Mit einem glücklichen 1:0-Erfolg über den FC Schalke 04 ist Borussia an diesem Sonntag ein kaum noch für möglich gehaltenes Comeback im Abstiegskampf gelungen. Dank der erneuten Patzer der Konkurrenz reichte dieses Ergebnis sogar zu einem zwischenzeitlichen Sprung auf Platz 15, wenngleich bis zum Abstiegsendspiel in Cottbus nur drei Tage Zeit bleiben, um sich darüber freuen zu dürfen.

Das Spiel gegen Schalke begann wie nicht anders zu erwarten mit dem einsamen Stoß“stürmer“ Karim Matmour. Für Paauwe rückte gegenüber dem Bielefeldspiel Johannes van den Bergh auf die linke Seite, wo dieser so engagiert ackerte, dass er schon nach 39 Minuten gelb-rot-gefährdet vom Spielfeld genommen werden musste. Es kam mit Roberto Colautti der spätere Matchwinner, der über weite Strecken der Partie vollständig untergetaucht war, ehe er zum Ende der Partie durch die aufrückenden Schalker größere Freiräume erhielt, die er im zweiten Versuch eiskalt nutzte. 

In den ersten 60 Minuten jedoch wirkte die Begegnung auf beiden Seiten trostlos und unansehnlich. Schalke war optisch überlegen und wirkte wenigstens ab und an in der Offensive zielstrebig. So z.B. in der 8. Minute, als Sanchez die gedachte Abseitsfalle von Stalteri aushebelte und in der Mitte Kuranyi bediente, dem Bailly soeben aber noch zuvorkam. Nach 18 Minuten zog Sanchez aus 10 Metern halbrechter Position direkt ab und verfehlte das Gehäuse des Belgiers nur knapp.
 

Borussia beschränkte sich bis hierhin nur auf Reaktion und schien heilfroh, von den Gästen nicht noch stärker in der Defensive gefordert zu werden. Umso erstaunlicher, wie man nach 23 Minuten aus heiterem Himmel zur größten Chance der Partie kam. Rafinha hatte sich an der Strafraumgrenze auf Baumjohann gestützt. Ein Foul, dass in der Spielfeldmitte gepfiffen werden muss, das aber innerhalb des Sechzehnmeters oft als nicht elfmeterwürdig genug eingestuft wird. Peter Sippel schien sich an dieses ungeschriebene Gesetz nicht halten zu wollen, sondern pfiff hart, wenngleich regeltechnisch vertretbar, Elfmeter für Borussia. 

Wie so oft in den letzten Wochen bot sich also die Chance, per Strafstoß zu einem Torerfolg zu kommen, der angesichts der harmlosen Offensive aus dem Spiel heraus nahezu unmöglich erschien. Zuletzt war Filip Daems in Frankfurt und München zweimal in Folge erfolgreich gewesen, was ihm genug Selbstvertrauen für einen dritten Versuch hätte verleihen sollen. Stattdessen schnappte sich aber Marko Marin das Leder, bemüht mit seinen 20 Jahren Verantwortung im Abstiegskampf zu übernehmen. 
 

So löblich dieser Versuch gesehen werden kann, so sollte sich der Jungstar aber bewusst sein, dass man nicht automatisch zum Führungsspieler wird, nur weil man solche Zeichen setzt. Ein wenig Demut, gerade gegenüber dem erfahrenen Kapitän Daems, wäre an dieser Stelle nicht verkehrt gewesen. Denn so wirkte es ziemlich unglücklich, dass Marin mit seinem schwach platzierten Schuss an Manuel Neuer scheiterte.
 

Zur Ehrenrettung des Zauberzwergs sei aber gesagt, dass er im weiteren Spielverlauf der mit Abstand offensivfreudigste und im Angriff engagierteste Borusse gewesen ist. Auch wenn ihm dabei vieles mißlang, muss ihm gerade im Vergleich zu Baumjohann (und phasenweise Matmour) zugute gehalten werden, dass er wenigstens offensive Akzente mit Ansätzen von Torgefahr setzen konnte.  

Obwohl es vorläufig also beim 0:0 blieb, so war Borussia fortan wenigstens gleichwertig, indem man Schalke auf das tiefe eigene Niveau hinunter zog. Bis zum Halbzeitpfiff geschah nichts Nennenswertes mehr. Borussia konnte offensichtlich nicht mehr, während bei den Schalkern die Einschätzung schwer fiel, ob ein besseres Spiel eher durch mangelnden Willen oder fehlende Qualität verhindert wurde. 
 

Immerhin war Borussia nach der Einwechselung von Colautti mit einem echten Stürmer unterwegs und mit einer Aufstellung, wie sie den nach Offensive lechzenden Fans besser gefallen sollte. Ändern tat sich zunächst aber nicht viel. Zwischen der 30. und 60. Minute mussten Fußball-Ästheten um ihr Augenlicht bangen, wenn sie sich zu permanenten Blicken aufs Spielfeld zwangen.
 

Symptomatisch für das Spiel von Borussia war die 53. Minute, in der Marin einen Freistoß in aussichtsreicher Position herausholte. 20 Meter Torentfernung, etwas nach links versetzt. Spieler wie Diego oder van der Vaart würden in Ekstase geraten ob solch einer Möglichkeit. Bei Borussia war es dieses Mal tatsächlich Kapitän Filip Daems, der die Verantwortung übernahm und der versuchte, Manuel Neuer zu überlisten. Im Stile eines Mario Basler wollte er den Ball links an der Mauer vorbeizirkeln und mit viel Effet ins kurze Eck schlenzen. So weit die schöne Theorie. In der Realität purzelte der Ball meterweit neben das Tor.  

Was für sich nicht so schlimm wäre, spiegelt aber Borussias Hauptproblem im Abstiegskampf wieder. Man hat oft den Eindruck, dass die Mannschaft sich in der Lage wähnt, die Situation spielerisch meistern zu können. Spätestens am Mittwoch in Cottbus wird aber auch der letzte erkennen müssen, welche Qualitäten es tatsächlich sind, die beim Kampf um den Klassenerhalt zählen. Bei Mannschaften wie Cottbus oder Bielefeld wird man es nicht zu sehen bekommen, dass einzelne Spieler im Mittelfeld mit Hackentricks zu glänzen versuchen, wo oftmals ein kompromissloser Einsatz der einzig richtige Weg wäre. Wenn man versucht, spielerisch zum Erfolg zu kommen, dann muss dabei schon mehr herauskommen als in dieser Saison bei Borussia der Fall war und als auch an diesem Nachmittag, zumindest in der ersten Stunde, zu beobachten gewesen ist. Ansonsten ist solcherlei Schönspielerei eher kontraproduktiv und würde von einem jeden Gegner mit echtem Herzblut gnadenlos bestraft.
 

Mit dem nächsten Wechsel in der 62. Minute sollte das Spiel eine gewisse Wendung erfahren. Oliver Neuville ersetzte den völlig indisponierten Baumjohann, der einzig beim herausgeholten Elfmeter etwas Produktives zustande gebracht hatte. Endlich standen für Borussia die erwünschten zwei echten Stürmer auf dem Platz: Oliver Neuville und Roberto Colautti. Jetzt musste es gegen die schwachen Schalker doch einfach zu einem Sieg langen. 

Die Realität sah aber zunächst einmal so aus, dass eher die Gäste von der Änderung profitierten. Direkt nach dem Spielertausch tauchte Altintop 7 Meter vor dem Borussen-Tor frei auf. Einzig seiner Arroganz, mit der er den Ball über Bailly zu lupfen erhoffte, war es zu verdanken, dass der Belgier zur Ecke parieren konnte. In den nächsten zehn Minuten entwickelten sich einige Chancen für die Knappen, die gerade nach Standards immer wieder Gefahr hinaufbeschworen. Bailly entschärfte einige dieser Szenen, hatte in der 71. Minute aber auch Glück, dass sein Umherirren im Strafraum nicht zum Gegentor führte. Ausgerechnet der zuletzt vielgescholtene Dante rettete für den geschlagenen Keeper auf der Linie.
 

Von Borussia war in dieser Viertelstunde nichts zu sehen. Man konnte sich jetzt vielmehr dafür bedanken, wenigstens noch einen Zähler in Händen zu halten. Wenn dann waren es eher die Schalker, die in diesem typischen 0:0-Spiel einen Sieg verdient gehabt hätten. Nach 75 Minuten wären wohl die meisten Borussen heilfroh gewesen, wenn das Spiel mit jenem Unentschieden abgepfiffen worden wäre.
 

Doch die Tabellenkonstellation drückte eindeutig aus, dass dieser eine Punkt im Grunde für beide Mannschaften zu wenig war. Insbesondere die Schalker schienen das zu realisieren, denn ihre Minimalchance auf Platz 5 konnte nur noch durch einen Dreier aufrecht erhalten werden. So wagte man sich in einen offenen Schlagabtausch und entblößte die vormals so souveräne Defensive ein wenig mehr, was den jetzt endlich offensiv mitspielenden Borussia etwas mehr Raum gestattete. 
 

Und jetzt war auf einmal auch Roberto Colautti zu sehen, der urplötzlich zu einer Riesenmöglichkeit kam. Nach 76 Minuten war dies die erste echte Torchance für Borussia aus dem Spiel heraus. Ermöglicht wurde sie durch einen Fehler von Jones, der im Mittelfeld ausrutschte. Marin schaltete blitzschnell und stahl ihm den Ball vom Fuss, mit dem er halblinks an den Strafraum marschierte. Ein gescheiter Kurzpass auf Colautti, der volley und direkt abzog, aber etwas zu sehr auf den Schalker Torhüter zielte. Manuel Neuer schien mit dieser Glanzparade endgültig zum Garanten für das 0:0 zu avancieren.
 

Das sollte es nämlich mit zwingenden Torchancen fast gewesen sein. Auf der Gegenseite konnte Jones nach 81 Minuten viel zu unbedrängt abziehen, verzog aber deutlich übers Tor. Drei Minuten später gab´s für Borussia das nächste Geschenk, das auf Schalke Erinnerungen an 2001 wach rief. Gerade Manuel Neuer hatte noch vor wenigen Wochen beim Eckfahnen-Lauf in München offenbart, wie tief der Stachel der Vier-Minuten-Meisterschaft sitzt. Jetzt war er selbst mittendrin, indem er schoberte und einen Rückpass unnötigerweise mit der Hand aufnahm. Auch wenn dies selten gepfiffen wird, war dies mehr als regelkonform, wenngleich der Schiedsrichter das Geschehen ärgerlicherweise noch ein paar Meter zu weit nach hinten verlegte.  

Hätte Borussia einen Patrik Andersson, man wäre hier bereits in Führung gegangen. So musste man mit Filip Daems vorlieb nehmen. Als dieser aus 10 Metern kläglich in der Mauer hängen blieb, schien die heutige Messe endgültig gelesen. Einen Sieger hatte dieses trostlose Aufeinandertreffen nicht wirklich verdient. So versuchte man, sich mit einem 0:0 anzufreunden, das immerhin noch eine Restchance auf den Klassenerhalt offengelassen hätte.
 

In der allerletzten Spielminute versuchte Schalke noch einmal mit letzter Kraft irgendwie zum Torerfolg zu kommen. Aber das desolate Angriffsspiel um den einmal mehr enttäuschenden Kuranyi bezeugte, wieso auch der S04 meilenweit von den hoch gesteckten Saisonzielen entfernt ist. So fiel es Galasek leicht, den Ball mit einem Befreiungsschlag weit nach vorne zu wuchten, wo sich urplötzlich eine 3:3-Situation ergab. Oliver Neuville, dem man mit seinen 36 Jahren kaum noch etwas zutrauen mochte, nahm den Ball schön mit, ehe ihm sogar ein schöner Außenrist-Pass gelang, mit dem er zentral Colautti bediente. Etwas glücklich wurden die Schalker Abwehrspieler auf dem falschen Fuss erwischt, so dass der Israeli 10 Meter vor dem gegnerischen Gehäuse frei stand und dieses Mal Neuer mit einem platzierten Schuss ins linke Toreck keine Chance ließ.
 

Da war er, der umjubelte 1:0-Big Point, der wenig später durch den Schlusspfiff endgültig besiegelt wurde. Letztlich war dieser aber nur ein erster Schritt, dem am kommenden Mittwoch der alles entscheidende folgen muss. Ein Sieg in Cottbus und all diejenigen, die sich noch vor der heutigen Partie mit Liga 2 abgefunden hatten, dürften beinahe schon wieder den Klassenerhalt feiern. Wer jedoch denkt, dass ein Sieg über Schalke 04 irgendetwas darüber aussagt, dass man jetzt in Cottbus automatisch bestehen wird, der kann noch nicht allzu lange Fussballfan sein.
 

Mit der Leistung der ersten 75 Minuten wird es am Mittwoch mit hoher Wahrscheinlichkeit ein ähnlich trauriges Bild geben wie in den beiden Spielen des Vorjahres. Sowohl im Pokal wie auch im Borussia-Park wurden uns damals von den Lausitzern in eklatanter Weise die Grenzen unserer Spielweise aufgezeigt. Und es wäre geradezu ein Pyrrhus-Sieg, wenn uns dieses glückliche 1:0 dazu verleiten würde, uns an diese Realität nicht demütig zurückzuerinnern. 
 

Die Partie am Mittwoch wird mit der von diesem Sonntag kaum etwas gemein haben. Es wird dann nicht gegen einen mitspielenden Verein gehen, der zwar spielerisch mehr Qualitäten aufweist, dafür aber auch nicht mehr zwingend 100% Willen und Glauben an die Restchance UEFA-Cup mitbrachte. Nach der Niederlage gegen Leverkusen und angesichts der starken Auftritte der Konkurrenz könnte bei einigen Schalkern innerlich der eine oder andere Prozentpunkt an Einstellung gefehlt haben. Dies ist bei den Cottbusern nicht zu erwarten. Dort wird am Mittwoch ein jeder Spieler, Trainer und Fan 100% an den Tag legen. Und wenn irgendein Borussen-Spieler glaubt, dem mit Hackentricks oder sonstigen Schönspielereien begegnen zu können, wird die aktuell geschönte Ausgangslage bereits nach drei Tagen wieder Makulatur sein. Und es darf angezweifelt werden, dass dann in den beiden letzten Saisonspielen noch einmal das Glück dermaßen auf unserer Seite sein wird wie an diesem Sonntag, um dies ein weiteres Mal korrigieren zu können. 
 

Borussia: Bailly – Stalteri, Brouwers (Callsen-Bracker 84), Dante, Daems – Marin, Galasek, Bradley, Baumjohann (Neuville 62), van den Bergh (Colautti 39) – Matmour.

Schalke: Neuer – Rafinha, Westermann, Krstajic, Pander (Kobiashvili 16, Höwedes 59) – Jones, Engelaar, Altintop – Farfan (Asamoah 89), Kuranyi, Sanchez.

Tore: 1:0 Colautti (90.)

Zuschauer: 54067 (100 %)

Schiedsrichter: Peter Sippel (München)

Gelbe Karten (Borussia): van den Bergh, Marin
 

Besondere Vorkommnisse
: Borussia gewann sein erstes Spiel nach 6 sieglosen Partien. Seit dem 4:2-Derbysieg in Köln gelang der Mannschaft von Hans Meyer aber kein einziges Mal mehr als ein eigener Treffer. Roberto Colautti markierte sein erstes Tor in der 1. Bundesliga. Borussia erhielt den vierten Elfmeter in den letzten vier Partien zugesprochen, wobei nur Filip Daems bei seinen beiden Versuchen erfolgreich war, während Marin ebenso wie zuvor Bradley am Keeper des Gegners scheiterten.

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  • @agbeule Das Spiel des #effzeh war auch im letzten Jahr ähnlich limitiert. Aber halt sehr kompakt und vorne noch mit Lebensversicherung.
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