„Denk ich an Deutschland in der Nacht,/Dann bin ich um den Schlaf gebracht, /Ich kann nicht mehr die Augen schließen, /Und meine heißen Tränen fließen". Noch bis vor wenigen Wochen kam kaum ein intellektueller - und damit kritischer - Artikel über die Bundesrepublik ohne die berühmten Worte Heinrich Heines aus. Bis auf die Nationalspieler San Marinos, die die „Nachtgedanken" Heines heute ähnlich formulieren würden, wird kaum jemand im sportpolitischen Nach-WM-Deutschland diesen Worten etwas Positives abgewinnen können. Die deutsche Nationalmannschaft ist toll, nett, spielt offensiv und obendrein noch fair. So feierten wir den 13:0-Sieg vom letzten Mittwoch nur kurz, weil das Mitleid für die San Marinesen überwog. Ist das nicht nett? So schieben wir für den heutigen Vorbericht die sportliche Bewertung beiseite, ersparen damit den Lesern die üblichen Floskeln von biblischen Steinschleuderduellen und den Beschreibungen der hauptberuflichen Tätigkeiten der Amateure aus Rheinland-Pfalz und vergleichen andere, durchaus erwähnenswerte Aspekte.


Mönchengladbach (Stadt):

Gelegen im flachen, aber charmanten Gebiet des Niederrhein, ist die Stadt weitaus mehr als der Namensgeber eines europaweit bekannten Bundesligavereins. Ursprünglich als München-Gladbach (1888) als kreisfreie Stadt bekannt, entwickelte sich die Stadt speziell in den Jahren nach dem Krieg prächtig, die Einwohnerzahl stieg auf über 250.000. Für kulturelle Highlights ist die Stadt zwar nicht landesweit bekannt, die Stadt jedoch als „grau" und „langweilig" im Schatten der großen rheinischen Metropolen Düsseldorf und Köln zu bezeichnen, trifft den Kern nur halbwegs. Freunde der Kleinkunstbühnen werden in Mönchengladbach „Die Spindel", „Das Rote Krokodil" und das „Theater Spielplatz" kennen und schätzen. Darüber hinaus finden sich in Mönchengladbach einige bedeutende Bauwerke, deren historischer Spannweite vom 13. Jahrhundert (Münster St. Vitus) bis ins 21. Jahrhundert (na klar, der BorussiaPark) reicht.

Mönchengladbach (Land, Leute & Umgebung):

Der Niederrhein wird von vielen  als „östliches Holland" oder als „Diaspora westlich von Düsseldorf" verunglimpft, dabei gilt gar die Kölner Bucht - streng geografisch - zum Niederrhein. Eine Tatsache, die unsere Kölner Freunde selbstredend weniger gern hören. Diese bissigen Bezeichnungen werden diesem Landstrich, der sich vom Kreis Heinsberg im Süden bis zum Kreis Kleve im Norden erstreckt, in keiner Weise gerecht. Weite und flache Wiesen- und Waldlandschaften laden zum Wandern und Radfahren ein, kleine und ruhige Städtchen ohne viel Prunk und Protz, die zumeist von den Kreisstädten Viersen, Heinsberg und Kleve aus verwaltet werden, zeugen von der Bodenständigkeit der Niederrheiner, der es im Allgemeinen etwas ruhiger und gemütlicher mag und den Stress der Großstadt meist meidet wie bayrische Lebenmittelkontrolleure ortsansässige Fleischhändler.

Den Niederrheiner zu charakterisieren fällt schwer; wenn Hanns-Dieter Hüsch sagt, dass „der Niederrheiner nichts weiß, aber alles erklären kann", mag das durchaus zutreffen. Ähnliches ließe sich jedoch auch über den DSF-Stammtisch sagen. ZEIT-Redakteur Christof Siemes, selber gebürtiger Niederrheiner, schrieb einmal: „Das Wesen des Niederrheinischen ist die Kunst der reinen Vermutung, seine sprachliche Form ist wie die Gegend: weit und ungegliedert." Wer einmal ein Training von Borussia besucht hat und mit den Kiebitzen dort ins Gespräch kam, wird dieser Aussage durchaus etwas abgewinnen können. Ob „der Niederrheiner die tiefergelegte Form des Rheinländers" ist, wie die Rheinische Post einst mutmaßte, sei allerdings dahingestellt.

Ausgeprägter Karnevalssinn, ein leckeres Bier und ein traditionsreicher Bundesligaverein runden das Bild der Stadt Mönchengladbach positiv ab.


Roßbach / Wied (Umgebung):

Südlich des Rhein-Sieg-Kreises, in dem der Autor wohnt, grenzt der Landkreis Neuwied. Bereits zu Rheinland-Pfalz gehörend, unterteilt sich der Landkreis Neuwied in acht Verbandsgemeinden. Roßbach, mit knapp 1.500 Einwohnern lange nicht die kleinste Stadt im Landkreis, gehört zur Verbandsgemeinde Waldbreitbach, die neben Roßbach noch die Städtchen Breitscheid (nein, nicht das vom gleichnamigen Autobahnkreuz), Datzeroth, Hausen, Niederbreitbach und Waldbreitbach führt.
Der Kreis Neuwied liegt am wunderschönen Westerwald, der nicht nur jedem passionierten Wanderer in Deutschland ein Begriff ist. Flankiert von Rhein, Lahn, Dill und Sieg, durchzogen von Brex-, Erd-, Gel-, Heller-, Holz-, Kerker-, Massel-, Sayn-, Ulm- und Aubach (aber eben nicht Gladbach), unterteilt in Unterer, Oberer und Hoher Westerwald, erstreckt er sich über eine Fläche von 3000km² und zählt damit zu den größeren Gebirgen in Deutschland. Bei so viel Landschaft bleibt dem Neuwieder an sich wenig Zeit, ambitioniertem Fußballsport nachzugehen, was für Borussia nur positiv sein kann.

Roßbach (Stadt):

Dass die Menschen in diesem Fleckchen Erde nicht nur ihre Landschaft akkurat und viel einteilen, sondern dies auch mit ihren Städtchen gerne tun, zeigt sich am Beispiel Roßbachs. Knappe 1.500 Einwohner leben in sage und schreibe 7 Stadtteilen (Niederbuchenau, Oberbuchenau, Lache, Reifert, Spreitchen, Schimmelshahn, Scheuerchen), macht grobe 200 Einwohner pro Stadtteil. Erinnern wir uns an den ersten Absatz, müsste die korrekte Ortsbezeichnung eines Roßbachers demzufolge lauten: „Guten Tag, Müller. Wohnhaft in Neuwied am Rhein, Verbandsgemeinde Waldbreitbach, Stadt Roßbach, Ortsteil Oberbuchenau." Dass dies die Einwohner jedoch weniger stört, zeigt ein Blick auf die Homepage der Verbandsgemeinde Waldbreitbach. Im eigens eingerichteten Forum findet sich unter der Rubrik „Kritik / Wünsche / Anregungen" nicht ein einziger Einträge. Gelobt sei, wer in Waldbreitbach wohnt! Im nächsten Jahr wird das 700jährige Bestehen gefeiert; Gerüchten zufolge ist man allerdings noch uneins, welcher Ortsteil das Zentrum der Feierlichkeiten sein soll.

Dass man sich in Roßbach auch den Problemen der Zeit stellt, verrät Alfons Becker, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Waldbreitbach, in einem persönlichen Grußwort auf der schon eben angesprochenen Homepage. Dort heißt es: „... wir haben uns Augenmerk besonders auf die Erweiterung des ‚Dienstleistungsangebotes der Verbandsgemeindeverwaltung‘ durch das ‚Medium Internet / E-Mail‘ gelegt, damit Ihnen, liebe Mitbürgerin und Mitbürger (man beachte die Singularform der Anrede!), der Gang durch den Behörden-Dschungel erleichtert wird." Tja, wer es schafft, einen Landkreis (Neuwied) mit circa 185.000 Einwohnern in fast ebenso viele Untergemeinden zu verpacken, der darf durchaus von einem Behörden-Dschungel sprechen!

Mehr lässt sich zum Roßbacher an dieser Stelle nicht sagen. Von Mönchengladbacher Seite ist nur zu hoffen, dass man a) das Stadion findet und b) mit der entsprechenden Gastfreundlichkeit empfangen und natürlich wieder verabschiedet wird, wenn man den Landkreis Neuwied mit der Kugel verlässt, in deren Inneren der Name „Borussia Mönchengladbach" auf einem Zettelchen vermerkt ist und die dann bei einem der nächsten ZDF-SportStudios in eine Glasschüssel mit vielen anderen Kugeln kommt, wenn die zweite Hauptrunde des diesjährigen DFB-Pokals ausgelost wird.


Bilanz: - Fehlanzeige -


Schiedsrichter:

Bis zum heutigen Tag leitete Michael Kempter, 23jähriger Bankkaufmann aus Sauldorf, kein Spiel der Mönchengladbacher Borussia. Kempter pfeift ohnehin erst seit diesem Jahr in der 1. Bundesliga, nachdem er 2004 zum ersten Mal in der 2. Bundesliga pfeifen durfte. In den 5 Partien, in denen er in dieser Saison insgesamt eingesetzt wurde (Bundesliga, 2. Liga und Regionalliga Süd), verteilte er 27 Gelbe und eine Gelb-Rote Karte. Das macht einen Schnitt von mehr als fünf Gelben Karten pro Spiel. Eine beachtenswerte Bilanz für einen jungen Schiedsrichter.


Aufstellungen:

Roßbach/Wied: Graf - Hempel, Jauernick, Cavlan, Schröter - Köhns, Gruber - Miura, Walgenbach - Zimnol, Breitbach

Borussia: Heimeroth - Bögelund, Svensson, Ze António, Jansen - Thijs, Kirch, Insua, Polanski - Sverkos, Kahê


Schiedsrichter
: Michael Kempter (Sauldorf)
Assistenten: Volker Wezel, Arno Blos
Vierter Offizieller: - entfällt -


SEITENWAHL-Meinung:

Mike Lukanz: Niederrhein gegen Westerwald, Waldbreitbach gegen Holt, Mönchengladbach gegen Roßbach. Am Ende jedoch ist es 1. Liga gegen 5. Liga, daher wird Borussia nach einem 6:0 in der zweiten Runde des DFB-Pokals stehen.

Thomas Zocher: Rossbach ist nicht San Marino, entsprechend wird die Borussia sich den Kantersieg von der vereinseigenen Wange wischen können. Aber eigentlich ist die Spielanlage ja dieselbe. Die Borussia wird auch geduldig das erste Tor herausspielen müssen, dann werden sich zwangsläufig Möglichkeiten ergeben das Spiel deutlich zu gewinnen. Sicher gewährt man den tapferen Rossbachern einen Ehrentreffer, so siegt man am Schluß "nur" 5:1.

Christoph Clausen: Große Töne spuckt man in Rossbach, wo man nach eigenem Bekunden die Schwächen der Borussen ausgiebig analysiert hat und mit erfolgreich abgeschlossen Kontern zu nutzen gedenkt. Nach dem Spiel wird man feststellen, dass man es dem Bundesligisten zwar lange schwer gemacht, insgesamt den Mund aber doch ein bisschen voll genommen hat. Borussia siegt nach späten Toren letztlich doch standesgamäß mit 4:0.

Hans-Jürgen Görler: "Auswärtssieg, Auswärtssieg," wird es am Sonntag nach der Partie von den Rängen erschallen. Die Borussia wird mit einem 7:0 beim Verbandsligisten in die zweite Runde einziehen.

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