Mit einem 1:1-Unentschieden startete Borussia am gestrigen Abend vor 37.202 Zuschauern im BorussiaPark in die Rückrunde. Trotz des frühen Führungstreffers durch Sascha Rösler (1.) und zweier Platzverweise für Kaiserslautern in der zweiten Halbzeit konnte Borussia in keiner Phase des Spiels überzeugen und kassierte in der Schlussminute durch den eingewechselten Runström den für Kaiserslautern verdienten Ausgleichstreffer. Die Gäste waren über die gesamte Spieldauer nicht das bessere, wenngleich das motiviertere und aggressivere Team. So sprach Gladbachs Trainer Jos Luhukay am Ende von einem Unentschieden, „das die Folge absoluter Passivität war. Wer bis heute geglaubt hat, wir seien schon aufgestiegen, hat gemerkt, dass wir das noch lange nicht geschafft haben."

Neuzugang Thomas Kleine, der Anfang der Woche von Bundesligist Hannover 96 verpflichtet worden war, stand wie angekündigt in der Anfangself und nahm seinen Platz neben Filip Daems in der Innenverteidigung ein. Ansonsten verzichtete Jos Luhukay auf Experimente in der Aufstellung, bis auf Nando Rafael, der die verletzten respektiven gesperrten Rob Friend und Roberto Colautti vertrat, begann Borussia im Kern mit der Elf, die in der Hinrunde überzeugen konnte.

Gäbe es das viel zitierte Bilderbuch, wäre der Verlauf der ersten Minuten des gestrigen Abends sicherlich abgedruckt. Im ersten Angriff Borussias wird Soumaila Coulibaly in der Hälfte der Gäste gefoult. Marcel Ndjeng tritt zum Freistoß an, seine scharf geschlagene Flanke findet den am Fünfmeterraum frei stehenden Sascha Rösler, der nach exakt 50 Spielsekunden zur 1:0-Führung einköpfen konnte. Wenige Minuten später ist es Nando Rafael, der nach schöner Vorarbeit von Oliver Neuville mit einem wuchtigen Kopfball an Lauterns Torwart Sippel scheitert. Eine frühe Führung gegen unter Druck stehende Gäste aus der Pfalz, dominante Anfangsphase: alle Zweifel der vergangenen Wochen schienen in den ersten Minuten wie weggeblasen und Borussia schien so weiterzumachen, wie man es in der Hinrunde gewohnt war. Doch es kam anders. Nach diesen ersten fünf Minuten schaltete die Elf von Jos Luhukay gleich mehrere Gänge zurück, ließ die Gäste ins Spiel kommen und verwaltete ihrerseits nur noch.

Da der FCK nur über den starken Bellinghausen, der auf der linken, offensiven Seite spielte, etwas Gefahr ausstrahlen konnte, wurde es vor dem Tor von Christofer Heimeroth selten gefährlich. Kaiserslautern war das engagiertere Team, doch sah jeder Beobachter am gestrigen Abend im Detail, warum der Traditionsclub aus der Pfalz in dieser Saison sportlich abgesunken ist. Borussia indes lud die Gäste durch eigenes passives Spiel mehr und mehr ein, ins Spiel zu finden. Das Mittelfeld um Sascha Rösler war weitestgehend abgemeldet, Marcel Ndjeng verrante sich nach seiner starken Anfangsphase und der Torvorlage in unnötige Dribblings, die Stürmer Rafael und Neuville waren bis auf wenige Kontersituationen blass und abgemeldet. Da Kaiserslautern alles andere als ein dominantes Spiel aufziehen konnte, entwickelte sich in den ersten 45 Minuten ein Spiel auf sehr schwachem Niveau, das höhepunktlos bis zum Halbzeitpfiff vor sich hinplätscherte.

Jos Luhukay wird dies in der Kabine deutlich angesprochen haben, denn nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit nahm das gesamte Spiel merklich an Fahrt auf, ohne qualitativ merklich besser zu werden. Coulibaly (47.) und Ndjeng (48.) versuchten sich in direkten Freistößen, scheiterten jedoch beide entweder an mangelnder Genauigkeit oder am starken Lauterer Torhüter Sippel. Borussia entwickelte nun in der Offensive etwas mehr Druck, die Laufbereitschaft war höher, so dass die alles andere als sichere Lauterer Abwehr des öfteren in Bedrängnis gebracht werden konnte. In der 56. Minute waren es dann gleich drei große Gelegenheiten, das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Zuerst scheiterte Oliver Neuville nach schönem Direktpassspiel mit Sascha Rösler an Sippel, wenige Sekunden später war es der erneut erschreckend schwache Nando Rafael, der Lauterns Abwehrspieler Schönheim auf der Linie anschoss, anstatt das leere Tor zu treffen. Sekunden später, die Gäste schafften es nicht, den Ball aus der Gefahrenzone zu befördern, passte Ndjeng scharf in die Mitte, wo es erneut Rafael war, der in Manier eines Abwehrspielers mit einer Grätsche den Ball „klärte", anstatt ihn ins Tor zu bugsieren.

Kaiserslautern nutze das nun offensivere Spiel Borussias zu Kontern und erarbeitete sich nun gute Torgelegenheiten. Axel Bellinghausen scheiterte wenige Minuten nach der Gladbacher Dreifachchance aus kurzer Distanz an Christofer Heimeroth (59.). Das Spiel wurde schneller und hektischer in dieser Phase. Viele Konter wurden mangels Genauigkeit beim Passspiel auf beiden Seiten vergeben, der Zufall bestimmte die Gefährlichkeit des Angriffs. Die Uhr lief gegen die Gäste, die ab der 63. Minute ohne ihren Kapitän Mathieu Beda auskommen musste. Der Verteidiger rutschte von hinten Oliver Neuville in die Beine und erhielt ohne Zögern die Rote Karte durch Schiedsrichter Deniz Aytekin. Wie so oft ziehen Platzverweise taktische Umstellungen und Auswechslungen nach sich. Luhukay erlöste Nando Rafael und brachte Marko Marin, dazu Sebastian Svärd für den ebenfalls unauffällig agierenden Soumaila Coulibaly. Sascha Rösler ging als hängende Spitze neben Neuville nach vorne, Svärd und Paauwe agierten nebeneinander vor der Abwehr, Marin und Ndjeng bekleideten die Halbpositionen im Mittelfeld.

Trotz des Platzverweises änderte sich am Spielverlauf wenig. Borussia agierte ideenlos und verwaltete das Spiel, Kaiserslautern kam zu guten Torgelegenheiten, die sie allerdings reihenweise und meist kläglich vergaben. In der 70. Minute schien sich der Fußballgott endgültig auf die Seite des Tabellenführers aus Gladbach geschlagen zu haben, als Lauterns Stürmer Josh Simpson nach einem überharten Einsteigen gegen Filip Daems Schiedsrichter Deniz Aytekin erneut keine Wahl ließ und mit einem Platzverweis zum Duschen geschickt wurde. Elf gegen neun, eigene Führung im Nacken. Wer nun dachte, dass Borussia das Spiel in souveräner Art zu Ende brachte, sah sich getäuscht. Zwangsläufig besaß Borussia ab diesem Zeitpunkt mehr Spielanteile, doch Kaiserslautern marginalisierte durch hohe Laufbereitschaft die zahlenmäßige Unterlegenheit überraschend deutlich. Borussia schaffte es nicht, die sich bietenden freien Räume zu nutzen und Ball und Gegner laufen zu lassen. Eine Viertelstunde vor Schluss zappelte der Ball dennoch im Netz der Gäste, nachdem Daems aus kurzer Distanz nach Freistoßflanke von Ndjeng den Ball über die Linie drückte, doch der Linienrichter vergab diesem Treffer die Anerkennung, da Daems seiner Meinung nach zu hart gegen Torhüter Sippel eingestiegen war.

Der Rest des Spiels verlief so, wie es viele Zuschauer befürchteten: Kaiserslautern agierte trotz numerischer Unterzahl mit zwei Stürmern und warf in der Schlussphase alles nach vorne. Nachdem Neuzugang Thomas Kleine, der insgesamt eine solide Partie absolvierte, in der 86. Minute noch einen Torschuss auf der Linie klären konnte, war es der eingewechselte Stürmer Runström, der praktisch mit dem Schlusspfiff mit einem Kopfball aus kurzer Distanz zum Ausgleichstreffer nutzen konnte.

Die Gäste aus der Pfalz jubelten über einen gefühlten Sieg, das Mönchengladbacher Publikum bot seiner Mannschaft mit dem Schlusspfiff ein Pfeifkonzert, die Spieler schlichen mit gesenktem Kopf in die Kabinen. Der 1.FC Kaiserslautern, der schon beim letzten Hinrundenspiel in Köln (1:2) bewiesen hatte, dass sie die vermeintlichen Spitzenmannschaften mehr als ärgern können, verdiente sich das Unentschieden durch eine bemerkenswert moralische und kämpferische Leistung. Borussia muss sich vorwerfen lassen, ein Spiel noch hergegeben zu haben, das in seinem Verlauf nicht hätte besser geplant werden können. Doch durch Pomadigkeit, eine gewisse Arroganz und mangelnde Kreativität verpasste es der Tabellenführer, sich zu Beginn der Rückrunde weiter vor der direkten Konkurrenz abzusetzen. Christian Ziege wertete dieses Spiel nach dem Schlusspfiff als „Dämpfer zur richtigen Zeit" und antwortete auf Nachfrage, ob Borussia auch in der Rückrunde erneut drei Spiele brauche, um in Fahrt zu kommen, mit einem entschiedenen: „Nein, ganz sicher nicht." Nach dieser Leistung ein Pfeifen im Walde.

Borussia: Heimeroth - Levels, Kleine, Daems, Voigt - Paauwe - Ndjeng (Schachten 86), Coulibaly (Svärd 67) - Rösler - Neuville, Rafael (Marin 67).

Kaiserslautern: Sippel - Sven Müller, Beda, Schönheim (Runström 85), Weigelt - Mandjek (Ouattara 67), Demai, Bernier, Bellinghausen - Iacob (Jendrisek 73), Simpson.

Tore: 1:0 Rösler (1.), 1:1 Runström (90.).

Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)

Zuschauer: 37.202 (64,74 %)

Gelbe Karten (Borussia): Rösler (5)

Rote Karten: Beda (63., grobes Foulspiel), Simpson (70., grobes Foulspiel)

Besondere Vorkommnisse: Im 100. Bundesligaeinsatz für Borussia blieb Mannschaftskapitän Oliver Neuville mit seiner Mannschaft im 15. Spiel in Folge ungeschlagen und die Mannschaft musste sich auch im neunten Heimspiel der Saison nicht geschlagen geben. Sie steht damit den zehnten Spieltag in Folge an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga. Dennoch spielte sie die letzten beiden Heimspiele, ausgetragen gegen Mannschaften aus der Abstiegsregion der Tabelle, Unentschieden und konnte diese nicht gewinnen. Drei der vier letzten Punktspiele endeten 1:1, nur beim SC Freiburg war das Ergebnis anders (3:1 für Borussia). Im zweiten Heimspiel in Folge gab es erneut zumindest eine Rote Karte. Am 17. Spieltag gegen Paderborn musste ein Borussenspieler (Friend), heute mussten gleich zwei Kaiserslauterer  (Beda, Simpson) frühzeitig das Feld verlassen. Bereits im Hinrundenspiel beendete Kaiserslautern das Spiel gegen Borussia in Unterzahl (Feldverweis gegen Bugera).

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