Bayer LeverkusenManchmal versinnlicht ein einziger Spieler die verschiedenen Rollen der kompletten Mannschaft. Am Samstagabend im Borussiapark war das Steve Gohouri. Rolle eins: „der verhinderte Torschütze". Nach Levels‘ gelupftem Zuspiel hätte Gohouri in der 22. Minute sein Team um Haaresbreite in Führung gebracht. Der Ivorer, durch Levels‘ Lupfer in Szene gesetzt, legte den Ball geschickt an Adler, knapp aber auch am Tor vorbei. Rolle zwei, nur drei Minuten später: „das Opfer des Schicksals". Im Mittelfeld schien Gohouri einen gegnerischen Angriff durch eine beherzte Grätsche zu unterbinden, schoss dabei unglücklich Mannschaftskameraden Christian Dorda an, von dessen Bein ein Querschläger noch unglücklicher zur unfreiwilligen Vorlage für Stefan Kießling wurde. Der konnte somit allein auf Gladbachs Tor zueilen und die zu diesem Zeitpunkt überaus glückliche Führung für die Gäste erzielen. Das Tor nahm bei Gohouri seinen Ausgangspunkt, ernsthaft zur Verantwortung ziehen konnte ihn dafür aber niemand. Anders war das in der 37. Minute, die uns zu Rolle drei bringt: „der Überforderte". Zunächst brachte Gohouri ohne jede Bedrängnis per Fehlpass den Leverkusener Dum ins Spiel. Nachdem der Ball auf dem rechten Flügel zu Kadlec gelangt war und dieser das Laufduell gegen Gal Albermann mühelos gewonnen hatte, trabte in der Mitte Gohouri gemächlichen Schrittes Richtung Tor und blickte interessiert gen Ball, anstatt Stefan Kießling im Auge zu behalten. So konnte dieser nach Kadlecs Querpass unbehindert zum 2:0 einschieben. Eine Minute später die Wiederaufnahme von Rolle eins: Nach Marins Ecke wuchtete Gohouri den Ball per Kopf Richtung Tor, Tranquillo Barnetta aber konnte vielleicht vor, vielleicht auf, vielleicht auch knapp hinter der Torlinie klären. Ganz aufklären ließ sich das auch durch die Fernsehbilder nicht.

 


Steve Gohouri So wie Gohouri präsentierte sich auch die Gladbacher Mannschaft: leidenschaftlich und engagiert, mehrfach haarscharf am Torerfolg scheiternd, in manchen Szenen mit reichlich Pech, gerade in der Defensive aber auch mit unglaublichen Fehlern. Hans Meyer hatte sich überraschend dafür entschieden, diesmal mit zwei Spitzen zu beginnen, so dass Roberto Colautti neben Rob Friend stürmte. Gleich in der 1. Spielminute hätte sich das beinahe bezahlt gemacht, als Colautti nach Marins Freistoßflanke frei zum Kopfball kam, aber per Kopf nur den Pfosten traf. Die Borussia zeigte sich gegenüber der desolaten ersten Halbzeit gegen Cottbus stark verbessert. Von Leverkusen war außer zwei untauglichen Versuchen, Christopher Heimeroth per Heber aus der Distanz zu überwinden, kaum etwas zu sehen, und so brauchte es schon des Querschlägers in der 25. Minute um Bayer ins Spiel und sogar in Führung zu bringen. Die Gladbacher bemühten sich nach Kräften um den Ausgleich und wurden vor allem gefährlich, wenn Marin ruhende Bälle in den Strafraum schlug. Dennoch stand zur Pause ein 0:2, das sogar noch ein Tor höher hätte ausfallen können, wenn Barnetta kurz vor der Pause seine Schusschance besser genutzt hätte.

Besser machte es in der 54. Minute Patrick Helmes, der nach simplem Doppelpass mit Stefan Kießling frei aus Gladbacher Tor laufen durfte und den Ball zwischen Heimeroths Beine hindurch zum 3:0 ins Tor schob. Und hätte Gohouri Helmes nur eine Minute später nicht noch knapp vor der Strafraumgrenze von den Beinen geholt, die Gäste hätten womöglich noch einen Treffer nachgelegt.

Vor knapp einem Monat hatte Bayer 04 in Karlsruhe eine 3:0-Führung noch aus der Hand gegeben. Kurzzeitig werden Bruno Labbadia diesbezüglich ungute Erinnerungen gekommen sein. In der 61. Minute nämlich verkürzte die Borussia in Person von Tony Jantschke, der eine Freistoßflanke Marins per Kopf ins Tor verlängerte. Jantschke, dem Hans Meyer nach seinem guten Debüt gegen Cottbus quasi eine Einsatzgarantie ausgestellt hatte, lief von Beginn an im defensiven Mittelfeld auf und gehörte zu Gladbachs Aktivposten. Die Borussia drückte nach dem 1:3 mit Macht auf den Anschlusstreffer, wobei vor allem zwei Spieler in den Vordergrund traten, auf die Meyer zunächst verzichtet hatte: Michael Bradley und Alexander Baumjohann.

Baumjohann war zur Pause für den gerade auch defensiv enttäuschenden Gal Albermann eingewechselt worden, Bradley folgte in der 63. Minute für Patrick Paauwe. Zwei Minuten später schickte Baumjohann Bradley, dessen strammen Schuss Adler nicht festhalten konnte. Den Abpraller aufnehmend, hatte Rob Friend das ganze Tor zur freien Verfügung, schaffte es aber, den noch halb liegenden Adler anzuschießen. Fünf Minuten später legte Friend Baumjohanns Flanke geschickt auf Bradley ab, der sich aber einen Tick zu langsam um die eigene Achse drehte, so dass der aus dem Tor stürzende Adler den Schuss aus kurzer Distanz gerade noch abblocken konnte.

Die Borussia spielte in dieser Phase teilweise sehr ansehnlichen Fußball, allein die Chancenverwertung und René Adler hinderten sie daran, es den Karlsruhern gleichzutun. Nach und nach aber schwand der Glaube und verebbten die Gladbacher Angriffswellen. Auch die Einwechslung Matmours für Friend konnte daran nichts mehr ändern. So standen am Ende die dritte 1:3-Niederlage in Folge und der Sturz auf den letzten Tabellenplatz. Pessimisten werden auf die kapitalen Schnitzer in der Abwehr und die mangelhafte Chancenverwertung verweisen, Optimisten darauf, wie viele exzellente Chancen sich die Borussia überhaupt erarbeiten konnte.

Borussia: Heimeroth - Levels, Gohouri, Daems, Dorda - Jantschke - Alberman (Baumjohann 46), Paauwe (Bradley 63) - Marin - Colautti, Friend (Matmour 82).

Bayer Leverkusen: Adler - Castro, M. Friedrich, Henrique, Kadlec - Rolfes - Barnetta, Renato Augusto (Hegeler 86), Dum (Djakpa 67) - Helmes (Gekas 86), Kießling.

Tore: 0:1, 0:2 Kießling (25., 37.), 0:3 Helmes (54.), 1:3 Jantschke (61.)

Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)

Zuschauer: 44.161

Gelbe Karten (Borussia): Paauwe, Daems, Baumjohann

Besondere Vorkommnisse: Die Borussia blieb im 17. Bundesligaheimspiel in Folge gegen Bayer Leverkusen sieglos. Dabei war es im 27. Heimspiel erst das dritte Mal, das Bayer mehr als zwei Tore in Gladbach erzielen konnte. Zum ersten Mal in einer Bundesliga-Startelf stand auf Gladbacher Seite U19-Nationalspieler Tony Jantschke, der gleich seinen ersten Bundesligatreffer erzielen konnte.

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