FC St. PauliDas nennt man dann wohl Gänsehautatmosphäre. Lautstark und unverdrossen sangen die Pauli-Fans den Klassiker „You'll never walk alone", und weil der Borussenfanblock zum Mitsingen aufgelegt war, endete die Begegnung im restlos ausverkauften Millerntor-Stadion, wie sie begonnen hatte: mit allgemeiner Partystimmung. In diesem Moment konnte man den FC St. Pauli um seine Anhänger beneiden, denn dass trotz 0:3-Heimniederlage und der mit Abstand schwächsten Saisonleistung keinerlei Pfiffe zu hören waren, das wäre beim so kritischen Gladbacher Publikum schwer vorstellbar.

 
Aufgebracht tönte es dagegen in der 34. Spielminute von den Rängen, als Fabian Boll vorzeitig seinen Arbeitstag beenden musste. Der Feldverweis wurde in der Pause heftig diskutiert, und auch manch ein Pressevertreter empfand ihn da noch als überzogen. Nach Ansicht der Fernsehbilder muss das wohl revidiert werden. Schon zuvor war Boll wegen eines taktischen Trikotzupfers im Mittelfeld schon verwarnt worden - eine harte, aber vertretbare Entscheidung, denn Boll hatte damit eine vielversprechende Kontergelegenheit unterbunden. Nur fünf Minuten später senste er an der Außenlinie Johannes van den Bergh derart brachialisch um, dass er Schiedsrichter Dr. Felix Brych zur Ampelkarte keine Alternative ließ. Ohnehin schon durch die kurzfristigen Ausfälle von Kapitän Fabio Morena und Carsten Rothenbach geschwächt, geriet St. Paulis Defensive durch Bolls Feldverweis zusätzlich ins Hintertreffen. 

Aber auch offensiv war nichts mehr zu sehen von dem Schwung, mit dem die Kiezkicker noch am Freitag Tabellenführer 1860 München in dessen eigenem Stadion streckenweise an die Wand gespielt hatten. Einen maßgeblichen Anteil daran hatte das taktisch exzellent eingestellte Gladbacher Mittelfeld, das Patrick Paauwe erneut umsichtig organisierte und in dem die fleißigen Außen Marcel Ndjeng und Johannes van den Bergh im Zweikampf enorm präsent waren. So hatte St. Pauli im ersten Durchgang nur eine einzige nennenswerte Torchance, als der zuvor verbal so auffällige, im Spiel aber glücklose René Schnitzler eine Hereingabe von Timo Schultz knapp verpasste. Die Borussia dominierte die Partie und kam selbst zu einigen Gelegenheiten, anfangs allerdings noch zu keinen zwingenden. Am gefährlichsten war sicher der Konter in der 19. Minute, als Oliver Neuville mustergültig Rob Friend bediente, der aber, frei vor Patrick Borger, den Ball nicht unter Kontrolle bringen konnte. Unmittelbar nach Bolls Platzverweis traf Steve Gohouri, aber Schiedsrichter Brych wollte hier eine Regelwidrigkeit gesehen haben, vielleicht eine Konzessionsentscheidung. Keine Einwände hatte Brych in der 43. Minute gegen Rob Friends Führungstor. Der überragende Marcel Ndjeng hatte sich auf rechts wunderbar durchgetankt und Borger seinen scharfen Schuss nur vor Friends Füße abklatschen können. 

Friend, erster Anwärter auf die zweite Ampelkarte der Partie, wurde in der Halbzeit gegen Nando Rafael ausgetauscht. Wie bereits gegen Augsburg wurde Rafael erst ein Treffer wegen Abseits verwehrt (diesmal wohl zu Recht), bevor er kurz darauf ein reguläres Tor erzielte: Oliver Neuville erwischte den idealen Moment zum Abspiel und Rafael behielt frei vor Borger die Ruhe. In solchen Fällen wird gern von Vorentscheidung gesprochen, aber das verbot sich hier. Zu frisch war die Erinnerung an die letzten Partien, als die Borussia unweigerlich mit 2:0 in Führung gegangen und dann ebenso unweigerlich in Schwierigkeiten geraten war. Tatsächlich wollte Paulis Trainergespann mit einem Doppelwechsel - schon zur Pause war Charles Takyi gebracht worden - ein Signal zur Aufholjagd setzen: Brunnemann und Sako kamen für Bourgault und Braun. Vor allem Sako wurde von den Fans mit frenetischem Jubel begrüßt. Der über zwei Meter lange französische Stoßstürmer, im Januar verpflichtet und dann schnell zum Publikumsliebling avanciert, war nach längerer Verletzungspause überraschend noch in den Kader gerutscht. Vom den Anhängern mit neuem Mut nach vorne getrieben, kam St. Pauli durch Brunnemann, Schnitzler und Meggle denn auch zu drei ordentlichen Gelegenheiten. Wäre nun der Anschlusstreffer gefallen, dann hätte es noch mal eng werden können.  

Aber da war Sascha Rösler vor, der in der 69. Minute Ndjengs gefühlvolle Flanke per Kopf in den Winkel zirkelte. In der Folge hätte die Borussia sogar noch erhöhen können, nachdem insbesondere der eingewechselte Marin immer wieder für Gefahr sorgte. Marin selbst, Ndjeng und Rafael gingen allerdings mit ihren Chancen allesamt zu fahrlässig um. Aber bei diesem Spielstand konnte man sich das ja leisten. 

So stand am Ende ein nie gefährdeter Sieg und zumindest bis Mittwochabend der Sprung auf den Aufstiegsplatz. André Trulsen, der sich in der Pressekonferenz als ausgesprochen fairer Verlierer erwies, äußerte denn auch, Gladbach habe St. Pauli von Anfang an unter Druck gesetzt, sei wie eine Spitzenmannschaft aufgetreten und habe auch in dieser Höhe völlig verdient gewonnen. Er hatte Recht. 

FC St. Pauli: Borger - Bourgault (Brunnemann 63), Gunesch, Eger, Joy - Meggle, Boll - Schultz, Marvin Braun (Sako 63) - Schnitzler, Ludwig (Takyi 46).

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Gohouri, Voigt - Paauwe - M. Ndjeng, Rösler (Daems 70), van den Bergh - Friend (Rafael 46), Neuville (Marin 61).

Tore: 0:1 Friend (39.) 0:2 Rafael (57.) 0:3 Rösler (69.)

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)

Zuschauer: 15.300 (ausverkauft)

Gelbe Karten (Borussia): Friend, Levels

Gelb-Rote Karte: Boll (FC St. Pauli, 34., wiederholtes Foulspiel)

Besondere Vorkommnisse: Nach überwundener Verletzungssaga kam bei Borussia erstmals seit 16 Monaten Filip Daems wieder zum Einsatz. In der 70. Minute eingewechselt, erlebte Daems den vierten Sieg der Borussia in Folge (12:5 Tore) mit, der gleichzeitig der zweite Auswärtserfolg in Serie war. Letztmalig vier oder mehr Spiele in Folge gewann die Borussia in der Spielzeit 2000/2001 unter ihrem damaligen Trainer Hans Meyer. Vom 21. Spieltag, einem Heimsieg über Rot-Weiß Oberhausen, über ein Nachholspiel in Ulm, bis hin zu einem 2:0 beim FC St. Pauli am 24. Spieltag gewann sie damals sogar fünf Spiele hintereinander. Damals reichte es für sie während dieser Serie siegreicher Partien letztmalig auch zu mehreren Auswärtssiegen am Stück. In Ulm (20. Spieltag), in Mainz (22.) und eben beim FC St. Pauli (24.) gewann man drei Auswärtsspiele in Folge. Den letzten Sieg mit drei oder mehr Toren Unterschied in der Fremde erreichte die Borussia auch in der Spielzeit 2000/2001. Der 1. FC Saarbrücken wurde am 18. Spieltag jener Saison, am 17. Dezember 2000, in seinem Stadion mit 4:0 bezwungen. Arie van Lent, Markus Osthoff, Markus Hausweiler und Lawrence Aidoo schossen damals die Borussentore für eine Elf, in der mit Steffen Korell und Max Eberl zwei aktuell im Kompetenzteam Christian Zieges tätige Akteure standen. Das Tor hütete damals Borussias jetziger Torwarttrainer, Uwe Kamps.

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  • Für den #effzeh gibt‘s jetzt nur noch eine Rettung. #PeterFürPeter
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  • @JrgNeb "Sie kehrt zurück", steht im ersten Absatz im Artikel & wird ganz genau auf dem Bild angezeigt.
  • @frankie1960 Das ist nahezu das erste Mal, daß man auch in Mönchengladbach einen Treffer von Ulf Kirsten gutfinden kann! 🙂

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