Das war´s dann wohl. Mit der 6. Niederlage im 7. Spiel und der unglücklichen, aber nicht unverdienten 1:2-Heimniederlage gegen den 1.FC Köln hat Borussia einen weiteren Tiefpunkt dieser bislang so kläglichen Saison erreicht und damit zugleich wohl einen Schlussstrich unter das vermeintlich auf Kontinuität ausgerichtete Zukunftskonzept gesetzt. Auch wenn sich der Verein mit der öffentlichen Verkündigung noch ein wenig Zeit lässt, wäre alles andere als ein Rauswurf von Trainer Jos Luhukay eine noch größere Überraschung als ein Bundesliga-Auswärtssieg unserer Borussia.



3 Punkte nach 7 Spielen, von denen 4 daheim absolviert werden durften. Dazu mit Ausnahme des Bremen-Spiels sehr dürftige Leistungen. Eine erschreckend instabile Abwehr, zu wenig eigene Großchancen. Borussia befindet sich völlig zurecht auf dem letzten Tabellenplatz und in solch einer Situation stellt sich in der heutigen Fußballwelt leider automatisch die Trainerfrage, selbst wenn die übliche Antwort später nur selten die gewünschte Besserung bewirkt.  

Auch das so herbeigesehnte Rheinderby war bezeichnend für die bisherige Saison. Man merkte den Spielern von der ersten Minute an, dass sie wollten. Engagiert kämpfte man um jedem Ball, wollte mit Grätschen und Dauerlaufen dem Publikum zeigen, dass man um die Ernsthaftigkeit der Situation und der Partie weiß. Und dennoch reichte es am Ende nicht. Schon nach 5 Minuten wurde alles Bemühen ad absurdum geführt, als ein harmloser Vucicevic-Schuss auf Christofer Heimeroth zuhoppelte und von diesem völlig unverständlich nach vorne vor die Füsse des dankbar einschiebenden Fabrice Ehret gelenkt wurde. Im späteren Verlauf der Partie, als Heimeroth einige Male gegen die konternden Kölner in 1-1-Situationen zu klären verstand, machte der Ex-Schalker seinen Patzer zwar wieder gut. Aber genau wegen dieser Schwankbreiten in seinen Leistungen wird er bei den Fans stets ein Gesprächsthema bleiben. Insgesamt ist er aber der allergeringste Grund für die aktuell so ernüchternde Konstellation.
 



Borussia bemüht, aber meist 2. Sieger



Man könnte versuchen, ein paar positive Aspekte der Partie herauszustellen, auch wenn dies nach einer Heimniederlage gegen den FC schwer fällt. In solch einer Situation so früh und unnötig mit 0:1 gegen einen zuletzt erstarkten Gegner in Rückstand zu geraten, der auch anschließend gewillt war, weiter Druck nach vorne zu entwickeln. Es hätte an diesem Tag ebenso zu einem Debakel kommen können, das aber schon 5 Minuten nach der Kölner Führung abgewendet wurde. Marko Marin, der ebenso wie Oliver Neuville wieder ins Team rotiert worden war, hatte die erste gelungene Offensivaktion von Borussia verzeichnet, als sein Schlenzer soeben noch von Mondragon zur Ecke geklärt wurde. Diese landete dann aber nicht beim umherirrenden kolumbianischen Torhüter, der in dieser Szene einmal mehr unter Beweis stellte, dass er mindestens genauso umstritten sein müsste wie sein Gegenüber. Filip Daems nahm das Geschenk dankbar an, und köpfte Oliver Neuville an, wodurch ein Gewusel im Kölner Strafraum entstand, in dem Roel Brouwers als einziger den Überblick bewahrte. Sein erfolgreiches Stochern bescherte ihm das erste Bundesliga-Tor und den Fans wieder etwas mehr Hoffnung, dass es doch noch zu einem Happy End an diesem Tag kommen könnte. 

Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit ergab sich ein sehr offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Und die herausragende Leistung des brasilianischen Neuzugangs Pedro Tonon Geromel offenbarte, wo der bedeutendste Unterschied zwischen den Saisonstarts beider Vereine liegt. Während Borussia dem Irrglauben unterlag, man könnte mit dem guten Zweitligakader der Vorsaison auch eine Etage höher gut mithalten, legten die Kölner an echter Qualität – speziell in der zuvor wackligen Defensive – zu. Ein Geromel und Petit auf unserer Einkaufsliste und wir würden aktuell über ganz andere Themen diskutieren. Stattdessen aber liefen die beiden im roten Dress auf und speziell ersterer konnte zweimal sensationell vor dem einschussbereiten Rob Friend klären, der in diesem Spiel der ewige zweite Sieger blieb und mit zunehmendem Spielverlauf immer mehr verzweifelte.  

Vor dem Seitenwechsel kam Borussia über die quirligen Marin und Matmour immer mal wieder gefährlich in Tornähe. Darauf stellte sich der Gast aber vermehrt ein, so dass sich speziell Marin ständig zwei bis drei Gegenspielern gegenübersah. Traurig, dass es den übrigen Akteuren auf dem Platz nicht gelang, die dadurch geschaffenen Freiräume besser zu nutzen. Stattdessen fiel der Mannschaft von Jos Luhukay nicht viel mehr ein, als den Ball ständig und stupide nach vorne zu schlagen, wo man darauf hoffte, dass bei Rob Friend irgendwann der Knoten platzt und er sich doch mal gegen seinen hoch überlegenen Gegenspieler durchsetzen kann. Zumindest am heutigen Tag wurde dem Kanadier hierbei ebenso die Grenzen aufgezeigt, wie sich auch Oliver Neuville sehr schwer tat, seine Erfahrung positiv zu nutzen. 
 

Das Spiel der Kölner wirkte insgesamt reifer und abgeklärter – eine Einschätzung, die sich schon weit vor jener traurigen 88. Minute aufdrängte, und die unabhängig vom dortigen Genickschuss ausfällt. Dass es den Kölnern am Ende noch gelang, eine der sich häufenden Kontergelegenheiten in einen Freistoß münden zu lassen, den Novakovic schulbuchmäßig aus 20 Metern verwandelte, war letzten Endes nicht viel mehr als die logische Konsequenz aus einer viel zu passiven und fast hilflosen zweiten Spielhälfte. 
 

Man kann den Spielern leider nicht mal vorwerfen, nicht ihr aktuell Bestes gegeben zu haben. Sie wollten schon, aber wie so oft in den letzten Wochen fehlten ihnen dazu die Mittel. Ob dies Zeichen mangelnder Qualität oder mißerfolgsinduzierter Verunsicherung ist, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen. Ein Gal Alberman machte in der Defensive ein Klasse-Spiel, grätschte und lief den Gegner ab, dass man ihm bewundern zuklatschen wollte. Aber von einem Doppelsechser ist in einem Heimspiel gegen einen nicht gerade übermächtigen Gegner mehr Zug nach vorne zu erwarten. Keine einzige Torchance wurde von ihm initiiert. So ist selbst das Spiel eines unserer konstantesten Akteure der letzten Wochen viel zu bieder und durchschnittlich. 
 

Ob Karim Matmour und Marko Marin heute oder auch ein Marcel Ndjeng und Alexander Baumjohann zuletzt. Sie wuseln viel, sie rackern und sind eifrig. Entscheidend ist aber am Ende immer nur das, was effektiv dabei herauskommt. Und das ist alles in allem zu wenig, auch wenn man den beiden erstgenannten heute noch den geringsten Vorwurf machen darf. 
 


Steve Gohouri gewohnt kämpferisch


Ein Steve Gohouri besitzt bei den Fans wegen seines unbändigen Kampfeswillen einen hohen Status. Wie er sich in jeden Ball wirft und nie aufgibt, ist aller Ehren wert. Aber Fakt ist ebenso, dass er in der Defensive etliche Male überfordert war und über seine Seite drei bis vier hochkarätige Kölner Chancen zuließ. Auch vor dem Freistoß in der vorletzten Minute ließ er sich von Chihi in bester Jansen-Nationalmannschafts-Manier überlaufen. So sehr man dem Ivorer ob seines Charakters (zumindest auf dem Platz) einen Stammplatz gönnt, ist er auf dieser Position des Rechtsverteidigers tatsächlich nur die am wenigsten schlechte Notlösung, die das Kompetenzteam im Sommer aus dem Hut zauberte. Tobias Levels offenbarte schon im Vorjahr Schwierigkeiten, auf Zweitliganiveau mitzuhalten. Als Lösung dieses offensichtlichen Problems dann die internen Antworten Ndjeng und Gohouri zu präsentieren, war ein Kardinalfehler, den sich die Verantwortlichen ankreiden lassen müssen.
 

Und deshalb muss sich das Mitleid mit Jos Luhukay auch in Grenzen halten, wenn er dann wirklich aufgrund der Niederlagenserie seinen Job verliert. Im Gegensatz zur Saison vor 1 ½ Jahren, als er einen falsch zusammengestellten Kader ohne jegliche Offensivqualität erbte, war er dieses Mal in der absoluten Verantwortung. Im Vorjahr hatten Ziege/Luhukay alles richtig gemacht, indem sie auf zweitligaerprobte Führungsspieler setzten, die sich in der neuen Liga perfekt auskannten. Am Beispiel des 1.FC Nürnbergs kann man aktuell sehen, wie wichtig dies gewesen ist. Nur impliziert das Attribut der Zweitligaerfahrung ebenso, dass dieselben Spieler wenig bis gar nichts in Liga 1 vorzuweisen hatten. Alleine auf den Teamgeist zu hoffen, um diese Schwäche zu kompensieren, erwies sich bislang als zu blauäugig. 
 

Ein wenig paradox erscheint da die Aussicht, dass vermutlich ausgerechnet der andere Mitverantwortliche für diese Kaderzusammenstellung, nämlich Christian Ziege, das Erbe des zuletzt glücklosen Trainers antreten darf. Auch Ziege hat im Sommer Fehler begangen, und er sollte sich darüber im Klaren sein, dass er als neuer Coach mit genau dieser Argumentation das nächste Bauernopfer der Fans und des sonstigen Umfelds würde, wenn sich die Mannschaft mittelfristig nicht allzu sehr von den Abstiegsplätzen fernhalten kann.  

Jos Luhukay hatte nie echten Kredit bei den Fans. Dafür war er zu nüchtern, zu sachlich und zu holländisch. Mit einigen schwer nachzuvollziehenen Entscheidungen – sowohl bei der Auswahl des Kaders vor der Saison, wie auch bei diversen Aufstellungen und Auswechselungen – hat er das Publikum noch zusätzlich gegen sich aufgebracht. Ironie des Schicksals, dass am Ende seine offensive Umstellung auf ein 3-5-2-System in der Schlussphase mit dazu beitrug, dass Köln noch einmal zu jenen Konterchancen kam, aus denen sich dann das 1:2 entwickelte. Doch selbst bei einem Punkt wären die Diskussionen kaum weniger stark ausgefallen. Zu wenig war Borussia dazu in der zweiten Halbzeit dieses so bedeutungsvollen Spiels eingefallen. Wären dieselben Spieler nicht im Vorjahr noch, z.B. auswärts beim selben Gegner, ganz anders aufgetreten, würde man glauben, dass sie es nicht besser können. Das vor knapp 1 ½ Jahren eingeschworene Kompetenzteam wird in den nächsten Tagen und Wochen die Gründe für diese Diskrepanz analysieren müssen.  

Am Ende wird dabei wohl die billigste aller Antworten herauskommen. Man wird entweder Christian Ziege in die Verantwortung drängen und damit einen – bei allen gemachten Fehlern vor Saisonbeginn – viel versprechenden Manager auf die Trainerschlachtbank des Borussia-Parks führen. Oder man holt sich z.B. einen Mirko Slomka, der auf Schalke ebenso für seine wenig verständlichen Aufstellungen und Wechsel kritisiert wurde und bei dem es nur eine Frage der Zeit wäre, bis er bei der nächsten Krise in eine ähnliche Situation wie der jetztige Coach gerät. 
 

Unabhängig von der Person Jos Luhukay, der genügend Fehler gemacht hat, als dass man ihm an dieser Stelle Beileidsbekundungen zuteil werden lassen muss. Wenn wir mit unserem Verein ernsthaft nach vorne kommen und uns wieder dauerhaft in Liga 1 etablieren wollen, dann darf das Wort von der Kontinuität kein hohles Geschwätz der Vereinsführung bleiben. Wir brauchen ein Team in der Verantwortung, dass zumindest von den Entscheidungsträgern die absolute Rückendeckung genießt, von dessen Konzept man zu 100% überzeugt ist und dem man unabhängig von sportlichen Krisenphasen die Stange hält – ohne Wenn und Aber.
 

So wie sich die Situation in den vergangenen Jahren hingegen darstellt, ist Borussia keinen Deut besser als all die anderen Vereine dieses Landes, die zwischen der harten Realität und den überzogenen Ansprüchen immer wieder der Floskel der angeblichen „Gesetzmäßigkeiten des Fußballs“ hinterherhecheln. Diese Gesetze existieren eben nur deshalb, weil kaum ein Vereinsverantwortlicher tatsächlich die Eier hat, sie einmal in Frage zu stellen. Ein Trainerwechsel ist nicht per se richtig, weil die erhofften Ergebnisse ausbleiben. Die Zahl derer, die mit diesem Irrglauben schlecht gefahren sind, ist weit größer als die Ausnahmen der so genannten erfolgreichen Feuerwehrmänner, deren Erfolge aber meist auch nur sehr kurzfristiger Natur sind. 
 



Kampf um jeden Ball gab es nur in Halbzeit 1



Nicht die miese Platzierung und die katastrophale Punkteausbeute darf der Grund für eine Entlassung Luhukays sein. Einzig, wenn man davon fest überzeugt ist, dass er aus dieser Mannschaft deutlich weniger herausholt als in ihr drin steckt und man ihm nicht zutraut, dies in Zukunft zu ändern. Wenn man sein Konzept anzweifelt, ihm dies klargemacht, aber dennoch keine Besserung gesehen hat. In solchen Fällen kann ein Trainerwechsel Sinn machen und berechtigt sein. Ob dies allerdings tatsächlich der Fall ist, können weder wir Fans noch die ach so kompetenten Herren von der (lokalen) Presse sich anmaßen, kompetent einzuschätzen. Im Verein selbst gibt es einige Herren, denen ein solches Urteil zuzutrauen ist. Man kann nur hoffen, dass sie sich nicht von den teilweise arg unsachlichen Argumenten im Umfeld beeinflussen lassen, sondern wirklich nur danach gehen, was sie selbst im täglichen Umgang mit der Mannschaft beobachten. Es wird keine leichte Entscheidung sein, die dort zu treffen ist. Aber eine eminent wichtige für den Verein Borussia Mönchengladbach, der nach dem heutigen Spiel beinahe schon wieder so depressiv dasteht wie vor der großen Zweitligaeuphorie.  

Bei aller Tristesse sollte aber auch nicht vergessen werden, dass eine Saison noch nicht nach 7 Spieltagen entschieden ist und sich noch viele Möglichkeiten zur Besserung der Lage ergeben. Die Kölner oder auch die Karlsruher haben es vorgemacht, wie man sich mit zwei erfolgreichen Spielen aus dem Tabellenkeller in vorläufig recht sichere Gefilde vorarbeiten kann. So verdient unser Tabellenplatz ist und so wenig Hoffnung auf die Zukunft solche Auftritte wie heute machen. Wir Borussen-Fans sollten am besten wissen, wie schnelllebig der Fussball sein kann. Borussia ist noch lange nicht am Ende und ich wage die Prognose, dass wir die Saison nicht als chancenloser Tabellenletzter in ähnlich blamabler Form wie bei unseren vorherigen Abstiegen beenden werden. Und dies gilt, egal ob wir fortan mit oder ohne Jos Luhukay weitermachen.


Borussia: Heimeroth – Gohouri, Brouwers (Baumjohann 76) , Daems, Jaurès - Matmour, Paauwe, Alberman (Colautti 90), Marin – Friend, Neuville. 

1. FC Köln:
Mondragon – Brecko, Geromel, Mohamad, Wome – Petit (McKenna 90), Pezzoni – Vucicevic (Radu 84), Antar, Ehret (Chihi 69) – Novakovic.
 

Tore:
0:1 Ehret (5.), 1:1 Brouwers (10.), 1:2 Novakovic (88.)
 

Schiedsrichter: Günter Perl (München)
 

Zuschauer: 54.067 (ausverkauft)
 

Gelbe Karten (Borussia): Brouwers, Alberman, Gohouri 

Besondere Vorkommnisse:

Die heutige Niederlage im 7. Saisonspiel war Borussias sechste der laufenden Saison. Der Sieg des 1. FC Köln war die neunte Heimniederlage der Borussia gegen den Klub in der gemeinsamen Gesichte in der 1. Fußball-Bundesliga. Der letzte Erfolg des 1. FC Köln bei der Borussia in der Ersten Liga lag vor der Partie mehr als sechzehn Jahre zurück. Am 26. September 1992 gewann der 1. FC am 8. Spieltag der damaligen Saison 1992/93 ebenfalls mit 2:1 gegen die Borussia, Andrzej Rudys Führungstreffer in der 25. Minute hatte kurz darauf zwar Martin Dahlin noch egalisieren können, auf den Treffer von Frank Ordenewitz in der 55. Spielminute fand die damals von Trainer Jürgen Gelsdorf betreute Borussenmannschaft jedoch keine Antwort mehr. 
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  • RT @MichaelCUISANCE: Danke fur allés, es its nur der anfang 🙌🏼🐎 @borussia
  • @Neun_Drei Auch verletzt?
  • Während jeder Raffaels Tore feiert, sollte man auch den Jüngsten sehr loben. Bravo, vous avez bien fait, @MichaelCUISANCE! #bmgvfb
  • @Neun_Drei Was fehlt?
  • Milliarden Chinesen, die am Wochentag nachts um 0.30 Uhr 2 Stunden deutsche Bundesliga gucken, sind die Zielgruppe dieser Anstoßzeit #bmgvfb
  • @jarkoh Siegtor Max Eberl.
  • Wenn das so kommt, wie es sich liest, sind morgen Dirk Bremser, Max Eberl & Uwe Kamps im Kader. #BMGVFB

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