Es gibt Spiele, die erahnen lassen, welche Richtung innerhalb der Saison eingeschlagen wird. Im Hinspiel erarbeitete sich der Gastgeber eine Fülle guter Möglichkeiten, doch am Ende hieß es bekanntlich 5:0 für Borussia. Dies stellte den bislang höchsten Sieg der gesamten Saison dar und war seinerzeit der sechste Sieg in Folge. Spätestens mit diesem Ergebnis in Koblenz waren die Attribute  „Dominanz" und „Effektivität" fest mit Borussias Mannschaft und ihrem Auftreten verbunden, man übernahm danach die Tabellenführung und gab sie bis heute nicht mehr ab. Das Rückspiel am Sonntag stellt nun das zweite von insgesamt vier Partien dar, nach denen eine Vorentscheidung über den Aufstieg gefallen sein dürfte. Oder eben nicht. In den Köpfen und Herzen der Mönchengladbacher Anhänger dreht sich bereits vieles um das Derby nächste Woche in Köln und das darauffolgende Heimspiel gegen Greuther Fürth. Es gilt demnach, im Heimspiel gegen Uwe Rapolders Mannschaft eine Duftmarke in Richtung Domstadt zu setzen. Dazu bedarf es jedoch nicht unbedingt eines 5:0, sondern einer überzeugenden Leistung. Eine weitere Duftmarke seiner profunden Fußballkenntnisse setzt unser schon bekannter Gast-Autor Carsten Koslowski, dessen Fortuna aus Düsseldorf sich in diesen Wochen anschickt, in der nächsten Saison ebenfalls in der 2. Liga zu spielen. Hoffen wir, dass das direkte Duell ausbleibt.

Borussia

Am vergangenen Montag in Aachen bekam Borussia exakt das Spiel geboten, das sie erwartet hatte. Die Alemannia wächst in solchen Spielen gegen prominente Gegner und vor heimischen Publikum mitunter über sich hinaus, doch tat sie dies zur Erleichterung vieler lediglich in der Anfangsviertelstunde. Das 1:1 ist auch rückblickend ein zufriedenstellendes Ergebnis, denn vor allem die Art und Weise, wie sich Jos Luhukays Spieler gegen die Niederlage gestemmt und das Spiel „angenommen" haben, beweist einmal mehr, dass sie zurecht auf dem ersten Tabellenplatz stehen. Die Mannschaft hat, nicht nur in Aachen, schon mehrmals bewiesen, dass sie die 2. Liga ernst nimmt und weiß, worauf es ankommt. Es gibt sicherlich Teams innerhalb der Liga, die bisweilen einen schöneren Fußball spielen, manche kämpfen besser, aber Borussia Mönchengladbach ist in der Saison 2007/08 das beste Komplettpaket aller Teams.

Teile der Medien wollen in diesen Tagen schon den berühmten Taschenrechner bemühen, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn es gilt, einen möglichen Aufstiegs- respektive Abstiegstermin zu ermitteln. Ganz abwegig sind diese Gedankenspiele nicht. In dieser Saison werden aller Voraussicht nach weniger als die berühmten 60 Punkte reichen, um sich für die kommende Erstligasaison 2008/09 zu qualifizieren. Je eher man diese Marke indes erreicht, desto besser. Wenn die Konkurrenz um die Plätze groß ist, hat das für einen Tabellenführer durchaus Vorteile, solange man sich selber keine Blöße gibt. Ein Blick auf das Restprogramm lässt schnell erahnen, wo die „Big Points" in den kommenden Wochen warten. Der 13. April ist hier ein erster Stichtag, an dem eine Vorentscheidung gefallen sein könnte. Zwei Sechs-Punkte-Spiele in Folge gegen direkte Konkurrenten, dazu die mögliche psychologische Komponente, die nach solchen Spielen immer mitschwingt. Auch wenn Jos Luhukay dies nicht gerne hören und lesen wird, aber wenn es eine Phase gibt, in der das bisher so optimal gelaufene Projekt Wiederaufstieg noch scheitern könnte, dann sind es die kommenden 14 Tage mit den drei Spielen eben gegen Koblenz, Köln & Fürth. Doch schieben wir an dieser Stelle den Taschenrechner auch aus Respekt vor dem kommenden Gegner beiseite und widmen wir uns dem aktuellen Spiel.

Borussias Defensive

Viel war gemutmaßt worden, wer Patrick Paauwe in Aachen ersetzen könnte. Der Niederländer ist das Hirn der Borussia auf dem Platz, und nicht wenige hatten Sorge, dass ausgerechnet auf dem hitzigen Tivoli die Erfahrung und Ruhe Paauwes einen entscheidenden Nachteil darstellen könnte. Die Nominierung Alexander Voigts überraschte indes nur wenige. Voigt selber hatte immer wieder betont, sich auf dieser Position sehr wohl zu fühlen. Dass speziell der Ex-Kölner nicht zu denen gehört, die sich überschätzen, hat er in Aachen bewiesen. Wie die gesamte Mannschaft in der ersten Halbzeit zum Teil mit Problemen behaftet, bewies Voigt, dass er doch mehr kann als das reine Zerstören. Mit Ruhe und Präsenz erfüllte er die Aufgabe zufriedenstellend. Vollständig ersetzen konnte er Paauwe nicht, aber das wurde auch nicht von ihm erwartet. Seine Flexibilität im Abwehrverbund kann Voigt gegen Koblenz erneut unter Beweis stellen, sollte sich Jos Luhukay für Filip Daems als Alternative zum gesperrten Gohouri in der Innenverteidigung entscheiden. Dann würde Voigt auf seine zu Beginn der Saison erkämpfte Position als linker Außenverteidiger wechseln. In Anbetracht der Kopfballstärke der Gäste könnte der im Winter verpflichtete Thomas Kleine eine erneute Gelegenheit in der Anfangself erhalten. Hierbei bliebe sonst alles beim Alten: Paauwe vor der Abwehr, Daems links und Voigt auf der Bank.

Ein Wort zum Torwart: Christofer Heimeroth ist der Spieler der Rückrunde und so langsam erkennt man dies im Mönchengladbacher Fanlager auch an. Auch der Autor gibt zu, dass er zu Beginn der Saison skeptisch war, ob Heimeroth die beste Wahl auf der Torwartposition sei. Der Ex-Schalker hat inzwischen alle Skeptiker eines Besseren belehrt. Mit stoischer Ruhe, unspektakulärem Auftreten und großartigen Paraden trägt er einen großen Anteil am aktuellen Erfolg. Er selber betont oft und völlig zurecht, dass es für ihn in dieser Saison besonders schwierig sei, da er im Laufe eines Spiels und als Torwart des Tabellenführers nicht so oft geprüft werde Dass Borussia in den vergangenen vier Spielen lediglich ein Gegentor kassierte, lag auch zu großen Teilen an Heimeroth. Zum wiederholten Male blieb er in direkten eins-zu-eins-Situationen gegen einen gegnerischen Stürmer Sieger. Bei seinem Vorgänger im Tor hätte dies laute Sprechchöre im BorussiaPark zur Folge gehabt. Es bleibt abzuwarten, wann diese Ehre Christofer Heimeroth zuteil wird. Verdient hätte er es.

Borussias Offensive

Coulibaly oder Marin? Touma oder Ndjeng? Colautti endlich als Joker auf der Bank? Man kann es an dieser Stelle nicht oft genug wiederholen: in der Breite ist Borussia die mit Abstand am besten besetzte Mannschaft der zweiten Liga. Sicherlich ist diese Kaderbreite der Garant, dass der direkte Wiederaufstieg greifbar nahe rückt. Keine andere Mannschaft der Liga kann während eines Spiels gleich auf mehreren Position auswechseln, ohne dabei qualitative Verluste hinnehmen zu müssen. Bei Borussia erhöhen solche Auswechslungen gar oft die Qualität. So geschehen am vergangenen Spieltag in Aachen, als Touma und Coulibaly in der zweiten Halbzeit einen Anteil an der verbesserten Leistung und folgerichtig am verdienten Ausgleich hatten. Und wie jede Woche ist es speziell zwischen Coulibaly und Marin eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Wird Marins gute Leistung bis zur Auswechslung honoriert oder Coulibalys starker Auftritt in den letzten 15 Minuten, als er kurz nach seiner Einwechslung Neuvilles Ausgleichtreffer mustergültig vorbereitete? Gegen einen tief stehenden Gegner wie Koblenz hat Marko Marin tendenziell die Nase vorn.

Sharbel Toumas Zeit scheint nun endgültig gekommen zu sein. Mit jeder Woche wurde er früher für Marcel Ndjeng eingewechselt und in jeder Woche war er der bessere Außenspieler. Jos Luhukay wartet oft lange, bis er sich für Änderungen in der Startelf entscheidet, weil er - zurecht - einem bisher so wichtigen Spieler wie Ndjeng nach ein paar schwächeren Auftritten nicht sofort das Vertrauen entziehen möchte. Doch inzwischen wird er nicht mehr anders entscheiden können. Zu groß sind die Formunterschiede zwischen Ndjeng und Touma zurzeit. Der Schwede wird allerdings merken, dass er in einem Heimspiel gegen einen defensiv eingestellten Gegner ebenso Probleme haben wird, seine Stärken auszuspielen. Interessanter wird hier sicherlich ein möglicher Auftritt am 7. April in Köln.

Wenn Patrick Paauwe das Hirn der Mannschaft ist, so steht Sascha Rösler für das Herz. In Aachen unter besonderer Aufmerksamkeit und Behandlung stehend, hat er auch hier den Kampf angenommen, die Mannschaft geführt, gemeckert, lamentiert, gegrätscht und gestichelt. Rösler ist ein Sauhund, wie er im Buche steht. Aber er ist eben Borussias Sauhund und ein eminent wichtiger Spieler, dazu torgefährlich.

Der Sturm ist wie seit Wochen die einfachste Baustelle im Team. Oliver Neuville und Rob Friend heißt das Duo, das auch am Sonntag spielen und treffen wird. 25 der 47 erzielten Tore gehen auf die beiden, da erübrigt sich jede Diskussion. Dass mit Roberto Colautti ein weiterer Stürmer mit gehobenem Erstligaformat zur Verfügung steht, dürfte Jos Luhukay - und nicht nur ihn - beruhigt schlafen lassen. Man frage mal in der Domstadt nach, was nach deren Duo Novakovic & Helmes kommt!

Der Gegner aus Koblenz

TuS Koblenz - wer kennt sie nicht? Ein Verein mit einem Team größtenteils Namenloser, der bislang eigentlich nur mit zwei eher nebensächlichen Dingen öfter genannt wurde: zum einen, dass es tatsächlich die TuS, und nicht der TuS heißt (weil das „S" für Spielvereinigung" steht), zum anderen, dass ihr Stadion Oberwerth nicht ausgebaut werden kann, weil irgendein Scherzbold es einst in ein Wasserschutzgebiet setzen ließ, was nun mal größere Erweiterungen etwas schwierig macht. Aber Namenlosigkeit schützt vor Leistung nicht, weshalb wir die TuS vor ihrem Gastspiel beim Spitzenreiter knapp in der oberen Hälfte der Tabelle finden, auf Rang 8 mit 36 Punkten. Es sind sechs Punkte Rückstand auf Platz 3, aber schon elf Zähler Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Dies war nicht immer so, besonders nicht in der letzten Saison, als die TuS bis kurz vor Ende um den Klassenerhalt bangen musste. Aber der damalige Aufsteiger schaffte es und blieb in der Liga. Die diesjährige Saison könnte also durchaus unter dem Stichwort „Konsolidierung" laufen. Mit dem Abstieg dürfte die TuS in dieser Spielzeit nichts mehr zu tun haben. Ob man sich in der Liga dann als „graue Maus" etabliert oder noch höhere Ziele hat, werden die nächsten Jahre zeigen.

Die Trainer

Ganz klar: die Stars sind die Trainer. Denn im Gegensatz zu den eher unbekannten Spielern, die ihren Dienst auf dem Rasen verrichten, verfügt die TuS über illustre Übungsleiter an der Seitenlinie: Chefcoach ist Uwe Rapolder, mir seit den 1990ern vom SV Waldhof Mannheim bekannt, und seitdem eigentlich von Jahr zu Jahr besser gebräunt; in meiner persönlichen Rangliste definitiv der schönste Uwe, und wenn ich das schreibe, hat das Gewicht, denn bei meiner Fortuna waren bereits sowohl Uwe Weidemann als auch Uwe Fuchs Trainer! Über Mannheim und Ahlen gelangte Rapolder bei Arminia Bielefeld in die Bundesliga. Dort wurde er für eine gute Saison gefeiert und anschließend noch schneller gefeuert, als es mal nicht lief (was in Bielefeld aber eigentlich zum Tagesgeschäft gehört). Anschließend beim 1.FC Köln mit völlig utopischen Erwartungen hochgejubelt und sogar noch schneller als in Bielefeld geschasst, nachdem sein Kader sich in der Ersten Liga dort einpendelte, wo er qualitativ hingehörte, und Rapolder es wagte, sogar den Weltstar Lukas Podolski (wieviele Spiele über 90 Minuten hat der eigentlich in dieser Saison schon gemacht?) auf die Bank zu setzen. So etwas passiert einem Ottmar Hitzfeld eben nicht, das sind die feinen Unterschiede. In der letzten Saison kam er kurz vor Toreschluss, Ende April, zur TuS und rettete sie mit vier Siegen in Folge vor dem Abstieg. In dieser Saison setzt er seine Aufbauarbeit fort und hält die TuS doch recht ordentlich von den Abstiegsrängen fern, zumal ihm in den letzten Wochen einige Coups gelungen sind.
Sein Co ist kein geringerer als Mario Basler. Und das überrascht schon ein wenig, den Mario hatte man doch eher bei einem Club mit ein wenig mehr Glamour erwartet. Ein Lothar Matthäus hat seine Trainerkarriere ja auch nicht beim SV Wehen begonnen. Aber Mario Basler scheint doch mehr Wert auf akribische Arbeit zu legen, was er bei seiner ersten Trainerstation, Jahn Regensburg, auch schon unter Beweis stellte. Der Mario plustert sich nicht auf, stellt sich nicht in den Vordergrund, sondern werkelt heimlich, still und leise im Hintergrund, und seine gute Zusammenarbeit mit Rapolder kann man durchaus auch an der aktuellen Platzierung ablesen.

Koblenzer Defensive

Im Tor der TuS steht Dennis Eilhoff, unumschränkte Nummer Eins, 25 von 25 Spielen. Für mich eher überraschend, denn so gut seine Reflexe auf der Linie sein mögen, oft genug scheint er den Überblick zu verlieren und zu einer gewissen Hektik zu neigen. Und auch wenn er in den letzten Wochen ordentlich spielte, ein „Sicherheitsfaktor" sieht für mich anders aus.
Zumal seine Vorderleute auch für den ein oder anderen Aussetzer gut sind. Mit 32 Gegentoren belegt die TuS nicht umsonst einen Platz in der unteren Hälfte der Gegentreffer-Tabelle. Rapolder lässt gerne eine Viererkette aufziehen, der die Herren Wiblishauser, Mavric, Richter und Du-Ri Cha angehören, deren Körpergröße ziemlich exakt zwischen 1,80 m (Wiblishauser) und 1,90 m (Richter) liegt. Der erfahrenste Spieler in diesem Quartett dürfte Matej Mavric sein, der es bereits auf über zwei Dutzend Länderspiele für Slowenien brachte, aber auch Wiblishauser (mit Nürnberg) und Du-Ri Cha (mit Mainz, Frankfurt und Bielefeld) verfügen über Bundesliga-Erfahrung. Andreas Richter hingegen fehlt diese noch, er kam von RW Erfurt, allerdings schon im Jahr 2005, er ist somit in dieser Viererkette der „Oldie". Eine gute Mischung.
Erstaunlich die Wandlung des Du-Ri Cha zum Rechtsverteidiger, tummelte dieser sich bei seinen vorherigen Clubs doch zumeist im Mittelfeld, wenn nicht sogar im Sturm. Rapolder hat ihn zum Verteidiger umfunktioniert, der aber auch für schnelle Vorstöße über die rechte Seite sorgen kann. Als Zweikampf-Weltmeister ist er mir zwar nicht gerade im Gedächtnis, aber natürlich macht er viel über seine Schnelligkeit, die ihn oftmals eher am Ball sein lässt als sein Gegenspieler. Wer es am Sonntag schafft, diesen Mann im offenen Sprint zu schlagen, dem könnte es passieren, dass er am kommenden Tag nicht nur bei Borussia, sondern auch als Goldhoffnung für Peking im Kader der Leichtathleten steht.
Und wenn wir schon bei anderen Sportarten sind: volle Deckung, wenn Joshua Grenier eingewechselt wird! Der US-Amerikaner war früher American-Football-Profi (!), ist irgendwann in Koblenz hängen geblieben. Er sieht ein bisschen aus wie eine Dampfwalze und spielt auch so - ich möchte es diplomatisch mit „kompakt" umschreiben. Eine Naturgewalt, dieser Kerl! Mit Martin Forkel kann aber auch noch ein sehr erfahrener deutscher Spieler, jahrelang Stammkicker bei Wacker Burghausen bis zu deren Abstieg, ins defensive Geschehen eingreifen.

Da der schöne Uwe auswärts gerne ein wenig Beton anrührt, ist auch das Mittelfeld eher defensiv zu sehen. Branimir Bajic, Manuel Hartmann, Marko Lomic, Gabriel Fernandez...alles Leute, die eher nach hinten spielen als einen Sturmwirbel zu entfachen. Eigentlich gesetzt in dieser Formation ist der Slowene Goran Sukalo, Mister Standardsituation persönlich, immer bereit, sich nach vorne zu schleichen, um einen Kopfball reinzumachen. Sukalo war allerdings in den letzten Wochen verletzt, es bleibt abzuwarten, ob er schon wieder fit ist. Und dann hat Rapolder ja noch zwei Spieler, auf die man wirklich aufpassen muss: Anel Dzaka und Fatmir Vata.
Dzaka gilt als der Dreh- und Angelpunkt der Elf. Vorbereiter, Torschütze, Antreiber, Passgeber, Standardschütze - vorne, hinten und in der Mitte, an guten Tagen ist Dzaka überall. Oftmals hängen Wohl und Wehe des gesamten Spiels der TuS von seiner Form ab. Manchmal möchte man den Vergleich mit Rafael van der Vaart wagen, aus dessen Spiellaune ja auch oft Sieg oder Niederlage des HSV resultieren. Schaltet man Dzaka aus, kann dies die halbe Miete bedeuten. Er ist nach seiner Gelbsperre gegen 1860 München wieder spielberechtigt.
Fatmir Vata hingegen ist der erste Spieler, bei dem ich mich ernsthaft frage, ob er während eines Fußballspiels mehr Zeit auf dem Rasen liegend oder auf den eigenen Füßen stehend verbringt. Ein für meine Begriffe hochgradig nickliger Spieler, der einerseits permanent durch Schwalben und Meckern den Schiri zu beeinflussen versucht, andererseits aber gerade in der defensiven Mittelfeldarbeit gern selbst mal zulangt, um anschließend das Unschuldslamm zu spielen. Natürlich wird er auch oft gefoult, weil er ein brillanter Techniker ist, und natürlich sind seine 170 cm Körpergröße nicht gerade ein Bollwerk im Zweikampf. Dem möchte man immer einen Stein um den Hals hängen, damit er beim nächsten Windstoß nicht vom Platz geweht wird. Aber dennoch übertreibt er es mit seinen Einlagen dermaßen, wie ich es früher oft nur von Kirjakow kannte. Da dies mittlerweile auch allen Schiedsrichtern bekannt ist, bekommt er natürlich auch oft Freistöße nicht, wenn er wirklich gefoult wurde, was ihn dann noch mehr zur Weißglut bringt. Vata ist leicht reizbar und tritt dann so auf, dass man froh sein muss, dass der DFB das Mitführen von Messern in Stutzen kategorisch verboten hat. Aber wie gesagt, meistens ist er selbst Schuld daran. Dabei hätte er das gar nicht nötig, denn wenn einer bei der TuS mit dem Ball umgehen kann, dann ist er das. Genaue lange Pässe, ein Streicheln des Balles zum Nebenmann als „No look"-Pass, Torschüsse mit dem Außenrist, die auch tatsächlich gefährlich aufs Tor kommen - am Ball kann der Mann alles, wenn man ihn lässt. Man darf nur nicht allzu laut bewundernd Beifall klatschen, dann erschreckt er sich und fällt um. Eigentlich traurig. Aber wie gesagt: solange er sich auf den Füßen halten kann, ist er unbedingt zu beachten. Auch erstaunlich: trotz seiner vielen Abgänge im Laufe eines Spiels ist der Mann ein echtes Arbeitspferd und eigentlich überall auf dem Platz zu finden. Dies schlägt sich allerdings meist auf seine Kondition nieder: acht Auswechslungen zum Ende der jeweiligen Spiele sprechen für sich.
Auch ein Sascha Traut kann durchaus noch Akzente setzen, der erst 22-jährige Ex-Karlsruher spielt allerdings eher selten mal ein Spiel durch, wird entweder ein- oder vorzeitig ausgewechselt.    

Koblenzer Offensive

Im Angriff herrscht Zungenbrecheralarm. Zunächst müssen wir natürlich auch Anel Dzaka und Fatmir Vata dazu rechnen. Der Mann, der besonders auswärts zuletzt die einzige echte Spitze gab, hört auf den knuffigen Namen Njazi Kuqi. Zu lang sollte man sich aber nicht damit aufhalten, ihn niedlich zu finden, immerhin hat er schon fünf Tore erzielt, und das, obwohl auch er eher selten die vollen 90 Minuten auf dem Platz erlebt. Als verkappter zweiter Stürmer kommt dann Ardijan Djokai zum Einsatz, verkappt deswegen, weil der Montenegriner von Haus aus eigentlich Mittelfeldspieler ist. Er muss somit ein Meister der Tarnung sein, denn er ist mit sieben Treffern erfolgreichster Koblenzer Torschütze. Ein Mann mit gutem Torriecher, der auch gerne dahin geht, wo es weh tut: unvergessen sein Treffer gegen Kaiserslautern, als er vom gegnerischen Torwart zu einem spektakulären Salto in die Luft katapultiert wurde und trotzdem noch vollenden konnte.
Und wenn einem diese Namen endlich flüssig über die Lippen gehen, dann können immer noch Noureddine Daham oder Tayfun Pektürk kommen. Da geht jeder Stadionsprecher in die Knie, aber besonders Daham, der Ex-Lauterer, wäre noch zu beachten: ein dribbelstarker Mann, der auch über eine gute Technik verfügt.

Insgesamt ist die TuS Koblenz ein buntgemischtes Völkchen von No-Names, das seine Stärke daher auch aus seiner Kompaktheit zieht. Nach vorne geht häufig nur etwas über Standardsituationen, für die sie personell allerdings auch mit Dzaka, Vata, Djokai, Richter und eventuell Sukalo hervorragend ausgestattet sind. Dass die Mannschaft nominell nur über vier Stürmer im gesamten Kader verfügt (Kuqi, Pektürk, Daham, Vata, wobei, wie schon gesagt, gerade Vata stets die gesamte Länge des Spielfelds ausnutzt und daher von mir eher ins Mittelfeld einsortiert wird), lässt die Spielweise erahnen, die in Koblenz gepflegt wird. Und dass man beim Tabellenführer nicht gerade davon abweicht, dürfte auch klar sein. Je länger sie allerdings ein 0:0 halten können, desto schwieriger wird es für den Gegner. Es sind Beißer, die nur schwer wieder loslassen, wenn sie mal richtig zugepackt haben. Und zuletzt wurden mit Greuther Fürth und 1860 München auch zwei etablierte Teams geschlagen, wobei das 3:1 gegen die 60er nicht darüber hinweg täuschen darf, dass die TuS eher im Sturm als in der Abwehr Schwierigkeiten hat, denn die „Löwen" schossen zwei der drei Koblenzer Treffer freundlicherweise selbst. Sie spielen vielleicht manchmal unattraktiv, aber kampfstark, und sollten auf keinen Fall unterschätzt werden.

Schiedsrichter

Viermal pfiff Schiedsrichter Florian Meyer die Borussia in der vergangenen Saison. Der Referee vom RSV Braunschweig war dabei viermal in einem Auswärtsspiel im Einsatz, in Bremen, in Hamburg, in Bielefeld und zuletzt am 7. April 2007 beim 0:2 gegen den FC Schalke 04 in der Gelsenkirchener Arena. In dieser Saison war der FIFA-Mann hingegen noch bei keinem Borussenspiel in der Liga, egal ob daheim oder auswärts, engagiert. Dies ändert sich für den Niedersachsen nun, wobei er zum ersten Mal seit der Saison 2005/06 in Mönchengladbach gastiert. Damals hatte ihn der DFB für die Heimpartie der Borussia gegen den späteren Absteiger MSV Duisburg (2:1) eingeteilt, in dem Meyer einen von Helveg verursachten Elfmeter für den Gast aus Duisburg pfiff. Ivica Grlic scheiterte damals allerdings an Borussias Ersatztorhüter Darius Kampa, der in jener Begegnung anstelle von Kasey Keller das Tor der Borussia hütete. Chronisten notierten an jenem 10. September 2005 den ersten Saisonsieg der damals von Horst Köppel betreuten Mannschaft, für die Oliver Neuville und Zé António ins Tor trafen. Die Begegnung war im Übrigen das erste Pflichtspiel des Brasilianers Carlos Eduardo de Souza Floresta für Borussia. Kahê, der heute in der Türkei aktiv ist, war hierbei vorbereitend an dem Führungstreffer der Borussia durch Neuville in der 5. Spielminute beteiligt gewesen.

Bilanz

Das Hinspiel am 7. Oktober 2007 (0:5) war das erste Aufeinandertreffen beider Teams überhaupt.

Aufstellungen

Borussia: Heimeroth - Bögelund, Kleine, Brouwers, Daems - Paauwe - Touma, Rösler, Marin - Neuville, Friend
Ersatz: Gospodarek, Levels, Voigt, Coulibaly, Colautti, Ndjeng, Rafael
Es fehlen: Schachten (verletzt), Gohouri (gesperrt), Svärd (nicht berücksichtigt)

Koblenz: Eilhoff - D.-R. Cha, Mavric, Richter, Wiblishauser - Hartmann, Lomic, Vata, Dzaka, Djokay - Kuqi
Ersatz: Gurski, Evers, Bajic, Grenier, Forkel, Fernandez, Traut, Sukalo, Quedraogo, Daham, Pektürk
Es fehlen: Ziel, Nessos (beide verletzt), Langen (Trainingsrückstand), Auer (nicht berücksichtigt)

Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Schiedsrichterassistenten: Thorsten Joerend, Rainer Bippen

SEITENWAHL-Meinung

Thomas Zocher: Da die Mannschaft das Hinrundenergebnis nicht für bare Münze nimmt, kann sie auch dieses Mal gegen die TuS Koblenz gewinnen. Mit 3:1 gewinnt die Borussia letztlich und zeigt sich auf der Höhe des Geschehens, wobei die Koblenzer diesmal nicht so unter Wert geschlagen werden wie noch im Oktober

Michael Heinen: Wie schwer man sich als Tabellenführer gegen einen Gegner tun kann, den man in der Hinrunde mit 5:0 besiegt hat, stellte zuletzt der FC Bayern München in Cottbus unter Beweis. Auch für Borussia wird die Partie gegen Koblenz daher eine ganz schwierige, da jeder von einem (souveränen) Heimsieg ausgeht. Dabei sind die Gäste ein ganz unbequemer Gegner. Mit etwas Pech gibt Borussia beim 1:1 zwei weitere unnötige Punkte ab, was sie allerdings mit Blick auf das anstehende leichte Auswärtsspiel verkraften kann.

Mike Lukanz: Ich gebe zu, auch mein Blick ist schon jetzt auf die Spiele gegen Köln und Fürth gerichtet. Doch da ich weiß, dass die Mannschaft zu gefestigt ist und sich auf das Wesentliche konzentrieren kann, tippe ich ein langweiliges 2:0.

Christoph Clausen: Mit einem 4:1-Erfolg unterstreicht die Borussia am Sonntag ihre Aufstiegsambitionen. Wobei man sich natürlich fragen kann, ob es nicht in der Zweiten Liga viel schöner ist.

Christian Heimanns: Zwischen den Auswärtsspielen in Aachen und Köln kommt Koblenz. Wenn die Mannschaft diese Erholung dahingehend interpretiert, dass man sich spielerisch austoben kann, gibt es ein 3:0 für Borussia.

Hans-Jürgen Görler: Ein Schützenfest wie beim Hinspiel wird es sicher nicht geben, aber das 2:0 wird dazu führen, dass die Ersten zu rechnen beginnen, wann der direkte Wiederaufstieg unter Dach und Fach gebracht sein wird.

Carsten Koslowski: Im Hinspiel wurde der schöne Uwe an der Seitenlinie so blass, dass gerüchteweise am nächsten Tag Gutscheine sämtlicher Koblenzer Sonnenstudios eintrafen, um ihn wieder aufzupäppeln. Gladbach siegte 5:0 im Oberwerth, die höchste Heimniederlage für die TuS seit - ? Vielleicht hießen sie da noch TuS Neuendorf, wer weiß. Auch aus diesem Grunde denke ich, dass Koblenz vorsichtig agieren wird. Aber wenn Gladbach ruhig bleibt, sollte ein glanzloses 2:0 möglich sein, ohne dass allzu viel Kraft vergeudet wird. Anschließend gibt es eine Schultüte für Fatmir Vata, falls der sich wieder allzu kindisch benehmen sollte, und alle sind zufrieden.  


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  • @agbeule Das Spiel des #effzeh war auch im letzten Jahr ähnlich limitiert. Aber halt sehr kompakt und vorne noch mit Lebensversicherung.
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