Hertha BSC Berlin - Bor. MönchengladbachDer Unterschied zwischen der Elf aus der Hauptstadt und der Borussia, die eine konstruktive Vorstellung bot und in der zweiten Halbzeit deutlich spielbestimmend agierte, war und blieb bis zum Spielschluss der jeweilige Tabellenplatz beider Teams. Während die Borussia sich nach diesem 1:2 bei der Hertha auf die nächste Aufgabe im Abstiegskampf einzulassen hat, ist den Gastgebern eine große Saison zu bescheinigen: wer auch die nicht überzeugenden Spiele mit drei Punkten beendet, der könnte zum Saisonende weit oben enden.

Auf einer Position hatte Trainer Hans Meyer seine Startformation im Vergleich zum Heimsieg über Hannover 96 zu verändern, der grippegeschwächte Tomas Galasek trat zwar die Reise nach Berlin mit an, in der Anfangsformation wurde er schließlich doch ersetzt. Für ihn begann Patrick Paauwe auf der zentral defensiven Schaltposition, die Galasek in den ersten vier Rückrundenpartien äußerst souverän, vordergründig ballsicher und vorausschauend, interpretiert hatte.

Gleich in der Anfangsphase der von Schiedsrichter Gagelmann beaufsichtigten Begegnung bemühte sich die Borussia um eine strukturierte Bewegung. Ihr schien dies auch zu gelingen, doch wurde diese forsche Art der Spielweise nach rund acht Spielminuten durch eine nicht akkurate Abwehrbewegung unterbrochen. Diese brachte der Berliner Hertha eine erste kleine Serie an Eckballsituationen vor dem Tor von Logan Bailly ein. Aus dieser schlugen die Gastgeber kein unmittelbares Kapital in Form von Torerfolgen, doch konnten sie den Spielverlauf so unter ihre Kontrolle kriegen, dass die Borussia hernach eher auf die Vorstöße der Berliner zu reagieren hatte. Berlin erwirkte so in der zehnten Spielminute eine prächtige Torchance, als der hinter der Borussenverteidigung allein vor Bailly auftauchende Raffael de Araujo mit einem Schussversuch scheiterte.
Zwei Minuten später allerdings, auf der gegenüberliegenden Seite, hatte dann die Borussia eine schöne Tormöglichkeit. Eine Flanke von der linken Angriffsseite stoppte Rob Friend für den parallel durchgelaufenen Michael Bradley, doch der US-Nationalspieler erwischte den Ball auf seinem falschen Fuß und so blieb es dabei weiterhin dabei, dass die Borussia zuvorderst zu verteidigen hatte und die Berliner zunächst einmal für die Aktionen vor dem Tor verantwortlich zeichneten.

Diese Torgefährlichkeit der Gastgeber versprühte in erster Linie Borussias ehemaliger Jugendspieler Andriy Voronin, der in dieser Phase des Spiels die größte Verwirrung in der Verteidigungsreihe der Borussia stiftete. Der Borussendefensive merkte man hier klar an, dass sie am heutigen Samstag ohne Tomas Galasek zu spielen hatte. Sein Vertreter Patrick Paauwe musste sich erst zurechtfinden und dies nahm eine Zeit in Anspruch, die auch noch über die zwanzigste Spielminute andauerte. Allerdings vermochte sich parallel dazu die Elf wieder verstärkt konstruktiv aus einer herannahenden Umklammerung der Heimelf zu befreien und zeigte durchaus durchdachte Spielzüge, die die Vermutung bekräftigten, dass die Borussia aus ihren jüngsten Punktgewinnen auch Selbstvertrauen mitgenommen hatte. Deshalb war es betrüblich, dass die Mannschaft sich im Zuge dieser somit wieder ausgeglichener geführten Begegnung gerade dann doch den Rückstand einhandelte: in einer wenig temporeichen Situation in den Tiefen des Berliner Mittelfelds konnte Cicero Santos einen punktgenauen Pass in den Laufweg von Voronin anbringen, den dieser eigenverantwortlich über den hinausstürzenden Bailly hinweg zur 1:0-Führung im Tor unterbrachte.

Aus einer wenig bedrohlich scheinenden Situation hatte sich die Borussia damit also ein erstes Gegentor eingehandelt. Sie hatte sich förmlich selbst bestraft, Momente zuvor hatte es gerade noch so ausgesehen, als könnte die Borussia die Führung erhaschen, doch Nationalspieler Marko Marin hatte sich mit dem Ball am Fuß im Sechzehner der Hertha lediglich festgedribbelt und den vielsprechenden Ballbesitz nicht vernünftig ausgenutzt.

Für die nächste beachtliche Szene der Partie sorgte in der 34. Spielminute Logan Bailly. Er hatte einen Ball in seinem Sechzehner aufgenommen und probiert mit einem schnellen Abschlag in der Nähe der Hälfte Herthas Karim Matmour zu finden. Doch Baillys Abschlag geriet so flach, dass er an den Hinterkopf des gerade den Borussenstrafraum verlassenden Rob Friend prallte. Von dort aus flog der Ball in Richtung Borussentor. Doch Bailly war rechtzeitig, und zwar rechtzeitig vor den Herthaspielern, wieder am Ball um diesen vor dem Übertritt der Torlinie der Borussia zu bewahren und das Zwischenergebnis in Schlagdistanz für die Borussia zu belassen - diese Schlagdistanz büsste die Elf von Hans Meyer unglücklicherweise jedoch einige Minuten später ein.

Im Zuge eines Einwurfs von der rechten Abwehrseite der Borussia schien die Borussenmannschaft etwaig aufziehendes Gefahrenpotential unterbinden zu können, als ein Ball in den Beinen der aufgerückten Mittelfeldspieler der Herthaner landete. Patrick Ebert konnte den Ball dort dann so weiterspielen, dass der durchgestartete Ungar Pal Dardai für die Heimmannschaft die Sekundenbruchteile eher (als Filip Daems) am Ball war, die letztlich reichten, um den Ball an Logan Bailly in das Borussentor vorbei zu bugsieren. 2:0 für die Heimmannschaft stand es damit und weil unmittelbar darauf Schiedsrichter Gagelmann zur Halbzeitpause bat, ließ sich (aufgrund einer wesentlicher besseren Chancenverwertung) allein eine verdiente Pausenführung für die Gastgeber feststellen. Es war in erster Linie die Effizienz vor des Gegners Tor, die die Hertha hier gleich so viel besser erscheinen ließ, gerade weil die Borussia sich bis dato nicht unter Wert verkauft hatte.

Zur Halbzeit veränderte Hans Meyer seine Mannschaft auf einer Position, für den offensiv nur geringfügig in Erscheinung getretenen Karim Matmour bot der Borussentrainer zur zweiten Spielhälfte Oliver Neuville auf und der langjährige Nationalspieler der Borussia war es dann auch, der in den ersten zehn Minuten nach Wiederanpfiff mit zwei Torgelegenheiten in aussichtsreicher Position untermauern konnte, dass die Borussia nicht gewillt war von ihrem konstruktiv erscheinenden Angriffsspiel abzulassen. Leider endeten beide Situationen, in der 57. und 59. Minute, am Ende im Tor-Aus und brachten der Borussia nicht den erforderlichen Anschlusstreffer, den sie sich gerade auch aufgrund ihrer Spielweise in den ersten Minuten nach dem Wiederanpfiff redlich zu verdienen versuchte. Hans Meyer goutierte diese energischen Versuche das Spielgeschehen ausschließlich in der Gegnerhälfte zu konzentrieren mit der Einwechselung von Moses Lamidi. Er löste damit ein wenig den Defensivverbund, da er Patrick Paauwe auswechselte, wobei Michael Bradley sich in der Folgezeit in Situationen mit gegnerischem Ballbesitz ein wenig tiefer dem eigenen Tor gegenüber einreihte.

Überhaupt zeigte Michael Bradley, und zwar nicht weil er in der 69. Spielminute einen von Nationalspieler Arne Friedrich an Marko Marin verschuldeten Strafstoß sicher zum Anschlusstor verwandelte, auch in der heutigen Partie einen Aufwärtstrend, den man an dem Unterschied zwischen seinen letzten Hin- und seinen ersten Rückrundenbegegnungen festmachen kann. War Bradley in der Hinserie meist noch unglücklich unterwegs, so zeigt er seit fünf Spielen nun eine deutlich stabilere Art innerhalb der Mannschaft Kombinationsfußball (mit) zu spielen. Der von ihm verwandelte Strafstoß, zwanzig Minuten vor dem Ende, brachte der Borussia dann jene Schlagdistanz zurück, aus der in den verbleibenden Minuten durchaus ein Punkterfolg in den Bereich des Möglichen rückte. Vier Minuten nach dem Anschlusstreffer verbuchten zunächst aber die Berliner einen Torschuß, Bailly nahm Voronins Schuß sicher auf (74.).

Um dem Drängen seiner Mannschaft nach dem Ausgleichstreffer erneute Nahrung zu geben, tauschte Hans Meyer gute zehn Minuten vor Schluss auch noch Roberto Colautti ein. Der israelische Nationalspieler kam für Alexander Baumjohann, der heute insgesamt hinter seiner Leistung aus der Vorwoche zurückblieb. Noch bevor sich Colautti erstmals in einen Angriff der Borussia einbringen konnte, scheiterte Herthas Raffael de Araujo an Logan Bailly (83.). Als Colautti dann in aussichtsreicher Position auftauchte, wurde er von Berlins Stein noch vor dem Strafraum zu Fall gebracht (85.).
Der Berliner Akteur entkam, nach Intervention von Herthas Mannschaftskapitän Arne Friedrich bei Schiedsrichter Gagelmann, einer Gelben Karte, doch der aus seinem Foul heraus resultierende Freistoß drängte seinen Torwart Jaroslav Drobny zu einer reichlich spontanen Parade am Außenpfosten. Dorthin, in die von ihm aus rechte Ecke des Berliner Tores, hatte Marko Marin jenen Freistoß gezirkelt und sich auch beinahe über einen Treffer freuen können, wenn der Tscheche nicht doch noch so auf der Hut gewesen wäre.

Auch die Schlussminuten im Olympiastadion verliefen wie insbesondere die zweite Halbzeit verlaufen war. Die Borussia spielte gegen die Führung an und suchte ihr zweites Tor, die Gastgeber-Elf blieb in ihrer eigenen Hälfte die Hoffnung über, mit einem Tempogegenstoß die endgültige Entscheidung herbeiführen zu können. Einen solchen Angriff probierte in der Schlussminute Andriy Voronin abzuschließen, doch sein Schuss brachte den Berliner nur einen vorüberziehenden Eckball als Entlastung ein. Im Gegenzug hatte die Borussia dann eine große Torchance, doch der satte Rechtsschuss des Moses Lamidi wurde von der Berliner Abwehr noch vor der Torlinie abgefangen. Zu einem wirklichen Nachschuss gelangte die Borussia nicht mehr, auch wenn sie im Zuge dieser finalen Spielminute gleich eine Reihe von kleineren Möglichkeiten erhielt. Den Abschluss dieser bis zum Schlusspfiff spannenden Partie bildete daher eine Parade von Logan Bailly, der einen dritten Berliner Treffer durch den alleine auf ihn zu stürmenden Bulgaren Valeriy Domovchiyski aufmerksam unterband.

Ganz gewiss ist eine Niederlage in der Situation der Borussia nicht ausreichend und entsprechend unerheblich ist es an und für sich darüber zu sinnieren, dass die Borussia insbesondere durch ihre Darbietung in der zweiten Halbzeit durchaus einen Zähler verdient gehabt hätte. Im Vergleich zu ihren vorangegangenen Auswärtsspielen zeigte sie in der Offensive eine klare Leistungssteigerung und hatte hinreichend Situationen, die sie hätte zu einem positiven Endresultat nutzen können. Ganz sicherlich ist es aber auch so, dass sie sich die Gegentore in der ersten Halbzeit quasi selbst in das Tor geschossen hat. Beim ersten Tor konnte so Voronin ein mit Nachlässigkeit in der Abwehrbewegung gepaartes Missverständnis zwischen wenigstens zwei der vier Verteidiger der Borussia ausnutzen, beim zweiten Gegentreffer hätte unter anderem Filip Daems sicherstellen müssen, dass die Situation im Vorfeld des Steilpasses von Ebert auf Dardai wirklich bereinigt ist. Da die Chance in dem Moment noch nicht vereitelt war, schlug der Ball letztlich im Tor ein und brachte die Borussia im Ergebnis in ein klares Hintertreffen.

In der zweiten Halbzeit war dann allenfalls die Chancenverwertung zu bemängeln. Dass bei einer so doch stark offensiven Spielweise eine Mannschaft wie Hertha BSC, mit den absolut beachtlichen Resultaten und der bemerkenswerten Punkteausbeute, auf diesem Niveau gegen die Borussia Kontergelegenheiten wie beispielsweise jene von Domovchiyski erhalten wird, dies ist schlüssig. Andersherum aber hat die Borussia mit ansehnlichem Fußball couragiert versucht das Defizit aus der ersten Halbzeit noch zu egalisieren. Und das ist ein Ausdruck der Entwicklung, die die Mannschaft seit dem späten Herbst (insbesondere seit der Winterpause) genommen hat. Die Borussia ist konkurrenzfähig. Ihr ist kein einziger Punkt garantiert und es ist betrüblich, dass es bis hierhin so lange damit gedauert hat. Aber sie ist immerhin konkurrenzfähig auf diesem Niveau und sie hat ihre Möglichkeiten, die zu nutzen ihr natürlich geboten ist.

Insgesamt war es daher ein eher ermunterndes, denn niederschmetterndes Gastspiel Borussias in der Hauptstadt. Natürlich halt ohne akut Greifbares für die Tabelle, ohne vielleicht den nach diesem Spielverlauf sehr möglichen Punktgewinn in der Fremde. Aber mit der Konsequenz sich inzwischen in fähigerer Form gegen den Abstieg zu stemmen und stemmen zu können. Den Gastgebern von der Hertha ist derweil zu übermitteln, dass man es gewöhnlich weit in der Tabelle einer Liga in der betreffenden Saison bringt, wenn man es versteht auch jene Spiele für sich zu entscheiden, in denen man nicht deutlich um einen Siegtreffer besser war als der jeweilige Gegner.

Aus Sicht der Borussia kann die Hertha dies gleich am kommenden Wochenende gern erneut in dieser effektiven Form zeigen.

Berlin: Drobny - Stein, Friedrich, Simunic, Rodnei (von Bergen 64) - Ebert, (Babic 84), Dardai, Cicero, Nicu - Raffael (Domovchiyski 89) - Voronin

Borussia: Bailly - Stalteri, Gohouri, Daems, Levels - Paauwe (Lamidi 61) - Matmour (Neuville 46), Baumjohann (Colautti 78), Bradley, Marin - Friend

Tore: 1:0 Voronin (28.), 2:0 Dardai (44.), 2:1 Bradley (69., Foulelfmeter)

Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)

Zuschauer: 48.534

Gelbe Karten (Borussia): Baumjohann, Levels, Gohouri (4), Lamidi

Besondere Vorkommnisse: Am 22. Spieltag dieser Saison kassierte die Borussia ihre 14. Saisonniederlage. Der von Michael Bradley verwandelte Elfmeter in der Partie war der erste für die Borussia ausgesprochene Strafstoß der Saison. Es war zugleich der erste Strafstoß für die Borussia in der 1. Bundesliga seit dem 12.08.2006, damals verwandelte Oliver Neuville am 1. Spieltag der Saison 2006/07 einen an Peer Kluge verursachten Elfmeter zum 2:0-Siegtor über den FC Energie Cottbus an der Hennes-Weisweiler-Allee. Letztmals einen Elfmeter in einem Punktspiel zugesprochen bekam die Borussia in der vergangenen Saison am 31. Spieltag beim Auswärtserfolg über Kickers Offenbach (7:1). In jener Begegnung erhielt die Borussia 2 Strafstöße (2x Oliver Neuville).

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  • @agbeule Das Spiel des #effzeh war auch im letzten Jahr ähnlich limitiert. Aber halt sehr kompakt und vorne noch mit Lebensversicherung.
  • @GJA1201 Stimmt, es sagt auch einiges über die letzte Saison der #Fohlenelf aus. Platz 5 des #effzeh war durchaus nicht unverdient.
  • Es sagt einiges über die Qualität der Bundesliga aus, dass eine so limitierte Mannschaft wie der #effzeh europäisch spielen darf. #BMGKOE
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  • RT @tspsport: "Die haben sich das zusammengebastelt"- #Bundesliga-Schiri Manuel Gräfe kritisiert Krug und Fandel, im @tagesspiegel https://…

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