In keinem guten Fußballspiel unterlag die Borussia am Freitagabend dem VfL Bochum an der Hennes-Weisweiler-Allee mit 0:1 (0:1). Die Mannschaft von Trainer Hans Meyer zahlte hierbei den Preis dafür, dass sie sich von dem plötzlichen Führungstor der bis dahin eher passiven Bochumer, erzielt durch Dennis Grote Mitte der ersten Halbzeit, völlig aus dem Konzept bringen ließ und erst gegen Ende der Begegnung die Abspielfehler und Konzentrationsmängel wieder schrittweise in den Griff bekam. Zu allem Überfluß fügte sich Borussias Nationalspieler Marko Marin bei einem banalen Zweikampf in der zweiten Halbzeit noch selbst seine fünfte Gelbe Karte der Saison zu, er wird der Borussia somit beim kommenden Auswärtsspiel beim Karlsruher SC fehlen.

Nach zwei Siegen in Folge begann die Borussia in ihrem vierten Rückrundenheimspiel in unveränderter Formation, wobei Hans Meyer den im Winter von Standard Lüttich nachverpflichteten Brasilianer Dante Bonfim erstmals als Ersatzspieler nominieren konnte, hierfür rutschte Christian Dorda aus dem Kader.

Mit Elan probierte die Borussia in der Anfangsphase das Spielgeschehen zu beeinflussen und schaffte es dabei die Bochumer vordergründig auf Abwehrarbeit zu beschränken. Eine erste gute Tormöglichkeit ergab sich dabei in der neunten Spielminute für Verteidiger Roel Brouwers, der bei einem Eckstoß von der rechten Seite mit aufgerückt war und in Folge eines energischen Nachsetzens durch Rob Friend in eine gute Schussposition kam. Daniel Fernandes im Gehäuse der Bochumer konnte den Flachschuss des Niederländers allerdings noch um den Pfosten biegen, so dass der Borussia in dieser Szene die mögliche Führung versagt blieb. Vier Minuten später, in der 13. Spielminute, verdankte die Borussia es dann einer Einzelleistung von Alexander Baumjohann am Sechzehnmeterraum der Gäste, dass Rob Friend zu einer Tormöglichkeit kommen konnte, doch der Schuss des früheren Spielers des SC Heerenveen blieb zu ungenau und verfehlte letztlich knapp das Bochumer Tor.
Auch nach zwanzig Spielminuten blieb das Spielgeschehen noch unverändert, mit der Borussia als taktstockschwingende Mannschaft gelangte Flügelmann Karim Matmour zweimal (21., 26.) in eine aussichtsreiche Position, doch einmal verfehlte der algerische Nationalspieler das Gehäuse der Bochumer und einmal, auf Zuspiel von Michael Bradley, war der frühere Freiburger nicht in der Lage den Ball vor einem möglichen Torschuss in der nötigen Form zu kontrollieren; somit blieben auch diese weiteren Bemühungen der Meyer-Elf ohne zählbaren Ertrag.

Um die dreißigste Spielminute herum gelang des den Gästen aus dem Ruhrgebiet dann erstmals die Borussia defensiv vor Aufgaben zu stellen. Der im Januar aus Dortmund verpflichtete Diego Klimowicz hatte nach knapp vierundzwanzig Minuten als erster Bochumer in der laufenden Partie einen Warnschuss in Richtung Tor von Logan Bailly abgegeben, der in einen Eckball gemündet war, und der frühere Wolfsburger war auch am Führungstreffer der Gäste durch Dennis Grote (29.) entscheidend beteiligt. Die Borussenabwehr war in jener Szene schlecht positioniert und in dem Versuch unterlegen, den Ball präzise aus der Gefahrenzone zu bugsieren, da gelangte ein von Roel Brouwers abgeblockter Ball des Klimowicz auf die halbrechte Abwehrseite der Borussia. Von dort, aus rundweg zwanzig Metern Torentfernung, probierte der im vergangenen Sommer mehrfach von der Borussia umworbene U21-Nationalspieler Dennis Grote einen Flachschuß, der schließlich nicht haltbar für Borussias Logan Bailly im äußersten Torwinkel des Borussengehäuses einschlug und den Gästen eine zu diesem Zeitpunkt eher aus dem sogenannten Nichts produzierte Führung einbrachte.

Hatte die Borussia beim Remis im Bremer Weserstadion zuletzt einen Rückstand erfolgreich bewältigt, so zeichnete sich schon in den ersten Minuten nach dem Treffer Grotes in diesem Spiel ab, dass sie mit diesem Führungstreffer der Elf aus dem Ruhrgebiet nur schwer umgehen konnte. Der Treffer hatte einen nachhaltig destabilisierenden Effekt auf das Spiel der Borussia, die umgehend hektisch wurde und die in den fünfzehn verbleibenden Spielminuten bis zum Halbzeitpfiff des peniblen Referees Manuel Gräfe aus Berlin vor allem im Aufbauspiel einen fahrigen Eindruck machte. Zu viele Bälle wurden zu schnell und zu überhastet gespielt. In dem Versuch ein möglichst kombinationssicheres Spiel darzubieten, überboten sich die Borussenprofis in Abspielfehlern. Marko Marin und Alexander Baumjohann etwa fanden überhaupt nicht statt, Michael Bradley zeigte sich in Hinrundenform (und hätte kurz vor dem Seitenwechsel mit einem völlig gedankenlosen Fehlpass in der eigenen Hälfte den Bochumern fast noch das 2:0 ermöglicht) und selbst den bislang ruhenden Polen im Defensivverbund der Borussia - Mannschaftskapitän Filip Daems, Veteran Tomas Galasek und Rechtsverteidiger Paul Stalteri - misslangen selbst die geringfügigsten Zuspiele. In dieser Phase der Partie war die Borussenmannschaft, so kann man das wohl abkürzen, genauso wenig Herr ihrer Sinne wie sie nun gegenüber der Partie in Köln in der Vorwoche nicht wiederzuerkennen war.
Unverändert kamen beide Mannschaften aus der Kabine, Schiedsrichter Manuel Gräfe startete den zweiten Spielabschnitt und offensichtlich war der Borussia diese Halbzeitunterbrechung bekommen: sie spielte nun mit einer geringeren Fehlerquote, doch immer noch nicht mit der nötigen Ruhe im eigenen Spiel. So gelang es den Gästen aus der so genannten Opel-Stadt auch weiterhin mit ihrer defensiven Ausrichtung zu reüssieren und die Borussia auch in der ersten Viertelstunde nach Wiederbeginn nicht in den notwendigen Schwung für eine Aufholjagd kommen zu lassen - bemerkenswert insofern, als Borussias erste Torgelegenheit der zweiten Spielhälfte ein leider über das Gehäuse der Bochumer hinwegfegender Distanzversuch von Michael Bradley nach 60 Spielminuten war.

Drei Minuten später, die Borussia hatte sich einen Eckball erwirkt, verdankten es die Gäste von Trainer Marcel Koller einer Rettungsaktion ihres Mittelfeldspielers Christoph Dabrowski, unmittelbar vor der Torlinie und dem deshalb einen Abstauber ansetzenden Karim Matmour, dass sie weiterhin in Führung blieben. Bochums Torwart Daniel Fernandes hatte in jener Szene den von Marko Marin hereingebrachten Eckball unterschätzt und bei seinem Abwehrversuch nicht unter Kontrolle bringen können; neun Minuten vorher hatte Marin, der sich wie auch Alexander Baumjohann sehr schwer tat das Spiel allgemein oder auch kreativ zu beleben, in einer gewöhnlichen Situation im Mittelfeld mit einem unnötigen Foulspiel hervorgetan, dass zu einer Gelben Karte führte und den Nationalspieler für Borussias kommendes Auswärtsspiel beim Karlsruher SC Anfang April in eine Zuschauerrolle versetzen wird.

Etwa dreiundzwanzig Minuten vor dem Spielende, also cirka in der Mitte der zweiten Hälfte, nahm Borussentrainer Hans Meyer durch die Hereinnahme von Dante Bonfim eine Veränderung in der Zuordnung und Spielaufstellung vor. Dante Bonfim ersetzte Tobias Levels, auf dessen linker Abwehrseite fortan Mannschaftskapitän Filip Daems zum Einsatz kam, dessen bisherige zentrale Verteidigerrolle wiederum eben durch den brasilianischen Neuzugang übernommen wurde. Dieser führte sich, im Zuge eines neuerlichen Eckballs, beinahe erfolgreich ein, doch sein möglicher Kopfballversuch gegen den im Luftzweikampf gern desorientiert wirkenden Torwart Daniel Fernandes wurde von Schiedsrichter Gräfe prompt unterbunden. Dante Bonfim hatte sich regelwidrig einen Vorteil gegenüber dem in Kanada geborenen portugiesischen Schlussmann der Ruhrelf verschafft.

Nach weiteren Spielerwechseln auf beiden Seiten, bei der Borussia kamen in der Folge Oliver Neuville (für Karim Matmour) und später noch Roberto Colautti (für Tomas Galasek) vordergründig Offensivspieler zu ihren Teileinsätzen, nahm das Spielgeschehen jedoch erst wieder in der Schlussviertelstunde einigermaßen und schließlich sukzessive an Fahrt auf. Bis dahin verstand es die Borussia nicht, sich in der Vorwärtsbewegung in nachhaltiger Form zu stabilisieren und hatte hier und da gern einmal auch wieder jenen Anstrich der Kopflosigkeit, mit der sie sich die Schlussviertelstunde der ersten Spielhälfte bereits vermasselt hatte. Bis in die Schlussminuten hinein erzwang sich die Borussia darob weiterhin keine klaren Torgelegenheiten, erst nach achtundachtzig Minuten konnte Borussia wieder eine deutliche Möglichkeit verzeichnen. Doch in dieser Situation war Bochums Fernandes auf dem Posten und entschärfte die Situation, die durch aufeinander folgende Kopfbälle von Rob Friend und Roberto Colautti für Roel Brouwers entstanden war. In der Schlussminute war es dann Pech für Rob Friend, dass wiederum Fernandes seinen akrobatisch erzwungenen Torschuss mit seinen ihm zur Verfügung stehenden Körperteilen zu einer erneuten Eckballsituation abwehren konnte und nicht weniger unglücklich, dass Roberto Colauttis Kopfball in der Nachspielzeit, aus ebenfalls rund sechs Metern Torentfernung, vom eingewechselten Shinji Ono noch kompetent von der Linie gekratzt wurde.

Der Abpfiff von Schiedsrichter Gräfe in der vierten Spielminute der Nachspielzeit festigte damit eine dritte Heimniederlage der Borussia gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten im Verlauf dieser Saison, zuvor hatte die Borussia - allerdings im Zuge der ungenügend verlaufenen Hinrunde - bereits gegen Frankfurt und gegen Energie Cottbus daheim verloren. Der Abpfiff setzte allerdings auch einen Schlusspunkt unter die aufgekommene Serie von zwei Siegen in Folge, die Mannschaft wie Publikum an diesem Tag gerne um ein drittes Match auf dann drei Siege in Folge erweitert hätten. Dafür fehlte der Mannschaft zum Schluss jedoch das Fortune. Und während weiten Teilen der Begegnung in erster Linie auch die Konzentration und die Präzision, die schlicht elementar ist um in so einem Spiel gegen einen direkten Konkurrenten erfolgreich zu sein. Die Bochumer, die in der ersten Hälfte der ersten Hälfte den klaren Anschein erweckten mit einem einzelnen Punkt aus der Begegnung auch sehr zufrieden zu sein, profitierten hiervon, insbesondere jedoch von der doch haarsträubenden Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit, während der die junge Borussenelf sich ihr eigenes Spiel zerstörte. Etwa, weil ihre Routiniers wie Galasek, Stalteri oder Daems nicht in der Lage waren ihren Mitspieler ein Vorbild zu sein. Aber auch, weil sich die in den letzten Wochen in den Vordergrund drängenden Baumjohann, Marin und Bradley mit dem Versuch überforderten, in dieser zuletzt ungekannten Situation eines zwischenzeitlichen Rückstandes genauso ruhig weiter Fußball zu spielen, wie dies für eine solche Lage in solch einer Phase einer doch nachhaltig wichtigen Begegnung allgemein ratsam ist.

Das ist vor allem deshalb bedauerlich, weil sich die Borussenmannschaft damit im Grunde selbst ihrer stärksten Mittel beraubte und nicht dort fortsetzte, wo sie etwa gegen Hamburg und Köln noch angesetzt hatte. Ganz gewiss offenbarte die Mannschaft damit lediglich die Richtigkeit der Prognose, dass sie trotz der in den letzten Wochen wahrscheinlicher gewordenen Chance auf einen Verbleib in der 1. Bundesliga weiterhin einen nachhaltig komplizierten Weg zu gehen hat. Dass sie sich kaum so weiträumig vorab vor dem wiederholten Klassenverlust wird retten können, dass es Not tut sich bereits lange vor dem Sommer darüber heiß & wirr zu reden, wie und in welcher Form sie die weiter deutlich vorhandenen Defizite in ihrer eigenen Leistung zukünftig nachhaltig abstellen sollte. Die Borussia befindet sich im Abstiegskampf und in diesem ist es erforderlich, dass jedes einzelne der verbleibenden neun Spiele als Teil eines Gesamtergebnisses betrachtet bleibt. Und eben nicht wie ein ultimatives Endspiel, dessen einzelnes Ergebnis allein über die restliche Saison entscheidet.
Infolgedessen kann sich die Borussia - dann jedoch ohne den gesperrten Marin - bei dem auf die Länderspielpause folgenden Auswärtsspiel beim Karlsruher SC die an diesem Spieltag doch eher oberflächlich weggegebenen Zähler wieder zurückholten. Deshalb wird sie auch in der Länderspielpause nicht umhin kommen die eigene Konzentration sauber hoch zu halten und ihre restlichen fußballerischen Sinne in einer Form zu schulen, die als Ergebnis hat, dass sie sich nicht mehr so leicht aus der Bahn schmeißen lässt wie durch das vermeidbare (Sieg-)Tor der Bochumer an diesem Spieltag.

Deutlich geworden ist auch an diesem Spieltag in dieser Begegnung, dass die Borussenmannschaft das Zeug hat sich aus eigener Kraft vor dem Abstieg zu bewahren. Sei es direkt oder indirekt, etwa durch zwei zusätzliche Spiele der Relegation. Wichtig ist deshalb, dass das gesamte Umfeld rund um die von Trainer Meyer kompetent betreute Elf erkennt, dass aufgrund der Tabellensituation aus der Winterpause es eindeutig keine Demütigung ist, dass Borussia momentan noch sehr handfest in Abstiegsgefahr schwebt und es am Ende auch keine Niedertracht wäre, wenn die Mannschaft schließlich durch die Relegation müsste. Gerade für so ein Szenario wäre es extrem wichtig, dass die Anhängerschaft der Borussia final begreift, dass so ein sicherlich hübscher Derbysieg wie in der Vorwoche zwar schon nett anzuschauen ist, aber auch immer nur eine einzelne (und jetzt bereits abgeschlossene!) Etappe einer gesamten Spielzeit bilden kann.

Borussia: Bailly - Stalteri, Brouwers, Daems, Levels (Dante Bonfim 67) - Bradley, Galasek (Colautti 80) - Matmour (Neuville 71), Baumjohann, Marin - Friend.

Bochum: Fernandes - Concha, Mavraj, Fabian, C. Fuchs - Imhof, Dabrowski - Grote (Freier 72), Azaouagh (Bönig 89) - Epallé (Ono 69), Klimowicz

Tor: 0:1 Grote (29.)

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)

Zuschauer: 49.282 (91,14 %)

Gelbe Karten (Borussia): Stalteri, Marin (5), Bradley

Besondere Vorkommnisse: Die Borussia wartet nun bereits 15 Spiele auf einen Erfolg gegen den VfL Bochum, zuletzt gelang ihr am 13.09.1997 ein Erfolg. Bei einem 2:1 trafen damals Stefan Effenberg und Andrzej Juskowiak für die Borussia. Abwehrspieler Dante Bonfim Costa Santos (*18.10.1983) absolvierte sein erstes Pflichtspiel für die Borussia, er war im Winter von Standard Lüttich zur Borussia gewechselt. Nach Rob Friend und Filip Daems ist Marko Marin der dritte Akteur des Kaders, der sich mit seiner 5. Gelben Karte eine Spielsperre einhandelte. Daems fehlte am 17. Spieltag in Dortmund, Friend am 20. Spieltag in Bremen.

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  • @agbeule Das Spiel des #effzeh war auch im letzten Jahr ähnlich limitiert. Aber halt sehr kompakt und vorne noch mit Lebensversicherung.
  • @GJA1201 Stimmt, es sagt auch einiges über die letzte Saison der #Fohlenelf aus. Platz 5 des #effzeh war durchaus nicht unverdient.
  • Es sagt einiges über die Qualität der Bundesliga aus, dass eine so limitierte Mannschaft wie der #effzeh europäisch spielen darf. #BMGKOE
  • Die Ente fliegt raus #dfbpokal #DÜSBMG
  • Wenn Barca an Dembeles aktuellem Streik Schuld hat: wer war dann zuvor in Rennes, bei Mkhitaryan in Donezk und einst bei H. Herrlich Schuld?
  • RT @tspsport: "Die haben sich das zusammengebastelt"- #Bundesliga-Schiri Manuel Gräfe kritisiert Krug und Fandel, im @tagesspiegel https://…

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