1. FC KölnDiese Ungerechtigkeit teilen Schiedsrichter mit Torwarten: Stürmer können während fast des kompletten Spiels unsichtbar bleiben und dann mit einer einzigen gelungenen Aktion zum Helden des Tages avancieren. Torwarten und Schiedsrichtern dagegen kann ein einziger Patzer eine ansonsten einwandfreie Leistung verderben. Aktuelles Beispiel ist Thorsten Kinhöfer, der das jüngste rheinische Derby bis zur 92. Minute nahezu tadellos leitete. Sicher, man kann diskutieren, ob Rösler für seine Grätsche gegen Mitreski nach zehn Minuten und später Mitreski selbst für seinen Ellenbogenschlag gegen Marin nicht hätten verwarnt werden sollen. Im Falle Mitreskis hätte es gar die zweite gelbe Karte und damit einen Feldverweis bedeutet. Dennoch: Kinhöfer erwies sich ganz überwiegend als souveräner Leiter, gesegnet mit den richtigen Gespür dafür, wann er Grenzen setzten musste und wann er das Spiel laufen lassen konnte. Wäre da nicht diese 92. Minute gewesen.


Die Kölner hatten einen ihrer vielen stereotypen langen Bälle in die Spitze geschlagen. Der bis dahin unauffällige Novakovic suchte im Laufduell mit Brouwers die Berührung des Verteidigers, um einige Meter außerhalb des Strafraums zum Sturzflug anzusetzen, der schließlich innerhalb desselben enden sollte. Kienhöfer fiel darauf herein und pfiff einen abstrusen Elfmeter nebst roter Karte. Da war er: der Aussetzer, der eine neunzigminütige starke Leistung in den Hintergrund rückte. Den Kölnern, die in Person von Patrick Helmes das Geschenk dankbar annahmen, bescherte er in letzter Minute einen unverhofften Punktgewinn, den Gladbachern nahm er die Vorentscheidung im Aufstiegsrennen. Statt neun Punkten Vorsprung stehen nun deren sechs zu Buche, wobei man bedenken muss, dass Dritt- und Viertplatzierter noch aufeinandertreffen und dabei nicht beide gewinnen können.

Spielerisch zeigte die Borussia eine ihrer besten Saisonleistungen. Man meinte beinahe, das erleichterte Aufseufzen darüber hören zu können, dass hier endlich mal ein Gegner mehr vom Spielfeld nutzte als nur den Korridor dreißig Meter vor dem eigenen Tor. Beide Teams spielten von Beginn an munter nach vorne, wobei die ganz großen Gelegenheiten Mangelware blieben.

Halbchancen überwogen: Gleich in der ersten Spielminute kombinierten Neuville und Marin ansehnlich auf der linken Seite, und Borussias kleinster Spieler wuselte sich bis zur Grundlinie durch, von wo sein Pass aber geblockt wurde. Die Kölner versuchten es zunächst aus der Distanz, verpassten aber teils deutlich (McKenna, 7.), teils knapp (Broich, 13.). Auf der anderen Seite sorgte Kölns Torwart Mondragon zweimal für Aufregung: Zunächst konnte er Levels' weder sonderlich platzierten noch harten Distanzschuss nicht festhalten, allein, es fand sich kein Borusse zum Verwerten des Abprallers. Dann machte Mondragon eine unglückliche Figur beim Herauslaufen gegen Rob Friend, dessen Kopfball aber auf dem Kölner Tornetz landete. Die Gastgeber ihrerseits suchten ihr Heil immer wieder in langen Bällen auf McKenna, den Christoph Daum entgegen anderer Ankündigungen doch wieder in den Sturm beordert hatte. Dem Kanadier aber gelang es selten, die Bälle sinnvoll für seine Mitspieler abzulegen. Kölner Gelegenheiten ergaben sich denn auch eher zufällig und blieben ungenutzt. Am gefährlichsten war nach einer Ecke noch McKennas Kopfball (30.), der knapp das Tor verfehlte. Alexander Voigt stand freilich ohnehin im bedrohten Eck.

Sascha RöslerVor dem Spiel hatte Christoph Daum lautstark über das Glück raisonniert, das die Borussen in letzter Zeit angeblich bevorzugt hätte. Das Glück aber, das gerade die Kölner in dieser Saison schon so reichlich beschenkt hatte, war ob so viel Undankbarkeit beleidigt und rächte sich: In der 32. Minute flankte Ndjeng nach Ballverlust des schwachen Broich in den Strafraum, die Kopfballabwehr landete über Marin bei Rösler. Dessen an sich wenig gefährlichen Schuss lenkte Innenverteidiger Mohamad so unglücklich ab, dass er gegen die Laufrichtung Mondragons an den Pfosten und von dort ins Tor trudelte. Dass Rösler seinen Jubel demonstrativ vor der Kölner Fankurve zelebrierte, trug nicht zu seiner Beliebtheit bei, wie im weiteren Verlauf der Partie bei jedem seiner Ballkontakte zu hören war. Wenngleich nicht unverdient, war die Führung doch etwas überraschend, denn bis dahin hatten eher die Gastgeber leichte Feldvorteile gehabt.

Das sollte sich nun gänzlich ändern: Gleich in der nächsten Minute drang Neuville rechts gefährlich in den Strafraum ein, schaffte es aber nicht, den in der Mitte lauernden Friend erfolgreich zu bedienen. Wiederum nur drei Minuten später vergab Friend selbst eine exzellente Schusschance. Eine Minute darauf ließ Mondragon Ndjengs Schuss prallen, der lauernde Neuville aber stand im Abseits. Borussia dominierte die jetzt vor allem im Mittelfeld völlig orientierungslosen Kölner nach Belieben, geizte aber bei der Chancenverwertung. In der 39. Minute fischte Mondragon Friends Kopfball gerade noch aus dem Winkel fischte. Der deutlich verbesserte Ndjeng hatte sich zuvor gegen drei Kölner durchgesetzt und gescheit in die Mitte geflankt. Direkt im Anschluss an diese Szene war es Sascha Rösler, der an der Strafraumkante zwei Verteidiger narrte, den Pass auf Neuville aber nicht genau genug platzierte. Bis auf ein, zwei harmlose Distanzschüsschen fand Köln in dieser Phase offensiv nicht statt und war mit dem 0:1-Pausenrückstand noch gut bedient.

Der Kölner Sturmlauf nach dem Wechsel hielt sich in Grenzen. Nur einmal wurde es gefährlich, als der ansonsten sichere Heimeroth Mühe hatte, Helmes' Schuss per Fuß abzuwehren. Eine Lektion in Formulierungskunst hält eine Szene aus der 70. Minute bereit: Der lustige Spielbericht auf der offiziellen Homepage des 1. FC Köln vermeldet hier einen Schuss Roda Antars, der um Zentimeter am Gladbacher Tor vorbeigestrichen sei. Über die Anzahl der Zentimeter steht da nichts. Tatsächlich verfehlte der Schuss das Tor um einige Meter, aber es lässt sich nicht leugnen, dass man das auch in (einigen hundert) Zentimetern ausdrücken kann. Wirklich bemerkenswert dagegen war die schöne Kölner Kombination in der 71. Minute, die bei Helmes ihren Ausgang nahm und bei ihm auch wieder endete: Heimeroth konnte den Schuss des Kölners mit starker Parade über die Latte lenken.

Bei Borussia verfehlte Brouwers nach Marins Ecke das Tor (75.), dann verweigerte Schiedsrichter Kienhöfer Neuvilles Treffer zu Recht wegen Abseits die Anerkennung (77.). Zwei Minuten später leiteten die eben eingewechselten Coulibaly und Colautti eine gute Kontergelegenheit ein, bei der allein das letzte Zuspiel zu ungenau geriet. In der 84. Minute verpasste Colautti in hervorragender Position eine gut getimte Flanke des heute auffälligen Levels. Drei Minuten darauf wurde Ndjeng im Strafraum freigespielt, platzierte seinen Schuss aber einen Tick zu hoch.

Man spricht in solchen Fällen davon, dass das zweite Tor in der Luft lieg. Die Luft aber wurde nun anderweitig benutzt. Schon vor dem Spiel war darüber spekuliert worden, ob nicht Kölner hinter dem viel publizierten Fahnendiebstahl gestanden hätten. Und tatsächlich hielten es einige dumme Kölner in der 87. Minute für eine gute Idee, die Gästefans durch Entrollen der entwendeten Gladbacher Zaunfahne zu provozieren. Daraufhin meinten einige ebenso dumme Gladbacher, Feuerwerkskörper auf das Spielfeld schießen und damit beträchtlichen Qualm entfachen zu müssen. Nachdem sich die Gemüter wieder beruhigt hatten, nicht zuletzt durch die tätige Mithilfe der ausgewechselten Rösler und Neuville, mussten die Borussen in der 89. Minute noch einmal durchatmen. Antar verfehlte das Tor aus aussichtsreicher Position das Tor aber deutlich. Im Gegenzug tauchte Ndjeng völlig frei vor Mondragon auf, der den scharfen Schuss aber mit hervorragender Parade entschärfen konnte.

Dann die 92. Minute. Siehe oben. Wo war eigentlich der Schiedsrichterassistent?

Beinahe hätten die Borussen die Partie ein weiteres Mal gedreht: In der 94. Minute kam Colautti im Kölner Strafraum frei zum Kopfball - wieder war es der in dieser Partie doppelgesichtige Mondragon, der den Ball noch aus dem Toreck angelte. So blieb es bei einem Remis, mit dem die Borussia angesichts des Spielverlaufs zwar kaum, angesichts des Tabellenstandes aber dann doch ganz gut leben kann. Spannung, Tore, Spielwitz, eine krasse Fehlentscheidung, ein paar Vollidioten auf den Rängen - das Derby hatte fast alles zu bieten. Und wem noch die Komik fehlte, der kam hinterher auf seine Kosten, als Christoph Daum die Elfmetersituation kommentierte.

1. FC Köln: Mondragon - Özat (Gambino 85), Mitreski, Mohamad, Matip - Broich (André 82) - Antar, Vucicevic (Scherz 62) - Helmes, Novakovic, McKenna.

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Daems, Voigt - Paauwe - Ndjeng, Marin (Coulibaly 80) - Rösler (Gohouri 86) - Neuville (Colautti 80), Friend.

Tore: 0:1 Rösler (32.), 1:1 Helmes (92., Foulelfmeter).

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne).

Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)

Gelbe Karten (Borussia): Daems, Levels.

Rote Karte: Brouwers (92., Notbremse)

Besondere Vorkommnisse: Während des Spiels kam es zu einer mehrminütigen Unterbrechung, als im Kölner Fanblock die vermisste Zaunfahne der Mönchengladbach Ultras entrollt wurde. Der Verlust der traditionsreichen Fahne hatte zuvor zur Selbstauslösung der UMG geführt. Aus dem Gladbacher Fanblock wurde mit dem Abschießen von Feuerwerkskörpern reagiert. Vor der Partie hatte sich der FC-Fanbeauftragte Rainer Mendel noch optimistisch gezeigt, dass die Fahne keinesfalls während der Partie im Kölner Block auftauchen werde. Dies, so Mendel, würde schließlich das Eingeständnis eines Straftatbestandes bedeuten.
Bei einem Vorsprung von aktuell 27 Punkten auf die Region mit den Plätzen 15 bis 18 steht nach dem 27. Spieltag und noch 7 ausstehenden Partien fest, dass die Borussia faktisch nicht mehr auf diese Ränge zurückfallen kann. Ferner auch können die Mannschaften auf den Rängen 12 bis 14 die Borussia punktemäßig nicht mehr überflügeln, sondern könnten es bei einem für sie optimalem Verlauf allenfalls über die Tordifferenz schaffen.

... lade FuPa Widget ...
Borussia Mönchengladbach auf FuPa
... lade FuPa Widget ...
Borussia Mönchengladbach auf FuPa

Twitterfeed

  • @fohlenfutter Ein gesundes Torverhältnis ist mehr als Prestige.
  • RT @fohlenfutter: Das war die Hinrunde: #Borussia ist Sechster mit 28 Punkten - zwei hinter dem Zweiten, punktgleich mit dem Dritten bis Fü…
  • @guek62 Raúl Bobadilla spendiert eine Parkbank
  • @Pilzeintopf Irgend so ein Hartz 4-Club halt ;-)
  • @Neun_Drei "Was meinst Du, Sascha?" "Nichts wird jemals wieder so sein wie es #VAR!"
  • Die Europa League hat angerufen: sie freut sich schon und lässt grüßen! #fohlenelf
  • @Epste Ja, gelegentlich weisen wir über diesen Kanal gerne auf unsere redaktionellen Inhalte hin ☺

Folge uns auf Twitter