In der Saison 2003/2004 startete die Rückrunde der Bundesliga mit dem rheinischen Derby 1.FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach. Beide Lager hatten die gesamte Winterpause Zeit, sich auf dieses Spiel einzustimmen. Je näher der Termin rückte, desto hitziger wurde die Stimmung, desto aufgeladener die Atmosphäre auch in den einschlägigen Internetforen. Der FC gewann damals im kurz zuvor fertiggestellten RheinEnergie-Stadion durch ein Tor von Lukas Podolski mit 1:0. Abgestiegen ist er damals dennoch. Schaut oder hört man sich in diesen Tagen um, ist von der hitzigen Stimmung vergangener Tage wenig zu spüren. Die üblichen Sticheleien finden statt, insgesamt scheint die Gemütslage eher friedlich zu sein. Zu gut läuft es zurzeit bei Borussia, zu unsicher ist das Lager aus Köln. Da die SEITENWAHL-Redaktion sich diesem kuscheligen Trend nicht verwehren will, wird der folgende Vorbericht zwei Verfasser haben. Jochen Ohlerth, glühender FC-Fan aus der Eifel und mit ausgeprägtem Sinn für Sachlichkeit (ja, ein Kölner!) übernimmt die Vorstellung des Gastes aus der Domstadt. Eine Aufgabe, die der Verfasser dieser Zeilen in der Vergangenheit oft mit Genuss selber dazu benutzt hat, seine durch das Leben in Köln angestauten Vorurteile, Klischees und Animositäten abzubauen. Doch, als Tabellenführer lebt und schreibt es sich ruhiger. Lasst also das Spiel beginnen!

In diesen Tagen bestätigt sich die alte journalistische Regel, dass Friede, Freude, Eierkuchen ein denkbar schlechter Umstand sind. Manch lokale (nicht geistige!) Größe denkt sicherlich wehmütig an die vergangene Saison zurück. Da lief es sportlich nicht besonders, da hatte man ein Feindbild zu bekämpfen und dazu ausreichend Spieler, die sich bereitwillig dem widerlichen Kampagnenjournalismus der lokalen Berichterstatter prostituiert haben, um ihre eigene Unfähigkeit zu relativieren. Der Journalist an sich neigt in seiner Berufsauffassung eher dazu, Skandale aufzudecken (auch wenn keine da sind) oder den Finger in die berühmte Wunde zu legen (die er oft selber verursacht hat). Auf dem Weg vom Philosophie-Studium zum Pulitzer-Preis müssen eben Opfer gebracht werden, da nerven nach einigen Tagen die rosa-roten Geschichten von der ach so tollen Moral der Truppe nur. Dass guter Journalismus dennoch und trotz der guten sportlichen Lage möglich wäre, hat sich eben nicht bis in alle Redaktionen rumgesprochen. Doch bevor ich mir mit diesen Zeilen auch die letzte Chance verbaue, irgendwann selber als Journalist arbeiten zu können (höchstens für die taz, was grundsätzlich die bessere Wahl wäre), wollen wir uns der sportlichen Komponente dieses Spiels zuwenden.

Borussia

„Die Pause kommt zur falschen Zeit", las man nach dem in der Höhe schmeichelhaften 5:0-Auswärtssieg in Koblenz. Jeder Fußballer kennt das Gefühl, dass er auf dieser Welle weiterreiten will. Nun verhält es sich mit Floskeln eben so, dass man sie immer so benutzt, wie man sie gerade braucht. Oder wer erinnert sich nicht an die Aussage Alex Voigts nach dem 1:4 in Mainz, als er sinngemäß sagte, dass man nach einem solchen Spiel schon am folgenden Tag erneut spielen wollte, um diese Scharte auszumerzen?
Trotz der sechs in Folge gewonnenen Spiele tat diese Pause auch Borussias Spielern gut. Der Kraftaufwand, mit dem diese Spiele gewonnen wurden, war mitunter sehr hoch und die nackte Zahl dieser Serie sagt nichts über deren Zustandekommen aus. Aber, das kennt der Beobachter eben aus der vergangenen Saison, genau dieses Zustandekommen ist - wenn überhaupt - lediglich unter Experten ein Thema, und selbst da nur ein paar Tage. Fußball ist ein Tagesgeschäft, bei dem sich die Wenigsten mit Details auseinandersetzen wollen oder können.

20 Punkte nach neun Spielen sind aller Euphorie zum Trotz nicht mehr und nicht weniger als das Soll, das ohnehin geplant war und das durchzuhalten ist, will man das Erlebnis eines Live-Spiels im DSF nur auf ein Jahr beschränken. Kritiker führen zu Felde, dass Borussia bis dato erst einen starken Gegner hatte und dieser habe mit dem 4:1 deutlich gezeigt, wie es um den wahren Leistungsstand der Truppe von Trainer Jos Luhukay bestellt sei. Diese inhaltlich nicht nur falschen, sondern von einer beeindruckenden Arroganz geprägten Aussagen zeigen einmal mehr, wie sehr das schwarz-weiß-Denken speziell in Mönchengladbach vorherrscht. Insofern unterscheidet man sich am Niederrhein nur unweigerlich vom kleinen rheinischen Bruder 70km rheinaufwärts, der am kommenden Montag zu Gast sein wird. Indes, mit dem 1.FC Köln, 1860 München, Greuther Fürth und dem SC Freiburg warten bis zur Winterpause vier direkte Aufstiegskandidaten, gegen die es sich zu behaupten gilt. Da es in diesen Spielen jedoch ebenso nur 3 Punkte zu vergeben gibt, sollte man in Mönchengladbach mit der nötigen Gelassenheit und dem Selbstbewusstsein antreten, wie man es schon erfolgreich in den vergangenen Wochen getan hat. Wenn es einen Gewinner dieser Wochen gibt, dann ist es das Duo Luhukay / Ziege, das unbeirrt seinen Weg eingeschlagen und durchgezogen hat. Ein Derby jedoch, das wissen beide zu genau, hat eine ungleich höhere Wirkung. In beide Richtungen.

Borussias Defensive

Es ist paradox. Borussia ist Tabellenführer, hat die vergangenen zwei Auswärtsspiele jeweils zu Null gewonnen, und dennoch ist der Defensivverbund subjektiv nicht sattelfest. Speziell in Koblenz hatte man das ein oder andere Mal die nötige Portion Glück, selber kein Tor zu kassieren, während die Stürmer nahezu jede Chance nutzen konnten. Kein Akteur innerhalb der Abwehr gilt per se als unumstritten oder nicht ersetzbar. Dass ausgerechnet Alexander Voigt bisher alle Spiele von der ersten bis zur letzten Minute durchgespielt hat, kam für viele überraschend. Voigt, für den die Partie am Montag Abend seinen eigenen Reiz haben wird, profitierte hierbei auch von der Formschwäche Marvin Comppers zu Beginn der Saison und der Verletzung Filip Daems, der erst vor wenigen Wochen zurück in den Kader kam und durch Kurzeinsätze sukzessive an die Mannschaft herangeführt wurde. Bemerkenswert ist hierbei, dass Jos Luhukay den Belgier bei den Einwechslungen nicht für Alex Voigt brachte, sondern ins defensive Mittelfeld schickte, wo dieser überraschend gut agierte.

Es ist grundsätzlich sehr positiv zu bewerten, dass Borussia inzwischen über eine Vielzahl an Alternativen für nahezu jede Position verfügt, ohne dass diese Alternativen qualitative Einbußen mit sich zögen. So konnte Patrick Paauwe in einigen Spielen eindrucksvoll beweisen, dass er eben mehr als ein Ersatz für den robusten, aber immer grenzwertig agierenden Steve Gohouri ist. Gohouris rote Karte im Länderspiel der Elfenbeinküste unter der Woche gegen Österreich (2:3) zeigt, dass seine mangelnde Disziplin oft mehr Schaden anrichtet als verhindert. Insofern wäre ein Zurückziehen Paauwes in die Innenverteidigung vor dem Hintergrund eines hitzigen Derbys vor ausverkauftem Haus die taktisch sinnvollere Variante. Um den langen Kölner Stürmer Novakovic würde sich aufgrund der Statur ohnehin Roel Brouwers kümmern. Viel wird davon abhängen, ob der FC mit zwei oder drei Stürmern das Auswärtsspiel antritt. Ein reizvolles und entscheidendes Duell wird das von Nationalspieler Helmes gegen Alexander Voigt sein, und dies aus mehrfacher Hinsicht. Zum einen spielt hier der in Köln geliebte Voigt im Gladbacher Trikot gegen den in Köln bisweilen verachteten Helmes, der das Trikot des FC bald mit dem der Leverkusener tauschen wird. Zum zweiten, da zu beobachten sein wird, wie Voigt seine im direkten Vergleich auffallenden Geschwindigkeitsdefizite gegenüber Helmes wettzumachen versucht. Angesichts dieser Tatsache und vor dem Hintergrund, dass Voigt gegebenenfalls übermotiviert zu Werke gehen wird, wäre der deutlich schnellere Filip Daems für diese Position eine durchaus zu überdenkende Option. Nichtsdestotrotz wird Voigt sein zehntes Saisonspiel in Folge von Beginn an bestreiten. Hoffen wir alle, dass er cool genug bleibt und dieses Spiel wie die vorherigen neun bis zum Ende wird bestreiten dürfen. Dann hätte er alles richtig gemacht. Beginnt der neu ernannte Kapitän Matthias Scherz auf der rechten Seite, wird Voigt sehr wohl wissen, was zu tun ist. Die beiden dürften sich aus gemeinsamen Kölner Tagen allzu gut kennen.

Auf der rechten Abwehrseite wird Tobias Levels beginnen, der es mit Adi Chihi zu tun haben wird. Chihi spielt eine bislang gute Saison, was in den durchschnittlichen Leistungen der gesamten Kölner Truppe wahrlich keine Kunst ist. Insgesamt wird der aus Düsseldorf stammende Chihi sportlich enorm überschätzt. Ein Schicksal, das bereits Lukas Podolski erfahren musste. Über Podolski wird in Kölner Kreisen inzwischen unter der Hand geflüstert, dass seine seit inzwischen 2,5 Jahren andauernde Formschwäche keine solche sei, sondern sein eigentlicher Leistungsstand und dass die Kölner Zeit die positive Ausnahme war. Insofern habe Kölns Manager Meier mit den 10 Millionen Euro Ablöse, die im Sommer 2006 vom Isar an den Rhein gezahlt worden sind, alles richtig gemacht. Bislang, so die gleichen Kreise, die einzig richtig gute Entscheidung des Michael Meier.

In Abhängigkeit, ob Paauwe in die Innenverteidigung gezogen wird, wird Eugen Polanski im defensiven Mittelfeld auflaufen. Polanski zeigte sich im Laufe dieser Saison insgesamt verbessert, ohne wirklich überzeugen zu können. Immerhin beschränkt er sich in seinem Spiel auf das, was er kann und unterlässt zunehmend die Dinge, die er nicht kann. Für alle Beteiligten und Beobachter eine erfreuliche Entwicklung.

Borussias Offensive

Begann das Kapitel über Borussias Defensive mit einem Verweis auf die vergangenen Auswärtsspiele, soll auch dieses damit beginnen. 11 Tore auswärts in drei Spielen, rechnet man das 3:2 in Aue mit dazu. Auch wenn die Vergleiche langsam ermüdend wirken: in der gesamten Abstiegssaison 2006/07 brachte es die damalige Truppe auf 8 Tore auf fremden Plätzen. Alle der bisher erzielten 8 Heimtore wurden durch Stürmer, bzw. offensive Mittelfeldspieler erzielt. Mit Rösler, Ndjeng, Friend und Neuville tauchen gleich vier offensive Stammspieler in den oberen Bereichen der Scorer-Tabellen auf (zum Vergleich: beim FC lediglich Novakovic und Chihi, wobei Novakovic bisher nur als Torschütze glänzt, nicht als Vorbereiter). Keine Frage: diese Zahlen zeigen, dass sich die Offensive zum Prunkstück der bisherigen Saison entwickelt hat. Dies war so nicht erwartet worden, da einige Faktoren zu Beginn der Saison zu vage waren, um diese Entwicklung vorhersehen zu können. Neuville war angeschlagen, bzw. noch verletzt. Rob Friend war im wahrsten Sinne eine Wundertüte (sofern er spielen durfte), Ndjeng galt zunächst als der Michael Delura von Jos Luhukay und bei Nando Rafael hatten bereits vergangene Saison die meisten Zuschauer genervt abgewunken (der Verfasser inklusive). Mit der Umstellung zum Heimspiel gegen den VfL Osnabrück auf ein klassisches 4-4-2 fand Borussia wieder in die Erfolgsspur. Die vorangegangenen Spiele mit einer zentralen Sturmspitze, die meist aus Rösler, einem Mittelfeldspieler, bestand, waren spielerisch und taktisch ein Reinfall. Auch wenn Jos Luhukay bis heute taktisch nachvollziehbar argumentiert, seine Mannschaft lasse sich nicht auf ein fixes System festlegen, so wird er am besten wissen, dass der Erfolg eben mit der besagten Systemumstellung einher ging. Dabei fielen zwei der eigentliche vorgesehenen Leistungsträger bis dato aus. In Sharbel Touma und Roberto Colautti hatten die meisten vor der Saison, auch vor dem Hintergrund der eingangs beschriebenen Bedenken ob der Alternativen, große Hoffnungen gesetzt. Dass die beiden nun mehr oder weniger fit und einsatzbereit zur Verfügung stehen, kann nur begrüßt werden. In dieser Liga werden sich die Mannschaften durchsetzen, die über Alternativen auf nahezu allen Positionen verfügen. Die 2. Liga ist zu ausgeglichen, als dass man sich auf wenige Individualisten verlassen darf. Für Touma und Colautti ist die aktuelle Situation grundsätzlich undankbar, rücken die beiden in einer Zeit in den Kader, in der für Jos Luhukay kein Grund für einen Wechsel besteht. Er wird es verschmerzen, denn mit einem fitten Touma oder Colautti in der Hinterhand, dazu die o.a. Varianten in der Defensive, erhöhen sich die taktischen und spielerischen Möglichkeiten um ein Vielfaches. Luhukay kann bei einem komplett zur Verfügung stehenden Kader auf fast jede Spielsituation passend reagieren. Eine wahrlich luxuriöse Situation!

Wer die Kölner Defensive im Laufe dieser Saison des öfteren über die volle Distanz hat beobachten können, wird festgestellt haben, dass diese mitunter noch viel schwammiger und unsicherer agiert als die der Gladbacher. Trotz der namhaften Neuzugänge um Kevin McKenna, Youssef Mohamad oder Ümit Özat war bis dato kaum Struktur zu erkennen. Haarsträubende Abwehrfehler, teilweise chaotische Zuordnungen mit dementsprechenden Gegentoren prägten das Bild vieler Partien des FC. Häufig zu beobachten, dass die Hintermannschaft nach dem ersten Gegentor nahezu in sich zusammenfällt. Die beiden verlorenen Spielen bei den Amateuren von Werder Bremen in der ersten DFB-Pokalrunde oder zuletzt das 3:4 beim SV Wehen-Wiesbaden dokumentierten dies eindrucksvoll. Selbst beim am Ende überzeugend wirkenden 4:1 gegen Kickers Offenbach am vergangenen Spieltag wackelte der FC nach dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer der Hessen bedenklich. Hier liegt die Chance für Neuville, Friend & Co. Mit der Rückkehr von Roda Antar, der gegen Offenbach sein bislang bestes Spiel für den FC machte, sollte das Defensivverhalten der Gäste zwar strukturierter werden, die Schwächen in der Abwehrkette werden indes Jos Luhukay nicht entgangen sein. Speziell Marcel Ndjeng sollte seine Geschwindigkeitsvorteile gegenüber Ümit Özat ausnutzen können. Ebenso Neuville gegen den zwar kopfballstarken, aber langsamen Kanadier McKenna. Christoph Daum wird McKenna tendenziell eher gegen Landsmann Rob Friend stellen. Wenn die Borussia in der Sturmspitze entsprechend rochiert, sollten sich hier dennoch Lücken auftun.

Was tun mit Marko Marin? Ist er schon reif für ein brisantes Spiel dieser Art? Marin durchlebt eine Saison mit Höhen und Tiefen, die für einen jungen Mann wie ihn typisch sind. Er profitiert zum einen förmlich von der schützenden Hand Luhukays, der ihn nur dosiert einsetzt. Zum zweiten von der insgesamt funktionierenden Offensivabteilung Borussias. Es ist gut und wichtig, dass das Offensivspiel eben nicht von Marin allein abhängig ist. Gegen den hüftsteif wirkenden Nickenig auf der rechten Kölner Abwehrseite könnte Marin seine überragende Technik gewinnbringend einsetzen. Vor allem dann, wenn er lernt, den richtigen Moment des Abspiels zu finden.
Zentral wird Sascha Rösler beginnen, dem in diesen Spiel eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Weniger als Torjäger oder Spielmacher, denn vielmehr durch seine Einstellung und Spielweise auf dem Platz. Rösler hat ein feines Gespür sowohl für Stimmungen auf dem Spielfeld als auch auf den Rängen. Er wird wissen, was die Zuschauer speziell in einem solchen Spiel sehen wollen. Schon gegen seinen Ex-Klub Aachen gefiel Rösler mit seiner Laufstärke und Zweikampfbereitschaft. Falls Daum mit zwei defensiven Mittelfeldspielern beginnt, gilt es für Rösler, diese in der Defensive zu beschäftigen und gleichzeitig die nicht ungefährlichen Vorstöße eines Roda Antar frühzeitig zu unterbinden.

Der Gegner aus Köln

Oktober 2007, Auswärtsspiel vor einem ausverkauftem Haus mit mehr als 50.000 Zuschauern im Borussia-Park zu Mönchengladbach. Die Zuschauer auf den Rängen sind aufgeregt vor diesem Derby, das Rheinland hatte dank der Länderspielpause zwei Wochen Zeit um auf das kommende Match hinzufiebern, der Rasen glitzert im gleißenden Flutlicht, die Fans bringen sich mit hämischen Sprechchören und Gesängen gegen den Gegner auf Betriebstemperatur.

Alles scheint also nach Plan gelaufen, der 1. FC Köln ist wieder zurück auf der großen Fussballbühne an diesem Montagabend. Montagabend? Verdammt, jetzt wird der Autor dieser Zeilen wieder wach und merkt, dass in der vergangenen Saison etwas schiefgelaufen ist. Nicht die Borussia hat geduldig auf die periodische Rückkehr des FC gewartet, diesmal lief der Weg anders als gewohnt. „Wenn die Kölner es nicht nach oben schaffen, kommen wir eben nach unten“, so scheint der Gedankengang der Borussen verlaufen zu sein. Und so sitzt der aus seinem Tagtraum erwachte Kölner an diesem Abend in einem Stadion, welches ihn bei Tageslicht frappierend an eine umgestülpte Raviolidose erinnert und wartet gespannt auf das nun folgende Schauspiel auf dem Spielfeld.

Wir blicken zurück in den Herbst 2006, das traumhafte Sommermärchen der deutschen Nationalelf ist gerade vorbei, Lukas Podolski hat sich mittlerweile zu den Fleischtöpfen des Wurstfabrikanten Uli Hoeness an die Säbener Strasse nach München verabschiedet und der 1. FC Köln steht entgegen der Erwartungen in Verein um Umfeld nicht souverän auf einem Aufstiegsplatz, sondern dümpelt nach einer 0:1 Heimniederlage gegen Erzgebirge Aue im oberen Mittelfeld herum. Zu wenig, befindet die Führungscrew des 1. FC Köln und entbindet den sympathischen, aber gleichzeitig auch etwas glücklosen Schweizer Trainer Hans-Peter Latour von seinen Aufgaben als Cheftrainer.

Die üblichen, arbeitslosen Trainerkandidaten werden gehandelt, ebenso die scheinbar unerreichbare „Lichtgestalt“ namens Christoph Daum, welcher die letzte sportlich anspruchsvolle Epoche der Geißböcke vor knapp 20 Jahren entscheidend mitprägte und zufälligerweise zum Zeitpunkt der Kölner Trainersuche vertragslos ist, jedoch aus gesundheitlichen Gründen in einem Kölner Krankenhaus behandelt wird. Die Öffentlichkeit horcht auf, als Michael Meier, der Manager des 1. FC Köln, in einer Pressekonferenz verkündet, dass er Herrn Daum am Krankenbett aufgesucht hat, um ihm ein Vertragsangebot als Cheftrainer (bzw. Alleinherrscher) zu unterbreiten. Das halbe Rheinland dreht durch, der Oberbürgermeister der Millionenstadt Köln schaltet sich ein und versucht ebenfalls, Herrn Daum von den Vorzügen und gleichzeitiger Notwendigkeit seiner Anwesenheit auf den Trainingsplätzen am Geißbockheim zu überzeugen. Jede Regung, jedes Rascheln der Bäume in der damaligen Cluballee werden als Zeichen gewertet.

Der Wunschkandidat sammelt seine Kraft, lehnt den Posten jedoch während einer mittlerweile legendären Pressekonferenz im besagten Krankenhaus im Hinblick auf seinen Gesundheitszustand vorerst und wenige Tage später scheinbar endgültig ab.

Die Fanseele windet sich im Schmerz des gekränkten Selbstverständnisses ob dieser scheinbar verpassten Chance, Topfpflanzen werden an Daums Villa im Kölner Stadtteil Hahnwald abgegeben, einzelne Trainingsbeobachter am Geißbockheim werden aufgrund der Auffassung, dass alles nur ein abgekartetes Spiel sei und der Christoph doch noch kommt, mitleidig belächelt.

An einem tristen, späten Samstagabend im November vermeldet die lokale Presse eine Einigung des 1. FC Köln mit Christoph Daum über eine Zusammenarbeit als Chefcoach, die durchlaufenden Börsenkurse der Nachrichtensender werden mit der entsprechenden Meldung garniert, das Aktuelle Sportstudio des ZDF nimmt die Meldung ebenso auf und verbreitet die überraschende Nachricht bundesweit in die deutschen Wohnstuben.

Das erste Training wird aufgrund der erwartenden Menschenmengen ins Rhein-Energie-Stadion verlegt und vermutlich in die kuriosen Analen des Clubs eingehen. Über 10.000 Menschen schauen sich die Übungen der Kölner Spieler an, während Christoph Daum die Tribünen abschreitet, sich bejubeln lässt und man ihm Kinder anreicht, um sie „zu segnen“.

Der hofierte „Messias“ ist zurück,  was soll nun noch schiefgehen? Nun, als erstes das nächste Heimspiel, in dem dem 1. FC Köln vom MSV Duisburg noch schmeichelhaft beim 1:3 die Grenzen aufgezeigt werden. Die Hinrunde endet mit einem 2:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern, gegen die man einen 2:0 Vorsprung gegen 9 Spieler der Pfälzer (2 Kölner verlassen ebenfalls noch das Feld) nicht nach Hause bringt und damit sportlich unbefriedigt in die Weihnachtsferien geht.

Die Führung des 1. FC Köln gibt anschließend das selbstbewusste und als selbstverständlich angesehene Ziel „40 Punkte“ für die verbleibenden 17 Spiele aus, 5 Spieler werden in der Winterpause verpflichtet, der Etat schwillt auf über 40 Millionen Euro an, Daum und sein Trainerteam leiten die komplette Vorbereitung. Das Projekt „Aufstieg 2007“ endet mit wenigen Lichtblicken und viel Schatten auf einem für alle ernüchternden 9. Platz mit insgesamt 46 Punkten und Clubs wie Augsburg, 1860 München und Erzgebirge Aue in direkter Nachbarschaft in der Tabelle.

Auch Daum kann in den Monaten nach seiner gefeierten Rückkehr weder Linie noch Ruhe in „seinen“ Verein bringen; er bezeichnet Spieler als „Selbstmörder im FC-Trikot“ und ist der Meinung, der ein oder andere Kicker sollte sich beim Arbeitsamt einen Alternativberuf aufzeigen lassen. Gleichzeitig versäumt es der erfolgsverwöhnte Motivator gegen Ende der Rückrunde ein klares Bekenntnis zu einer Fortsetzung seiner Trainerarbeit über das Saisonende hinaus und beschwört somit Unruhe am Geißbockheim herauf.

Trotz der bescheidenen Rückrunde ist die Verpflichtung von Christoph Daum natürlich eine starke Leistung von Wolfgang Overath und auch Manager Michael Meier die neben einer prall gefüllten Lohntüte im Handgepäck natürlich viel Überzeugungsarbeit bei Daum leisten mussten, um diesem den Trainerposten beim 1. FC Köln schmackhaft machen zu können.   Unter der Regentschaft des „Sonnenkönigs aus Siegburg“, der beim wöchentlichen Hallenkick mit seinen Kumpels aus alten Zeiten noch immer der Chef auf dem Platz ist und Gerüchten zufolge gerne mal den ein oder anderen Journalisten telefonisch zusammenfaltet, steht mit Daum und Meier das Führungsduo der späten 80er Jahre beim FC unter Vertrag und lassen die Anhänger der Geißbockelf von sportlich besseren Zeiten träumen. Von der geglückten  Verpflichtung des Christoph Daum verspricht sich auch Wolfgang Overath weniger Gegenwind aus der Öffentlichkeit für sich selbst. Die Amtszeit von Overath ist trotz offensiv formulierter Ziele (4-Jahres-Plan) bisher geprägt vom sportlichen Stillstand und fehlendem Glück bei der Auswahl der sportlichen Angestellten und missglückter Transferpolitik. Die stolze Präsentation der Insel Zypern als zahlungskräftigem, neuen Trikotsponsor vor zwei Jahren und der Satz „Wir sind stolz, dass wir bei diesem Konzept Vorreiter sind“ dient noch heute zur Erheiterung der Konkurrenz und bedient dabei vortrefflich das Image des „Karnevalsvereins“ in der Öffentlichkeit. Der von Overath und seinem Gefolge aus dem Amt gedrängte Vorgänger im Präsidentenamt, Herr Albert Caspers, wäre für die gleichen Leistungen und Entwicklungen wie in der Amtszeit von Overath vermutlich mit einem Stein um den Hals im Decksteiner Weiher ertränkt worden.

Nach den Sommerferien nimmt der Lizenzspielerkader des 1. FC als erste Profimannschaft das Training der Saison 07/08 auf. Für die 2. Liga verhältnismäßig namhafte Neuverpflichtungen wie Roda Antar (Freiburg), Kevin McKenna (Cottbus) und Nemaja Vucicevic (1860 München) schwitzen in der Vorbereitung, später stößt noch der hochgelobte Libanese Youssef Mohamad vom SC Freiburg zum Kader dazu. Ferner gesellen sich mit dem kolumbianischen Torhüter Fahryd Mondragon und dem Türken Ümit Özat ehemalige Weggefährten aus der Trainerzeit von Christoph Daum in der Türkei dazu, einige Zeit später ein  Abräumer aus Honduras für das Mittelfeld namens Maynor Suazo. Dessen Planstelle war eigentlich für einen jungen Nigerianer mit dem Künstlernamen „Tico“ gedacht. Der von Berti Vogts empfohlene Kicker wurde unter „mysteriösen Umständen“ auf dem Weg von den Orlando Pirates (Südafrika) zum Geißbockheim davon überzeugt, dass der FC Zürich in der Schweiz doch der bessere Verein für Entwicklung, Steuererklärung und Herzblut ist. Nach dem wehklagendem Aufheulen von Michael Meier über angeblich geleistete Unterschriften, gültige Verträge usw, liegt der Streitfall nun seit einiger Zeit zur Prüfung in der Fifazentrale in Zürich (!) vor; vermutlich im Posteingangskorb mit der Aufschrift „Gelesen und gelacht“. Zufälligerweise spielt der Fc Zürich in der Gruppenphase des Uefa-Pokals gegen Bayer 04 Leverkusen, so dass der gemeine Fc-Fan dem abtrünnigen Mittelfeldakteur aus Afrika bei einem Sieg gegen die Werkself den „Verrat“ am Club mit dem Geißbock auf der Brust verzeihen würde. Da die Transferposse bereits im Juli passiert ist, hat Michael Meier genügend Zeit, um sich für die bald anstehende Jahreshauptversammlung des FC ein paar gute Ausreden für dieses Husarenstück einfallen zu lassen, wenn ihn ein Mitglied in der beliebten Fragestunde darauf ansprechen wird.

Das erste Spiel der neuen Saison gewinnt man trotz mäßiger Leistung auf St. Pauli mit 2:0, in den Heimspielen gegen Aachen, Jena und Fürth zeigt man launige Leistungen und kommt vorerst nur zu 4 Heimpunkten. Zu wenig für einen Aufstiegskandidaten, dessen Trainer eine weitere Saison in Liga 2 öffentlich und kategorisch ausschließt. Auswärts stimmt die Punktebilanz bisher, nach dem aufgeführten Sieg bei den Kickern von Kiez holte man bei den sehr gut gestarteten Löwen aus München einen Punkt und gewinnt schmeichelhaft in Koblenz. Binnen weniger Tage gibt es zwei bittere Niederlagen zu beklagen. Vor eigenem Publikum wird man trotz guten Beginns und eigenem Führungstreffer vom SC Freiburg mit einem 1:3 und schönem Spiel der Gäste teilweise vorgeführt. Am darauffolgenden Sonntag vergeigt man in der Frankfurter Commerzbank-Arena gegen SV Wehen/Wiesbaden binnen weniger Minuten einen 2:0 Vorsprung und verliert am Ende mit 3:4. Das Verspielen einer sicheren 2:0-Führung gelang den Kölner übrigens bereits in der 1. Runde des DFB-Pokals, als man der 2. Mannschaft des SV Werder Bremen mit 2:4 unterlag.

Der bisher letzte Spieltag endete für die aufgrund des holpriger als erwartet verlaufenen Saisonstarts nervösen Kölner mit einem 4:1 Sieg, der dank einem „nur“ drei Punkte zählenden Rückstand auf den 3. Aufstiegsplatz weiterhin hoffen lässt.

Kölns Defensive

Es ist Jahr für Jahr das gleiche Spiel: Der FC verpflichtet mal wieder eine neue Abwehr und jeder hofft, dass diesmal endlich ein paar Treffer auf dem Transfermarkt dabei sein mögen. So sicher wie der Sommer geht, der Herbst kommt und der Waldbesitzer aus der Eifel sich in den heimischen Forst aufmacht, um das Brennholz für die kommenden Winter zu schlagen, greift der 1. Fc Köln bei Neuverpflichtungen im Bereich der Defensive daneben. Beispiele gibt es zuhauf, man erinnere sich in der jüngeren Vergangenheit des Vereins an Spieler wie Boris Zivkovic, Jörg Heinrich, Roland Benschneider, Evanilson, Bernt Haas oder Björn Schlicke. Talentierte Eigengewächse wie ein Carsten Cullmann als Erbstück aus den späten 90er Jahren vervollständigen das Ansehen über den qualitativen Wert der Kölner Verteidigung der vergangenen Jahre; das Problem, die Position des linken wie rechten Außenverteidigers qualitativ ansprechend zu besetzen, bleibt seit Jahren ungelöst.

In dieser Transferperiode wünschte man Stefan Wessels, dem ehemaligen Lehrling von Sepp Maier beim Fc Bayern, alles Gute und legte ihm keine Steine in den Weg, als er sich den Traum eines jeden Fußballprofis von einem Engagement in England erfüllen konnte. Der immer für ein oder mehr Gegentore aus der Entfernung verlässliche, jedoch überaus sympathische Keeper kickt nun beim FC Everton und erfüllt den vor Zeiten von Wolfgang Overath befohlenen 4-Jahres-Plan Richtung Europa beinahe fristgemäß, allerdings im falschen Trikot. Der Transfer des Torhüters kurz vor Ablauf der Wechselfrist war nahe liegend, da der oben angesprochene, 37jährige Kolumbianer Mondragon sicher nicht als Perspektivspieler für die Ersatzbank verpflichtet wurde. Der sportlich möglicherweise ersetzbare Nationaltorhüter Kolumbiens a.D. überzeugt jedoch als absolute Persönlichkeit auf dem Platz und setzt eindrucksvolle Ausrufzeichen in Sachen Willenskraft sowie Motivation und scheint unaufhaltsam den Thron des Publikumslieblings zu besteigen.

Auf der linken Abwehrseite wird nach kurzer Verletzungspause zu Beginn der Saison Ümit Özat eingesetzt. Der erfahrene Abwehrspieler lässt jedoch bisher das Feuer vermissen, das man sich von ihm erhofft hat und scheint seine Form noch nicht gefunden zu haben.

In der Innenverteidigung setzt man im Stamm auf die Neuzugänge McKenna und Mohammad. McKenna, der ehemalige Kapitän der Cottbusser, kann seine Geschwindigkeitsdefizite dank der Schnelligkeit, Übersicht und Zweikampfstärke seines Sportskameraden Mohammad, kurz genannt Dodo, kaschieren. Bisher konnten die beiden Kicker jedoch aufgrund von Verletzungen nur selten zusammen spielen. Insgesamt ist in der Innenverteidigung durchaus noch Luft nach oben vorhanden und eine Steigerung zu erwarten.

Als Rechtsverteidiger begann der aus dem eigenen Nachwuchs stammende Kevin Schöneberg, wurde jedoch von Tobias Nickenig auf die Bank verdrängt. Der gebürtige Koblenzer Nickenig leistete sich in Wehen ein furchtbares Spiel und wurde an diesem Tag noch vor dem Halbzeitpfiff ausgewechselt, spielte indes gegen Offenbach wieder und zeigte eine ansprechende Leistung.

Im defensiven Mittelfeld gilt der ehemalige Freiburger Roda Antar als gesetzt. Am 3. Spieltag leistete sich der beste Freund von „Dodo“ Mohammad jedoch hinter dem Rücken des Schiedsrichters eine Tätlichkeit und wurde nachträglich für drei Spiele gesperrt. Die beiden Spiele nach seiner Rückkehr gingen mit insgesamt 7 Gegentoren verloren, grundsätzlich ist Antar, abgesehen von seiner verdienten Sperre, bisher jedoch wohlwollend eine anständige Leistung zu bescheinigen. Neben ihm konnten bisher weder Marvin Matip noch Neuzugang Suazo richtig überzeugen und schweben derzeit jeweils zwischen Ersatzbank und Startelf.

Kölns Offensive

Die Kölner Offensive dieser Saison ist nominell für Zweitligaverhältnisse sehr stark besetzt. In sehr guter Verfassung präsentiert sich bisher der Slowene Milivoje Novakovic, der bisher insgesamt sieben Treffer markierte. Der 28jährige, in der vergangenen Saison noch von Hans Peter Latour verpflichtet, kämpfte in den ersten Monaten mit Anlaufschwierigkeiten, trägt sich aber nach einigen Monaten der Eingewöhnung und Orientierung regelmäßig in die Torschützenlisten ein.

Der junge Adil Chihi überzeugt bisher ebenfalls; mit drei Vorlagen und vier Treffern stimmt die Bilanz des 19jährigen, dessen langfristige Vertragsverlängerung auf der Jahreshauptversammlung 2006 mit Beifall begrüßt wurde.

Mit einem Außenbandanriss fällt seit einigen Wochen der vom TSV 1860 München verpflichtete Serbe Nemanja Vucicevic aus. Der in Köln vorwiegend für die rechte Außenbahn vorgesehene Offensivmann wusste bei seinen Einsätzen zu gefallen, spielt allerdings etwas eigensinnig. Die medizinische Abteilung des 1. FC Köln arbeitet mit Hochdruck an der Genesung des Spielers, dessen technische Beschlagenheit dem FC beim Spiel in Mönchengladbach sicher gut zu Gesicht stehen würde.

Ob der in Mönchengladbach bekannte Thomas Broich aufläuft, bleibt indes abzuwarten. Die Chemie zwischen dem Mittelfeldspieler und Christoph Daum scheint nicht zu stimmen. In seiner Kölner Zeit bleibt dem talentierten Mittelfeldspieler der Durchbruch verwehrt. Wenigen guten Spielen folgten viele mittelmässige bis äußerst schwache Auftritte, die eine Fortsetzung seines Engagements beim Verein aus der Domstadt fraglich erscheinen lassen.

Mit seinen 35 Jahren ist der nunmehr seit mehr als acht Jahren beim 1. FC Köln unter Vertrag stehende Matthias Scherz der dienstälteste Lizenzspieler im Kader der Geißbockelf und eine Vertragsverlängerung über das Saisonende hinaus scheint nur noch eine Formsache zu sein. Ob der Offensiv-Allrounder, der einst bei Rot-Weiss Scheeßel das Fußballspielen erlernte, im Derby aufläuft, hängt wohl auch davon ab, ob Vucicevic rechtzeitig fit wird. Jüngst wurde der kölsche Dauerbrenner aus dem Norden von Christoph Daum sogar zum Kapitän der ersten Mannschaft ernannt und die Entscheidung zu Beginn der Saison, dem jungen Patrick Helmes mit der Kapitänsbinde zu motivieren, korrigiert.

Ja, Patrick Helmes. Kein Spieler aus dem aktuellen Mannschaftskader spaltet die Fans der Geißböcke seit Monaten so wie der 23-jährige Stürmer aus dem Siegerland. Seitdem sich der Jungnationalspieler bereits im vergangenen Winter für einen Wechsel zum verhassten Werksverein nach Leverkusen entschied, ist Volkes Stimme sich darüber uneins, ob hier ein junger Mann einfach die nächste sportliche Stufe auf dem Weg nach oben erklimmen möchte, oder ob hier ein Kölner desertiert und den an Landesverrat grenzenden Wechsel zu den so genannten „Pillen“ mit Missachtung, Pfeifkonzerten oder persönlichen Schmähungen gegenüber dem Spieler oder gar seiner Familie geächtet werden muss. Sportlich läuft  Helmes seiner Ausnahmestellung und beeindruckenden Torquote aus dem Vorjahr mit bislang zwei Treffern in dieser Saison jedenfalls hinterher.

Schiedsrichter

Zum ersten Mal seit dem 33. Spieltag der zurückliegenden Spielzeit, einem 0:3 beim FSV Mainz 05, leitet der in Herne lebende Thorsten Kinhöfer ein Punktspiel der Borussia. Der in Wanne-Eickel gebürtige war an der Hennes-Weisweiler-Allee letztmals Ende März diesen Jahres aktiv, das Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt (1:1) war zugleich der erste Bundesligaeinsatz des Marko Marin. Der damals mit 18 Jahren und 18 Tagen Marco Villa als jüngster Bundesligaakteur der Borussengeschichte ablösende Marin war in jener Partie zugleich noch Torvorbereiter für den Kopfballtreffer von Federico Insúa gegen Ende der Partie. Davor war Kinhöfer in der Spielzeit 2005/2006 in Mönchengladbach im Punktspieleinsatz, er beaufsichtigte das ebenso 1:1 endende Bundesligaspiel der Borussia gegen den VfB Stuttgart. Damals, ebenfalls im Monat März, hieß der Borussentorschütze Milan Fukal und der Borussentrainer Horst Köppel.

Bilanz

Der immer schönste Absatz eines Vorberichts zum Spiel gegen die Kölner! Ohne viel begleitende Worte folgen nackte Zahlen, die für sich sprechen: Von 87 Pflichtspielen gegen den 1.FC Köln (Bundesliga, 2. Liga, DFB-Pokal, UEFA-Cup, Oberliga West) gewann Borussia 45. Hinzu kommen 15 Unentschieden. Umgekehrt bedeutet dies, dass 60 von 87 Pflichtspielen gegen Köln nicht verloren wurden. Gegen keine andere Mannschaft im deutschen Profifußball hat der FC häufiger verloren als gegen Borussia Mönchengladbach. Der FC konnte nur 8 von 37 Liga-Spielen in Mönchengladbach gewinnen (36 Spiele in der Bundesliga, 1 in der 2. Liga), der letzte Sieg des FC in Mönchengladbach liegt mehr als 14 Jahre zurück (2:1 am 26.09.1993). In der 2. Liga ist Borussia gegen den FC komplett ungeschlagen (1 Sieg, 1 Unentschieden). Insgesamt bestritt Borussia seit der Saison 1960/61 (Oberliga West) 45 Heimspiele gegen den rheinischen Rivalen, von denen nur 12 verloren wurden.

Aufstellungen

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Paauwe, Voigt - Polanski - Ndjeng, Rösler, Marin - Neuville, Friend
Ersatz: Gospodarek, Gohouri, Bögelund, Coulibaly, Touma, Svärd, van den Bergh
Es fehlen: Schachten, Rafael, Colautti (verletzt, bzw. mit Trainingsrückstand)

1.FC Köln: Mondragon - Nickenig, McKenna, Mohamad, Ümit - Suazo, Antar - Chihi, Scherz - Helmes, Novakovic
Ersatz: Kessler, Ehret, Schöneberg, André, Broich, Matip, Mitreski
Es fehlt: Vucicevic (im Aufbautraining)

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Schiedsrichter-Assistenten: Detlef Scheppe, Thorsten Joerend


SEITENWAHL-Meinung

Thomas Zocher: Das Ergebnis vorweg: 2:2. Die Borussia knüpft zwar an ihren Aufwärtstrend von vor der Länderspielpause an, hat es aber mit einem Klassegegner zu tun, dessen Spieler ihrerseits die strapazierten Nerven ihres Anhangs besänftigen werden. Schon die ersten Momente nach dem Schlußpfiff werden zeigen, inwiefern die Borussenanhänger realistisch sind. Sind sie, werden sie erkannt haben, dass das prestigeträchtige Derby auch nur ein weiteres Spiel in der Saison ist und von der Bedeutung her lediglich eine Etappe von vielen ebenso wichtigen Teiletappen bleibt. Außerdem bleibt den völlig Ungenäußigen ja die stete Hoffnung auf das Rückspiel in Müngersdorf.

Michael Heinen: Die Borussia in ihrem Lauf hält weder Öcher noch Geißbock auf. In einer hart umkämpften Partie siegt Borussia am Ende verdient mit 3:2 und kann die Führungsposition in der Liga und am Rhein weiter ausbauen. Allerdings sollte das Beispiel der deutschen Nationalelf Warnung sein, wie gefährlich es ist, wenn man sich auf einer Erfolgsserie ausruht und unterbewusst einen Gang zurückfährt.

Mike Lukanz: Helmes gegen Voigt, Ndjeng gegen Ümit, Daum gegen Luhukay. Ist doch alles unwichtig, nebensächlich. Es ist Montag Abend, es ist kühle Luft. Live-Spiel, Flutlicht, 54.019 Zuschauer, Derby gegen den 1.FC Köln. Egal, wie dieses Spiel ausgeht. Es sind diese Spiele, die uns alle in den Bann ziehen. Halb Deutschland wird, müde von den ewigen Langweiler-Duellen der 1. Bundesliga zwischen Wolfsburg, Cottbus, Bielefeld oder Duisburg, gebannt zusehen. Ich habe lange mit mir gerungen, aber am Ende tippe und hoffe ich auf ein sehr knappes 2:1 für Borussia. Liebe Kölner, wir sehen uns im Rückspiel!

Christian Heimanns: Der bisherige Verlauf ist schon fast zu schön um wahr zu sein. Borussia in einer launigen Siegesserie, Köln schön holprig, was soll da schiefgehen? So leicht wird es dann sicher doch nicht, aber ich gehe zuversichtlich davon aus, dass die holprige Kölner Abwehr sich genügend Schnitzer erlaubt, um Borussia ein 3:1 zu gestatten.

Christoph Clausen: Gladbacher Grundgesetz, Artikel 1: "Spiele gegen Köln sind zu gewinnen." Mit dem hart umkämpften 3:2 tut Jos Luhukays Mannschaft dieser Verplfichtung genüge.

Hans-Jürgen Görler
: Auch bzw. gerade gegen den FC darf die Siegesserie der Borussia nicht reißen. Es muss ja kein 5:0 wie gegen Koblenz sein - ein 6:0 würde auch schon reichen ... Mit dem 3:1 sind die Kölner dann aber immer noch gut bedient.

Jochen Ohlerth: Die Form der Elf vom Niederrhein der vergangenen Wochen ist beeindruckend und schlägt sich auch in der aktuellen Siegesserie nieder. Die Auftritte des 1. FC Köln in dieser Saison sind bislang durchwachsen, das durchaus vorhandene Leistungspotential wurde bis auf wenige Ausnahmen noch nicht abgerufen. Sollte die Länderspielpause den Lauf der Borussen einigermaßen eingedämmt haben und können gleichzeitig die Geißböcke eine ansprechende Leistung aus dem Ärmel schütteln, so ist ein aus Kölner Sicht derzeit optimistisches 2:2 durchaus im Bereich des Möglichen.

Der Gegner im Internet: www.fc-koeln.de; www.fc-brett.de
Der Gegner im SEITENWAHL-Zweitligacheck: 1. Fußball-Club Köln 01/07 e.V.

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  • Für den #effzeh gibt‘s jetzt nur noch eine Rettung. #PeterFürPeter
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  • @JrgNeb "Sie kehrt zurück", steht im ersten Absatz im Artikel & wird ganz genau auf dem Bild angezeigt.
  • @frankie1960 Das ist nahezu das erste Mal, daß man auch in Mönchengladbach einen Treffer von Ulf Kirsten gutfinden kann! 🙂

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