Der frühere Aachener Vedad Ibisevic hat der Borussia in ihrem ersten Auswärtsspiel der Saison die zweite Saisonniederlage zugefügt. Im Carl-Benz-Stadion zu Mannheim erzielte der Stürmer in der 31. Spielminute nach einer Unzulänglichkeit im Aufbauspiel der Borussia den Treffer zum 1:0, der auch nach Ablauf der restlichen 60 Spielminuten als Ergebnis noch Bestand hatte. Die Borussia, die vor allem in der Anfangsphase einen aufgeräumten Eindruck hinterlassen hatte, erspielte sich unter dem Strich viel zu wenig klare Torchancen, um an der Rechtmäßigkeit des Erfolgs des Mitaufsteigers stichhaltige Zweifel anmelden zu können.

Borussias Trainer Jos Luhukay hatte seine Anfangsformation im Vergleich zum Spiel gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Sonntag auf insgesamt vier Positionen verändert. So ersetzte Tobias Levels Marcel Ndjeng auf der rechten Abwehrseite, im Zentrum rückte Jan-Ingwer Callsen-Bracker anstelle Roel Brouwers in die erste Elf. An der Seite von Patrick Paauwe agierte statt Gal Alberman am heutigen Tage Sebastian Svärd und für den erst gestern vom Länderspiel zurückgekehrten Rob Friend begann Roberto Colautti. Mannschaftskapitän Oliver Neuville verblieb im ersten Spiel seit seiner Genesung von seinen Achillessehnenproblemen zunächst auf der Ersatzbank der Borussia.

Zeitig versuchte die Borussia die gegnerische Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick unter Druck zu setzen, so bemühten sich die Borussen meist schon dann um den Ball, wenn die Hoffenheimer ihrerseits erst im Begriff waren einen Angriff in Richtung der Spielfeldhälfte der Borussia zu initiieren. Die Gastgeber, die in der 7. Spielminute einen Schussversuch von Karim Matmour an ihrem Tor vorbeifliegen sahen, hatten zwar die erste konkrete Torchance der Begegnung (3.), doch sahen sie sich in dieser Phase immer wieder aggressiv forecheckenden Borussenspielern ausgesetzt, die derartige Versuche gern zu unterbinden wussten. Die Borussia, die die meisten Angriffe über ihre linke Abwehrseite um den verbesserten Jean-Sebastien Jaurès abzuwehren hatte, wollte dies bei ihren Angriffsbemühungen zwar besser machen, doch mehr als gelegentlich gelang es ihr nicht die Abspielfehler, die in ihrem Angriffsspiel auftauchten, abzustellen. So konnte sie die optischen Feldvorteile, die sie hier zu haben begann, nicht in wirkliche Torgelegenheiten ummünzen.

Bis etwa zur 20. Spielminute gelang es ihr noch die Hoffenheimer allenfalls zu Verlegenheitsversuchen auf das Tor von Christofer Heimeroth zu zwingen, hernach wurde die Heimelf sukzessive stärker, ohne dabei jedoch entscheidende Vorteile zu bekommen. Ein Foul von Jean-Sebastien Jaurès an der Strafraumkante auf Borussias linker Abwehrseite ermöglichte den Baden-Württembergern eine Freistoßchance, in deren Folge im Strafraum der Borussia Sebastian Svärd mit der Hand an den Ball kam und damit lautstarke Proteste bei den Heimfans auslöste. Doch ebenso wie kurze Zeit später auf der Gegenseite, als Roberto Colautti aus ähnlichem Grund einen Strafstoß für Borussia forderte, verneinte Schiedsrichter Kinhöfer diese heftigen Plädoyers. Dem Mann aus Herne war jeweils nicht entgangen, dass jeweils der Ball die Hand des Abwehrspielers (Svärd/Nilsson) im Grunde zu deutlich gesucht hatte und für einen Strafstoß somit keine Grundlage vorhanden gewesen war.
Doch auch ohne Strafstoßpfiff von Kinhöfer häuften sich jetzt die Tormöglichkeiten für die Gastgeber, so konnte nur ein Reflex von Christofer Heimeroth in der 28. Spielminute ein mögliches Tor des Vorjahreszweiten aus Hoffenheim unterbinden. Auch im anschließenden Standard, einem Eckball von der rechten Abwehrseite, blieb Heimeroth diese letzte Instanz, die einen Treffer der Hausherren nicht zuließ.

Nur unmittelbar später war der frühere Gelsenkirchener dann allerdings machtlos. In der 32. Spielminute hatte die Borussia versucht sich über einen Tempogegenstoß via Karim Matmour entscheidend aus der temporären Hoffenheimer Umklammerung zu lösen, doch den Gastgebern gelang es geschickt den naturalisierten Algerier in Borussias eigener Hälfte zu halten und ihn zu zwingen den sofortigen Rückwärtsgang einzulegen. Als Matmour sich nicht selbst zu befreien wusste, versuchte er dies im Verbund mit Tobias Levels und Jan-Ingwer Callsen-Bracker. Callsen-Bracker spielte in dieser Folge einen schnellen & nach vorne gerichteten Pass zu Patrick Paauwe, der dieses Zuspiel jedoch „unter der Sohle durchrutschen" ließ und den nahen Hoffenheim-Spielern damit einen schnellen Ballgewinn ermöglichte; noch während die Borussenabwehr dadurch entblößt schien, spielte der Hoffenheimer Carlos Eduardo einen flinken Ball auf Stürmer Ibisevic, der den verbliebenen Filip Daems mit einer Körpertäuschung sprichwörtlich links liegen lassen durfte und den Ball hernach zum Führungstreffer in das Borussentor schießen konnte.

Bei der Borussia verursachte der Gegentreffer keine richtige Änderung in ihrer Spielanlage. Die Mannschaft um Nationalspieler Marko Marin probierte weiterhin mit viel Aktivität den Weg in die gegnerischen Zonen zu finden, doch immer wieder zahlte sie schließlich den Preis für Ungenauigkeiten, die im Zuspiel begannen und in der generellen Abstimmung endeten. Der für Rob Friend spielende Roberto Colautti ließ beispielsweise sehr deutlich die direkte Bindung zum Spiel seiner Mitspieler vermissen, auch wenn er viel davon durch Einsatzfreude wettzumachen versuchte. Dies gelang ihm allerdings nur in Ansätzen, ebenso wie es etwa einem Marin zu selten gelang seine Tempodribblings anzubringen oder einem Sascha Rösler gelang sich produktiv vor der Gegners Tor zu zeigen. Wie schon gegen Stuttgart blieb der stellvertretende Mannschaftskapitän blass.

Unmittelbar nach dem Wiederbeginn, den beide Trainer mit einer unveränderten Formation angingen, hatten die gut miteinander kombinierenden Gastgeber dann die Möglichkeit das Spiel mit einem zweiten Treffer vor zu entscheiden, doch auch wenn Sejad Salihovic und Außenverteidiger Matthias Jaissle sich auf der rechten Abwehrseite der Borussia bis an die Torauslinie kombinieren konnten, ihre Vorarbeit zu einem möglichen Treffer versiegte beim Abschlussversuch des mitgelaufenen Demba Ba, der das Spielgerät nicht vernünftig traf und Heimeroth in Borussias Kasten jede Abwehrchance ermöglichte. Kurze Zeit später versuchte Bas Sturmpartner Ibisevic im Strafraum der Borussia einen Strafstoß zu schinden, doch Referee Kinhöfer ließ sich von dem Angreifer nicht an der Nase herumführen.

Fast im Gegenstoß dann reklamierten die wieder zahlreich mitgereisten Anhänger der Borussia, sie wollten einen Feldverweis gegen den Hoffenheimer Verteidiger Per Nilsson, weil dieser in der 53. Spielminute in einer sich zuspitzenden Eins-gegen-Eins gegen Roberto Colautti den Borussenstürmer am Zug zum Tor gehindert hatte. Doch weil neben Nilsson noch Marvin Compper mitgelaufen war und der Weg von Colautti zum Tor der TSG noch weit war, beließ der aus Nordrhein-Westfalen angereiste Schiedsrichter es bei einer Gelben Karte für den mehrmaligen schwedischen Nationalverteidiger.

Eigentlich bis zur Einwechselung von Rob Friend und Oliver Neuville in der 60. Spielminute für Sascha Rösler und, eben, Roberto Colautti kam die Borussia in ihren Offensivversuchen nicht über Ansätze hinaus und vermochte es nicht den Ball einmal längerfristig in der Nähe des Tores der Hoffenheimer zu halten. Oftmals war dafür einfach das Zuspiel zu unpräzise oder der Laufweg beider am Verlauf des Balles beteiligten Borussenspieler nicht ausreichend abgestimmt. Deswegen gelang es den Hausherren immer wieder sich aus potentiell gefährlich werdenden Situationen akkurat zu befreien, ihren Torwart Özcan dabei beschäftigungsfrei zu halten.

Oliver Neuville und Rob Friend waren knappe fünf Minuten auf dem Feld, da zerstörte sich Jean-Sebastien Jaurès seinen heute verbesserten Eindruck innerhalb von kaum zwei Szenen. Neben einem Foulspiel nahe des eigenen Mittelkreises, welches Schiedsrichter Kinhöfer mit einer finalen Ermahnung in seine Richtung enden ließ (und weshalb Jos Luhukay in der 73. Spielminute Roel Brouwers für ihn einwechselte, der dann mit Filip Daems die Positionierung auf der linke Abwehrseite neu zu organisieren begann), leistete sich der bisherige Akteur des AJ Auxerre einen schon fatal an das zweite Stuttgarter Tor am vergangenen Spieltag erinnernden Fauxpas. Wieder war er unter Druck eines Gegenspielers auf seiner Außenseite mit dem eigenen Körper in Richtung eigener Torauslinie unterwegs, wieder setzte er in dem herannahenden Zweikampf mit seinem Gegenspieler falsche Prioritäten. Diesmal erwischte er zwar noch einen vertretbaren Zeitpunkt, um den Ball in Richtung Mitspieler (Christofer Heimeroth war ihm entgegen gelaufen) zu bugsieren, doch hatte sein Abspiel eine zu geringe Geschwindigkeit. So endete sein Rückpass auf Heimeroth auf gut halbem Weg zu diesem und ermöglichte dem lauernden Vedad Ibisevic dazwischen zu spritzen - Glück für die Borussia, dass die Hoffenheimer um Ibisevic und auch Ba dieses Missgeschick nicht dazu benutzen konnten Heimeroth zum sicherlich dann entscheidenden 2:0 zu bezwingen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt jedoch hätten sich die Gastgeber aufgrund des Spielverlaufs durchaus doch ein zweites Tor verdient gehabt, neben der optischen Überlegenheit war ihr Chancenplus gegenüber den Offensivbemühungen der Borussia ja beträchtlich geworden. Vor allem der Senegalese Ba, den Hoffenheim zum Start der letzten Saison aus der belgischen Jupiler League von Excelsior Mouscron verpflichtet hatte, war an diesen regelmäßig beteiligt, ohne sie dann verwerten zu können. Die gefährlichste Chance indes verbuchte der aufgerückte Innenverteidiger Per Nilsson, als er von Rob Friend vernachlässigt einen Freistoß von Sejad Salihovic kurzerhand an die Torlatte des Borussengehäuses stemmte (71.).

Wie erwähnt, mit Oliver Neuville und Rob Friend anstelle von Sascha Rösler und Roberto Colautti bekam die Borussia nach deren Einwechselungen verhältnismäßig viel mehr Bälle in der Nähe des Hoffenheimer Strafraums „festgehalten" und daraus resultierte auch eine erhöhte Torgefahr für die Elf von Jos Luhukay, wenngleich Karim Matmour aus der Distanz und aus der Luft (83.) ihre besten Tormöglichkeiten besaß. Bei jenem Kopfball in der 83. Spielminute, der letztlich nicht im Tor endete und dem dennoch eine sehenswerte Kombination über Borussias rechte Angriffsseite mitsamt einer tauglichen Flanke von Tobias Levels vorausging, hätte der bisherige Freiburger den Flankenball besser dem hinter ihm lauernden Rob Friend überlassen, der besser zur Flanke postiert war und der, wenn er den Ball dort hätte köpfen dürfen, aus der guten Tormöglichkeit gewiss eine wirklich erstklassige Tormöglichkeit gemacht hätte.
So aber verstrich Borussias aussichtsreichste Chance auf einen Punkt beim Mitaufsteiger ungenutzt, musste sie anschließend noch eins, zwei Mal kräftig durchatmen, weil die Hoffenheimer ihrerseits (Ba, Ibisevic) zu weiteren nennenswerten Situationen kamen, die im Endeffekt den Sieg hätten höher ausfallen lassen können.

Unter dem Strich verliert die Borussia ihr erstes Auswärtsspiel der neuen Saison aufgrund einer (entscheidenden) Unzulänglichkeit im Aufbauspiel während einer aufgezogenen Unter-Starkem-Druck-Periode inmitten der ersten Spielhälfte. Sie verliert dieses Spiel jedoch verdientermaßen, weil es ihr über zu weite Strecken beider Halbzeiten nicht gelang nennenswerte Torgefahr herauszuarbeiten. Dies lag in erster Linie an Ungenauigkeiten im Zusammenspiel, an Abstimmungsschwankungen im Miteinander. Und auch wenn sie insgesamt einen besseren, weil wettbewerbsfähigeren & achtbaren Eindruck hinterließ als während vieler Auswärtspartien in ihren letzten Erstligaspielzeiten, im Endeffekt waren ihre Bemühungen und ihre Versuche doch nicht ausreichend genug. Nicht ausreichend um davon zu sprechen, dass ein anderes Resultat in dieser Partie statthafter gewesen wäre.

Zu bedauern ist beim Blick auf die einzelnen Darbietungen der Borussenspieler gewiss, dass ein Akteur wie Nationalspieler Marko Marin nicht an die von ihm im letzten halben Jahr sehr oft gezeigte Zielstrebigkeit anknüpfen konnte oder ein Roberto Colautti in diesem Spiel seine natürlich vorhandenen Stammplatzambitionen nicht mit entsprechenden Argumenten zu untermauern wusste. Demgegenüber steht indes aber Sebastian Svärds Auftritt, der zu der Vermutung Anlass gibt, dass der Mittelfeldspieler bei entsprechender Verletzungsfreiheit in dieser Saison ein richtig ernster Kandidat auf einen Platz in der Stammelf werden könnte.

Hoffenheim: Özcan - Beck, P. Nilsson, Compper, Jaissle - Luiz Gustavo - Weis (Janker 90), Salihovic (Vorsah 71) - Carlos Eduardo (Teber 88) - Ba, Ibisevic

Borussia: Heimeroth - Levels, Callsen-Bracker, Daems, Jaurès (Brouwers 73) - Svärd, Paauwe - Marin, Rösler (Neuville 61), Matmour - Colautti (Friend 61)

Tore: 1:0 Ibisevic (31.)

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)

Zuschauer: 26.300

Gelbe Karten (Borussia): Jaurès, Daems, Neuville

Besondere Vorkommnisse: Weil das neue Stadion der TSG Hoffenheim 1899 noch nicht fertiggestellt ist, wurde diese Partie im Mannheimer Carl-Benz-Stadion ausgetragen, wo die Borussia letztmalig in der Hinrunde der 2. Bundesliga-Saison 2000/2001 gastiert hatte. Für die TSG Hoffenheim war es das erste Bundesligaheimspiel ihrer Vereinsgeschichte und zugleich das dritte Aufeinandertreffen mit der Borussia (2 Siege, 1 Remis; 5:2 Tore), mit der sie in der letzten Saison schon in einer Liga gespielt hatte. Mit Jan-Ingwer Callsen-Bracker kam auch Borussias vierter Neuzugang des Sommers zu seinem ersten Bundesligaeinsatz für die Borussia. Erstmals seit dem 20. Spieltag der vergangenen Saison (0:1 gegen den FSV Mainz 05) erzielte die Borussia in einem Pflichtspiel keinen Treffer.

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