Marcel NdjengIn einer hektischen Schlußphase, in der Marcel Ndjeng nach einem rüden Foul im Mittelfeld mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen wurde, erzielte der zuvor für Rob Friend eingewechselte Roberto Colautti den insgesamt verdienten Ausgleichstreffer für die Borussia gegen den erwartungsgemäß starken Südaufsteiger SV Wehen Wiesbaden. Dieser war in der ersten Spielhälfte durch einen abgefälschten Freistoß in Führung gegangen und hatte sich hernach sukzessive den Paraden seines Torhüters Thomas Richter, sowie dem Gestänge seines eigenen Tores bedient, dass unter dem Strich gleich dreimal einen Borussentreffer zu verhindern wußte.

Auf lediglich einer Position hatte Jos Luhukay die Startformation im Vergleich zur Partie gegen Kickers Offenbach verändert, der wiedergenesene Sascha Rösler übernahm die Rolle im zentralen Mittelfeld von Soumaila Coulibaly, der sich wie zuvor auch schon Steve Gohouri, Sebastian Schachten, Robert Fleßers, Kasper Bögelund und Nando Rafael verletzt abgemeldet und von der Teilnahme an dieser Begegnung abgesehen hatte. Ansonsten beließ es Luhukay bei jener Elf, die das Gerüst der erfolgreichen letzten Monate bildete und entschied sich noch dafür Marko Marin anstelle des bei Auswärtsspielen eigentlich wartenden Johannes van den Bergh links im Mittelfeld beginnen zu lassen.

In einer Partie, in der die Kräfteverhältnisse klar auf dem Platz vorzuliegen schienen, benötigten beide Teams zunächst jeweils eine Halbchance, ehe Oliver Neuville in der sechsten Spielminute erstmals mit einem Pfostentreffer für echte Aufregung im Sechzehnmeter sorgte. Vorausgegangen war eine Flanke von Sascha Rösler von der linken Seite, die Rob Friend nicht erreichte und Kopilas für Wehen nicht zu klären vermochte. Zunächst blockte Glibo für Wehen den ersten Versuch Neuvilles, doch beim zweiten Versuch musste der dann geschlagene Glibo genauso auf den linken Außenpfosten vertrauen wie Torwart Thomas Richter, der den Führungstreffer der Borussia auch nicht mehr hätte verhindern können.

Nachdem es in der Anfangsviertelstunde nach einer durchaus abwechselungsreichen Partie ausgesehen hatte, in der die Hessen ihre größte Torchance in der 8. Spielminute durch Catic bekommen hatten, verlangsamte sich dann jedoch das Tempo mit zunehmender Spieldauer. In der 19. Spielminute hätte Marko Marin von einer zu kurz geratenen Faustabwehr des Thomas Richter profitieren können, doch der Juniorennationalspieler zögerte zu lange und konnte dem dann folgenden Schuss keine endgültige Gefährlichkeit beibringen. Ein Manko, so schien es in den folgenden zehn Spielminuten, dass beide Mannschaften kontinuierlicher heimsuchen könnte; die Gastgeber waren ihrerseits dabei zunächst bedacht defensiv sicher zu stehen und da auch die Borussia sich auf die reine Spielkontrolle versteifte, blieben konkrete Torsituationen in diesen Minuten Mangelware.

Vielleicht ein wenig zu stoisch agierte die Borussia um die 30. Spielminute herum, weshalb jedoch Schiedsrichter Georg Schalk in der 30. Spielminute für ein zartes Touchieren des Gegenspielers von Borussenspieler Filip Daems in zentraler Torentfernung gleich einen Freistoß geben musste, es bleibt wohl das Geheimnis des Referees. In jedem Fall griffen die Gastgeber in diesen Sekunden noch auf einen zweiten glücklichen Moment zurück, als ihr aufgerückter Abwehrspieler Simac den von Catic ausgeführten Freistoß (aus durchaus abseitsverdächtiger Position) unhaltbar für Christofer Heimeroth zur Führung für sie abfälschte.
Der Gastgeber in Führung und wenn ihr Stürmer Ronny König nur Sekunden nach dem Wiederbeginn des Spiels ein wenig mehr Zielwasser getrunken gehabt hätte, die Hessen wären schon mit 2:0 in Führung gelegen. Doch König, den Borussias Abwehr im Zentrum übersehen hatte, stand zwar frei vor Heimeroth, den Ball jedoch schickte er etwa einen Meter rechts am rechten Außenpfosten der Borussia vorbei.

Abgesehen von einem kleineren Fehler in den restlichen 14 Spielminuten der ersten Hälfte, sowie einer niedlichen Freistoßstafette der Wehener während diesen, war es nun an der Borussia für die Aktionen des Spiels zu sorgen. In der 33. Spielminute wäre der Mannschaft von Jos Luhukay dieses beinahe mit einem Torerfolg - und der im Grunde noch prompten Antwort auf das Wehener Führungstor - geglückt, doch der sehr sehenswerte Distanzversuch des Patrick Paauwe knallte lediglich gegen den Torpfosten; mit einem gekonnten Schlenzer aus mehr als 20 Metern Torentfernung hatte der fünfmalige niederländische Internationale Thomas Richter im Wehener Tor zu überwinden gehofft und wenn die Torstange nicht unerbittlich im Weg gestanden hätte, dem Niederländer wäre dies in herrlicher Form gelungen.

So verblieb das Resultat im Sinne der Wehener und forderte die Borussia gerade hinsichtlich der zweiten Spielhälfte zu einer aktiveren Spielteilnahme auf. Als Maßnahme während der Halbzeitpause reagierte Jos Luhukay darauf mit der Auswechselung Marko Marins zugunsten von Sharbel Touma. Gleichzeitig erhofften sich die Gastgeber dadurch Freiräume im Tempogegenstoß. Hierfür brachte Wehens Trainer, Ex-Borussenspieler Christian Hock, mit Nicu für Willmann seinerseits auch einen neuen Akteur.

Der Notwendigkeit das Spiel aktiver zu gestalten als vor dem Seitenwechsel, dieser kam die Borussia nach und hatte gleich in den ersten zehn Spielminuten des zweiten Durchgangs erste kleinere Torchancen gegen die fortan konsequent auf den erwähnten Tempogegenstoß ausgerichteten Gastgeber. Die größte Möglichkeit die Borussia in diesen ersten Minuten nach dem Seitenwechsel im Ergebnis wieder auf Höhe mit den Hausherren zu bringen, diese vergab in der 55. Spielminute Sascha Rösler, als er nach einer Flanke von Marcel Ndjeng am zweiten Pfosten mit einem Kopfball an Torwart Richter scheiterte. Zwei Minuten später setzte der im Strafraum freistehende Oliver Neuville, wiederum nach Anspiel Marcel Ndjengs, einen Drehschuss rechts am rechten Wehener Außenpfosten vorbei.

Nach etwa einer Stunde versuchte Jos Luhukay mit der Hereinnahme von Roberto Colautti für Rob Friend die Angriffsbemühungen der Borussia vor allem hinsichtlich des Sechzehnmeterraumes der Hausherren zu optimieren, denn Friend hatte sich in den ersten sechzig Spielminuten in den Duellen gegen die körperlich gleichwertigen Wehener Abwehrspieler vor allem kräftemäßig aufgerieben und kam, abgesehen von einem zaghaften Versuch in Folge eines Einwurfes von der rechten Spielfeldseite, nicht wie gewünscht zur Entfaltung. Daher schien es nur sinnvoll den kanadischen Internationalen aus- und den israelischen Nationalspieler dafür einzuwechseln.  

Colautti hatte dann zunächst einmal das Pech, dass die Borussia nach der Anfangsviertelstunde der zweiten Spielhälfte ein wenig die nötige Ordnung in der Offensivbewegung vermissen ließ und der Ball von ihr zunächst einmal nicht mehr regelmäßig in Richtung Wehener Strafraum gebracht werden konnte. Dies lag sicher an einer kleineren Form der Verkrampfung im Borussenspiel (Sharbel Touma als Ersatz von Marko Marin wusste nur geringe Wirkung zu erzielen und Marcel Ndjeng stand manches Mal zu tief und wusste ebenso wenig den Weg in den Strafraum zu suchen), aber auch daran, dass die Wehener Spieler sich zum Teil sehr extrem um den eigenen Strafraum zusammenzogen und somit dem Borussenspiel zum Strafraum die Luft zum Atmen nahmen - in der 70. Spielminute wäre Roberto Colautti dann allerdings beinahe erstmals in der Torschützenliste dieser Saison aufgetaucht, wenn nicht Wehens Schlussmann seinen herrlichen Distanzschuss in Richtung Torwinkel mit einem Hechtsprung noch über die Torlatte bugsiert hätte.

Fünf Minuten dauerte es bis zur nächsten größeren Torchance für Borussia, diesmal von dem sich in den Zweikämpfen der zweiten Halbzeit eher merklich zurücknehmenden Sascha Rösler, der in Folge eines zu früh ausgeführten Freistoßes in der ersten Spielhälfte von dem das Spiel leitenden Georg Schalk mit Gelb verwarnt worden war. Rösler war in dieser 75. Spielminute am linken Rand des Wehener Strafraums unbedrängt gewesen und an den Ball gelangt. Diesen versuchte der ehemalige Mannschaftskapitän Alemannia Aachens mit einem gefühlvollen Schlenzer in das lange Toreck zu spielen und dies wäre ihm auch beinahe gelungen, wenn der Ball nicht im quasi letzten Augenblick gegen die Torlatte geflogen wäre. Es blieb somit bei der Wehener Führung, auch weil der mitgelaufene Roberto Colautti zuvor im Strafraum leicht ausgerutscht war und sich in dieser Folge nicht zum Abstaubertor bereitstellen konnte.

Mit Anbruch der letzten Spielviertelstunde schien der sich anbahnende Wehener Erfolg dennoch durchaus realistische Züge anzunehmen und das nicht nur weil Marcel Ndjeng sich in der 77. Spielminute eine törichte Verwarnung einhandelte, als er nach einem Foul gegen sich beim anschließenden Kontakt mit dem nächsten Wehener diesen unnötig zu Fall brachte und den Schiedsrichter dazu im Grunde zwang ihn ad hoc zu verwarnen. Während die tief gestaffelten Hessen sich weiter redlich mühten ihre Führung zu verteidigen, schien die Borussia ihre wieder zunehmende Feldüberlegenheit eher sinnlos zu vergeuden. Genannt sei hier in der 82. Spielminute der überhastete Versuch des Sharbel Touma, der insgesamt keinen guten Einduck machte und weit von der Form entfernt schien, in der er schon kurzfristig einen Stammplatz im Borussenspiel erlangen könnte.
Dennoch bedeutete natürlich weiterhin allein der Umstand des fortwährenden Ballbesitzes für die Borussia für die Hausherren eine potentielle Gefahr für ihr Tor. Über die linke Abwehr- und Angriffsseite der Borussia entwickelte sich dann in der 88. Spielminute jene Situation, die Roberto Colautti seinen ersten Saisontreffer ermöglichte. Oliver Neuville bekam den Ball von dem nach vorne drückenden Alexander Voigt zugespielt und versuchte sich an einem (erneuten) Drehschuss. Diesen konnte Thomas Richter für Wehen nicht sichern und in dieser Folge durfte Colautti dann den Ball aus nicht einmal drei Metern Entfernung zur Torlinie über die selbige drücken.

Erlösend jubelte der gebürtige Argentinier, den das Verletzungspech in seinen ersten Borussenmonaten gebeutelt hatte, über seinen ersten Treffer für seinen neuen Arbeitgeber. Die sich mit ihm freuende Mannschaft jubelte auch über den doch noch zustande gekommenen Ausgleichstreffer. Trotzdem war das Spiel noch nicht beendet, denn Schiedsrichter Schalk bekam durch ein rüdes Foul des Marcel Ndjeng die Gelegenheit den letzten Höhepunkt des Spiels zu setzen. So sehr der Augsburger bei dieser Entscheidung vollkommen richtig gelegen hat(te), so sehr wird ihn im Anschluss an die Partie der zuständige Schiedsrichterbeobachter sicherlich profund darüber in Kenntnis setzen, dass er einige Male die von den Unparteiischen gern eingeforderte „klare Linie" vermissen lassen hatte und damit sich selbst um die mögliche Höchstwertung bei der Beurteilung seiner Leistung gebracht haben dürfte.

Es dürfte unterdessen keine Frage sein, dass das Ergebnis für die Borussia verdient ist. Nach einer nicht optimal verlaufenen ersten Halbzeit, in der sie gelegentlich ein wenig zu stoisch wirkte, probierte sie die ganze zweite Halbzeit hindurch das Tor der Gastgeber in Gefahr zu bringen und nicht allein die Glanztaten eines Thomas Richter, besonders jene drei Pfosten- bzw. Lattentreffer im Verlauf der Partie, sind die besten Zeugen dafür, dass das Ergebnis mit Sicherheit völlig in Ordnung geht. Einen Sieg der Borussia verhinderte gleichzeitig nicht nur das Gestänge des Gehäuses der Hessen, sondern in erster Linie die tapfer und aufopferungsvoll kämpfende Elf von Ex-Borussenprofi Christian Hock, die bei dieser Gelegenheit unterstrich, dass sie völlig zurecht als bester Aufsteiger neben Hoffenheim 1899 zu gelten hat. Dass sie darüber hinaus eine echte Bereicherung für diese 2. Bundesliga ist und, wenn sie die Leistung des heutigen Spiels in Zukunft wieder regelmäßig beweist, in dieser Spielzeit mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun haben wird.

Für die Borussia gilt, dass auch vor der Partie stets gegolten hat: die Mannschaft ist kompetent und ausreichend bestückt, um in Bestbesetzung jede ihr gestellte Aufgabe in dieser Liga lösen zu können.

Nachdem sie in der ersten Spielhälfte heute nicht ganz ihre Form der letzten Monate erreichen konnte, in erster Linie beim Torabschluss und bei der Zielstrebigkeit hin zum gegnerischen Gehäuse, hatte sie in der zweiten Spielhälfte oft ein bisschen zu viel intuitiven Drang zum Gegnertor und ließ dabei dann die gewohnte Übersicht und die vernünftige Struktur in ihren Angriffen vermissen. Etwas, dass ihre zu lobenden Bemühungen, die letztlich durch Colauttis ersten Saisontreffer belohnt wurden, verkomplizierte, zum Schluss einem erfolgreichen Ende jedoch nicht im Wege stand. 

Geradezu beispielhaft bewies die Partie in dem neuen Wiesbadener Stadion derweil, dass diese 2. Bundesliga genau so ist, wie sie die Mannschaft und der Trainerstab in den letzten Wochen immer und immer wieder jenen wirren Stimmen entgegnete, die sich angesichts manches Erfolges der Borussia schon wieder mit einer zur Zeit noch sehr fernen Zukunft des Klubs zu beschäftigen meinten. Es ist beruhigend zu wissen, dass der Borussenelf diese Art einer verachtenswerten Überheblichkeit fremd ist.

Wehen: Richter - Kokot, Glibo, Kopilas, Simac - Hoffmann (Atem 64), Schwarz, Catic, Bick (Siegert 79) - Willmann (Nicu 46), König. 

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Daems, Voigt - Paauwe - Ndjeng, Rösler, Marin (Touma 46) -  Neuville (Svärd 90), Friend (Colautti 63).

Tore:  1:0 Simac (30.), 1:1 Colautti (88.)

Schiedsrichter: Georg Schalk (Augsburg)

Zuschauer: 12.066

Gelbe Karten (Borussia): Rösler, Voigt

Gelb-Rote Karten: Ndjeng (90, wiederholtes Foulspiel)

Besondere Vorkommnisse: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte beider dieser Klubs trafen sich beide Mannschaften zu einem Punktspiel. Borussia ist auch im 12. Punktspiel in Serie (9 Siege, 3 Remis) ungeschlagen geblieben und hat somit auch im siebten Spiel in Folge an einem Spieltag die Tabellenführung in der 2. Fußball-Bundesliga verteidigt. Roberto Colautti erzielte erstmals ein Bundesligator für die Borussia, der Stürmer absolvierte seinen zweiten Einsatz. Erstmals seit dem Feldverweis für den Kölner Mitreski am 10. Spieltag wurde während eines Borussenspiels wieder ein Spieler des Feldes verwiesen. Erstmals in dieser Saison traf dies einen Borussenspieler, zuletzt traf dies Steve Gohouri in der vergangenen Saison beim Auswärtsspiel in Mainz. Dort sah der Ivorer in der 87. Spielminute die Rote Karte, zwei Spieltage zuvor gegen den VfB Stuttgart (0:1) war Gohouri auch der letzte Borussenspieler gewesen, der mit einer Gelb-Roten Karte das Feld verlassen musste. Interessanterweise erhielt Gohouri damals seinen Feldverweis in derselben Spielminute wie Ndjeng an dem heutigen Spieltag. Christofer Heimeroth kassierte erstmals seit Sandor Torghelles Tor für Jena gegen die Borussia am 12. Spieltag wieder einen Gegentreffer, das Tor für Wehen am heutigen Spieltag war das erste Gegentor Borussias auf fremdem Platz seit Stefan Reisingers Treffer für Fürth am 11. Spieltag.

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