FSV Mainz 05Zwei Spieltage sind vorbei, ohne Sieg und ohne Niederlage. Die unauffälligen Ergebnisse schlagen bereits hohe Wellen in Borussias Umfeld. Die in der vergangenen Saison schwer gepeinigte Fangemeinde sieht sich vergeblich auf die Erlösung in Form von Toren und Siegen warten und beginnt bereits, sich Luft zu machen. Zu defensiv trete der Trainer auf, nur eine Spitze sei zu wenig, und die zudem mit einem nominellen Mittelfeldspieler besetzt. Man verlangt nach „mehr von allen Dingen“, vor allem aber nach Stürmern. Das mediale Kino dient nur zu gerne als Verstärker: Der Express kramt wochenalte Meldungen aus belgischen Zeitungen hervor, die Rheinische Post ist sich nicht zu schade, auf das erste Saisontor des nach St. Pauli abgewanderten Schnitzler zu verweisen.

Luhukay verteidigt sich mit Hinweis auf die drei offensiven Spieler hinter der Spitze, die er ebenfalls als Stürmer verstanden wissen will und stellt fest, dass weitere Spieler im Sturm die Mannschaft aus dem Gleichgewicht brächten. Man kann dabei darauf hinweisen, dass die fehlende Präsenz im Strafraum der Jagd nach Toren nicht zu Gute kommt, und dass Rösler als vordere Spitze verschenkt scheint. Andererseits sollten die Verfechter der verstärkten Offensive bedenken, dass aus der vorderen Linie wenig Abwehrarbeit geleistet wird. Man muss dem Trainer schon Recht geben, wenn er die Mannschaft nicht schutzlos nach vorne werfen will, aber es sollte auch möglich sein, ein Team zu entwerfen, das mit ausreichend Balance angreift und verteidigt.

Eines sollte aber wirklich feststehen. Nachdem die Katastrophe der letzten Rückrunde auch auf die zahlreichen Trainerwechsel der vergangenen Jahre und fehlende langfristige Konzepte zurückgeführt wurden, kann man einen Trainer auf keinen Fall nach zwei Spieltagen und mit noch lange nicht eingespieltem Kader in Frage stellen. 

Borussias Defensive 

Im Tor hat Heimeroth seine Chance genutzt und die Nr. 1 erstmal sicher. Die Abwehr vor ihm stellt sich wie gewohnt dar. Solide Defensivarbeit mit recht wenig spielerischen Impulsen nach vorne, offensive Gefahr wird vor allem bei Standards erzeugt, wenn Gohouri und gelegentlich Brouwers mit nach vorne gehen. Der Eindruck mangelnden Spiels nach vorne rührt auch daher, dass von den Aussenverteidigern wenig Impulse zu erwarten sind; besonders Voigt steht in erster Linie für knallharte Defensive, auch wenn eine Flanke von ihm gegen Hoffenheim zu einem Tor hätte führen müssen. 

Im hinteren Mittelfeld sieht gegenwärtig alles nach einer Fortsetzung der Kooperation Paauwe / Svärd aus. Auch wenn Svärds Posten für viele Fans der erste Streichkandidat zu Gunsten eines Stürmers wäre, ist das in Mainz vielleicht nicht die schlechteste Lösung. Wesentlich für das Funktionieren ist dabei auch, dass der solchermaßen assistierte Paauwe die ihm zugedachte Rolle des Spielmachers von hinten heraus ausfüllt.

Borussias Offensive

Dieser Mannschaftsteil lässt weiter die Emotionen hochkochen. Für einen ernsthaften Vorbericht muss weiter etwas zu viel spekuliert werden, aber die Zeichen stehen darauf, dass auch am Freitag zumindest die Grundaufstellung mit 3 offensiven Mittelfeldspielern hinter einer Spitze nicht geändert wird. Dabei wird Marko Marin nach seinen bisherigen Leistungen einen Platz sicher haben. Der trickreiche Wirbelwind im Mittelfeld darf sich einen ordentlichen Teil von Borussias bisherigen Offensivaktionen gutschreiben, und das mit 18 Jahren. Seine Dribblings und Pässe lassen Borussias Fans regelrecht das Herz aufgehen und führen zu kollektiven Stoßseufzern der Presse aus Frankfurt, von wo Marin vor 2 Jahren zur Borussia kam.

Sicher spielen wird auch Sascha Rösler. Inzwischen scheint klar zu sein, dass er seine Stärken hinter den Spitzen am ehesten zur Geltung bringen kann, wo er auch spielen wird, wenn einer der Mittelstürmer inzwischen „startfit" ist. Diesen Posten hatte gegen Hoffenheim noch Coulibaly inne, der entweder links spielen könnte, was Marin nach rechts versetzen würde, oder auch gar nicht spielen könnte. Dann würde rechts Marcel Ndjeng auflaufen, der seine Schnelligkeit und Ballsicherheit auf dem Flügel ansehnlich zur Geltung bringt, aber dabei noch effektiver sein dürfte. Vorne könnte Rob Friend auflaufen, von dem es hiess, dass er schon aus der Vorbereitung bei Almelo ansehnliche Fitnesswerte mitbrächte.

Es sieht zwar wenig danach aus, als ob Luhukay Lust hätte, sich in Punkto Aufstellung der öffentlichen Kritik zu beugen. Aber im Lauf der kommenden Tage oder Wochen werden die anderen Stürmer hoffentlich auch langsam in Spielform kommen und der Mann aus Venlo hat sie sicher nicht nur zur Zierde geholt. Insofern kann die Aufstellung am Freitag auch durchaus ganz anders aussehen; wir geben hier nur eine der wahrscheinlichsten Varianten wieder.

Der Gegner aus Mainz 

Unser Freitagsspiel führt uns zum FSV Klopp. Nachdem der SC Finke Geschichte ist, kann man den Verein aus Mainz wohl ohne Übertreibung so bezeichnen, da kein anderer deutscher Profiverein seinen Erfolg dermaßen seinem Trainer verdankt. Zwar konnte auch der Mann mit dem Zahnpastawerbelächeln die Mainzer nicht in der ersten Liga  halten; angesichts der Abgänge war das aber auch ein schwieriges Unternehmen. Und die Mainzer haben bis zuletzt gegen den Abstieg gekämpft. Bei sage und schreibe 18 Abgängen, darunter die entscheidenden Zidan und Andreasen sowie Nationalspieler Friedrich, ist die tatsächliche Stärke des FSV noch nicht völlig abzuschätzen. Die Anzeichen stehen aber trotz der Niederlage in Fürth darauf, dass es Klopp wieder gelungen ist, eine spielstarke und druckvolle Mannschaft aufzubauen.

Mainzer Defensive 

Seit 1995 wird das Mainzer Gehäuse von Dimo Wache gehütet, der dort nach seinen 3 Jahren als Stellvertreter von Uwe Kamps die Stellung seines Fussballerlebens fand. Der nunmehr 33jährige wurde zwar zeitweise von Ersatzmann Wetklo abgelöst, hat seinen Stammplatz aber gegenwärtig sicher. Die Abwehrreihe vor ihm muss den Verlust von Manuel Friedrich verkraften, dessen Posten neben dem bewährten Noveski der US-Amerikaner Subotic übernommen hat. Ex-Borusse Bo Svensson stand nach der Diagnose eines Achillessehnen-Einrisses noch nicht zur Verfügung.

Auf der rechten Abwehrseite kommt der von Schalke geholte Tim Hoogland zum Einsatz. Nachdem er sich in der ersten Liga nicht durchsetzen konnte, waren seine Leistungen in der zweiten Liga bisher vertretbar; beim Heimsieg dabei noch schwächer als dann bei der Niederlage. Die linke Abwehrseite sollte eigentlich den bundesligabewährten Marco Rose bei der Arbeit sehen, der auch in der Lage ist, offensiv im Spielaufbau zu helfen. In dessen verletzungsbedingter Abwesenheit übernimmt Demirtas den Posten und viele würden dort schon aus reiner Neugier mal den Spieler der Gerhörlosennationalmannschaft, Stefan Markolf, im Einsatz sehen.

Das defensive Mittelfeld ist seit dieser Saison das Revier von Miroslav Karhan. Der 84malige Nationalspieler der Slowakei hatte in Wolfsburg nach beeindruckenden ersten Jahren stagniert, der Neuanfang in Mainz war logisch. Er ist sicher ein Aktivposten der Mannschaft, obwohl er die Niederlage in Fürth mit einem verlorenen Ball einleitete.

Mainzer Offensive

Der Sieg am ersten Spieltag stand im Zeichen von Markus Feulner. Der frühere Bayern- und Kölner Spieler ist ja nicht gerade eine Neuentdeckung, aber an diesem Tag trug er mit beseeltem Spiel und zwei Toren maßgeblich zum 4:1 Erfolg bei. Nachdem er letztes Jahr das mit da Silva verlorene spielerische Potential nicht richtig ersetzen konnte, liegen in diesem Jahr viele Hoffnungen auf ihm, zumal der kolumbianische Nationalspieler Soto sich einen Kreuzband- und andere Risse im rechten Knie zuzog. Denn Milorad Pekovic treibt zwar offensiv an, schiesst aber nach wie vor keine Tore, und Daniel Gunkel ist eher Durchschnitt. Nach seiner Gehirnerschütterung vom letzten Sonntag könnte er durch den technisch veranlagten Damir Vrancic ersetzt werden, wie schon im Lauf des Spiels gegen Koblenz geschehen.

Der Sturm muss zum zweiten Mal ohne Zidan erneuert werden. Das Stammpersonal sieht dabei Petr Ruman vor, der vor der Saison mit 6 Toren in 41 Bundesligaspielen nicht als potentieller Torschützenkönig in Erscheinung trat. Diese Saison sieht ihn mit einem Tor schon besser, was sich am Freitag hoffentlich nicht fortsetzt. Fixpunkt im Sturm soll aber Srdjan Baljak sein, der ausser dem schwierigsten Namen auch die letztjährige Torschützenkrone Serbiens für sich verbucht. Wenn der Linksfuß von Banat Zrenjanin nicht einschlägt, sieht es in Mainz problematisch aus, weswegen man dort der Verpflichtung eines weiteren Stürmers nicht abgeneigt ist.

Personell sind die Mainzer sicher wenig beeindruckend. Doch das waren sie in den vergangenen Jahren auch, um dann zumindest für zwei Jahre mit schwungvollem Kollektivspiel zu überzeugen, die Jahre vor dem Aufstieg nicht mitgerechnet. Die Niederlage in Fürth zeigte nicht unbedingt Mainzer Schwäche sondern eher, dass man auch weitgehend ausgeglichene Spiele klar verlieren kann. Denn nachdem die Mainzer den TuS Koblenz zuvor im Heimspiel klar beherrscht hatten, hielten sie auch in Fürth ordentlich dagegen. Zu erwarten ist nichts anderes als in den letzen Jahren: Früher Druck im Mittelfeld, Kampf und Balleroberung schon in der gegnerischen Hälfte, mehr Kombinations- und Passspiel als Einzelleistungen bei beweglichem Verschieben der ganzen Mannschaft. Auch wenn sich die Borussen mehr Stürmer auf dem Feld wünschen, scheint es keine schlechte Idee, das Vorhaben um eine Woche zu verschieben und noch einmal mit zwei defensiven Mittelfeldspielern anzutreten. Gewinnen kann man auch so.

Schiedsrichter

Wirklich einen exquisiten Kreis von Schiedsrichterassistenten hält der Deutsche Fußball-Bund für die 2. Bundesliga vor, zumindest wenn man nach den Namen der früher als Linienrichter bezeichneten Herren geht. Nachdem der DFB am letzten Sonntag Karl Valentin entsandte, schickt er dieses Mal Josef Maier zum Borussenspiel, wobei man fairerweise erwähnen sollte, dass es sich bei diesem Josef Maier zwar um einen Münchener handelt, allerdings in keinem Fall um den 95-fachen ehemaligen Nationaltorhüter und Weltmeister von 1974, der bis zur Ära Jürgen Klinsmann als BTT (Bundestorwarttrainer) beim DFB beschäftigt war. Der Schiedsrichterassistent Josef Maier wird zusammen mit Matthias Zacher Günter Perl assistieren, der auch aus München kommt und die Borussia beispielsweise in der vergangenen Saison dreimal beim Spiel beaufsichtigte. Dabei gewann die Borussia beide Heimspiele (gegen Wolfsburg und Berlin), verlor hingegen das Auswärtsspiel in Bochum.

Bilanz

In der 1. Bundesliga gelang uns genau kein Sieg gegen Mainz, in der 2. hingegen sind wir noch ohne Niederlage. Die beiden Spiele in Mainz gingen 0:0 sowie 1:0 aus Sicht von Borussia aus, wobei unser unübertroffener Torjäger Peter van Houdt in der Aufstiegssaison das Tor beitrug. Wer dieses mal trifft, ist eher unerheblich, am liebsten aber ein fitter Stürmer. Das letzte Spiel der beiden Mannschaften am Mainzer Bruchweg ist dabei gerade einmal dreizehn Wochen bzw. vier Pflichtspiele her. Dort unterlag die Borussia dem FSV deutlich und auch in der Höhe verdient mit 0:3 Toren, neben dem in der Zwischenzeit zum Hamburger SV gewechselten Mohamed Zidan trafen Petr Ruman und Markus Feulner dabei für die Heimelf.

Aufstellungen

Borussia: Heimeroth - Bøgelund, Gohouri, Brouwers, Voigt - Paauwe, Svärd - Ndjeng, Rösler, Marin - Friend.
Ersatz:
Gospodarek, Levels, Compper, Fleßers, van den Bergh, Polanski, Baumjohann, Coulibaly, Touma, Lamidi, Rafael, Colautti, Neuville.
Es fehlen: Schachten, Daems, Kahê (alle verletzt).

Mainz: Wache - Hoogland, Subotic, Noveski, Demirtas - D. Vrancic, Karhan, Pekovic, Feulner - Baljak, Ruman.
Ersatz: Weklo, Markolf, Amri, Laurent, Gunkel, M. Vrancic, Borja
Es fehlen: Soto, Svensson (verletzt)

Schiedsrichter: Günter Perl (München)
Assistenten: Josef Maier, Matthias Zacher


SEITENWAHL-Meinung

Michael Heinen: Wer die Diskussionen in den letzten Tagen schon hitzig fand, der darf sich auf eine Steigerung gefasst machen. Nach der 1:2-Niederlage in Mainz rutscht Borussia auf einen Abstiegsplatz und steht für das Heimspiel gegen Osnabrück gehörig unter Druck.

Thomas Zocher: Es gibt Begriffe im Fußball die sind mindestens genauso matschbirnig wie die Erfinder derselben. Einer dieser Begriffe lautet Schicksalsspiel und wird gerne von jenen verwendet, die wöchentlich den Druck auf die 36 Bundesligatrainer ausüben, den sie sich für die Bewertung ihrer eigenen Arbeit selbstverständlich verbitten. Nun denn, wenn an diesem Freitag der Tabellenzwölfte beim Tabellenachten gastiert und am Ende ein 1:1 dabei herauskommt, wird es sich diese Klientel nicht nehmen lassen das dann kommende Spiel Borussias in der ihr urtypischen Bräsigkeit als Schicksalsspiel anzukündigen. Selbstverständlich nicht wissend, was Schicksal eigentlich überhaupt ist.

Christoph Clausen: Drittes Punktspiel, drittes Unentschieden. Spielerisch lässt das 1:1 in Mainz aber noch viele Wünsche offen.

Mike Lukanz: Wenn die ersten zwei Saisonspiele Unentschieden enden, könnte das dritte Spiel schon richtungsweisend werden. Nicht sportlich, sondern was den Gegenwind in Medien und Umfeld betrifft. Die verdiente 1:2-Niederlage in Mainz wirft Borussia in der Tabelle weit zurück, und ein jeder kann sich ausmalen, welche Titel die Diskussionen in den Foren haben werden.

Christian Heimanns: Auswärts und in Mainz wird uns das gewohnte Bild einer Borussia in der Defensive geboten. Abwehr, Erfahrung und Marin werden uns noch zu einem 1:1 reichen, was aber im Umfeld keinem reichen wird. In der Folgewoche werden 4 Stürmer gegen Osnabrück gefordert werden.

Hans-Jürgen Görler: Das erste Spiel ließ ein wenig hoffen, das zweite gestaltete sich als Déjà vu der vergangenen Saison. Eigentlich müsste es in der dritten Partie eine Niederlage setzen, aber ich setze darauf, dass man nach der Partie beim FSV Mainz 05 Parallelen zum fünften Spieltag unserer ersten Zweitligasaison wird ziehen können, als die Borussia sich unter Hans Meyer auf St. Pauli an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zog und unter Beweis stellte, endlich in der 2. Liga angekommen zu sein. Marcel Ketelaer erzielte damals zwei Treffer. Wer uns diesmal zum verdienten 2:0 schießt, ist vollkommen egal.


Der Gegner im Internet: FSV Mainz 05
Der Gegner im SEITENWAHL-Zweitligacheck: FSV Mainz 05

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  • @chbiermann Aber die Fünfjahreswertung... 😉
  • Wir wussten übrigens schon immer, dass der #BVB Scheiße ist. #APNBVB
  • Man kann aus einem langweiligen 0:0 auf Zypern selbst in der 97. Minute noch einen Sieg machen. Wendt man Elfmeter schießen kann. #apnbvb
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