Marko MarinSeine größte Herausforderung hatte Marko Marin nach gut einer halben Stunde zu meistern. Gerade hätte er nach tollem Solo über vierzig Meter schon jetzt sein zweites Tor der Partie erzielt - allein, Dennis Eilhoff konnte den Ball mit starkem Reflex gerade noch an die Unterkante der Latte lenken. Jetzt aber eilte Marin an die Außenlinie und beschwor Hans Meyer, es sich noch mal zu überlegen mit der Auswechslung. Von nun an, versprach Marin, werde er weder Foulspiels riskieren noch sich auf Wortgefechte mit Schiedsrichter oder Gegenspielern einlassen. Meyer ließ sich besänftigen und schickte den zur Einwechslung bereitstehenden Karim Matmour wieder zurück auf die Bank.



Marin war zweifellos der auffälligste Akteur der ersten Hälfte. Bereits in der sechsten Minute brachte er seine Mannschaft mit einem in phantastischer Manier direkt verwandelten Freistoß in Führung. Auch danach blieb der Nationalspieler steter Unruheherd und war von den Arminen oft nur durch Fouls zu stoppen. Umgekehrt war Marin selbst auch nicht zimperlich. Nach rustikalem Einsatz gegen Markus Schuler, den er im Rückwärtslaufen allerdings auch nur mit Augen im Hinterkopf hätte sehen können, handelte sich Marin eine gelbe Karte ein. Als er wenig später im Mittelfeld Artur Wichniarek von den Beinen holte, forderte das Publikum vehement einen Feldverweis. Es war dies der Moment, in dem Karim Matmour zum Warmlaufen geschickt wurde.

Dass Matmour nicht von Beginn an spielte, war einer mutigen Umstellung geschuldet. Hans Meyer hatte mit Roberto Colautti erstmals einen echten Stürmer neben Rob Friend ins Rennen geschickt und zum Ausgleich die linke Außenbahn defensiver als zuletzt besetzt. Statt Matmours spielte der defensivstärkere Johannes van den Bergh im linken Mittelfeld, hinter ihm kam der 19-jährige Christian Dorda zu seinem Bundesligadebüt. Obwohl beide eine ordentliche Partie ablieferten, stimmte im Gladbacher Mittelfeld in der ersten Hälfte oft die Balance nicht, und so kamen die Gastgeber ein ums andere Mal zu hochkarätigen Gelegenheiten.

Deren größte vergab der in dieser Saison sonst so treffsichere Artur Wichniarek in der fünfzehnten Minute.  Rüdiger Kauf hatte Markus Schuler schön auf dem linken Flügel frei gespielt und der präzise in die Mitte geflankt. Wahrscheinlich rätselt Wichniarek bis jetzt, wie es bloß gelingen konnte, den Ball aus wenigen Metern nicht im Tor unterzubringen. Bereits sechs Minuten zuvor hatte Daniel Halfar eine Großchance zum Ausgleich liegen gelassen, als er acht Meter vor dem Tor frei zum Kopfball gekommen war, den Ball aber weit neben das Tor gesetzt hatte. Und wenn die Arminen die Chancen nicht vergaben, waren Borussen im Weg. Nur eine Minute nach Wichniareks Großchance mussten die Bielefelder erneut den Torschrei runterschlucken, als Tobias Levels in letzter Sekunde vor dem einschussbereiten Katongo einen Fuß an den Ball brachte und diesen an den Außenpfosten bugsierte. Eine Viertelstunde später war es Michael Bradley, der eine Flanke von Jonas Kamper in höchster Not zur Ecke klärte. Gegen Ende der ersten Halbzeit dann hätte Wichniarek seinen Fauxpas um ein Haar in Ordnung gebracht, aber der sehr starke Uwe Gospodarek konnte sich gleich zwei Mal durch exzellente Paraden auszeichnen.

Das Wort Kellerduell lässt nichts als Kampf, Krampf und spielerische Magerkost erwarten, aber was die Zuschauer in den ersten 45 Minuten sahen, war eine von beiden Seiten engagiert geführte, höchst unterhaltsame und bisweilen auch spielerisch ansprechende Partie. Die Borussenführung zur Pause war glücklich und neben dem überragenden Marko Marin der mangelnden Bielefelder Chancenverwertung zu verdanken. Auf sie wollte Hans Meyer sich indes nicht zu ausgiebig verlassen und brachte, um das Mittelfeld zu stärken, in der Pause Alexander Baumjohann für Roberto Colautti. Der Israeli hatte sich zuvor sehr bemüht, ohne aber große Durchschlagkraft zu entfalten.

Auch sein Sturmpartner Rob Friend war in der ersten Hälfte wenig aufgefallen. Das hätte sich nach fünfzig Minuten beinahe geändert, als Dennis Eilhoff den gut platzierten Kopfball des Kanadiers nur mit größter Mühe zur Ecke lenken konnte. Kurz darauf waren es die Gäste, die beinahe zum Torerfolg gekommen wären, doch Dorda konnte Kampers Schuss in letzter Sekunde abblocken. Weiterhin aber gingen die Gastgeber zu fahrlässig mit ihren Gelegenheiten um. So nach gut einer Stunde, als Schuler auf links durchging, Wichniarek und Kamper in der Mitte aber beide verpassten. In der 72. Minute kam der eingewechselte Stefan Aigner nach einer Ecke aus gut sieben Metern völlig frei zum Kopfball, verfehlte aber das Gladbacher Gehäuse.

Auf der anderen Seite ergaben sich mit zunehmender Spieldauer naturgemäß Gladbacher Konterchancen, an denen oft Alexander Baumjohann beteiligt war. Zunächst hatte Baumjohann noch zwei sehr aussichtsreiche Kontergelegenheiten durch zu ungenaue Pässe verspielt. In der 77. Minute aber machte er fast alles richtig, als er nach Friends Kopfballverlängerung vor Eilhoff die Nerven behielt, den Keeper umspielte und den Ball ins leere Tor schieben wollte – allein, Radim Kucera war mitgelaufen und konnte noch vor der Linie klären. Drei Minuten später aber war es soweit: Marin spielte mit Baumjohann Doppelpass, passte dann auf den stark abseitsverdächtigen Rob Friend, nahm dessen Abpraller auf und ließ den Ball gegen die Laufrichtung Eilhoffs ins lange Eck kullern. Dass Marin den Ball dabei nicht richtig traf, machte den Treffer nicht weniger schön.

Und jetzt, gut fünfzig Minuten nachdem er erstmals an der Seitenlinie bereitstand, durfte Karim Matmour das Feld betreten und hätte sich kurz vor Schluss beinahe noch in die Torschützenliste eingetragen, hätte er aus über dreißig Metern das kurzzeitig von Eilhoff verlassene Tor getroffen. Die Borussen aber waren auch mit dem 2:0 zufrieden, das ihnen im Abstiegskampf zumindest ein bisschen Luft verschafft. Vor allem Marins und Gospodareks Leistungen machen Mut, aber so viele gegnerische Chancen zuzulassen, wird man sich nächsten Samstag gegen Bayern München kaum erlauben können.

Arminia Bielefeld: Eilhoff - N. Fischer, Herzig, Kucera, Schuler - Kirch (Aigner 72), Kauf (Bollmann 80) - Katongo, Halfar, Kamper - Wichniarek.

Borussia: Gospodarek - Levels, Brouwers, Daems, Dorda - Alberman - Marin (Matmour 84), Bradley, van den Bergh (Ndjeng 89) - Friend, Colautti (Baumjohann 46).

Tore: 0:1 Marin (6.), 0:2 Marin (80.)

Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)

Zuschauer: 25.000

Gelbe Karten: Schuler, Herzig - Marin, Gospodarek.

Besondere Vorkommnisse: Zum dritten Mal in Folge gewann die Borussia in Bielefeld, zum dritten Mal in Folge (und zum sechsten Mal insgesamt) mit 2:0. (Ein Wort in eigener Sache: Der Abschnitt „Bilanz“ aus dem aktuellen Vorbericht wird zur Wiedervorlage vorgemerkt). Überhaupt ist Ostwestfalen ein gutes Pflaster. Ihren ersten Auswärtssieg in einem Pflichtspiel feierte die Borussia an identischer Stätte beim 8:1-Sieg im DFB-Pokal gegen den unterklassigen VfB Fichte Bielefeld. Auch damals brachte Marko Marin sein Team per direktem Freistoß früh (7.) in Führung; Marin traf danach noch zwei Mal. Den letzten Auswärtserfolg in einem Ligaspiel gab es, unweit von Bielefeld, in Paderborn, wo die Borussia gegen den heimischen SC ihr letztes Spiel der vergangenen Zweitligasaison mit 3:2 gewann (Tore: Friend, Coulibaly, Marin).

Durch die Berücksichtigung von Gal Alberman und Roberto Colautti in der Startelf der Borussia wurden erstmals in einer der 46 Spielzeiten der 1. Fußball-Bundesliga von einem Klub in einem Spiel zwei israelische Nationalspieler zeitgleich auf das Feld geschickt.
Der 19-jährige Christian Dorda spielte erstmals in der Bundesliga für die Borussia. Der Wegberger ist regulär in der U23 der Borussia in der Regionalliga West und insgesamt seit 12 Jahren bei der Borussia aktiv.

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  • Für den #effzeh gibt‘s jetzt nur noch eine Rettung. #PeterFürPeter
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  • @JrgNeb "Sie kehrt zurück", steht im ersten Absatz im Artikel & wird ganz genau auf dem Bild angezeigt.
  • @frankie1960 Das ist nahezu das erste Mal, daß man auch in Mönchengladbach einen Treffer von Ulf Kirsten gutfinden kann! 🙂

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