigerte Beherztheit dort dann nicht mehr ganz so viele Bälle, sie suchte energischer den Weg in Richtung Gegnertor. Und sie hatte vor allem schon vor dem Siegtreffer die eindeutig klareren Torgelegenheiten auf ihr Konto verbucht. Die, wenn sie die verwertet hätte, das Spiel früher als in der Nachspielzeit (vor-)entschieden hätte.

Aber das ist eine beschauliche Randnotiz in einer Saisonphase, in der es wesentlich vorrangiger um notwendige Resultate geht. Es wäre andererseits ein törichtes Urteil damit den Klassenerhalt als schon bereits fest fixiert zu betrachten. Das ist er mitnichten. Allerdings hat die Borussia vor den verbleibenden zwei Saisonpartien nunmehr sicher beste Aussichten den Abstieg zu vermeiden. Drei Zähler beträgt nun ihr Vorsprung auf die Abstiegsplätze, zu denen ja auch noch der Relegationsplatz 16 zu zählen ist. Das ist günstig für die Borussia, solange das Umfeld die Kniffeligkeit der Tabellenkonstellation bei aller Freude über diesen wichtigen Auswärtserfolg in der Lausitz nicht aus den Augen verliert: so möglich es ist die Klasse direkt zu halten, so wichtiger ist es den Anforderungen der letzten beiden Saisonspiele weiterhin mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit anzugehen.

Dann kann es klappen.

Cottbus: Tremmel - Pavicevic, Burca (Shao 71), Cvitanovic, Ziebig - Kukielka, Rost - S. Angelov (Rivic 70), Skela, Sörensen (Vasiljevic 80) - Jelic

Borussia: Bailly - Stalteri, Brouwers, Dante, Daems - Paauwe - Baumjohann (Marin 68), Levels, Bradley, Matmour (Kleine 90) - Colautti (Neuville 89)

Tor: 0:1 Dante Bonfim (90.)

Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)

Zuschauer: 20.000

Gelbe Karten (Borussia): Levels (4), Dante Bonfim

Gelb/Rote Karten: Fehlanzeige

Rote Karten: Fehlanzeige

Besondere Vorkommnisse: In ihrem zwölften Pflichtspiel in Cottbus erzielte die Borussia erstmals einen Punktspielsieg, den letzten Sieg im Stadion der Freundschaft errang die Borussia beim damaligen Zweitligisten FC Energie im DFB-Pokal der Saison 1998/99 (4:2). Im sechzehnten Auswärtsspiel der laufenden Bundesligasaison errang die Borussia mit dem 1:0 ihren dritten Auswärtssieg, mehr Auswärtssiege innerhalb einer einzigen Erstligaspielzeit gelangen ihr zuletzt in der Spielzeit 1997/98. Damals gewann sie 4 von 17 Auswärtspartien. Zum vierten Mal (Karlsruhe, Bielefeld, Hannover, Cottbus) in der laufenden Saison konnte die Borussia ein direktes Duell gegen ein ebenfalls abstiegsgefährdetes Team gewinnen, zwei dieser Begegnungen fanden auswärts statt (Bielefeld, Cottbus).

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  • RT @MichaelCUISANCE: Danke fur allés, es its nur der anfang 🙌🏼🐎 @borussia
  • @Neun_Drei Auch verletzt?
  • Während jeder Raffaels Tore feiert, sollte man auch den Jüngsten sehr loben. Bravo, vous avez bien fait, @MichaelCUISANCE! #bmgvfb
  • @Neun_Drei Was fehlt?
  • Milliarden Chinesen, die am Wochentag nachts um 0.30 Uhr 2 Stunden deutsche Bundesliga gucken, sind die Zielgruppe dieser Anstoßzeit #bmgvfb
  • @jarkoh Siegtor Max Eberl.
  • Wenn das so kommt, wie es sich liest, sind morgen Dirk Bremser, Max Eberl & Uwe Kamps im Kader. #BMGVFB

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