Es ist vollbracht: Wir sind Bundesliga! Mit einem souveränen, nie gefährdeten 3:0-Erfolg über den SV Wehen Wiesbaden sicherte sich Borussia den Aufstieg in die 1. Bundesliga und steht darüber hinaus so gut wie sicher als Meister der Zweitliga-Saison fest. Die Dominanz, die den Verein über nahezu die gesamte Spielzeit ausgezeichnet hat, wurde auch an diesem Mittwoch vor 41.508 feiernden Zuschauern gnadenlos umgesetzt, so dass die Partie auf dem Rasen beinahe zur Nebensache geriet. Spätestens als Rob Friend in der 67. Minute das 2:0 markierte, war jedem klar, dass die Party noch an diesem Tage stattfinden würde.

Doch im Grunde waren solche Zweifel schon vor der Partie kaum vorhanden. Zu riesig war die Euphorie nach dem 7:1-Erfolg in Offenbach, der selbst letzte Pessimisten ruhig gestellt hatte. Wehen war entsprechend gewarnt und bemüht, nicht ähnlich vehement unter die Borussen-Räder zu geraten. Von der 1. Minute an spürte man, wer Herr im Borussia-Park ist. Die Heimstärke, die in der Vorrunde nicht unbedingt Borussias größtes Plus gewesen war, ist in den letzten Monaten trotz des 2:2 gegen 1860 München zurückgekehrt. Selbst defensiv gut stehende Gegner können mittlerweile durch unsere tolle Offensive gut geknackt werden.  

So dauerte es keine zwei Minuten, ehe dies an diesem Nachmittag das erste Mal gelang. Rob Friend war herrlich freigespielt worden, schoss aber aus 10 Metern nur Thomas Richter an. Ob Marin, Paauwe, Rösler, Touma oder Neuville. Sie alle beherrschen diese gezielten Pässe in den Strafraum, die einer Viererkette besonders weh tun und regelmäßig gefährliche Situationen hinaufbeschwören.  

Wehen zeigte immensen Respekt vor der Offensivleistung seines Gegners, war aber im Rahmen seiner Möglichkeiten bemüht, am Geschehen teilzunehmen. Echte Chancen ergaben sich in der Anfangsviertelstunde dennoch nur auf einer Seite. Nach 10 Minuten war es Paauwe, der in oben beschriebener Weise Neuville freispielte. Dessen Flanke erwischte der freistehende Rösler perfekt mit dem Kopf, so dass der Ball nur knapp rechts am Tor vorbei flog. Die Fans hatten kaum Zeit, sich über diese verpaßte Großchance zu ärgern, da war es dann doch passiert. Marko Marin passte auf der linken Seite gekonnt an die Strafraumgrenze zu Neuville. Der Nationalstürmer sah auf der anderen Seite den völlig freistehenden Sharbel Touma, dem er den Ball an drei Wehenern vorbei mustergültig in den Lauf legte. Der Schwede nahm dies dankend an und wies erneut seine Torgefährlichkeit unter Beweis, indem er den Ball humorlos in die Tormitte schmetterte.  

Die ersehnte frühe Führung war erzielt worden. Jetzt schien einer beruhigten Party nichts im Wege zu stehen, zumal Borussia auch in den nächsten Minuten weiter engagiert und motiviert zu Werke ging. Doch schon wenige Minuten später ebbte der Elan etwas ab. Das hohe Tempo wäre ohnehin nicht allzu lange durchzuhalten gewesen, so dass sich die Mannschaft kühl und abgebrüht darauf beschränkte, das Geschehen zu kontrollieren. So ergaben sich bis zum Halbzeitpfiff einige kleinere Gelegenheiten für Neuville (24.) und Friend (26., 37.). Gleichzeitig ließ man defensiv so gut wie gar nichts zu. Wehen entwickelte aus dem Spiel heraus in Halbzeit 1 keine echte Torgefahr. Einzig bei Standards war man gelegentlich gefährlich. So z.B. in Minute 27, als eine Ecke durch alle Spieler hindurch am Fünfmeterraum vorbeisegelte, ehe dann nach erneuter Eingabe von der anderen Seite Levels und Heimeroth im Verbund klären konnten. Unser Keeper wirkte hier ein klein wenig zögerlich, hatte letzten Endes dann aber doch das Glück des Tüchtigen. 
 

Nachdem auch Schwarz in der 40. Minute etwas zu überrascht über seine Freiheit im Borussen-Strafraum war und den Ball aus 5 Metern nebens Tor setzte, ging es mit der völlig verdienten 1:0-Führung in die Pause. Schon zu diesem Zeitpunkt musste man eine enorm negative Stimmung erwischt haben, um ernsthaft am Erfolg der Mannschaft zu zweifeln. Zu souverän und überlegen spulte das Team von Jos Luhukay sein vorgegebenes Programm runter. 
 

Die 2. Halbzeit begann wie die erste, mit einer tollen Aktion von Rob Friend. Während er sich vor dem Seitenwechsel des öfteren unnötig schnell auf den Boden geworfen hatte – eine Unsitte, die der Kanadier in den letzten Wochen allzu oft angewendet hat – suchte er dieses Mal nicht den Freistoß an der Strafraumgrenze. Stattdessen wich er dem Wehener Abwehrbein geschickt aus und lupfte marin-like in Richtung Tor. Pech, dass der Ball von oben auf die Latte prallte. Bis hierhin hatte man nach zuletzt 7 Spielen ohne Friend-Tor den Eindruck, er habe vor der Saison in diversen Borussen-Foren gesurft und sich die Vorgabe, ein 15-Tore-Stürmer sein zu sollen, etwas zu sehr zu Herzen genommen.
 

Wehen fand aber auch noch ein wenig statt. Maximilian Nicu traute sich in der 50. Minute aus 22 Metern einen schönen Volleyschuss zu, der knapp übers Tor strich. Fünf Minuten später verpasste Kopilas nur knapp eine Nicu-Flanke. Heimeroth war zum Glück in der Tormitte stehen geblieben, so dass der Ball ihm direkt in die Arme fiel. Doch das war es eigentlich schon, was die Gäste an diesem Tag offensiv anzubieten hatten. Fortan fügte man sich wieder in die angedachte Rolle des Sparring-Partners. Ob Neuville (55.), Marin (60.) oder erneut Neuville (63.). Borussia erarbeitete sich einige nette Gelegenheiten, die allesamt wunderschön und mit guten Kombinationen herausgespielt wurden. 
 

Für das zweite Tor musste aber eine Standardsituation herhalten. Marin war links an der Torlinie gefoult worden und führte den fälligen Freistoß selber aus. In der Mitte kam Rob Friend an den Ball und köpfte ihn in seiner unnachahmlichen Art ins kurze Eck. Das für ihn, für Borussia und für die Fans erlösende 2:0 war gefallen. Jetzt konnte die Party endgültig geplant werden. Wehen gab sich mehr oder weniger auf und war offensichtlich froh, nicht in Offenbacher Manier aus dem Stadion gefegt zu werden. Richtig Zwingendes wurde im Folgenden nicht geboten. 
 

Dies war erst in der 80. Minute wieder der Fall. Eine Kopfball-Abwehr gelangte genau vor die Füße von Sharbel Touma, der nicht lange fackelte. Eine kurze Annahme, den Ball aufticken lassen und schon zog der Schwede aus 8 Metern ins linke Toreck ab, wo der Ball zum 3:0 einschlug. Der Rest gestaltete sich als Schaulaufen. Die Nachricht des Mainzer Rückstands wurde noch kurz bejubelt, stellte sie doch sicher, dass Borussia auch Platz 1 bis zum Saisonende kaum noch herschenken kann. 6 Punkte und 14 Tore Rückstand müßte der 1.FC Köln hierzu aufholen, was ihnen kaum zuzutrauen ist. 
 

Zur Leistung der Mannschaft muss an so einem Tag kaum noch etwas gesagt werden. Wie so oft in dieser Saison beeindruckte die Routine und die Souveränität, mit der die Mannschaft kompakt und geschlossen zu jeder Zeit ihre Überlegenheit klar machte. Für Liga 2 hat sich diese Mannschaft als eindeutig zu stark erwiesen. Ab sofort hat unser Kompetenzteam die Aufgabe sicherzustellen, dass man in einigen Monaten zumindest stark genug ist, um in Liga 1 mithalten zu können. 
 

Sharbel Touma war mit seinen beiden Toren der Mann des Tages, wenngleich er defensiv gelegentliche Nachlässigkeiten offenbarte. Gerade für ihn waren die letzten beiden Spiele wichtig, nachdem er einer der Pechvögel in dieser Saison gewesen war. Doch der Schwede wies nach, wie man sich mit konstantem Anbieten und Aufdrängen in die Mannschaft spielen und dort dann seine Chance nutzen kann. Drei Tore aus zwei Spielen zeigen, welche Offensivqualitäten hier bei einem Spieler lauern, der über weite Strecken unserer Saison nicht mal zur Stammelf zählte. 
 

Auch Oliver Neuville ist positiv hervorzuheben. Vor den Augen von Bundestrainer Jogi Löw unterstrich er seine gute Form der vergangenen Wochen. Immer wieder anspielbereit und engagiert war er an zahlreichen Offensivaktionen direkt beteiligt und darf sich mit dieser Leistung berechtigte Hoffnungen auf eine EM-Teilnahme machen. Nicht minder bemüht sein Sturmpartner Rob Friend, dem man anmerkte, wie heiß er auf seinen 16. Saisontreffer gewesen war, den er dann geradezu erzwang. 
 

Marko Marin war einer der Erfolgsgaranten der letzten Wochen, was seine Torvorlagen zum 2:0 und 3:0 an diesem Tag unterstreichen. Bei ihm ist besonders erfreulich, wie er sich im Laufe der Saison zu steigern verstanden hat. Zuletzt zeigt er endlich auch die dringend benötigte Effizienz, die aus einem großen Talent einen richtig guten Bundesliga-Fußballer werden lässt. 
 

Doch es ist grundsätzlich unfair, irgendeinen Borussen an diesem Tag unerwähnt zu lassen. Wenn man sieht, wie selbst die Spieler den Aufstieg bejubelten, die eine höchst unerfreuliche Saison hinter sich haben und mit hoher Wahrscheinlichkeit den Verein verlassen müssen, dann ist der „Ein-Team“-Gedanke jetzt tatsächlich im Borussia-Park angekommen. Wo im Vorjahr ein zusammengewürfelter Haufen sich selbst überschätzender Möchtegern-Stars über den Platz stümperte, sehen wir heute endlich wieder eine wirkliche Mannschaft, die deutlich die Handschrift ihres Trainers trägt. 
 

Zwei Spiele sind bei alle Euphorie noch zu spielen, wobei die jeweiligen Gegner selbst von einem Sieg über unsere Borussia nicht mehr ernsthaft profitieren könnten. Am kommenden Sonntag werden neben den SC Freiburg über 100.000 Borussen-Fans erwartet, wenn die am heutigen Abend begonnene Party in noch viel größerem Maße fortgesetzt werden wird. 
 

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Daems, Voigt - Paauwe – Touma (Ndjeng 82), Marin (Coulibaly 82) – Rösler - Friend, Neuville (Rafael 85)

Wehen: Richter – Nakas, Simac, Kopilas, Kokot – Schwarz, König (Schmidt 81) – Siegert, Catic, Nicu (Amstätter 73) – Diakité (Atem 85)

Tore
: 1:0 Touma (11.), 2:0 Friend (67.), 3:0 Touma (80.)

Schiedsrichter: Norbert Grudzinski (Hamburg)

Zuschauer: 41.508 (76,77 %)

Gelbe Karten (Borussia): Voigt (5., im nächsten Spiel gesperrt)

Besondere Vorkommnisse: Borussia blieb in ihrem 100. Spiel in der 2. Bundesliga zum 12. Mal in Folge ungeschlagen (7 Siege, 5 Remis; 27:9 Tore) und erreichte vorzeitig den Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga. Mit 66 erzielten Toren ist man das offensiv stärkste Team, mit 33 erhaltenen Gegentoren stellt man gleichzeitig die beste Defensive der Liga. Den bisher 24 Spieltagen in Folge, die man auf Tabellenplatz 1 verweilt, werden noch zwei weitere hinzukommen, selbst wenn rechnerisch noch eine Minimalchance besteht, auf Platz 2 abrutschen zu können. Sharbel Touma erzielte seinen ersten Doppelpack für Borussia, während Rob Friend nach 7 Spielen zumindest einmal wieder erfolgreich war. Der SV Wehen Wiesbaden bestritt heute in seiner Historie sein erstes Pflichtspiel in Mönchengladbach, unter den Zuschauern des Spiels befand sich auch Bundestrainer Joachim Löw.

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  • @chbiermann Aber die Fünfjahreswertung... 😉
  • Wir wussten übrigens schon immer, dass der #BVB Scheiße ist. #APNBVB
  • Man kann aus einem langweiligen 0:0 auf Zypern selbst in der 97. Minute noch einen Sieg machen. Wendt man Elfmeter schießen kann. #apnbvb
  • @kluettermann Zugegeben, wir haben dafür einen Telefonjoker benutzt! 😀
  • Im UEFA-Intertoto-Pokal am 24.07.2004 traf Igor de Camargo 2x zum 2:1 für KRC Genk in Dortmund, der BVB schied dadurch aus! #APNBVB #SkyCL
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  • @Pilzeintopf Souleymane, Lamine oder Salif?

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