In einem erst in der zweiten Spielhälfte einseitigem Fußballspiel im ausverkauften Bremer Weserstadion erarbeitete sich eine hart arbeitende Borussenmannschaft durch einen Treffer von Michael Bradley am heutigen Samstagnachmittag einen Auswärtspunkt. Der Nationalspieler aus den USA erzielte drei Minuten nach der zwischenzeitlichen Führung der Gastgeber durch Pizarro in der 79. Spielminute den umjubelten Ausgleichstreffer für die Equipe von Trainer Hans Meyer, für die Torhüter Logan Bailly im Spielverlauf mit einer Reihe reaktionsschneller und zugleich spektakulärer Paraden aufwarten konnte.

Borussentrainer Hans Meyer schickte beim dritten Rückrundenspiel eine gegenüber der Vorwoche auf zwei Positionen veränderte Borussenmannschaft an den Start. Für den gelbgesperrten Robert Friend agierte Roberto Colautti von Beginn an in der Sturmspitze, im Mittelfeld bot Meyer überdies Tony Jantschke auf, nominell für Nationalspieler Marko Marin. Auch Michael Bradley konnte von Meyer aufgeboten werden, er hatte sich rechtzeitig vor der Begegnung von seiner Nationalmannschaftsreise unter der Woche zurückgemeldet.

Wie schon im vorigen Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart war die Mannschaft um Mannschaftskapitän Filip Daems von Spielbeginn an zunächst einmal darum bemüht eine strukturelle Ordnung auf das Rasenviereck zu spiegeln. Dies bedeutete auch in diesem Spiel eine verstärkte Defensivbewegung von Tomas Galasek aus dem defensiven Mittelfeld heraus, zum wiederholten Mal überschritt der ehemalige Nürnberger vor allem in der ersten Halbzeit die Mittellinie des Spielfelds nicht und zeigte sich wechselweise vor, meist aber zwischen oder auch hinter den als Innenverteidigern aufgebotenen Filip Daems (links) und Steve Gohouri (rechts). Vor Galasek war Tony Jantschke in erster Linie darum bemüht die Kreise von Mesut Özil einzuengen, der auf Bremer Seite den noch immer gesperrten Diego Ribas da Cunha in der zentral offensiven Mittelfeldposition zu vertreten suchte. Paul Stalteri und Christian Dorda auf den Außenverteidigerpositionen ordneten sich etwas höher, und damit beinahe auf der Linie Jantschkes ein, Michael Bradley blieb noch ein Stück höher etwas räumlich versetzt hinter den in erster Linie auf den Flügeln bemühten Alexander Baumjohann und Karim Matmour zurück. Roberto Colautti seinerseits mühte sich als vorderste Anspielstation zu fungieren. Dies gelang dem in Argentinien geborenen Stürmer insbesondere in weiten Teilen der ersten Halbzeit in beachtlicher Weise.

Bereits in der fünften und sechsten Spielminute bot sich für die Borussia eine erste Chance den Ball vor das Tor der Werder-Elf zu bringen, bei der sich vor allem in der ersten Halbzeit die Außenverteidiger als Schwachstellen entpuppen sollten, doch Karim Matmour konnte zwar Sebastian Boenisch überwinden, jedoch unterband der letztlich hinzugestoßene Naldo Matmours Eindringen in den Strafraum Tim Wieses. Auf der Gegenseite wurde es erstmals gefährlich, als zu viele der Borussenspieler sich versuchten in einen eigenen Angriff einzubringen. Das nutzten die Bremer in der 13. Spielminute zu einem raschen Vorstoß über Özil, dessen Flanke in zentraler Torentfernung innerhalb des Sechzehnmeterraums den mitgelaufenen Hugo Almeida fand. Der portugiesische Stürmer brachte den Ball auch gleich aus der Drehung in Richtung Tor, jedoch nur an die äußersten Torstangen. Sechs Minuten später war es ein nahezu identischer Versuch der Borussenelf sich aktiv ins Spiel einzubringen, der der Heimmannschaft wiederum ein schnelles und direktes Spiel in Richtung Logan Bailly bescherte. Mesut Özil war es dabei in dieser 19. Spielminute, der den herausgelaufenen Bailly auch umrunden konnte, letztlich den Ball aber am Tor vorbei dirigierte; eine vergleichbare Situation zeigte sich in der 26. Spielminute, doch wiederum Özil konnte für Bremen kein Kapital schlagen.

Die Borussia, die sich bis zur Einwechselung von Oliver Neuville für Tony Jantschke nach rund 40 Spielminuten, sehr bemüht und kombinationsstark im Spiel in Richtung des Bremer Tores gezeigt hatte, besaß ihrerseits bereits in der 23. Minute eine Tormöglichkeit über den forsch mit aufgerückten Christian Dorda, der zwei Gegenspieler mit dem Ball am Fuß aussteigen ließ, im Endeffekt Bremens Nationaltorhüter Tim Wiese allerdings nicht überwinden konnte. Der anschließende Eckball für die Borussia brachte nur ein, dass die Bremer erneut mit schnellem Tempo versuchten die Abwehr der Borussia auf dem falschen Fuß zu erwischen, doch immerhin der zurückgespurtete Steve Gohouri war es, der dem bereits einschussbereiten Hugo Almeida den Torjubel versagte, weil er die wohl getimte Hereingabe von der rechten Angriffsseite der Norddeutschen akrobatisch über den Fuß des Portugiesen hinweglupfte.
In der 28. und in der 33. Spielminute musste sich die Borussia dann erstmals richtig auf Logan Bailly verlassen, der mit zwei reflexartigen Paraden dafür sorgte, dass Werder Bremen am Ende ohne eigenen Torerfolg in die Halbzeitpause gehen musste. Dabei wäre dem Schlussmann der Versuch eines vorzeitigen Abfangens eines weiteren Bremen Vorstoßes nach 38 Minuten fast zum persönlichen Verhängnis geworden, als er bereits außerhalb des Strafraums den Ball schließlich doch noch regelkonform weiterspielen konnte und nicht - wie von den Bremern reklamiert - mit der Hand weiterbeförderte.

Mit dem Wiederbeginn der Partie nach der Halbzeitpause zeigte sich die Borussia zunächst wieder besser in der Lage dem Druck der Werdermannschaft standzuhalten, außer kleineren Versuchen in Richtung Bailly war der direkte Druck auf das Tor der Borussia so nicht vorhanden. Die Borussia versäumte es hier jedoch ihrerseits mehrere schöne Ballstafetten konsequent bis auf die Bremer Grundlinie durchzuspielen und sich somit Torgelegenheiten zu erwirken. Diese hatten, erstmals über Torsten Frings in der 58. Spielminute, wiederum die Bremer. Sie hätten durch Frings hierbei in Führung gehen können, wenn nicht der wachsame Christian Dorda für den bereits bezwungenen Logan Bailly auf der Torlinie den Ball aus der Gefahrenzone bugsiert hätte. Kurz bevor Trainer Hans Meyer den Youngster dann für Patrick Paauwe aus dem Spiel nahm, zeigte sich Bailly allerdings bei einem tückischen Schlenzer von Tziolis bereinigend für seine Abwehr wieder zur Stelle. Mit einem waghalsigen Hechtsprung drehte der in Lüttich geborene Keeper den Ball in dieser Situation um den Pfosten des Borussentores, um beim anschließenden Eckstoß von Frings hernach davon zu profitieren, dass der Ball - von dem Außenpfosten wieder ins Spiel bugsiert - durch den eingewechselten Rosenberg nur in das Außennetz des Borussentores befördert werden konnte.

Längst war der Druck der in dieser Saison unter ihren Möglichkeiten spielenden Norddeutschen in eine klare Überlegenheit zu ihren Gunsten übergegangen, auch weil die Borussia es nicht schaffte in der Abwehr gewonnene Bälle zielgenau weiterzuverarbeiten. Fraglos erkämpfte sich die Mannschaft auch vor dem eigenen Strafraum in den meisten Situationen noch den Ball, doch der so gewonnene Ballbesitz konnte von ihr nicht mehr nachhaltig in konstruktives Offensivspiel umgewandelt werden. Dies führte in nachvollziehbarer Weise häufig dazu, dass gerade unterbrochene Spielzüge der Heimelf schnell wieder aufflammten und neue (und nicht selten immensere) Gefahr für das Tor von Bailly bedeuteten. Die markanteste Torchance der Bremer in dieser Phase vor der Schlussviertelstunde ereignete sich in der 71. Spielminute, in der es Torsten Frings gelang sich mit dem Ball am Fuß der entblössten Deckung der Borussia zu bedienen. Die punktgenaue Hereingabe des vielfachen Nationalspielers fand am Fünfmeterraum der Borussia den Schweden Markus Rosenberg, der den Ball mit Geschwindigkeit in Richtung Tornetz bugsierte. Von der Torlinie aus unterband Logan Bailly mit einem beachtlichen Reflex den möglichen Treffer der Werdermannschaft, indem er den Ball zu einem weiteren Eckstoß ins Toraus beförderte.

Gerade jedoch als der Winterneuzugang der Borussia im Zuge der Schlussviertelstunde von der Heimmannschaft, wie man so schön sagt, vollends „warmgeschossen" worden war, leistete er sich im Verlauf einer Eckballsituation für Bremen einen Fauxpas, als er einen Eckball nicht sicher in seine Hände nahm. Der aufgerückte Bremer Verteidiger Naldo schien sogleich davon zu profitieren, doch sein hastig angesetzter Volleystoß landete hinter dem Borussentor. Dennoch entschied Schiedsrichter Schmidt nun irrtümlicherweise erneut auf Eckstoß für die Heimmannschaft, der von Bailly zu einer wiederholten Ecke abgewehrt wurde. Diese wiederholte Eckballsituation (76.), die entstand, nutzte letztlich Claudio Pizarro mit dem Kopf am kurzen Pfosten zur insgesamt überfällig scheinenden Bremer Führung.

Bremens Jubel über die Führung, die aufgrund der immensen Chancenvorteile der Heimmannschaft auch verdient war, währte jedoch nicht lange. Den Grund dafür lieferte eine Standardsituation für die Borussia, die in der 79. Minute vom vier Minuten vorher für Karim Matmour eingewechselten Marko Marin ausgeführt wurde. Hierbei konnte der Nationalspieler die Freistoßflanke derart in Richtung Tor von Werder anschneiden, dass auf Höhe des Elfmeterpunktes sämtliche Borussen- und Werder-Spieler den Ball verpassten. Wie aus dem Nichts gelangte der Ball somit dann zu dem auf das Tor weitergelaufenen Michael Bradley am langen Pfosten, der seinen Oberkörper auf Höhe der linken Rippenpartie so in die Flugbahn des Spielgeräts bugsierte, dass der Ball sofort zum Ausgleich im Bremer Tor einschlug.

Zehn Minuten vor dem Spielende, und das Ergebnis war wieder wie vor der 76. Spielminute. Dementsprechend energisch, zum Teil auch hektisch, probierte die Bremer Mannschaft in den folgenden noch insgesamt 13 Spielminuten doch noch zum Sieg zu kommen. Hierbei musste sich die Borussia streckenweise noch unmittelbarer auf Torwart Logan Bailly verlassen, der nun wieder unter so genanntes Dauerfeuer genommen wurde. Innerhalb der letzten sieben Spielminuten ergaben sich für Werder Bremen zahlreiche Möglichkeiten - begonnen mit dem Schuss von Frank Baumann in der 86. Spielminute, der links am linken Torpfosten vorbeiflog, und endend mit dem Lattenkopfball von Verteidiger Naldo mit dem Schlusspfiff im Zuge der letzten Standardsituation für die Heimelf.

Die Verantwortlichen der Borussia hatten in den zurückliegenden Spielen stets von einem „Quäntchen Glück" gesprochen, dass der Borussia zugewandt sein müsse. Am heutigen Samstagnachmittag war dieses winzige Bisschen nach der Halbzeitpause ganz sicher in den Borussenfarben gekleidet, denn üblicherweise gelingt es einer Mannschaft nicht einer derartigen Überlegenheit in diesem Maße trotzen und doch einen Punkt abstauben zu können. Die Borussia tat das, die Mannschaft der Borussia verdiente sich dies allerdings auch mit einem nimmermüden Einsatz, der erwähnenswert ist. Der allerdings auch noch einmal deutlich unterstreicht, welch höherer Aufwand auch in der jetzigen Situation immer wieder von der Elf verlangt sein wird, möchte sie ein Spiel erfolgreich beenden. Wenn es Arbeitssiege gibt, dann war dieser Punkt ein Punkt, den sich die Mannschaft in unermüdlicher Kleinarbeit erarbeit hat. In dem sie den Gegner, der unzweifelhaft eine immens höhere Qualität mitbrachte, über neunzig Spielminuten neutralisiert hat. Mal deutlicher, wie in der ersten, mal weniger deutlich - wie in der zweiten Halbzeit.

Durch die Gazetten geistern und in den Gazetten Erwähnung finden dürfte aus Sicht der Borussia nach diesem Spiel die tollen Paraden von Torwart Logan Bailly. Wesentlich wichtiger dürfte allerdings sein, dass sich die Borussia durch ihre Spielweise  in den ersten drei Rückrundenpartien nicht nur selbst Mut für die verbleibenden Aufgaben gemacht hat, sondern sich für diese Unermüdlichkeiten in den beiden letzten Spielen mit einem Remis und einem Beinahe-Heimsieg auch belohnte. Das dürfte die notwendige Zuversicht stärken, nicht nur in der Mannschaft der Borussia.

Nach Abschluss des dritten Rückrundenspieltags beträgt der Abstand der Borussia auf den Relegationsplatz vier Punkte, der Nichtabstiegsplatz liegt fünf Punkte entfernt. Es gibt einfachere Situationen, aber die Situation könnte für die Borussia auch erheblich schlechter sein. In den 14 restlichen Spielen liegen noch etliche Chancen eine wirklich schlecht gelaufene Spielzeit retten zu  können. Und wenn sich für das Erste nur zwei Bonusspiele daraus ergeben, dann ist es immer noch richtig diese Chancen energisch wahrzunehmen.

Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Boenisch - Frings, Baumann, Tziolis - Özil - Almeida (Rosenberg 54), Pizarro.

Borussia: Bailly - Gohouri, Galasek, Daems - Matmour (Marin 75), Stalteri, Jantschke (Neuville 40), Bradley, Dorda (Paauwe 67), Baumjohann - Colautti.

Tore: 1:0 Pizarro (76.), 1:1 Bradley (79.)

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)

Zuschauer: 41.332 (ausverkauft)

Gelbe Karten (Borussia): Bradley

Besondere Vorkommnisse: Der Treffer Michael Bradleys war erst das fünfte Tor eines Borussenspielers bei Begegnungen bei Werder Bremen in der Bundesliga in den letzten 18 Jahren. Letztmals von einem Auswärtsspiel bei Werder Bremen mit einem Punkt kehrte die Borussia in der Saison 2003/04 heim, als ihr am damaligen 2. Spieltag unter Trainer Ewald Lienen ebenfalls ein 1:1 in der Hansestadt gelang. Joris van Hout erzielte damals Borussias Treffer der Partie.

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  • Für den #effzeh gibt‘s jetzt nur noch eine Rettung. #PeterFürPeter
  • Die Europa League hat angerufen, sie möchte die #fohlenelf zurück! #UEL
  • @doerpm Geheimtipp: #stepontoe
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  • @Peter_Ahrens From carlo to cando
  • @JrgNeb "Sie kehrt zurück", steht im ersten Absatz im Artikel & wird ganz genau auf dem Bild angezeigt.
  • @frankie1960 Das ist nahezu das erste Mal, daß man auch in Mönchengladbach einen Treffer von Ulf Kirsten gutfinden kann! 🙂

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