Hans MeyerTrotz einer geschlossenen Mannschaftsleistung gelang es der von Trainer Hans Meyer betreuten Borussenmannschaft beim Auswärtsspiel gegen den VfB Stuttgart nicht, Zählbares für das bislang noch dürftig bestückte Punktkonto mitzunehmen. In einem ausgeglichenen Bundesligaspiel erzielte der Rumäne Ciprian Andrei Marica 23 Minuten vor dem Schlußpfiff von Schiedsrichter Stark das Führungstor für die Stuttgarter, denen in den Schlußminuten gegen eine sich entblößende Borussenelf durch Nationalspieler Mario Gomez noch der zweite Treffer gelang. Die Borussia hatte derweil bis zu jenem spielentscheidenden zweiten Treffer eine grundsolide Darbietung abgeliefert, die die Ansichten ihrer sportlichen Verantwortlichen nährt, dass die Borussia sich seit ihrem letzten Bundesligaspiel im Dezember nach vorn entwickelt hat.

Mit insgesamt drei von vier Neuzugängen war die Borussia in ihrer Startelf angetreten, nur der noch verletzte Dante Bonfim stand Trainer Hans Meyer nicht zur Verfügung. Dieser stellte daraufhin im Vergleich mit dem letzten Testspiel im Rahmen der Rückrundenvorbereitung seine Mannschaft auf insgesamt vier Positionen um. Für Gal Alberman, Christian Dorda, Marko Marin und Roberto Colautti begannen der wiedergenesene Mannschaftskapitän Filip Daems, Patrick Paauwe, Alexander Baumjohann und Robert D. Friend. Vor Neuzugang Logan Bailly im Tor verteidigte Filip Daems hier links in der Viererkette, Neuzugang Paul Stalteri besetzte die rechte Abwehrseite. Im Zentrum agierten Roel Brouwers und Steve Gohouri, unterstützt von Michael Bradley, Neuzugang Tomas Galasek und Patrick Paauwe im zentralen Mittelfeld. Stürmer Rob Friend wurde bei eigenem Ballbesitz von Alexander Baumjohann und Karim Matmour auf den Außenpositionen der Mittelfeldreihe unterstützt.

Aus der neunten Spielminute verzeichneten die Notizblöcke der Berichterstatter auf der Tribüne des Stuttgarter Neckarstadions die erste zählbare Torgelegenheit einer Begegnung, die sich derweil allein auf Standardsituationen verlegte. Und so war es auch eine Standardsituation, die Filip Daems zu einem Freistoßversuch aus zentraler Torposition veranlasste. Leider stand Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann dabei genau in der Flugrichtung des Schussversuchs von Daems und konnte den strammen Schuss des Belgiers entschärfen, zuvor hatte auf der Gegenseite Logan Bailly einmal mühelos eingreifen müssen, als infolge einer Stuttgarter Standardsituation die Hausherren seinem Tor mit dem Ball nahe zu kommen glaubten. In unmittelbarer Folge nach der Torchance von Filip Daems ergatterte die vor allem auf Ballsicherheit bedachte Borussia noch zweimal den Ball in der Strafraumnähe der Gastgeber, doch Rob Friend gelang es als Endpunkt dieser Kette nicht den Ball punktgenau auf das Tor zu zielen (11.). Somit blieb es beim torlosen Remis.

Wie erwähnt in erster Linie auf Ballsicherheit bedacht, absolvierte die Borussia in der Folgezeit eine strukturierte und geordnete Spieldarbietung. Mit einem sich vor allem um die Stabilität bemühenden Tomas Galasek - der kaum den Weg über die Mittellinie fand - und geflissentlich einrückenden Akteuren wie zum Beispiel Karim Matmour und Alexander Baumjohann auf den Außenbahnen gelang der Borussia dieses Vorhaben schnell. Die Gastgeber vom VfB hatten nur spärlich einmal wirklich etwas in Richtung Borussentor vorzutragen, auch weil es etwa Michael Bradley und Patrick Paauwe im zentralen Spielbereich ihren anderen Mitspielern gleichtaten und so den Schwaben wenig Raum zur Entfaltung kreativer Ideen ließen; meistens wusste die Borussia aufkommende Spritzigkeit am Ball durch die Gastgeber mit einer routinierten Bewegung auszubremsen und sehr häufig geriet ihre eigene Defensive dadurch nicht ins Wanken.

Erstmalig ein wenig nicht so nachdrücklich akkurat verteidigte die Borussia, die durch Rob Friend nach Zuspiel von Karim Matmour (30.) und durch eine Einzelleistung von Alexander Baumjohann unmittelbar darauf ihre größte Torgelegenheiten der ersten 45 Minuten haben sollte, rund zehn Minuten vor dem Halbzeitpfiff. Da bekam die Mannschaft um die ansonsten konzentriert arbeitende Abwehrformation mit den Innenverteidigern Steve Gohouri und Roel Brouwers im Verlauf eines Standards der Stuttgarter den Ball nicht sauber geklärt und agierte für Momente durchaus hektisch. Die Gastgeber konnten daraus zwar kein Kapital schlagen, ergattern hier aber über den in einen Flankenball hineinspreizenden Gomez ihrerseits ihre größte Tormöglichkeit; Logan Bailly konnte den Versuch des ehemaligen Fußballer des Jahres allerdings mit einer Bewegung noch um den Torpfosten lenken.

Auch nach der Halbzeitpause war die Borussia deutlich bemüht an ihre strukturierte und ordentliche erste Spielhälfte lückenlos anzuschließen, bekam allerdings um die 50. Spielminute - kurz zuvor hatte Alexander Baumjohann für die Borussia auf der Seite des von Jens Lehmann betreuten Tores noch einen Schussversuch angesetzt, der jedoch rechts an dem von Baumjohann aus gesehen rechten Torpfosten Stuttgarts vorbeiflog - zum zweiten Mal im Spielverlauf ihrerseits damit Probleme: dies entsprang einem weiten Einwurf der Stuttgarter in Richtung des Tores von Bailly, der einen Moment zu lange wartete und beinahe von Gomez überwunden worden wäre, wenn nicht Mitspieler Steve Gohouri geistesgegenwärtig den trudelnden Ball von der Torlinie geschlagen hätte.
Dass die Borussia nach wie vor noch auf der Suche nach gänzlicher Stabilität ist, dies zeigte sich im unmittelbaren Anschluss daran, als der resultierende Eckball erneut merkbare Gefahr für die Schwaben heraufschwören konnte.

Im Endeffekt blieben die Bemühungen der Elf aus Baden-Württemberg jedoch fruchtlos. Etwas, dass sich in vereinzelten Unmutsbekundungen des eigenen Anhangs niederzuschlagen begann und in einer Art Wechselwirkung die Effektivität der Borussia wieder erhöhte. Die Borussia machte es im Anschluss an diese kurze Wirrphase wieder so akkurat wie während eigentlich sämtlicher anderen Minuten des Spielverlaufs und deshalb ist es auch doppelt ärgerlich, dass den Stuttgartern dennoch der Torerfolg glückte - dass dieser aus einem sicherlich diskussionswürdigen Zusammentreffen von Tomas Galasek mit Ciprian Andrei Marica an der linken Strafraumkante des Borussenstrafraums resultierte, es sei noch nicht einmal sonderlich betont.

Wo man jedoch unter Umständen auch auf Weiterspielen hätte entscheiden können, votierte der Ausschlaggebende in Person von Schiedsrichter Stark klar für einen Freistoß für Stuttgart, der zunächst abgewehrt schien, die Borussia Sekunden später in ungeordneter Masse am eigenen Strafraum vorfand. Hier bewerkstelligte es Steve Gohouri unglücklicherweise nicht den Ball aus der Gefahrenzone zu bugsieren und auch Roel Brouwers gelang es nicht für seinen bereits geschlagenen Torhüter den von Marica eher ungelenk gedroschenen Ball von der Linie zu kratzen. Stattdessen landete der Abwehrspezialist mit dem Ball doch noch hinter der Torlinie.

1:0 für die Heimmanschaft stand es nun, zwanzig Minuten vor dem Spielende. Die wacker arbeitende Borussia war nun in der Situation ihre Angriffsbemühungen intensivieren zu müssen und tat dies auch: zunächst numerisch, weil Trainer Hans Meyer folgerichtig den eigenen Defensivverbund zu lockern begann. So brachte Meyer zunächst für Patrick Paauwe Oliver Neuville und später neben Marko Marin auch noch Roberto Colautti für Tomas Galasek (79.). Schon unmittelbar nach der Stuttgarter Führung hätte die Borussia dabei durch Karim Matmour schon erfolgreich sein können, doch dem ehemaligen Freiburger misslang sein Versuch den Ball am herausstürzenden Jens Lehmann vorbei in das Stuttgarter Tor zu treten (69.); im Endeffekt jedoch wurde die Borussia noch ein weiteres Mal bezwungen.

Zwei Minuten vor Spielschluss konnten sich die Stuttgarter in der Tornähe der Borussia vereinzelt in Szene setzen. Zunächst musste Logan Bailly einen Versuch des eingewechselten Schieber (nach einem Zweikampf mit Gohouri) parieren, anschließend am kurzen Pfosten einen Eckball für die Schwaben in Kauf nehmen. Aus diesem Eckball heraus kam der VfB dann zum 2:0, als Bailly einen Fallrückzieher von Khedira nur zur Seite abklatschen konnte und Nationalspieler Gomez den so genannten Rebound über den noch liegenden Bailly hinweg zum Endstand im Netz unterbringen konnte.

Unter dem Strich verlor die Borussia eine Begegnung, weil ihr Gegner in einer Situation eine kurze Unpässlichkeit der sonst akkuraten Abwehr mit einem Torerfolg quittieren konnte. Dabei darf allerdings eben nicht vergessen werden, dass sich die heute siegreichen Stuttgarter kaum mehr als drei wirkliche Torchance beschaffen konnten und über ganz weite Strecken der Begegnung ihre augenscheinlichen bis ganz offensichtlichen Probleme mit der geschlossenen Darbietung der Borussenelf hatten. Ob die Stuttgarter dieses Spiel damit verdient für sich entschieden haben könnten, muss im jeweiligen Auge des Betrachters liegen bleiben.

Wichtiger ist schon die Erkenntnis, dass die Borussia in der Tat gegen qualitativ bessere Teams immer konkurrenzfähig ist, wenn es ihr gelingt als Mannschaft eine Spielstrategie zu verinnerlichen und danach zu handeln.

Dass die Borussia in dieser ausgeglichenen Begegnung nicht mit einem Zähler belohnt worden ist, das kann man folgerichtig als bedauerlich einstufen. Andererseits ist es der Borussia in der laufenden Saison wesentlich zu wenig gelungen in einem Spiel den Gegner so selten zum Torerfolg einzuladen. Der aktuelle Tabellenplatz erklärt so auch facettenreich, weshalb es sinnvoll ist dies nachdrücklich positiv herauszustreichen. Wenn die Borussenelf (deswegen) über den Verlauf der Rückrunde gewillt ist so konzentriert zu arbeiten und sich für den Erfolg zu engagieren (und dementsprechend das immer viel zitierte Quäntchen Glück für sich gewinnt), dann wird die Mannschaft bis zum Ende der Rückrunde in der Lage sein einen erneuten Abstieg wenigstens als eine Frage und das Ergebnis zweier Relegationsspiele gegen den Tabellendritten der 2. Bundesliga erscheinen zu lassen.

Und das wäre wiederum ein schaff- und machbarer Erfolg.

Stuttgart: Lehmann - Osorio, Tasci, Delpierre, Magnin - Khedira, Lanig, Hitzlsperger (Elson 63), Simak (Hilbert 80) - Gomez, Marica (Schieber 87)

Borussia: Bailly - Stalteri, Brouwers, Gohouri, Daems - Matmour (Marin 74), Paauwe (Neuville 70), Galasek (Colautti 78), Bradley, Baumjohann - Friend.

Tore: 1:0 Brouwers (67., Eigentor), 2:0 Gomez (86.)

Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Landshut)

Zuschauer: 41.300

Gelbe Karten (Borussia): -
 
Besondere Vorkommnisse: Logan Bailly, Paul Stalteri und Tomas Galasek absolvierten jeweils ihren ersten Bundesligaeinsatz für die Borussia. Der heute 36 Jahre und 16 Tage alte Galasek ist gleichzeitig der Älteste der von Borussia in dieser Saison eingesetzte Akteur. 

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