Um 17.13 Uhr war die Welt noch in Ordnung. Borussia stand kurz vor der Sensation, den Tabellenführer zu stürzen und mit 14 Punkten auf einem Relegationsplatz, punktgleich mit dem 15. aus Bochum. 2 Minuten später hatte sich das Bild komplett gedreht. Durch zwei späte Tore – eins im Borussia-Park und eins im Karlsruher Wildpark – stellt sich die Tabellenlage nach diesem Spieltag sogar noch etwas schlechter dar als zuvor. 

 

Geht man also nach den reinen Ergebnissen, so war es ein weiterer schwarzer Tag für Borussia und ihre Fans. Denn selbst ein achtbares 1:1 gegen die vermeintlichen Übermenschen aus dem Kraichgau ist in der aktuellen Lage zu wenig. Zumal dann, wenn es dermaßen unglücklich zustande kommt. Hoffenheim war in der Schlussphase volles Risiko gegangen und hatte gleich 5 Angreifer aufgeboten, so dass sich für Borussia erhebliche Räume zum Kontern ergaben. Einen davon hätte Oliver Neuville in der 86. Minute eigentlich nutzen müssen, doch sein Schuss aus 7 Metern prallte an einem Abwehrbein ab, anstatt den Weg ins erlösende Tor zu finden.

Stattdessen nahm das Unheil seinen Lauf, als in Minute 89 Salihovic einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld schlug. Ausgerechnet Marvin Compper erreichte den Ball und verlängerte ihn per Kopf hoch ans lange Eck des Strafraums, wo sich der zur Stabilisierung eingewechselte Paauwe mit gleich zwei Gegenspielern konfrontiert sah. Der sich im Abseits befindliche Wellington nutzte diese Überzahl und nickte gekonnt aus wenigen Metern ein. Zum Entsetzen der knapp 42.000 Zuschauer, die es mit Borussia hielten.  

Ausgerechnet Wellington, jener Brasilianer, der bereits als Hoffenheims einziger Fehleinkauf der letzten Jahre abgestempelt worden war, und dem trotz Ibisevics Ausfall im Winter Sanogo und sogar Youngster Terrazzino vorgezogen worden waren. Man kann dies als typisches Pech bezeichnen, das all die Mannschaften i.d.R. auszeichnet, die unten drin stehen. Unter dem Strich kann man aber auch eingestehen, dass die Punkteteilung dem Spielverlauf durchaus gerecht wurde. 
 

Denn schon die Führung, die sich kurz vor dem Halbzeitpfiff durch einen schönen 22-Meter-Weitschuss des freistehenden Alexander Baumjohann ergeben hatte, war zu diesem Zeitpunkt ein wenig schmeichelhaft. Borussia hatte sich bis hierhin sehr engagiert präsentiert und konnte mit dem Tabellenführer auf Augenhöhe mithalten. Die Feldvorteile und die Zahl der hochkarätigen Torchancen lagen aber um Nuancen eher bei der Elf von Ralf Rangnick, die durch Teber (15.) oder Sanogo (22.) schon gut und gerne hätte in Führung gehen können. 
 

Borussia wurde in Minute 29 zum ersten Mal torgefährlich, als die erste richtig schöne Offensiv-Kombination über Bradley-Baumjohann-Matmour von letzterem abgeschlossen, aber von Haas gehalten wurde. Bei allem Respekt vor dem Gegner sind 1 ½ Chancen pro Halbzeit für ein derart bedeutsames Heimspiel etwas zu wenig zwingend. Und es unterscheidet sich nur sehr unwesentlich davon, was die Mannschaft eine Woche zuvor in Stuttgart abgeliefert hatte. Bei jener ach so „verunsicherten“ Mannschaft, die diese Woche Leverkusen auswärts geradezu demontiert hat. Vorige Woche hatte man es defensiv über weite Strecken ordentlich gemacht, was den Herren Gomez und Co. ebenso zu schaffen machte wie den Bas und Sanogos an diesem Wochenende. Nur versäumte man es im Schwabenland, aus den wenigen Offensivaktionen einen eigenen Treffer zu markieren. 
 

Dank des Geniestreichs des Neu-Müncheners Baumjohann waren die Vorzeichen dieses Mal anders als es in die 2. Halbzeit ging, in der es 10 Minuten dauerte, ehe Hoffenheim seine Verunsicherung nach dem unerwarteten Rückstand abgelegt hatte. Dann aber zeigten die Gäste, warum sie im ganzen Land so sehr gefürchtet sind. Logan Bailly war es in dieser Phase zu verdanken, dass es lange Zeit bei der Führung blieb. Der Belgier offenbarte einmal mehr seine überragenden Stärken auf der Linie, während er beim Herauslaufen einige Male desorientiert wirkte. Exemplarisch sein Auftreten in der 84. Minute als er bei einer Ecke auf der Linie verharrte, um dort dann aber mit einem Weltklasse-Reflex den Kopfball von Terrazzino über die Latte zu lenken.
 

Bei Borussia passierte in Halbzeit 2 in der Offensive lange Zeit nicht viel Zwingendes. Stalteri hätte in Minute 59 aus 10 Metern freistehend alles klar machen können, nachdem ihn Friend im Liegen den Ball schön zurückgelegt hatte. Doch an seinem Schuss übers Tor wurde deutlich, dass er seine Stärken eher in anderen Bereichen hat. 
 

Auch nach der Einwechselung von Oliver Neuville für den an diesem Tag schwachen Marko Marin änderte sich bei Borussia nicht viel. Neuville ließ sich oft zurückfallen und holte sich die Bälle tief im Mittelfeld. Doch erst als Hoffenheim alles nach vorne warf und die Defensive nahezu komplett entblößte, ergaben sich für Borussias Zwei-Sturm-System die ersten Torchancen. So in Minute 81, als Neuville von rechts außen schön in die Mitte flankte, aber Friends Schuss zu harmlos in die Tormitte gelangte.
 

Davor hatte es in Minute 69 noch eine umstrittene Aktion gegeben, die beinahe schon frühzeitig den Ausgleich verursacht hätte. Tomas Galasek war an einen Ball im eigenen Strafraum nicht mehr herangekommen, so dass der eingewechselte Obasi auf dem Weg war, über seine ausgebreiteten Füße zu fallen. Doch anstatt das sich anbahnende Foul dankbar anzunehmen, knickte der Stürmer bereits vorzeitig ein, was der Linienrichter korrekterweise als Schwalbe identifizierte. Lutz Wagner ließ sich von seinem Assistenten überzeugen und nahm daher die ursprünglich gefällte Elfmeter-Entscheidung zurück. Eine sehr lobenswerte Aktion des Schiedsrichter-Gespanns, deren Leistung erst in Minute 89 durch die übersehene Abseitsstellung beim tatsächlichen Ausgleich geschmälert wurde.
 

Nach dem Ausgleich gab Borussia in den drei Minuten Nachspielzeit noch einmal alles, um doch noch irgendwie das Spiel für sich zu entscheiden. Doch da insbesondere Neuville einen Schuss aus 8 Metern zu unplatziert ansetzte, muss Borussia damit leben, auch nach 18 Spieltagen die rote Laterne zu tragen und sich in einer weiter höchst dramatischen Situation zu befinden.  

Optimisten können sicherlich auf den Erkenntnissen der beiden letzten Spiele aufbauen. Defensiv steht man durch die Neuverpflichtungen wesentlich solider als in der Vorrunde, obwohl der viel versprechendste Neuzugang mit Dante bislang noch gar nicht auflaufen konnte. Paul Stalteri machte seine Sache im rechten Mittelfeld vorzüglich. Defensiv ließ er nur sehr wenig anbrennen, um sich sporadisch sogar in die Offensive mit einzuschalten. Neben ihm wusste insbesondere Filip Daems zu gefallen, der die Rolle als Abwehrchef immer mehr anzunehmen versteht. 
 

Sein Nebenmann Steve Gohouri stand nach einigen seiner typischen Böcke zu Spielbeginn fast schon vor einer vorzeitigen Auswechselung, ehe er sich doch noch eines Besseren besann und ab Minute 30 ein sehr ordentliches Spiel ablieferte. Offensiv war Friend leider wieder einmal viel zu oft auf sich allein gestellt. Es ist zu hoffen, dass man sich gegen leichtere Gegner in der Zukunft mehr hochkarätige Torchancen herausspielen kann. Dazu wird aber das Zusammenspiel der Offensivkräfte noch deutlich an Harmonie hinzugewinnen müssen. 
 

Marko Marin wirkte nach seiner Auswechselung ebenso angefressen wie der Teil der Zuschauer, der sich zu Pfiffen gegen die Trainerentscheidung bemüßigt fühlte. Dabei war es schon nachvollziehbar, dass mit Marin der am wenigsten wirkungsvolle Offensivakteur an diesem Nachmittag vorzeitig den Platz verließ. Der 19jährige Nationalspieler sollte lieber einmal selbstkritisch hinterfragen, wie er seine eigene Leistung zum Wohle der Mannschaft auf dem ihm zuzutrauenden hohen Niveau konstant halten kann. Dies gelingt ihm bislang leider noch nicht, was er sich bei einem Spitzenverein in der neuen Saison nicht wird leisten können, ohne dauerhaft auf der Ersatzbank zu landen. Mit seiner Genialität und seinem Spielwitz wird er uns in dieser Saison noch wertvolle Dienste leisten können. Aber aktuell ist ihm ein Alexander Baumjohann in punkto Effizienz ein Stück weit voraus.
 

Letzten Endes geht es um den Verein Borussia Mönchengladbach, der alles dafür tun muss, um irgendwie doch noch die Klasse zu erhalten. Ein jeder Spieler tut gut daran, sich diesem Ziel zumindest bis zum Ende dieser Saison vollständig unterzuordnen. Nur dann wird es überhaupt noch eine Chance geben, denn von den qualitativ beschränkten Vereinen im Tabellenkeller werden sich nur diejenigen retten können, die den Abstiegskampf zu 100% annehmen. 
 

In vielen Punkten hat Borussia dies im Spiel gegen Hoffenheim getan, was durchaus Mut für die Zukunft machen darf. Doch ehe man daraus gleich eine Wende zum Besseren ableiten möchte, sollte man noch ein paar Spiele abwarten. Dann wird sich zeigen, ob die Spieler dieses Engagement, Herzblut und diese Intensität tatsächlich Woche für Woche einbringen können. Und nur dann werden wir in ein paar Monaten mit einem weniger gequälten Lächeln auf jenen kalten Tag im Februar zurückblicken können, als wir die Wunderspieler aus Hoffenheim an den Rand einer Niederlage gebracht haben. 

Borussia:
Bailly – Gohouri, Galasek, Daems - Stalteri, Marin (Neuville 61), Bradley, Baumjohann (Paauwe 82), Matmour (Colautti 90), Dorda – Friend.

Hoffenheim: Haas - Beck, Jaissle, Compper, Ibertsberger (Wellington Luis de Souza 85) – Weis (Terrazzino 76), Luiz Gustavo, Teber (Chinedu Obasi 61), Salihovic - Sanogo, Ba.

Tore: 1:0 Baumjohann (44.), 1:1 Wellington Luis de Souza (89.)

Schiedsrichter: Lutz Wagner (Hofheim)

Zuschauer: 42.421 (78,46 %)

Gelbe Karten (Borussia): Friend (5), Bradley

Besondere Vorkommnisse: Die DFL führte an diesem Wochenende die Aktion „Sportler für Sportler“ zugunsten der Stiftung Deutsche Sporthilfe durch, hierzu überbrachte ein Olympiasieger den Spielball für das heutige Spiel. An der Hennes-Weisweiler-Allee war dies Lena Schöneborn, Olympiasiegerin im Modernen Fünfkampf in Peking 2008. An der Hennes-Weisweiler-Allee befanden sich auch rund 200 Anhänger des KRC Genk unter den Zuschauern, diese waren eigens wegen Borussias Winterneuzugang Logan Bailly angereist, der noch bis zum Dezember 2008 bei Genk unter Vertrag stand.

 

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