Freiherr von KniggeMuss man es laut herumerzählen, wenn man jemandem einen Korb gegeben hat? Guter Stil wäre es, die Abfuhr diskret für sich zu behalten. Dass der Profifußball nicht die allerbeste Benimmschule ist, dafür lieferte unlängst Daniel Bierofka einen weiteren Beweis. Der in Diensten von 1860 München stehende Flügelspieler tat vor der Partie gegen Borussia Mönchengladbach kund, er hätte vor der Saison auch beim Gegner unterschreiben können, habe Christian Ziege aber „nach nur einem Gespräch" abgesagt. Vor allem diese letzte Spitze ist unschön, aber mehr als durch Worte hatte Bierofka die Borussia in der Vergangenheit durch Tore verstimmt. Besonders schmerzlich in Erinnerung sind jene zwei, darunter ein irreguläres, mit denen er vor ziemlich genau fünf Jahren einen Gladbacher Sieg in Leverkusen vereitelte. Es fehlte nicht viel, und solchen Ärgernissen wären am Montagabend weitere gefolgt.


Es war nämlich der sehr bewegliche und variabel aufspielende Bierofka, der vor allem in der ersten Halbzeit die rechte Abwehrseite der Borussia in einige Verwirrung stürzte. Allein, in der Mitte fand sich diesmal niemand, der seine Vorlagen in Tore umgesetzt hätte, und Bierofka selbst scheiterte, teils knapp, mit diversen Schussversuchen. Auch dass Christofer Heimeroth dreimal in Sachen Strafraumbeherrschung schwächelte, blieb folgenlos, und Josh Wolffs Treffer in der 44. Minute wurde wegen Abseits zu Recht nicht anerkannt.

Sharbel ToumaDa auf der anderen Seite Sharbel Touma nach schöner Einzelleistung nur den Innenpfosten traf, gingen beide Teams mit einem torlosen Remis in die Pause. Touma, überraschend für Marin in die Startelf gerückt, blieb von diesem Highlight abgesehen über weite Strecken noch ohne Bindung zum Spiel. Aber auch der mehrfach heftig mit Toumas Laufwegen hadernde Rob Friend, ein diesmal ungenau flankender Marcel Ndjeng und Wieder-Nationalspieler Oliver Neuville blieben unter ihren Möglichkeiten. Das lag zum Teil auch an der Münchner Verteidigung, die trotz des kurzfristigen Ausfalls des grippekranken Gregg Berhalter gut organisiert war und die Gladbacher Offensive mit enormen Laufpensum und aggressivem Zweikampfverhalten an der Entfaltung hinderte. Es ist in solchen Fällen üblich, von einer taktischen geprägten Partie, wahlweise auch von einem rassigen Kampfspiel zu sprechen.

Den Einsatz konnte man auch der Borussia nicht absprechen, und in den zweiten 45 Minuten riskierte Jos Luhukays Mannschaft dann auch ein wenig mehr nach vorne. Der in der ersten Hälfte noch unglücklich agierende Tobias Levels schaltete sich nun zunehmend in die Offensive ein, und es gab Momente, da gelang es, so etwas wie Pressing auf die Beine zu stellen. Große Torchancen blieben dennoch aus, und auch die Einwechslung Marins für Touma verpuffte. Elf Minuten vor Schluss bot sich Rob Friend nach schöner Flanke von Sascha Rösler recht unerwartet die Chance zum Siegtreffer, aber der Kopfball des Kanadiers geriet zu ungenau.

Filip DaemsEinem Erfolg etwas näher waren die Gastgeber. Josh Wolff, von Danny Schwarz steil geschickt, und Berkant Göktan, nach energischer Einzelleistung, verfehlten das Borussentor nur knapp, Bierofka und erneut Göktan es, jeweils aus guter Position, sehr viel deutlicher. Ansonsten aber kombinierten die Sechziger meist nur bis zur Strafraumgrenze ansehnlich, und kamen gegen die Gladbacher Deckung, in der vor allem Filip Daems beeindruckend souverän agierte, nur selten zu wirklich zwingenden Gelegenheiten. Aufregend wurde es noch einmal zwei Minuten vor Schluss, als erst Göktan quer durch den Gladbacher Strafraum dribbelte, ohne eine Lücke zu finden, und dann Wolffs Schuss abgeblockt wurde. Unter dem Strich stand beim beinahe sekundengenauen Abpfiff des ulkig frisierten Schiedsrichters aber ein 0:0 - ein Ergebnis, mit dem die Borussia angesichts der Tabellensituation wie auch des Spielverlaufs gut leben kann.

 
1860 München:Hofmann - Thorandt (Johnson 35) , Ghvinianidze, Sven Bender, Hoffmann (Baumgartlinger 82) - Schwarz, Lars Bender - Wolff, Göktan, Bierofka - Di Salvo.

Borussia:Heimeroth - Levels (Polanski 76), Brouwers, Daems, Voigt - Paauwe - Ndjeng, Touma (Marin 64) - Rösler - Neuville (Gohouri 84), Friend.

Tore:Fehlanzeige

Schiedsrichter:Michael Kempter (Sauldorf).

Gelbe Karten (Borussia):Levels, Neuville, Gohouri.

Rote Karten: -

Zuschauer:28.000.

Besondere Vorkomnnisse: Die Serie von zuletzt vier Auswärtssiegen in Folge konnte die Borussia zwar nicht ausbauen, bleibt aber im zehnten Zweitligaspiel hintereinander ungeschlagen. Beim Gastgeber saß als Ersatztorwart der 41-jährige Torwarttrainer Jürgen Wittmann auf der Bank. Auf den frisch operierten Stammkeeper Philip Tschauner mussten die Sechziger ebenso verzichten wie auf den rotgesperrten Regionalligatorwart Andreas Rössl. Dessen Ersatz bei der U23, Rodolfo Rodriguez, mangelt es wiederum an der Spielerlaubnis für die zweite Liga, weil sein früher argentinischer Verein im August die Freigabe nicht fristgemäß an den DFB gefaxt hatte. Interesse an Jens Lehmann - er hatte bekundet, sich auch einen Wechsel in die zweite Liga vorstellen zu können - wurde indes vom Münchner wie auch vom Gladbacher Trainer strikt dementiert. Mit nunmehr 28 Punkten erlöste die Borussia zum jetzigen Zeitpunkt der Hinrunde exakt so viele Zähler wie aus der gesamten Hinrunde ihrer letzten Aufstiegspielzeit, 2000/2001.

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  • Für den #effzeh gibt‘s jetzt nur noch eine Rettung. #PeterFürPeter
  • Die Europa League hat angerufen, sie möchte die #fohlenelf zurück! #UEL
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  • @JrgNeb "Sie kehrt zurück", steht im ersten Absatz im Artikel & wird ganz genau auf dem Bild angezeigt.
  • @frankie1960 Das ist nahezu das erste Mal, daß man auch in Mönchengladbach einen Treffer von Ulf Kirsten gutfinden kann! 🙂

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