Normalerweise sind die Kollegen von http://www.fohlenhautnah.de zuständig für Trainingsberichte über unsere Borussia. Da heute aber ein 45minütiges Pflichtspiel-Training auf dem Bieberer Berg angesetzt worden war, ist ausnahmsweise auch an dieser Stelle darüber zu berichten. Eine ernstzunehmende Partie gestaltete sich nur in der ersten Halbzeit, ehe sich Offenbach durch zwei umstrittene Rote Karten geschwächt aufgab und Borussia einen 7:1-Kantersieg ermöglichte.

Verschwörungstheoretiker werden nach diesem kuriosen Spiel darüber sinnieren, ob der aktuell ernsthafteste Konkurrent des 1.FC Kaiserslautern bewusst benachteiligt werden sollte. Interessanterweise hatte FIFA-Schiedsrichter Peter Sippel jenen Pfälzern schon im Jahr 2001 einen 3:2-Heimsieg gegen Borussia in der überlang ausgedehnten Nachspielzeit ermöglicht. Dieses Mal half er Lautern indirekt, was unserer Elf zugute kam, wenngleich beide Platzverweise sowie die Elfmeter-Entscheidungen eher in die Rubrik „hart, aber vertretbar“ fallen.  

Doch fangen wir der Ordnung halber vorne an und blicken wir auf die Phase des Spiels, in der Borussia noch um den Erfolg kämpfen musste. Jos Luhukay setzte vorne wieder auf das Sturmduo Neuville/Friend, brachte für den zuletzt enttäuschenden Ndjeng aber Sharbel Touma von Beginn an. Diese offensive Ausrichtung kam anfangs jedoch kaum zum Tragen. Borussia startete enorm vorsichtig gegen kampfstarke Offenbacher, die bemüht waren, das Heft in die Hand zu nehmen. In der ersten Viertelstunde wirkte sich dies noch nicht in zwingenden Torchancen aus. Dann aber zeigten sich erste Schwächen in der Borussen-Defensive, die in der 15. und 19. Minute Bancé jeweils frei zum Kopfball aus der zentralen Strafraummitte kommen ließ. Während der erste Ball zu zentral in die Hände Heimeroths platziert wurde, konnte sich unser Keeper beim zweiten Mal mit einer schönen Flugeinlage auszeichnen. 
 

Offensiv hatte Borussia in den ersten 25 Minuten noch überhaupt nicht stattgefunden, so dass die Führung aus dem Nichts fiel. Ein schöner langer Außenrist-Pass von Touma links in den Strafraum, wurde von Rob Friend mit dem Kopf angenommen. Hysksy stieg gegen den Kanadier etwas unsanft ein, was Friend dankbar hinfallend annahm. Ein dennoch berechtigter Elfmeter, den Oliver Neuville in der 27. Minute zur 1:0-Führung nutzte. 
 

Offenbach schien sich zunächst aufbaumen zu wollen und hätte in der 29. Minute beinahe den direkten Ausgleich erzielt. Ricardo Sousa setzte einen Freistoß aus 25 Metern so knapp links nebens Tor, dass sich einige OFC-Fans zum voreiligen Torschrei veranlasst sahen. Dies sollte aber an diesem Tag einer ihrer wenigen Hochmomente bleiben, denn im Folgenden stellten die zuvor so engagierten Kickers ihr Spiel weitgehend ein. Stattdessen wurde viel Hektik ins Spiel gebracht, was sich vornehmlich auf das Duell Sichone gegen Friend konzentrierte. Immer wieder verstrickten sich beide Spieler in Diskussionen miteinander und mit dem Schiedsrichter, was ihnen jeweils eine berechtigte Gelbe Karte einbrachte. 
 

Bis zur Halbzeit entwickelte sich ein „dreckiges Spiel“, wie man es bei einem Abstiegskandidaten in Liga 2 nicht anders erwarten darf. Immerhin hatte sich Borussia bis hierhin trotz mäßigem Spiels eine Führung erarbeitet und den ersten Ansturm der heimstarken Gastgeber erfolgreich abgewehrt. Chancen ergaben sich jetzt nur noch spärlich. Sousa zog aus 8 Metern in Minute 38 drüber, während sich Friend in der 43. Minute gegen drei Gegner gut durchsetzte, aber etwas zu spät den Abschluss suchte. 
 

Eine Szene folgte noch vor dem Seitenwechsel, in der eigentlich alles ganz harmlos begann. An der Seitenlinie wurde Neuville angespielt, wobei sein Gegenspieler Bancé zu spät kam. Ohne eine Chance auf den Ball rauschte dieser von der Seite mit gestrecktem Bein an und traf den Nationalstürmer überhart am Knie. Da die Partie in den Minuten zuvor ohnehin unter einer gewissen Hektik litt, würdigte der Schiedsrichter diesen negativen Höhepunkt mit einer Roten Karte. Die Proteste der OFC-Fans waren zwar verständlich, ändern aber nichts daran, dass man zunächst einmal die Schuld beim eigenen Spieler suchen sollte, der völlig unnötig ein solch gesundheitsgefährdendes Foul beging. So schwächte man sich selbst, nachdem man 25 Minuten lang die bessere Mannschaft gewesen war und danach unglücklich in Rückstand geriet. 
 

Jos Luhukay reagierte in der Halbzeit, indem er den gelb-rot-gefährdeten Rob Friend aus dem Spiel nahm und Edel-Joker Colautti einwechselte. Sein Kollege Jörn Andersen war mutiger, indem er Moses Sichone trotz mehrfacher Ermahnungen des Schiedsrichters auf dem Platz beließ. Eine Entscheidung, die er schon bald bereuen sollte. Borussia begann die zweite Halbzeit abgeklärt und überlegen. Dieses Mal waren sie es, die das Spiel von Beginn an bestimmten und ihre Überzahl geschickt ausnutzten. Offenbach hingegen wartete vorsichtig ab und schien durch die Unterzahl allzu sehr beeindruckt. 
 

Folgerichtig kem es bald zu einer weiten Marin-Flanke in den linken Strafraum, wo Oliver Neuville freistehend auf den langen Pfosten zielte. Dieser Ball wurde noch geklärt, landete aber direkt bei Roel Brouwers. Borussias Abwehrrecke köpfte erneut Richtung Kickers-Tor, wobei er von Moses Sichone leicht irritiert und berührt wurde. Schiedsrichter Sippel war dies genug, um auf Elfmeter und Rot für den Ex-Aachener zu entscheiden. Eine erneut harte Entscheidung, die bei sehr strenger Regelauslegung aber vertretbar ist. Wieder konnte Oliver Neuville die Möglichkeit nutzen, um mit dem 2:0 und seinem 15. Saisontreffer in der Torjägerliste zu Friend aufzuschließen. 
 

Jetzt war das Spiel faktisch entschieden. Gladbach konnte fortan mit dem Gegner Katz und Maus spielen und passte sich in deren Strafraum nach Belieben die Bälle zu. Die Kickers, die in der Anfangsphase noch mit ihrem bedingungslosen Engagement beeindruckten, ließen viel zu schnell die Köpfe hängen. Wenn man bedenkt, wie Konkurrent Kaiserslautern vor einiger Zeit im Borussia-Park eine 9:11-Unterzahl bravourös nutzte, war es bei aller verständlichen Kritik am Schiedsrichter traurig, wie deutlich sich die Offenbacher hängen ließen.  

Umso kurioser, dass es kurzzeitig doch noch einmal nach etwas Spannung aussah. Thorsten Judt hatte aus dem Mittelfeld einen weiten Pass in die Spitze geschlagen, den Heimeroth per Herauslaufen aufnehmen wollte. Ihm zuvor kam aber Roel Brouwers, der seinen Keeper im eigenen Gehäuse wähnte und ihm den Ball lässig zuköpfen wollte. Beide Überlegungen im Paket führten dazu, dass der eigentlich harmlose Ball langsam ins Borussen-Tor zum 1:2-Anschluß hüpfte. Ein ärgerliches Missverständnis unserer sonst so zuverlässigen Defensivstützen, das aber nur für sehr kurze Zeit Erinnerungen an das Lautern-Spiel aufkommen ließ. 
 

Denn Borussia ließ in den kommenden Minuten keinen Zweifel daran, dass man diese Partie beherrschen wollte und erspielte sich Chancen im Minutentakt. In der 58. Minute war es Marko Marin, der von den Platzverweisen am meisten profitierte, weil sich ihm jetzt genau der Platz bot, den ein Super-Techniker wie er benötigt. Sein schöner Lupfer bedeutete das 3:1, das endgültig alle Unklarheiten beseitigte. Luhukay konnte es sich nun leisten, den angeschlagenen Sascha Rösler gegen Coulibaly auszutauschen. Und schon in der 64. Minute wurde er zum dritten und letzten Wechsel gezwungen, da Marin humpelnd das Feld verlassen musste. In einer Situation, die übrigens einen weiteren Elfmeter für Borussia hätte bringen können, als Cesar Thier Roberto Colautti zu Fall brachte. Während man noch darüber diskutieren kann, ob hier ein dritter Strafstoß etwas zu viel des Guten gewesen wäre, war die Freistoßentscheidung zugunsten Offenbachs ein weiterer Beleg dafür, wie überfordert Schiedsrichter Sippel an diesem Nachmittag mit der überhektischen Partie war.
 

Marcel Ndjeng bekam so jedenfalls eine neue Bewährungschance, die er gleich zur Einleitung des 4:1 nutzte. Sharbel Touma bestrafte hier einen Torwartfehler von Thier mit seinem ersten Treffer im Borussen-Trikot. Später sollte Ndjeng noch zweimal von einem Neuville-Pass profitieren, und die Tore zum 5:1 und 7:1 erzielen. Genau wie er wurde Coulibaly seinen Erwartungen als Joker gerecht, indem er zwischenzeitlich eine Levels-Flanke zum 6:1 einnickte. 
 

Doch eine genauere Schilderung des Geschehens in Hälfte 2 ist eigentlich unangemessen, da Borussia ohne jegliche Gegenwehr agieren durfte. In der halben Stunde zwischen Minute 50 und 80 hatte sich der OFC eine kollektive Auszeit genommen und war nicht einmal mehr bemüht, gegen die zahlen- wie leistungsmäßig übermächtigen Gäste dagegenzuhalten. Im Abstiegskampf ein Unding, und selbst bei wohlwollender Betrachtung nicht durch angebliche Benachteiligungen zu entschuldigen. Zudem war man nach 69 Minuten vom Schicksal begünstigt worden, als Roberto Colautti als dritter Borusse aus Verletzungsgründen das Spielfeld verlassen musste, so dass auch unsere Elf die Partie nur noch unvollständig zu Ende bringen konnte.
 

Erst in den letzten 10 Minuten, als Borussia einige Gänge zurückschaltete, war der OFC willens, doch noch mal am Spiel teilzunehmen und kam durch Sieger, Agritis und Wörle wenigstens noch zu kleineren Torchancen. Am deutlichen 7:1-Erfolg unserer Elf änderte dies aber nichts. Trotz der wenig hilfreichen Ergebnisse der Konkurrenz machte Borussia so einen weiteren Riesenschritt in Richtung Aufstieg, der es Jos Luhukay sehr schwer machen wird, die Konzentration noch für mindestens ein weiteres Spiel hochzuhalten. Da man nunmehr selbst gegenüber den Mainzern einen komfortablen Vorsprung in der Tordifferenz herausgeschossen hat, reicht faktisch ein weiterer Punkt aus, der möglichst schon gegen den SV Wehen eingefahren werden sollte. Doch wer zweifelt nach so einem Resultat noch ernsthaft daran, dass die kleinen Aufsteiger aus dem Tabellen-Niemandsland ein Hindernis darstellen könnten? Selbst wenn diese allzu verlockende Ausgangslage zu einem Unterschätzen des Gegners vom Mittwoch führen sollte, sind Zweifel am Erreichen des Saisonziels jetzt endgültig nur noch rein theoretischer Natur. 
 

Offenbach: Thier - Müller, Hysky, Sichone, Pinske - Wörle - Mokhtari (Agritis 64), Sousa (Sieger 64), Judt - Bancé, Türker (Watzka 71).

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Daems, Voigt - Touma, Paauwe, Marin (Ndjeng 63) - Rösler (Coulibaly 60) - Neuville, Friend (Colautti 46).

Tore: 0:1 Neuville (28., Foulelfmeter), 0:2 Neuville (49., Foulelfmeter), 1:2 Brouwers (54., Eigentor), 1:3 Marin (58.), 1:4 Touma (66.), 1:5 Ndjeng (73.), 1:6 Coulibaly (77.), 1:7 Ndjeng (88.).

Schiedsrichter: Peter Sippel (München)

Zuschauer: 19.051 (71,89 %)

Gelbe Karten (Borussia): Friend (4)

Rote Karten: Bancé (44.), Sichone (48.)

Besondere Vorkommnisse: Borussia blieb im 11. Spiel in Folge ungeschlagen (6 Siege, 5 Remis, 24:9 Tore), wobei man nach zuletzt drei Unentschieden zum ersten Mal seit dem 7. März wieder auswärts gewinnen konnte. Seit 23 Spieltagen belegt man nun schon den 1. Tabellenplatz und sicherte sich damit in jedem Fall einen Platz unter den ersten 5 der Endtabelle. Das 7:1 war der höchste Saisonsieg und der höchste Borussen-Erfolg seit dem 24.09.1994 (ebenfalls 7:1 gegen den VfL Bochum). Auswärts gewann man zuletzt am 21.03.1987 in gleicher Höhe beim SV Werder Bremen. Sharbel Touma erzielte sein erstes Tor für Borussia, während Marcel Ndjeng erstmals doppelt traf. Ab der 69. Spielminute verzichtete die Borussia aufgrund einer im Spiel erlittenen Blessur auf das Mitwirken des eingewechselten Roberto Colautti und agierte damit in den letzten 21 Spielminute mit einem Feldspieler weniger (das Wechselkontingent von 3 Spielern hatte sie nach 53 Minuten ausgeschöpft gehabt). Borussia spielte die Partie im Trauerflor in Gedenken an die kürzlich verstorbene Trommler-Ikone Ethem Özenrenler, der unter seinem Künstlernamen "Manolo" ein Stück Bökelberg-Geschichte gewesen war.

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  • Für den #effzeh gibt‘s jetzt nur noch eine Rettung. #PeterFürPeter
  • Die Europa League hat angerufen, sie möchte die #fohlenelf zurück! #UEL
  • @doerpm Geheimtipp: #stepontoe
  • Die Elf vom Niederrhein #Cando #CandosMelodie #CandoLieder
  • @Peter_Ahrens From carlo to cando
  • @JrgNeb "Sie kehrt zurück", steht im ersten Absatz im Artikel & wird ganz genau auf dem Bild angezeigt.
  • @frankie1960 Das ist nahezu das erste Mal, daß man auch in Mönchengladbach einen Treffer von Ulf Kirsten gutfinden kann! 🙂

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