SC Freiburg Es gibt diese TV-Kochshows, in denen mit nur drei Zutaten allerhand Schmackhaftes zuzubereiten ist. Nun ja, "schmackhaft" behauptet am Ende zumindest der Moderator; überprüfen kann man das am Fernseher ja schlecht. Am Sonntag dagegen steht ein Festmenü auf dem Speisezettel der Gladbacher Fans, das mit Zutaten beinahe überreichlich ausgestattet ist: Ein volles Stadion, traumhaftes Sommerwetter, eine Borussia, die nach dem errungenen Aufstieg frei aufspielen kann, ein Gegner, der es sich gar nicht leisten kann, sich hinten rein zu stellen, in der Defensive ohnehin ersatzgeschwächt antritt, aber für gepflegtes Offensivspiel steht. Kurz, alles ist angerichtet für ein rauschendes Fest, bei dem man sich auf ein attraktives Spiel beider Mannschaften mit vielen Torszenen freuen darf und selbst eine Niederlage der Partystimmung kaum Abbruch tun dürfte. So viele Zutaten: für den TV-Koch keine richtige Herausforderung, für Gladbacher am Sonntag eine Aufforderung zur hemmungslosen Schlemmerei.



Gladbacher Defensive

Eine Position ist durch Alexander Voigts Gelbsperre zu vergeben. Zu erwarten steht, dass Filip Daems nach links rückt und dadurch der Platz neben Roel Brouwers in der Innenverteidigung neu zu besetzten ist. Da Steve Gohouri gerade erst wieder genesen ist, sollte Thomas Kleine erster Anwärter sein. Der Rest des Abwehrverbundes versteht sich von selbst: Heimeroth im Tor, Levels rechts, Paauwe auf der Sechs.

Gladbacher Offensive


Hätte sich Roberto Colautti nicht erneut verletzt, es wäre interessant gewesen zu sehen, wie Jos Luhukay während der letzten beiden Partien im Sturm rochiert. So aber sind keine großen Überraschungen zu erwarten: Friend und Neuville sind im Sturm ebenso gesetzt wie Marin und Rösler im Mittelfeld, Touma ist es nach seinen beiden Treffern gegen Wehen vermutlich auch. Coulibaly, Ndjeng, Rafael und, je nachdem wie letztendlich der Kader aussieht, vielleicht auch Lamidi können sich Hoffnung auf eine Einwechslung machen. Weitergehende personelle Experimente - etwa mit Olcay Sahan - könnten in Paderborn folgen.

Der Gegner aus Freiburg

Vor der Saison hatte der SC als Ziel den achten Platz ausgegeben. Das wird man locker übertreffen, dennoch überwiegt an der Breisgau derzeit die Tristesse. Zu nah war man dem Aufstieg gerückt, nach verschiedenen Zwischentiefs immer wieder zurückgekehrt, hatte sich bis vor kurzem noch ganz realistische Hoffnungen machen dürfen. Die ebenso unerwartete wie unnötige Heimniederlage gegen Offenbach hat zwar nicht rechnerisch, aber doch nach realistischem Ermessen einen Schlussstrich gezogen: Selbst bei einem Sieg im Borussiapark wären die Aufstiegschancen des SC nur gering: Zeitgleiche Erfolge der Kölner und Hoffenheimer würden sie in jedem Fall auch rechnerisch beenden. Der Traum sei „nicht mehr greifbar", formulierte Trainer Robin Dutt denn auch realistisch. Dennoch werde man allein schon um der mitreisenden Fans willen alles dafür tun, um wenigstens die theoretische Aufstiegschance noch offen zu halten. Tatsächlich aber richten sich die Freiburger Blicke bereits auf die kommenden Spielzeiten: Bis spätestens in drei Jahren soll die Rückkehr in die Bundesliga gelingen, am besten mit Robin Dutt, dessen Vertrag man am heutigen Freitag bis 2010 verlängerte.

Freiburger Defensive

Einen skurrilen Saisonverlauf erlebt der letztjährige Stammkeeper Alex Walke. Zu Saisonbeginn sah sich Walke, eben noch von den Mannschaftskameraden als Nachfolger Soumaila Coulibalys zum Mannschaftskapitän gewählt, völlig überraschend zum Ersatztorwart degradiert. Erst Carsten Nulles Verletzung am zehnten Spieltag eröffnete ihm eine neue Chance, die er mit ordentlichen Leistungen nutzen konnte. Neue Konkurrenz erwuchs im Winter in Person des vom VfB Stuttgart nachverpflichteten Michael Langer - Nulle war zuvor frustriert nach Paderborn gewechselt. Dennoch konnte Walke, der inzwischen die Kapitänswürde an Heiko Butscher abgegeben hatte,  seinen Stammplatz zunächst behaupten, bis sich Robin Dutt am 22. Spieltag für einen erneuten Torwartwechsel entschied. Dabei war Walke an der Niederlage in Hoffenheim schuldlos gewesen und hatte auch sonst durchaus überzeugt. Die Entscheidung, so Dutt, sei weniger eine gegen Walke als eine für Langer gewesen, der im Training eine „unglaubliche Siegermentalität" ausgestrahlt habe. Langer konnte das Vertrauen insgesamt rechtfertigen: Von je einem folgenschweren Patzer in Aue und auf St. Pauli abgesehen, hat sich der reaktionsschnelle 23-jährige als starker Rückhalt etabliert.

Völlig offen ist aber, wer aber vor Langer aufläuft. Von der etatmäßigen Viererkette Schwaab, Butscher, Krmas, Schlitte ist einzig Kevin Schlitte einsatzbereit. Daniel Schwaab fehlt wegen einer kurzfristig zugezogenen Sprunggelenksverletzung, Pavel Krmas wegen Gelbsperre. Heiko Butscher laboriert weiter an der Zerrung, die er sich am Mittwoch beim Aufwärmen vor dem Spiel gegen Offenbach zuzog. Vor allem der Ausfall des Kapitäns schwächt die Breisgauer erheblich. Der Innenverteidiger, der in dieser Saison ohne jegliche Verwarnung blieb, ist im doppelten Wortsinn Kopf der Abwehr: Seine Kopfballstärke konnte Butscher nicht nur in vier Saisontore ummünzen, Dutt hätte sicher auch gegen Rob Friend gerne darauf zurückgegriffen.

Erster Nachrücker für die Innenverteidigung wäre Oliver Barth, aber selbst dessen Einsatz ist angesichts einer Oberschenkelverhärtung höchst ungewiss. Da Otar Khizaneishvili noch erheblichen Trainingsrückstand hat und selbst der junge Ömer Toprak nach einer roten Karte aus der A-Junioren-Bundesliga nicht zur Verfügung steht, könnte Dutt am Sonntag gänzlich ohne gelernte Innenverteidiger da stehen. Wie er dieses Problem lösen will, dazu hüllt er sich bislang in geheimnisvolles Schweigen. Vielleicht lässt der Coach einen oder zwei bis dato unbekannte Jugendspieler debütieren, auch wenn Freiburgs Oberliga-Mannschaft gerade vor dem Spitzenspiel gegen Waldhof Mannheim steht. Vielleicht wird zumindest Oliver Barth doch noch rechtzeitig fit. Vielleicht werden Eke Uzoma, Dennis Aogo oder Ali Günes aus dem Mittelfeld in die Viererkette beordert: Günes half bei der Niederlage in Koblenz immerhin schon ein Mal auf der Rechtsverteidigerposition aus.

Vor der Abwehr setzt Dutt in aller Regel auf einen Doppelsechser. Der eine Part ist fest für den bundesligaerfahrenen Ivica Banovic vergeben, der vor der Saison aus Nürnberg kam. Für den anderen kämen vor allem Günes, Uzoma oder Aogo infrage, sofern Dutt sie nicht in die Viererkette zurückzieht.

Freiburger Offensive

Die häufigste taktische Formation des SC war vor allem in der Rückrunde eine offensive Dreierreihe hinter einem Stoßstürmer, allerdings in variabler Besetzung. Günes und Aogo könnten in der Dreierreihe spielen, falls sie nicht in defensiverer Rolle gebraucht werden. Vor allem Rückkehrer Günes war vor der Saison mit großen Erwartungen von Besiktas Istanbul geholt worden, hatte aber, auch verletzungsbedingt, lange Schwierigkeiten. Seit fünf Spielen steht er wieder regelmäßig in der Startelf und lieferte vor allem in den letzten drei Partien gute Leistungen ab.

Vom Trainerwechsel profitiert hat Dennis Aogo: Unter Volker Finke war der technisch starke Linksfuß nur Ergänzungsspieler, während ihn Dieter Eilts bei der U21-Nationalelf schon als feste Größe betrachtete. Unter Robin Dutt hat sich Aogo zur Stammkraft gemausert und kam teils als Außenverteidiger, teils im linken offensiven Mittelfeld, teils auf seiner Lieblingsposition zentral vor der Abwehr zum Einsatz. Aktuell wird in der Hamburger Presse von einem angeblichen Wechsel zum HSV berichtet. Aogo schlägt gefährliche Ecken und Flanken, lässt sich von schnellen Gegnern aber auch mal überrennen.

Zum Einsatz kommen dürfte ferner Karin Matmour. Der sechsfache algerische Nationalspieler kann auf immerhin vier eigene Treffer und fünf Assists verweisen. Der junge Andreas Glockner feierte sein Debüt zwar ausgerechnet beim 0:5-Debakel auf St. Pauli, stand seitdem aber fünfmal in der Startelf und wurde in der sechsten und bislang letzten Partie eingewechselt.

Sicher spielen werden Jonathan Pitroipa und Mohamadou Idrissou, wobei noch offen ist, wer von beiden in vorderster Position stürmt. Der schnelle und technisch starke, bisweilen aber zu eigensinnige Pitroipa hat te nach seinem offen forcierten Wechsel zum HSV bei den Freiburger Fans nicht immer leichten Stand. Ohne seine sieben Tore aber wäre der SC im Aufstiegskampf schon längst aussichtslos zurückgefallen.

Idrissou kam als Teil des umfangreichen Kaderumbaus in der Winterpause, bei dem je vier Spieler abgegeben und neu verpflichtet wurden. Der Kameruner, der in der Bundesliga beim MSV Duisburg ohne Torerfolg geblieben war,  zeigte sich in Freiburg zwar engagiert, im Abschluss aber zunächst glücklos. In den letzten fünf Spielen allerdings kam Idrissou auf drei Treffer und ist vor allem bei eigenen Standards eine stetige Gefahrenquelle. Offensive Alternativen wären Hendrik Bencik, Amir Akrout und Mirnes Mesic. Weiterhin verletzt fehlen dagegen Jonathan Jäger und Wilfried Sanou.

Bilanz

In der zweiten Liga kommt es am Sonntag zum ersten Gladbacher Heimspiel gegen Freiburg. In der Bundesliga traten die Breisgauer dagegen schon achtmal in Gladbach an. Dabei spezialisierte sich die Borussia darauf, 0:1-Rückstände auszugleichen. In gleich sechs von acht Spielen in Gladbach ging der SC in Führung, gewann am Ende aber nur ein einziges Mal, passenderweise am 1. April (1995). Von allen acht Partien gewann die Borussia die Hälfte; dreimal kam es zur Punkteteilung. In der bis zum heutigen Sonntag letzten Begegnung, vor gut drei Jahren, nahm die Borussia zwar den obligatorischen 0:1-Rückstand hin, diesmal durch einen Fernschuss Soumaila Coulibalys, konnte das Spiel dank Vaclav Sverkos und Wesley Sonck (zwei Treffer) aber noch drehen. Oliver Neuville scheiterte damals vom Elfmeterpunkt an Richard Golz.

Schiedsrichter

Viel ist über Robert Hartmann aus Ingolstadt nicht zu sagen, was für einen Schiedsrichter ja ein gutes Zeichen ist. Der Diplom-Betriebswirt pfeift in dieser Saison erstmals im Profifußball und blieb bei seinen acht Spielleitungen in der zweiten Liga, darunter Borussias Heimspiel gegen Hoffenheim, ohne eklatante Fehlentscheidungen. Im Februar debütierte er beim 1:1 von Panathinakios Athen gegen Glasgow Rangers gar im UEFA-Cup, hier allerdings nur an der Seitenlinie. Am Sonntag heißen Hartmanns eigene Assistenten Michael Emmer und Karl Valentin.

Aufstellungen

Borussia: Heimeroth - Levels, Kleine, Brouwers, Daems - Paauwe - Touma, Rösler, Marin - Friend, Neuville.
Ersatz: Gospodarek, Gohouri, Schachten, Bøgelund, Svärd, Polanski, Ndjeng, Coulibaly, Lamidi, Rafael.
Es fehlen: Voigt (gesperrt), van den Bergh, Colautti (beide verletzt).

SC Freiburg: Langer - Günes, Barth, Uzoma, Schlitte - Banovic, Aogo - Glockner, Matmour, Idrissou - Pitroipa.
Ersatz: Walke, Konrad, Ollé Ollé, Schutzbach, Mehring, Bencik, Mesic, Ampomah.
Es fehlen: Krmas, Toprak (beide gesperrt), Butscher, Schwaab, Jäger, Roth, Sanou (alle verletzt).

Schiedsrichter: Robert Hartmann (Ingolstadt)
Assistenten: Michael Emmer (Thurmansbang), Karl Valentin (Taufkirchen).

SEITENWAHL-Meinung:

Christoph Clausen: Wenn das kein torreiches Spiel gibt, dann weiß ich es auch nicht mehr. Dass Borussia gegen stark ersatzgeschwächte mit 4:2 gewinnt, macht die große Aufstiegsparty noch ein bisschen schöner. Aber auch eine Niederlage würde die Stimmung nicht wirklich trüben.

Thomas Zocher: Schritt für Schritt, ein Motto der Borussia in dieser Saison und mithin ein guter Slogan für das letzte Spiel der Saison, in dem sich die Borussia die Meisterschaft sichern kann. Das geschieht auch, allerdings zollt sie den Aufstiegsfeierlichkeiten Tribut und kassiert ... letzlich noch zwei Freiburger Tore bei ihrem 3:2-Erfolg.

Mike Lukanz: Gerne bin ich heute der Spielverderber. Der Rahmen passt, die Eckdaten der Aufstiegsfeier stehen auch. Doch seit der WM 2006 wissen wir, dass solche Großevents mehr als reine Sauf-Party gesehen werden, insofern wird ein Großteil der erwarteten 100.000 Menschen in Mönchengladbach kein Problem damit haben, dass Borussia ihr letztes Heimspiel mit 1:2 aus der Hand gibt.

Michael Heinen: Im Gegensatz zu anderen Vereinen aus dem Rheinland hat Borussia in ihrer Historie meist ordentlich weitergespielt, wenn die Saisonziele erreicht waren. Es wäre schön, wenn diese lobenswerte Tradition auch in diesem Jahr weitergeführt würde. Da auch für den SC Freiburg nicht mehr wirklich viel zu erreichen ist, gewinnt Borussia am Ende mit 2:1 und übernimmt damit die Führung in der Heim-Tabelle.

Christian Heimanns: Der SC Freiburg müsste schon, kann aber nicht mehr so richtig. Gegen die Spielfreude der von allem Druck befreiten Borussen in ihrem letzten Heimspiel werden die Badener am Ende nicht mehr viel zu bestellen haben. Ein weiteres 3:0 vor ausverkauftem Haus verabschiedet den Borussiapark in die Sommerpause.

Hans-Jürgen Görler: Nach den ersten Aufstiegsfeiern vom Mittwoch wird die Borussia es sich nicht nehmen lassen, den Zuschauern am Sonntag einen weiteren Heimsieg zu präsentieren. Nach dem 2:0 gegen den SC Freiburg geht die Party aber erst richtig los.


Der SC Freiburg im Internet
: http://www.scfreiburg.de
Der SC Freiburg im SEITENWAHL-Zweitligacheck: http://www.seitenwahl.de/content/view/918/259/

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  • @agbeule Das Spiel des #effzeh war auch im letzten Jahr ähnlich limitiert. Aber halt sehr kompakt und vorne noch mit Lebensversicherung.
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