Man kann dem Spielplangestalter keinen Vorwurf machen. Vor einigen Monaten noch sah es so aus, als hätte der Mann ein gutes Händchen gehabt, als es darum ging, Borussias Gegner für die letzten Spiele festzulegen. Zunächst zwei Heimspiele gegen Spitzenmannschaften, dann ein Auswärtsspiel bei und schließlich ein Heimspiel gegen jeweils einen unmittelbaren Konkurrenten im Abstiegskampf - das hätte man dramaturgisch kaum besser komponieren können. Für ein nervenaufreibendes Finale, das in den triumphalen Schlussakkord einer hart umkämpften Rettung vor heimischem Publikum hätte münden können, lag die Partitur also schon bereit. Dummerweise wurde sie von den Mönchengladbacher Kakophonikern interpretiert, die das ausweglose Unterfangen eines gescheiten Zusammenspiels schon lange entnervt aufgegeben haben.

Borussia

So verlagert sich die Aufmerksamkeit inzwischen auf die rapide Dezimierung der Belegschaft, und wollte man die Metapher von oben strapazieren, könnte man jetzt auf die Sinfonie verweisen, die Haydn einst für seine arbeitsmüde Kapelle schrieb. Allein, wo Fürst Esterházy nachsichtig Urlaub gewährte, sortieren Ziege und Luhukay dauerhaft aus, und man kann in unser aller Interesse nur hoffen, dass das neu zusammenzustellende Ensemble besser harmonieren wird. Vermissen wird man allerdings nur einige Abgänge: Peer Kluge natürlich, auch Kasey Keller, wenngleich Christofer Heimeroth sich in den letzten Partien als starker Rückhalt gezeigt hat. Einem David Degen dagegen wird kaum jemand eine Träne nachweinen. Zyniker könnten allerdings darauf hinweisen, dass sich kaum jemand so sehr als Personifikation des Gladbacher Missverhältnisses zwischen öffentlich formulierten Ansprüchen und tatsächlichen Leistungen eignet.

Borussias Defensive

Jos Luhukays Ankündigung, von nun an schwerpunktmäßig auf die Spieler zu setzen, mit denen man auch in der nächsten Saison plane, könnte statt Robert Fleßers zu einem Einsatz in der Startelf verhelfen. Weichen müsste neben dem wechselwilligen und verletzten Zé António dann auch der wohl ebenfalls wechselwillige, aber nicht verletzte Bo Svensson, während Steve Gohouri nach seiner Gelbrotsperre in die Innenverteidigung zurückkehrt. Mit Kasper Bøgelund und Marvin Compper komplettieren zwei vom Trainer hoch geschätzte Spieler die Viererkette.

Vor der dürfte nach seiner indiskutablen Leistung vom letzten Wochenende Hassan El Fakiri schwerlich auflaufen. Als Kettenhund auf ein gegnerisches Kreativgenie angesetzt, konnte der Norweger in der Rückrunde zwar mehrfach gefallen. Solch einer Spezialaufgabe ledig allerdings macht er viel zu wenig aus den Gestaltungsmöglichkeiten, die sich dann ergeben könnten. Da Sebastian Svärd grippekrank ausfällt, scheint Peer Kluge der wahrscheinlichste Anwärter auf die Rolle im defensiven Mittelfeld. Eugen Polanski wäre eine Alternative, Fleßers eine andere, falls statt seiner doch Bo Svensson in der Innenverteidigung agiert.

Borussias Offensive

Die erste Halbzeit des Bayern-Spiels hatte viel getan, um den Entschluss zu festigen, mit dem ich schon seit Wochen geliebäugelt hatte, nämlich diesen Teil des Vorberichts demonstrativ leer zu lassen. Immerhin zwei Spielern gegenüber aber wäre das ungerecht gewesen. Marko Marin vollbrachte zwar noch nicht jene Wunderheilung, die Übereifrige ihm schon zutrauen; dass er zur Gesundung des siechen Gladbacher Offensivspiels Erhebliches beitragen könnte, zu dieser Hoffnung aber gab sein Kurzauftritt einigen Anlass. Zudem: Zumindest im jetzigen Kader sollte er bei auszuführenden Standardsituationen die erste Wahl sein.

Auch Federico Insúas Leistungssteigerung nach der Pause hatte zumindest zum Teil mit der Einwechslung eines kreativen Partners zu tun. Jedenfalls lies der Argentinier in einigen Szenen wieder erahnen, dass er unter drei allerdings happigen Bedingungen eine große Hilfe beim Unternehmen Wiederaufstieg sein könnte. Erstens: die Wiederbelebung seiner Torgefährlichkeit aus Boca-Tagen, als er es nicht beim Initiieren von Vorstößen beließ, sondern diese eben auch erfolgreich abzuschließen wusste. Zur Ehrenrettung Insúas wäre allerdings zu sagen, dass er zwar bei seiner Großchance nach Marins Ecke arg desorientiert wirkte, bei seinen zwei klug angesetzten Lupfern aber auch viel Pech hatte. Zweitens: die Anwesenheit von technisch fähigen, lauf- und gedankenschnellen Mitspielern in Mittelfeld und Sturm. Insúas Vorstöße münden auch deshalb so selten in Torerfolge, weil an Borussen in seiner Umgebung mangelt, die sich steil schicken oder mit denen sich ein gescheiter Doppelpass spielen ließe. Gewönne die Gladbacher Offensive hier an Variabilität, könnte sich das umgekehrt auch förderlich auf Insúas eigene Torgefährlichkeit auswirken, denn der eigene Torschuss wäre dann nur eine unter mehreren sinnvollen Optionen. Die dritte Bedingung ist ebenso banal wie ungeklärt: Insúa müsste in der zweiten Liga überhaupt für Borussia spielen. Welches Interesse der Verein daran hat, dazu liefern die Traineräußerungen Widersprüchliches. Mal wird der Argentinier ob mangelnder Effektivität hart gescholten, dann wieder als Mann bezeichnet, der in der zweiten Liga den Unterschied ausmachen könnte. Sehen wir es positiv: Wenigstens verbal schenkt der Verein seinen Anhängern jene Überraschungsmomente, die das Spiel der Mannschaft schon lange kaum noch auszustrahlen vermag.

Positive Überraschungsmomente erhoffen sich manche von René Schnitzler, der erstmals in dieser Spielzeit im Kader stehen könnte. Beginnen wir der aktuell treffsicherste Stürmer der Regionalliga Nord aber kaum; zu erwarten ist im Sturm erneut das Duo Insúa - Rafael, die neben Marin wohl Marcell Jansen links und Moses Lamidi rechts unterstützen werden.

Der Gegner aus Mainz

Ein Gewissenskonflikt. Einerseits: Auch wenn allumfassende Fanfreundschaften kaum durchzuhalten sind, so gibt es doch sicherlich Vereine, denen man in Gladbach einen Abstieg eher gönnen würde als gerade dem FSV Mainz 05. Zufälligerweise ist ein Club, auf den das ganz besonders zutrifft, unmittelbarer Konkurrent der Mainzer: Nicht erst seit den beiden Handspielen löst der Name Alemannia Aachen unter Borussen selten Schreie der Verzückung aus. Das hätte dafür sprechen können, über eine Gladbacher Niederlage klammheimlich nicht ganz so böse zu sein. Andererseits hätte man sich ja auch nicht gern, wie einst an einem berüchtigten letzten Spieltag in der zweiten Liga die Kölner, Wettbewerbsverzerrung vorwerfen lassen wollen.

Man könnte meinen, die Mainzer hätten uns dieser Sorgen selbst enthoben, da ihre Aussichten auf den Klassenverbleib inzwischen nur noch theoretischer Natur seien, zumal sich von Mainzer Verantwortlichen inzwischen resignative Töne mehren. Aber so ganz stimmt das nicht. Sicher: Mainz muss sowohl Wolfsburg als auch Aachen hinter sich lassen, und holt der VfL Wolfsburg in Aachen auch nur einen Punkt, wäre er der erheblich besseren Tordifferenz wegen nicht mehr einzuholen. Aber sollten die Aachener sich doch noch einmal zu einem Heimsieg aufraffen und gleichzeitig Mainz die Borussia schlagen, dann stünden die Chancen gar nicht so schlecht. Immerhin geht es am letzten Spieltag für den FSV zu den Bayern, die mit der Saison sichtlich abgeschlossen haben, während der VfL Wolfsburg gegen Bremen und Alemannia Aachen in Hamburg antreten muss. Ein Mainzer Sieg bei gleichzeitigen Niederlagen der Konkurrenz wäre da so undenkbar nicht und würde die Rheinhessen in der Liga halten.

Mainzer Defensive

Im Tor drohte unter der Woche nach Dimo Wache auch sein Vertreter Christian Wetklo auszufallen, doch dank einer Spezialmaske wird Wetklos Nasenbeinbruch nach Trainingsunfall den Spieler nicht am Einsatz hindern. Ansonsten hätte mit Daniel Ischdonat ein erfahrener Mann bereit gestanden, der zwar noch ohne Bundesligaspiel ist, in der zweiten Liga aber der Eintracht aus Trier ein sicherer Rückhalt war.

Das Deckungszentrum werden Nikolce Noveski und Manuel Friedrich bilden. Insbesondere Friedrich werden Wechselgelüste bei Abstieg nachgesagt, auch wenn der siebenmalige Nationalspieler in dieser Saison wechselhafter auftritt als noch in den letzten Jahren. Insbesondere in den Spielen gegen Schalke und in Stuttgart erwischte der Verteidiger schwarze Tage. Auch an seine Torgefährlichkeit aus der Vorsaison konnte Friedrich nicht anknüpfen. Auf den Außenpositionen der Viererkette sind rechts Christian Demirtas und links Marko Rose zu erwarten, zumal Benjamin Weigelt mit Innenbandriss ausfällt. Alternativen wären rechts hinten der Südkoreaner Du-Ri Cha und in der Innenverteidigung Ralph Gunesch.

Das zentrale Mittelfeld der Mainzer ist schwer in Defensive und Offensive aufzuteilen, weil alle drei Spieler, die dafür in Frage kommen, sowohl in der einen als auch in der anderen Rolle verwendbar sind. Mit welchem Schwerpunkt Milorad Pekovic, Mimoun Azaouagh und Leon Andreasen jeweils agieren, kann sich also nicht nur von Spiel zu Spiel, sondern auch von Situation zu Situation ständig verändern.

Mainzer Offensive

Hätte Mainz keinen Zidan, dann wäre es nicht die Borussia, die die wenigsten Tore der Liga erzielt hätte. Hätte Mainz keinen Zidan, dann hätte ein Kahê allein so viele Saisontore wie alle Mainzer Stürmer zusammen. Eine Milchmädchenrechnung, zugegeben, auch wenn es heute kaum noch Milchmädchen gibt. Denn hätte Mainz keinen Zidan, dann hätten andere Stürmer mehr Einsatzzeiten bekommen und vielleicht dann auch etwas öfter getroffen als eben jetzt. Dennoch: Das Gedankenexperiment belegt, wie abhängig die Mainzer Offensive von ihrem ägyptischen Stürmerstar ist. Ohnehin belegte Zidans Rückkehr zum FSV zweierlei: Erstens, wie viel auch nur ein wirklich starker Neuzugang bewirken kann und zweitens, was dann eben doch nicht.

Denn erstens wäre der scheinbar so wundersame Mainzer Aufschwung in der Rückrunde ohne Zidan nicht denkbar gewesen. In der Winterpause mit nur elf Punkten und elf Toren Tabellenletzter, verpflichteten die Mainzer im Dezember und Januar neben Zidan auch Leon Andreasen und Elkin Soto und starteten eine phänomenale Serie von fünf Siegen und einem Unentschieden aus sechs Spielen und erreichten katapultierten sich damit auf Platz Eins der Rückrunden-Tabelle. Alle drei Neuzugänge erwiesen sich dabei als Glücksgriffe, allen voran Zidan, der in besagten sechs Spielen sieben Tore erzielte. Aber auch Andreasen steuerte in dieser Zeit drei Treffer und zwei Assists, der wuselige Kolumbianer Soto drei weitere Assists bei. Auf Rang zehn hatten sich die Mainzer zu diesem Zeitpunkt vorgearbeitet, mit vier Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.

Aber zweitens kann es ein Zidan allein eben doch nicht richten. Irgendwann reichten auch dessen Tore, die im Lauf der Rückrunde auf ein volles Dutzend anwuchsen, nicht mehr, um das Ende des Mainzer Höhenfluges zu verhindern. Aus dem Mainzer Mittelfeld, in dem Soto längere Zeit verletzt ausfiel und in dem Andreasen seine teils überragende Form nicht auf Dauer durchhalten konnte, kam zu wenig Unterstützung, und da Zidans wechselnden Sturmpartner die Last des Toreschießens nahezu komplett dem Ägypter alleine überließen, war das Offensivspiel der Mainzer zu oft zu leicht auszurechnen. Gerade im letzten Spiel, in Stuttgart, als Jürgen Klopp Zidan als einzige Sturmspitze nominierte, fiel seinen Mitspielern im Aufbauspiel oft wenig mehr ein, als ihren Toptorjäger mit langen Bällen zu suchen.

Falls Klopp am Samstag nicht zum Zweiersturm zurückkehrt - erster Anwärter auf den Platz neben Zidan wäre dann Petr Ruman - ist mit drei Spielern (Pekovic, Azaouagh und Andreasen) im zentralen Mittelfeld und der Flügelzange Fabian Gerber (rechts) und Elkin Soto (links) zu rechnen. Dabei haben die Mainzer Probleme in dieser Saison auch damit zu tun, dass Gerber seine Gefährlichkeit als Torvorbereiter eingebüßt hat: Nach sieben Torvorlagen in der vorletzten Saison und fünf in der letzten kommt er aktuell nur auf zwei.

Schiedsrichter

... stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Bilanz

Die Bilanz nimmt sich diesmal übersichtlich aus, denn in der Bundesliga trat die Borussia in Mainz bislang erst zweimal an. Vorerst wird das dritte Spiel ja auch das letzte sein. Beim letzten Mal, unter Horst Köppel im letzten März, blieb Gladbachs Sturmduo Neuville - Sonck ebenso erfolglos wie die eingewechselten Rafael und Kahê. Dagegen trafen Thurk (doppelt) und der damals ausgeliehene Zidan zum 3:0-Heimsieg. Dagegen hatte es im November 2004, der Gladbacher Trainer hieß damals noch Dick Advocaat, wenigstens zu einem 1:1-Unentschieden gereicht. Nachdem Vaclav Sverkos die Borussia früh in Führung gebracht hatte, glich Nikolce Noveski nach gut einer Stunde aus.

Aufstellungen

Borussia: Heimeroth - Bøgelund, Gohouri, Fleßers, Compper - Kluge - Lamidi, Marin, Jansen - Rafael, Insua.
Ersatz: Löhe, Svensson, Levels, Stang, Polanski, El Fakiri, Thygessen, Kahê, Schnitzler.
Es fehlen: Keller, Zé António, Kirch, Delura, Baumjohann, Neuville (alle verletzt), Svärd (erkrankt), Melka, Thijs, Degen, Sonck (alle nicht berücksichtigt).

FSV Mainz 05: Wetklo - Demirtas, Friedrich, Noveski, Rose - Azaouagh, Pekovic, Andreasen - Gerber, Soto - Zidan.
Ersatz: Ischdonat, Du-Ri Cha, Gunesch, Addo, Feulner, M. Vrancic, Amri, Niculae, Szabics, D. Vrancic.
Es fehlen: Wache, Weigelt, Jovanovic (alle verletzt).

Schiedsrichter: stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
Assistenten: standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
Vierter Offizieller: stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

SEITENWAHL-Meinung

Christoph Clausen: Huch, Borussia kann ja doch noch Tore schießen. Letzte Woche eines, diesmal schon wieder. Zidan aber schießt zwei.

Thomas Zocher: Es ist wie der Coldcall eines ganz fiesen Werbers und geht etwa so wie jenes einfühlsame Gedudel in der alten Multi-Sanostol-Werbung. Ein Gesöff, das wie mit altem Lebertran gestreckte Fruchtbonbons schmeckt und das man heutzutage landauf wie landab als in Dosen gefüllte Energydrinks kennt: Während am Samstag die Großen um viele Sachen streiten (Meisterschaft, Abstieg, Europa, Ligapokalteilnahme) treffen sich in Mainz zwei Teams zum Freundschaftsspiel unter Wettkampfbedingungen und das wirklich Schlimme ist, dass ich mich für diese Partie mehr interessieren werde und muss als für die Vorkommnisse in Aachen, Bremen, Dortmund oder Bochum. Obwohl die Mainzer jetzt nur halb so lange in der 1. Bundesliga waren wie die Borussia, der FSV siegt mit 2:1 und fährt somit am letzten Spieltag in dem Wissen nach München, zumindest mal nicht Tabellenletzter geworden zu sein.

Mike Lukanz: Ein Endspiel für den FSV, ein weiteres Freundschaftsspiel für Borussia. Es passt zur Mannschaft und zur gesamten Saison, dass dieses Spiel mit 2:1 gewonnen wird. Damit steht nicht nur der zweite Auswärtssieg zu Buche, sondern auch der zweite Absteiger fest.

Michael Heinen: Jetzt, wo es um nichts mehr geht, ist Borussia noch mal für eine Überraschung gut. Borussia verliert das Spiel in Mainz auch in der Höhe sensationell mit 0:1.

Christian Heimanns: Hast du mit dem Abstieg Last, kommt Borussia recht als Gast. Das sind die, die sich nicht zieren, gerne mal 1:0 verlieren, so wirds diesmal auch geschehen, Liga eins auf Wiedersehen.

Hans-Jürgen Görler: Keiner wird am Ende wissen, wie es dazu kam, aber die Borussia wird sich doch tatsächlich als Spielverderber erweisen und den FSV Mainz 05 mit einem 1:1 mit in die 2. Liga nehmen.


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