Kurt Tucholsky sagte einmal: „Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und zu sagen: Nein!“. Es ist nicht entscheidend, ob es die Mannschaft verdient hat, abzusteigen oder ob es „an der Zeit“ ist. Was ist schon gerecht im Fußball, was ist schon verdient? Borussia muss „Nein!“ zum Abstieg sagen, sie muss es leben. Viele Gelegenheiten bleiben nicht mehr, die nächste bietet sich am Freitag Abend, wenn der ebenso kriselnde Sportverein aus Hamburg zu Gast im BorussiaPark sein wird.
„Nein“ hat auch die SEITENWAHL-Redaktion nicht gesagt, als es darum ging, die Beschreibung des Gegners in fremde Hände zu geben. Und da wir auch ein wenig abergläubisch sind, übernimmt Carsten Koslowski erneut die Betrachtung der Hanseaten. Carsten ist hauptberuflich Fortune aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt und nebenberuflich Sympathisant des Hamburger SV. Wenn also jemand weiß, was Leid im Fußball bedeutet, dann er.

Borussia

Vergleicht man die Stimmungslage vor dem jetzigen Heimspiel mit der vor den Spielen gegen Frankfurt und Berlin, ist festzuhalten, dass die anfängliche „Wir-packen-es"-Euphorie einer immer stärker gewordenen Ernüchterung gewichen ist. Die Spiele in Leverkusen, gegen Frankfurt und in Gelsenkirchen haben Spuren hinterlassen. In Leverkusen war es der Schock des Last-Minute-Treffers durch Voronin, gegen Frankfurt die verpasste Chance, mit einem Sieg sich dem rettenden Ufer zu nähern und in Gelsenkirchen das allgemeine Auftreten und die Chancenlosigkeit gegen einen zu starken Gegner. Die kämpferischen Stimmen sind noch da, aber sie werden weniger und leiser. Stattdessen beginnt der in Mönchengladbach schon klassisch beheimatete Selbstzerfleischungsprozess, der in diesen Tagen darin gipfelte, dass von einzelnen Verwirrten die Entlassung Luhukays für den Fall einer Niederlage gegen den Hamburger SV in den Raum gestellt wurde. Es ist zu hoffen, dass die Mannschaft diesen wirren Gedanken mit einer guten Leistung und einem Sieg gegen den HSV ein Ende setzt. Nach einer solchen Saison muss über Grundsätzliches Tacheles geredet werden (und wird es auch), aber 14 Tage nach Luhukays Vertragsverlängerung diesen wieder in Frage zu stellen, ist abenteuerlich.

Borussias Defensive

Wie die Planstelle Torhüter in der neuen Saison besetzt sein wird, ist nach wie vor unklar. Dass sie am Freitag Abend durch Kapitän Keller besetzt ist, umso klarer. Auch wenn der Amerikaner in der laufenden Saison nicht ohne Fehler war, so ist es ihm ebenso zu verdanken, dass Borussia überhaupt noch die Chance hat, den Klassenverbleib zu sichern.

In der Abwehrreihe hat sich, auch wenn das einigen nicht aufgefallen ist, eine Art Stammformation gebildet. Eine Tatsache, die noch in der Hinrunde nicht möglich war. Mit Kasper Bögelund, Steve Gohouri, Ze António und Marcell Jansen beginnt zum siebten Mal hintereinander die gleiche Formation. Einzig Bögelund´sche Vaterfreuden am Heimspieltag gegen Eintracht Frankfurt unterbrachen diese Kontinuität. Ohne Fehler ist diese erste Reihe vor Torhüter Keller dennoch nicht. Wer nicht gewinnt, hat selten Recht. Doch im Sinne eben dieser Kontinuität wird Jos Luhukay auch gegen die Hanseaten mit diesen vier Akteuren beginnen. Nicht nur Marcell Jansen hofft hierbei, sich wieder öfter in der Offensivspiel einschalten zu können. Da Peer Kluge nach seiner Gelbsperre in die Startelf rutschen wird, könnte die linke Seite mit Jansen und Kluge wieder mehr Akzente setzen, als dies mit dem Gespann Jansen / Compper der Fall war. 

Die wichtigste Personalentscheidung wird die Besetzung des defensiven Mittelfeldspielers sein; oder anders ausgedrückt: wer wird auf Rafael van der Vaart angesetzt? Nachdem Hassen El-Fakiri in den vergangenen Wochen sowohl Diego als auch Marcelinho effektiv aus dem Spiel genommen hat, böte er sich hier an. Dennoch ist anzumerken, dass van der Vaart ein grundsätzlich anderer Spielertyp als Diego oder Marcelinho ist. Gleichwohl mit bestechender Technik und Übersicht ausgestattet, fällt der Holländer auch durch ein enormes Laufpensum auf. Darüber hinaus bestreitet er in der Defensive deutlich mehr Zweikämpfe. Seit hitziges Temperament könnte hier die Wahl auf Eugen Polanski oder Sebastian Svärd fallen lassen, die van der Vaart durch hartes, aber nicht unfaires Spiel die Lust am selbigen nehmen. Sicherlich eine gewagte Alternative, aber durchaus denkbar. Van der Vaart ist ohne Zweifel der Schlüsselspieler des HSV.

Borussias Offensive

Die wichtigste Personalie gleich zu Beginn: Michael Delura ist wieder einsatzbereit. Auch wenn die Schalker Leihgabe kein Torjäger par excellence ist, so ist er der einzige Offensivspieler in Reihen der Borussia, der Ansätze von Torgefahr ausstrahlt. Seine langen Sprints reißen Löcher in die Deckung der Gegner, auch wenn ihm in manchen Momenten die Übersicht und das Timing fehlen und er mit dem Kopf durch die Wand zu laufen versucht. Da Federico Insua erneut auf der Position des zentralen, offensiven Mittelfeldspielers beginnen wird, sollte Delura über die rechte Seite kommen. Marko Marin fällt nach wie vor aus, was durchaus bedauerlich ist. Er wäre zwar keine Alternative für einen Platz in der Startelf, als Einwechselspieler könnte er - wie schon gegen Eintracht Frankfurt angedeutet - für Wirbel sorgen.

Bliebe die Besetzung des Sturms: Nando Rafael konnte nicht mehr an seine sehr gute Leistung aus dem Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin anknüpfen, und rieb sich in den darauf folgenden Spielen in vielen Zweikämpfen auf. Er ist lauffreudig, engagiert, aber oft alleine in vorderster Front. Für Oliver Neuville kommt ein Einsatz von Beginn an nach wie vor zu früh, so dass es auf eine erneute Einwechslung im zweiten Spielabschnitt hinauslaufen wird. Seien wir froh, dass er überhaupt wieder dabei ist! Dass Jos Luhukay im existenziell wichtigen Abstiegskampf einen A-Jugendlichen spielen lässt, während mit Wesley Sonck ein gesunder und erfahrener Stürmer auf der Tribüne sitzt, mag man mutig nennen. Konsequent ist es auf jeden Fall. Der Belgier ist die Enttäuschung der vergangenen Jahre, ob er allerdings fußballerisch schlechter ist als ein 19-jähriger aus der A-Jugend, sei dahingestellt.

Der Gast aus Hamburg

Nun sagen Sie nicht, es ist schon wieder HSV? Tach zusammen! Fleißige Leser der Seitenwahl-Vorberichte wissen Bescheid: jetzt kommt wieder der Typ, der schon in der Hinrunde lang und breit über den HSV schwätzte, Dinge erzählte, die niemand wissen wollte, und anschließend noch grandios falsch tippte. Und da man sich immer zweimal sieht im Leben, bin ich schon wieder da. Ebenso wie der HSV, der sich am kommenden Freitag mal wieder im Nordpark vorstellen wird. Obwohl - ich glaube, es gibt derzeit schönere Themen als Fußball. Wie wäre es zum Beispiel mit Curling? Da hat die deutsche Herren-Nationalmannschaft über die Ostertage bei der WM Silber geholt, nur die Curling-Giganten aus Kanada waren gut genug für unsere Jungs. Vielleicht sollte ich also lieber etwas über dieses Eis-Schach mit Wischmop erzählen? Okay, der älteste Curling-Verein in Deutschland befindet sich in...Düsseldorf! Kein Witz, das ist eine Sache, die könnte einem mal nützen. Falls man mal beim Herrn Jauch auf dem Stuhl sitzt, und die 500.000 Euro-Frage dran ist zum Beispiel. Man kann nie wissen.

Schnickschnack. Kein Curling-Edelmetall kann meine derzeitige schlechte Laune ersetzen, wenn es um Fußball geht. Und ich pflege mich meinen Herausforderungen zu stellen! Wobei - es ist momentan nicht schön. Für den Gastgeber des hier zu annoncierenden Spiels schon mal gar nicht. Letzter Tabellenplatz, da verbieten sich auch hämische Worte als höflicher Gast. Und wenn ich ehrlich bin, so ganz ungelegen kommt mir das ja nicht. Bzw. kam mir das nicht bis vor ca. 3 Wochen. Denn, wer mich kennt oder auch nur meinen Teil des Vorberichts aus der Hinrunde gelesen hat, der weiß, mein Herz gehört eigentlich der Fortuna aus Düsseldorf. Und bis vor ca. einem Monat bedeuteten die Leistungen der Fortuna und die der Borussia, dass man in der nächsten Saison endlich mal wieder aufeinander treffen würde. Da die Fortuna sich aber seitdem in Tempo und Spielwitz sehr dieser Sportart angeschlossen, deren ältester deutscher Verein in Düsseldorf beheimatet ist (und einige Spieler zeitweise gar noch älter wirken), hat sich dies schon wieder erledigt. Schwamm drüber, soll auch hier nicht das Thema sein. Umso mehr freut es denjenigen Fan, der über die Vorzüge eines Zweitvereins verfügt, wenn jener, in seiner Gunst doch ziemlich nahe am Herzen beheimatete Club, dann mit flotten und erfolgreichen Leistungen aufwarten kann, die einen wenigstens für einen kleinen Zeitraum von dem Schmonzes ablenken können, den sich der eigene Verein aktuell auf dem Rasen zusammen kickt. Aber auch in diesem Fall habe ich wieder instinktsicher daneben gegriffen, denn mein Zweitverein, der Hamburger SV, steht besonders nach dem letzten Spieltag wieder kurz davor, zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesliga aus selbiger abzusteigen. Wo man hinguckt, nur Verlierer!

Natürlich wäre diese Schlussfolgerung vor dem letzten Spieltag anders ausgefallen. Da stand der HSV nämlich noch da, wo er meiner Meinung nach hingehört: an der Spitze. Zwar nur, was die Rückrundentabelle betrifft, aber immerhin, nach der Hinrunde war man Vorletzter, was somit einer Drehung um flotte 180° Grad entspricht. Doch dieses eine Spiel gegen Stuttgart, bzw. eigentlich auch nur die erste Halbzeit, holte alle, die schon Richtung UI-Cup schielten (und mit einem Sieg wäre der HSV auf Platz 7 der aktuellen Tabelle gelandet!) gnadenlos wieder runter, und das große Zittern darf fortgesetzt werden.

Hamburger Defensive

Fangen wir dort an, wo es beim HSV eigentlich am wenigsten brennt: in der Abwehr. Zwar flogen denen im letzten Spiel gegen Stuttgart die Bälle nur so um die Ohren und ins Netz, aber mit ganzen neun Gegentoren hat der HSV immer noch die stärkste Abwehr der Rückrunde. Dies liegt unter anderem an Torwart Frank Rost, der in der Winterpause von Schalke 04 geholt wurde, und gleich von Null auf Hundert durchstartete. Hier mal ein gehaltenes Elfmeterchen, da mal ein sensationeller Reflex, außerdem beherrscht er sowohl den souveränen, abgeklärten Part als auch die gute alte Feldwebel-Nummer, wenn es darum geht, seine Vorderleute mal richtig rund zu machen. Natürlich haben auch solche guten Torleute mal ihre schwächeren Tage, aber so richtige Schwachstellen vermochte ich bei ihm nicht ausmachen. Ein Vergleich mit den zwei Fliegenfängern aus der Hinrunde verbietet sich schon aus reiner Höflichkeit, um die beiden nicht zu beleidigen. Für mich hatte Frank Rost einen großen Anteil am bisherigen Aufschwung in der Rückserie.

Kommen wir zur Innenverteidigung mit Reinhardt und Mathijsen. Auch wenn beide schon meinen Zorn erregt haben, Reinhardt durch dieses unfassbare Eigentor in Aachen, als er völlig unbedrängt aus zehn Metern (und ca. 12 Meter vor meinen entsetzten Augen auf der Hintertortribüne) zum Ausgleich einköpfte, Mathijsen letzte Woche beim 0:4 der Stuttgarter durch Meira, als er sich bei einer Ecke gemütlich an den Torpfosten lehnte und deshalb nicht schnell genug zur Tormitte kam, um den Ball noch wegschlagen zu können. Daher möchte ich den beiden zurufen: „Schickimicki könnt´ ihr zu Hause machen!" Aber da dies bislang so ziemlich die einzigen Vorwürfe sind, die man dem Duo machen kann, das ansonsten eisern die Abwehr zusammenhält und sich auch gerne mal bei Standards nach vorne schleicht, hoffe ich, dass sich solche Kinkerlitzchen am Freitag nicht wiederholen werden.

Auf den defensiven Außenbahnen darf mit Veränderungen gerechnet werden. Wie im Hinspiel wird wohl Thimothee Atouba wiederum nicht gesichtet werden können. Das Stehaufmännchen des HSV, erst wegen seines Gemosere über seinen Vertrag suspendiert, dann wegen des 12fachen Effe-Fingers in der Champions League gegen Moskau suspendiert, dann wegen seiner Kritik am Trainer suspendiert, alle fünf Minuten suspendiert, steht immer wieder auf, sobald die Luft rein ist, und mischt wieder mit. So auch am letzten Samstag, als er neben Jarolim bester HSVer war und sich auch noch mit bandagiertem Oberschenkel durchkämpfte, weil bereits dreimal ausgewechselt worden war. Da der sich nicht zum Spaß den Oberschenkel während eines Spiels in Zellstoff einwickelt, wird er ziemlich sicher fehlen. Auf seiner Position könnte Juan Pablo Sorin auflaufen, Argentiniens schönster Export nach einem saftigen Rindersteak, immer gut frisiert und dann noch in der Lage, einen Ball unfallfrei geradeaus zu spielen. Was ich von ihm bislang in dieser Saison gesehen habe, empfand ich eigentlich stets als recht ordentlich, leider war es viel zu wenig. Er ist in Hamburg in dieser Saison der Mann, dessen Leistungsnachweis man eigentlich komplett mit „verletzt, zwischendurch sporadisch aktiv" bewerten müsste. Schön, dass er spielerisch immer weiterhelfen kann, dumm nur, dass er dafür auch mal spielen müsste. Er soll fast wieder fit sein, für Stuttgart hat es nach Aussage des Trainerstabs noch nicht gereicht, für Gladbach wird es wohl reichen müssen. Etwas über seinen derzeitigen Leistungsstand zu sagen, erübrigt sich damit. Wenn er aufläuft, dann als Wundertüte.

Hinten rechts war in letzter Zeit erstaunlich oft Colin Benjamin zu finden, der ewige Wanderer zwischen den Welten, mal Ersatzbank, mal Zweite, mal Erste Mannschaft. Unter Stevens scheint er sich endgültig festgebissen zu haben und glänzt des Öfteren durch gutes Zweikampfverhalten und schnelle Offensivvorstöße. Wenn dem jemand noch das Gefummel am eigenen Strafraum austreiben könnte, könnte das glatt was werden mit ihm, zumal er vielseitig einsetzbar wäre. Aber ich glaube, das sag ich auch schon seit ca. fünf Jahren...Auf der Bank hätte Trainer Huub Stevens mit Abel, Wicky und Klingbeil dann noch drei Abwehrrecken, Guy Demel fällt weiterhin aus.

Auch im Mittelfeld wird es Veränderungen geben, der junge Änis Ben-Hatira trat sich gegen Stuttgart aus der Mannschaft, was aber wohl eher den Trainer der Zweitvertretung, Karsten Bäron, ärgern wird. Mahdavikia ist platt, es ist fraglich, ob er eine weitere Chance bekommt, vielleicht eher auf der rechten Verteidigerposition. Trochowski und Laas stünden bereit, wobei Laas, für mich eigentlich die Entdeckung der Saison, zuletzt auch ein wenig schwächelte. Gesetzt sind für mich Nigel de Jong, von dessen Einsatzwillen man munkelt, dass er an trainingsfreien Tagen gerne mal die Löcher in den Edamer grätscht, damit es ihm nicht zu langweilig wird, sowie David Jarolim, der als Einziger auch gegen Stuttgart eine ansprechende Leistung bot. Ist übrigens bekannt, dass Jarolim laut Statistik tatsächlich derjenige Spieler ist, der in dieser Saison am zweithäufigsten gefoult wurde (Spitzenreiter: Diego von Werder Bremen)? Doch, doch, es ist wahr, es fällt nur nicht so auf, weil er gleichsam in etwa dieselbe Anzahl von Schwalben zu produzieren pflegt. Für den Fall, dass er mal auf den Füßen bleibt, ist er in der Rückrunde jedoch für das Angriffsspiel unentbehrlich und auch als Vorbereiter brandgefährlich - huch, ein Poem! Ja, Ehre, wem Ehre gebührt, denn ich denke, derzeit besser ist im Team nur einer.

Hamburger Offensive

Womit wir beim Angriff wären: Rafael van der Vaart! Muss man mehr sagen? Ich glaube nicht. Die aktuelle Lebensversicherung des HSV. Läuft es bei ihm, laufen alle anderen automatisch mit, kann er nichts reißen, geht es fix bergab mit der Truppe. Sollte er dann noch schlechte Laune bekommen, wird's eng. Also alles wie in der Hinrunde, wenn er denn da mal spielen konnte. So hätte er zum Beispiel gegen Stuttgart nach einer Blutgrätsche wieder mal vom Platz fliegen müssen. Dass er als Leitfigur mit solchen Aktionen nicht nur sich selbst, sondern besonders der Mannschaft schadet, scheint bei ihm noch nicht bis ins Kleinhirn vorgedrungen zu sein, denn die Leistung der Mannschaft steht und fällt größtenteils mit seinem Auftreten. Vielleicht könnte ihm seine Sylvie etwas in dieser Art mal zärtlich ins Ohr flüstern. Dafür bin ich nicht auch noch da.

Damit wären wir mit dem Thema „Sturm" durch. Über Boubacar Sanogo weigere ich mich zu schreiben. Obwohl: was der in der Rückrunde schon an 100%igen Torchancen versiebt hat, lässt die Hoffnung aufkommen, dass der Knoten irgendwann mal wieder platzen muss, warum nicht am Freitag? Ansonsten sollte er sich nach der Saison mal bei Fortuna Düsseldorf bewerben, wir lieben solche Leute. Unfassbar, so ein Absturz. Für ihn könnte Ivica Olic mal von Anfang spielen, obwohl ich nicht weiß, ob dem das zuzumuten ist, ist doch eine sehr lange Zeit, diese 90 Minuten. Immerhin, der Typ ähnelt stark einer Eckfahne, nur lange nicht so beweglich, und steht trotzdem ab und zu mal richtig. 3 Buden hat er in der Rückrunde schon gemacht, natürlich nur gerüchteweise, denn laufen hat ihn nie jemand gesehen. Aber wer weiß, wenn er wirklich mal von Anfang an ran darf, vielleicht explodiert er ja. Würde auch langsam mal Zeit, davon abgesehen. Aber wenigstens ist er anscheinend immer für ein Tor gut, allein dies sollte als Kriterium schon ausreichen, um den Vorzug vor Sanogo zu erhalten. 

Das war's. Benny Lauth haben sie nach Stuttgart abgegeben, wo er mit Maultaschen erstmal anständig aufgepäppelt werden soll, Danijel Ljuboja wird mittlerweile sogar schon in der Zweiten Mannschaft ausgewechselt, wenn sich deren Trainer Bäron lange genug über seine Frisur schlapp gelacht hat. Und bei Paolo Guerrero weiß ich als Außenstehender nicht, ob der derzeit verletzt oder vielleicht gar nicht mehr in Hamburg ist, so lange hab ich ihn nicht gesehen. Allerdings habe ich ihn bislang auch nicht ernsthaft vermisst. Andere Stürmer sind nicht vorhanden. Unter Stevens braucht man so etwas auch nicht, zumal ja, wie gesagt, auch Jarolim oder Trochowski offensiv durchaus Akzente setzen können.

Der Name des Aufschwungs ist soeben gefallen: Trainer Huub Stevens hat als Nachfolger des reichlich glücklosen Thomas Doll, der mit Dortmund gerne absteigen darf, dem HSV wieder Leben eingehaucht. Natürlich geht das bei ihm nur über eine stabile Abwehr. Dies hat er bemerkenswert schnell geschafft. Und gleichzeitig hat er das Genie van der Vaart irgendwie wieder hochgezogen. Vielleicht liegts ja an der Sprache. Mathijsen in der Abwehr, de Jong im Mittelfeld, van der Vaart im Sturm, Stevens an der Seitenlinie - niederländisch, so weit das Ohr reicht. Und mittlerweile dürften es auch die Mitspieler verstehen.
Ich bin vorsichtig optimistisch, was den Klassenerhalt des HSV angeht. Zwei Faktoren können derzeit so richtig ins Negative schlagen: zum einen die schwere Erkrankung der Ehefrau des Trainers, welche ihn leider (für alle Beteiligten) dazu zwingt, einen Großteil der Zeit an ihrem Krankenbett zu verbringen und seinem Co die Verantwortung zu überlassen. Und was ein Markus Schupp so in der täglichen Trainingsarbeit zelebriert, konnte man zwei Jahre lang beim Weltverein Wacker Burghausen besichtigen. Zum anderen natürlich das Stuttgart-Spiel. So wie die Truppe dort in den ersten 45 Minuten auseinander genommen wurde, das kann einen Knacks hinterlassen haben. Es wird viel davon abhängen, ob man sich direkt wieder so ausspielen lässt, oder ob man die Abwehr diesmal besser im Griff hat. Dann wird auch nach vorne etwas gehen. Hoffe ich zumindest, ein kleines bisschen skeptisch bleibe ich allerdings. Das gehört für mich in dieser Saison einfach dazu.

Schiedsrichter

Dr. Markus Merk wird das Spiel der Borussia gegen den HSV pfeifen. Der renommierte FIFA-Schiedsrichter darf zum ersten Mal in dieser Saison in den Borussia-Park anreisen. Begleitet hat er Borussia aber schon bei den Auswärtsspielen in Berlin (1:2) sowie in München (1:1), wo er insgesamt souverän pfiff, obwohl die Hertha gerne noch einen Elfmeter zugesprochen bekommen hätte. Auffallend, daß der Zahnarzt in dieser Saison bei 18 Erst- und 3 Zweitligaeinsätzen noch keinen Spieler vom Platz stellte. Selbst der rotsüchtige HSV ging beim 0:1 in Wolfsburg leer aus. In diesem Spiel erwischte Merk aber einen schwachen Tag, da er gleich mehrere Elfmeter nicht pfiff und Hanke trotz Nachtretens nicht vom Platz stellte. Ähnlich gnädig erwischte es Willy Sagnol vor einigen Wochen, der beim Spiel Bayern-Werder zwingend hätte Rot sehen müssen, was ihm Merk aber unverständlicherweise verweigerte.
Bilanz

Der Hamburger SV ist, glaubt man den Statistiken, ein gern gesehener Gast in Mönchengladbach. Nur eine Niederlage in den letzten zehn Jahren ist notiert (1:3 am 24.11.2004). Das letzte Heimspiel gegen den HSV (0:0) gilt noch heute als eines der besten seiner Art seit dem Umzug an die Hennes-Weisweiler-Allee im BorussiaPark stattfand. Vor damals ausverkauftem Haus lieferten sich beide Teams ein offensivfreudiges und schnelles Heimspiel, in dem Borussia dem Sieg näher war als der Gast aus Hamburg. Insgesamt konnten von 41 Heimspielen gegen das Gründungsmitglied der Bundesliga 19 Partien gewonnen werden. Demgegenüber stehen 13 Unentschieden und lediglich 9 Niederlagen.

 
Aufstellungen

Borussia: Keller - Bögelund, Gohouri, Ze António, Jansen - El Fakiri, Delura, Kluge, Insua - Rafael, Lamidi
Ersatz: Heimeroth, Svensson, Svärd, Polanski, Neuville, Compper, Kahê
Es fehlen: Daems, Marin, Baumjohann

Hamburger SV: Rost - Benjamin, Reinhardt, Mathijsen, Sorin - Mahdavikia , de Jong, Jarolim, Trochowski - van der Vaart - Olic
Ersatz: Wächter - Klingbeil, Abel, Wicky, Laas, Sanogo
Es fehlen: Atouba, Ben-Hatira

Schiedsrichter: Dr. Markus Merk (Kaiserslautern)
Assistenten: Peter Henes, Heiner Müller
4. Offizieller: Markus Kuhl

SEITENWAHL-Meinung

Thomas Zocher: Ein weiterer „Showdown" an der Hennes-Weisweiler-Allee in dieser Saison. Auf dem Spiel steht die letzte Hoffnung und als Ausfahrt steht das Schild mit der Buchstabenkombination „Schweineliga" für manchen Gläubigen druckfrisch bereit. So wird es denn ein Spiel, in dessen Waagschale man sämtliche nicht niet- und nagelfeste Dinge werfen muss, um bestehen zu können. Der Borussia gelingt das, sie zieht mit 2:1 den Längeren und pirscht sich noch einmal an das Ufer heran.

Michael Heinen: Die ersten 4 Heimspiele der Saison wurden allesamt gewonnen. Oliver Neuville erhofft sich ein ähnliches Ergebnis auch von den letzten 4 Heimspielen. Leider geht diese Rechnung aber schon am Freitag abend nicht auf. Erneut kommt Borussia daheim nicht über einen Punkt hinaus. Mit 0:0 endet ein höchst durchschnittliches Spiel, das auch die letzten Resthoffnungen auf einen Klassenerhalt zerstört.

Christoph Clausen: Es bleibt dabei: Solange wir nicht definitiv abgestiegen sind, tippe ich stur auf Sieg. Realismus gibt's dann wieder nächste Saison. Insofern: 3:1 für uns.  

Mike Lukanz: Keiner sollte den Fehler machen und den HSV aufgrund der 2:4-Pleite gegen den VfB Stuttgart unterschätzen. Die Frage bleibt, ob und inwieweit der Gast die derbe Schlappe verkraftet hat. Gelingt es Borussia, frühzeitig Druck aufzubauen, das oft undisziplinierte Auftreten der Hamburger für sich zu nutzen und endlich früh die Führung zu erzielen, ist ein Sieg durchaus möglich. Viele Eventualitäten, sicherlich, aber seit wann sind Tipps von Sachlichkeit geprägt? Schlussendlich halte ich es wie der Kollege Clausen: wenn schon mit Optimismus untergehen, dann mit wehenden Fahnen: 2:1 für Borussia.

Christian Heimanns: Nachdem Borussia mittlerweile Übung darin hat, letzte und allerletzte Chancen zu verhauen, wird es auch gegen den HSV nicht besser aussehen. Nach dem ernüchternden 1:1 werden die Optimisten rar.

Hans-Jürgen Görler: Gegen den Hamburger SV hat die Borussia die nun wirklich allerletzte Chance, noch einmal in den Abstiegskampf einzugreifen. Diese wird sie nutzen, da auch das Team von Huub Stevens wieder einen Durchhänger zu haben scheint. Die Borussia gewinnt 2:0 und nährt so weiter Hoffnungen auf den Ligaverbleib bzw. verlängert das Leiden der eigenen Fans.

Carsten Koslowski: Vier Gegentore in einem einzigen Spiel! Huub wird drei Nächte nach dem Stuttgart-Spiel nicht geschlafen haben, allerdings eher vor Wut denn vor Sorge. Ergo wird er erstmal ordentlich Beton anrühren. Und wenn ein Reporter ihn nach dem Spiel fragt, ob dieses 0:0 nicht vielleicht zu wenig sei, wird er ihn ordentlich rundmachen. Die Sache mit dem Toreschießen wird ja auch häufig überschätzt. Ich will nur hoffen, dass der HSV sich nicht „versehentlich" mit der besten Abwehr der Rückrunde in die 2. Liga mauert. Solche Rekorde braucht kein Mensch.

Der Gast im Internet: Hamburger SV

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  • RT @MichaelCUISANCE: Danke fur allés, es its nur der anfang 🙌🏼🐎 @borussia
  • @Neun_Drei Auch verletzt?
  • Während jeder Raffaels Tore feiert, sollte man auch den Jüngsten sehr loben. Bravo, vous avez bien fait, @MichaelCUISANCE! #bmgvfb
  • @Neun_Drei Was fehlt?
  • Milliarden Chinesen, die am Wochentag nachts um 0.30 Uhr 2 Stunden deutsche Bundesliga gucken, sind die Zielgruppe dieser Anstoßzeit #bmgvfb
  • @jarkoh Siegtor Max Eberl.
  • Wenn das so kommt, wie es sich liest, sind morgen Dirk Bremser, Max Eberl & Uwe Kamps im Kader. #BMGVFB

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