„Das sind die Momente, für die man als Fußballer arbeitet." Michael Bradley sprach in den Katakomben des BorussiaParks sicher nicht vom Interviewmarathon, den er nach Schlusspfiff bewältigen musste, sondern von der ohrenbetäubenden Geräuschkulisse in den Sekunden nach seinem Kopfballtreffer zum 2:2 gegen den FC Bayern München. Und überhaupt, die Lautstärke im ausverkauften Stadion an der Hennes-Weisweiler-Allee war Thema vieler Antworten, allen voran der in weiß gekleideten Gastgeber, und wurde fast einstimmig als Grundlage der beachtlichen Aufholjagd gewertet, an deren Ende in einem verloren geglaubten Spiel gegen einen spielbestimmenden Gegner ein Punktgewinn stand.

Der BorussiaPark, vor zwei Wochen noch Hort kollektiver Ohnmacht, entwickelte an diesem Samstagnachmittag im ungleichen Duell zweier vor langer Zeit mal gleichwertiger Mannschaften wieder seine besondere Atmosphäre. Dass der Punkt am Ende mehr als glücklich war, wird die Stimmung am Niederrhein weniger trüben. Nüchtern betrachtet, sorgt dieser Zähler im Abstiegskampf kaum für Entlastung. Im Kampf gegen die eigenen Selbstzweifel, die Borussia seit Saisonbeginn mit sich führte, wird er eine ungleich größere Wirkung haben.

Hans Meyer hatte vor der Begegnung ein schlechtes Gefühl. Die Bayern kämen zur falschen Zeit, orakelte er. Und in der Tat, die zuletzt fünfmal in Folge siegreichen Münchener schienen in diesen Wochen von der Lethargie und Unkonzentriertheit befreit, die sie zu Beginn der Saison zwischenzeitlich in Tabellenregionen abrutschen ließen, die man in München per se als Beleidigung empfindet. Bis zur 79. Minute bewiesen die in blau gekleideten Gäste, dass Hans Meyer mit seiner Ahnung so falsch nicht gelegen hatte. Angeführt von einem wie immer starken Ribery und einem wie immer torgefährlichen Toni führten sie sicher mit 2:0 und schickten sich an, das Spiel so zu gewinnen, wie eben nur die Bayern gewinnen. Nicht überragend, aber kontrolliert. Nicht begeisternd, aber abgezockt. Eben Spitzenmannschaft gegen Abstiegskandidaten.

Dass Rob Friend in jener 79. Minute per Kopf doch zum Anschlusstreffer kam, verdankte er dann gleich zwei Faktoren: Einer Eckballvariante, die in dieser Ausführung eher nicht einstudiert war und dem kurzzeitigen Aussetzer seines argentinischen Gegenspielers Demichelis, gegen den der Kanadier in den 78 Minuten vorher - vorsichtig formuliert - einen schweren Stand hatte. Auf einmal war sie wieder da, die vormals selten erlebte Unkonzentriertheit und in Ansätzen gar Nervösitat des einzigen deutschen Verein mit Weltformat. Diese Schwächen also, die den Bremern fünf Tore inklusive Sieg und den Bochumern immerhin deren drei mitsamt Unentschieden in München bescherten. Zwei Minuten nach Friends Treffer spielte Baumjohann den Ball per Hacke auf Colautti, der sich im Zweikampf gegen Demichelis und Lell durchsetzte, den Ball weich an den zweiten Pfosten flankte, wo Michael Bradleys Kopfballtor für die eingangs beschriebene Geräuschkulisse sorgte.

Borussia feiert das Unentschieden wie einen Sieg, und das durchaus zurecht. Einen 0:2-Rückstand gegen den FC Bayern München aufzuholen, ist in jeder Tabellenlage aller Ehren wert. Vor dem Hintergrund der kämpferisch zwar überzeugenden, aber spielerisch erneut dürftigen Vorstellung umso mehr. Dass Borussia zurzeit mit Alexander Baumjohann und Marko Marin über zwei Offensivkräfte in Spiellaune und Formstärke verfügt, darf als Hoffnungsschimmer für die kommenden Wochen gewertet werden. Die Mannschaft lebt (wieder), und sie wurde nun schon im zweiten Spiel in Folge zumindest für ihren Einsatz belohnt. Das Glück, das ihr mitunter in den ersten Spielen fehlte, ist nun in einigen Situationen wieder auf ihrer Seite. So sieht man am Ende des Tages in Mönchengladbach überwiegend zufriedene Gesichter: Im Verein, der wieder Optimismus ausstrahlt und bei den Fans, die einen würdigen Rahmen für dieses Spiel geschaffen hatten. Und die Bayern? Auch bei ihnen war Lautstärke ein Thema. Tim Borowski zur Stimmung in der Münchener Kabine: „Dort war es sehr, sehr still."


Borussia: Gospodarek - Levels, Brouwers (van den Bergh 46), Daems, Gohouri - Alberman (Matmour 68), Paauwe (Colautti 77), Bradley - Marin, Baumjohann - Friend.

Bayern München: Rensing - Lell, Lucio, van Buyten, Lahm (Sosa 65) - Schweinsteiger (Borowski 65), van Bommel, Zé Roberto, Ribéry - Klose (Kroos 80), Toni.

Tore: 0:1 Toni (21.), 0:2 Ribéry (65., Foulelfmeter), 1:2 Friend (79.), 2:2 Bradley (81.).

Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)

Zuschauer: 54.067 (100 %)

Gelbe Karten (Borussia)
: Gohouri

Besondere Vorkommnisse: Michael Bradley erzielte sein erstes Bundesligator für die Borussia, der US-Amerikaner war im August vom SC Heerenveen verpflichtet worden. Mitgezählt jene drei Strafstöße im DFB-Pokal bei der Zweitrundenniederlage gegen Energie Cottbus, so war der heutige Strafstoß bereits der achte Elfmeterpfiff gegen die Borussia im fünfzehnten Saisonspiel. Am 26. Spieltag der Saison 1992/93 holte die Borussia letztmals in einem Heimspiel gegen Bayern München einen 0:2-Rückstand auf, damals erzielte Martin Dahlin nach der Halbzeitpause zwei Tore zum Endstand. Die Münchener waren damals durch Christian Ziege (und Mehmet Scholl) früh 2:0 in Führung gegangen. Im Team der Bayern spielten damals die späteren Borussenspieler Christian Ziege, Markus Münch und Michael Sternkopf; für die Borussia Borussias derzeitiger Juniorentrainer Peter Wynhoff.

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