Am 23. Spieltag der Bundesligasaison 2006/2007 duelliert sich der Tabellenletzte mit dem zuletzt in der Liga nicht mehr taufrischen Herbstmeister und die wirklich einzige Hoffnung, der sich die zum Tabellenletzten haltenden Anhänger für den Ausgang und den Verlauf dieser Begegnung hingeben können, ist und bleib ein Sonntagabend im November 2005, als eine ebenfalls in Norddeutschland angesiedelte Erfolgsmannschaft in die Stadt kam und wohl den Auslöser dafür bot, dass die Heimelf eines der besten Heimspiele der vergangenen 2 Jahre darbot.

Borussia

Fünf von siebzehn Rückrundenspiele sind vorbei, von den fünfzehn möglichen Punkten holte die Mannschaft von Heynckes-Nachfolger Jos Luhukay ein Drittel und dürfte bei derart anhaltender Ausbeute am Saisonende mit 32 Zählern den zweiten Bundesligaabstieg der Vereinsgeschichte zur Realität gemacht haben. Hinzu kam nach dem vermeintlich bahnbrechenden Auswärtserfolg bei den Bielefelder Arminen gegen den Mitkonkurrenten Alemannia Aachen und gegen den vermeintlichen Mitkonkurrenten Borussia Dortmund eine Mannschaftsleistung, die bei der Anhängerschaft der Borussia dafür sorgte, dass man sich bereits einen Spickzettel mit den Anfahrtswegen zu den bekanntesten Zweitligastadien zurechtschrieb. Dass dabei ein Name, der des alten Rivalen 1. FC Köln, ein altbekannter ist und bleibt, mag für den Moment tröstend erheitern, macht aber das ganze Ausmaß der Trostlosigkeit dieses beginnenden Frühlings erst so richtig deutlich. Nur Freunde des Sarkasmus werden ihre Freude an der Feststellung haben, dass mit sinkender Ligagröße durch eine solche Angleichung des Leistungshorizonts für die momentane Komposition der Borussenmannschaft zumindest die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, dass die Häufigkeit von Tor- und Punkteerfolgen nicht eines Aufeinandertreffens von Geburtstagen mit Weihnachtsfesten gleichkommt. 

Dass man in Ermangelung guter Resultate der vereinseigenen U23 in der leistungsstärkeren Regionalliga in Zeiten schlechter Ergebnisse der Lizenzspielerelf noch nicht einmal mehr bei der U23 eine Ersatzbefriedigung findet, mag die schlechte Laune und das Gefühl der Enttäuschung noch potenzieren. Dazu mag sich gesellen, dass die direkte Konkurrenz im vermeintlich durch die Borussia bereits angenommenen Überlebenskampf durchaus zu Punkten weiß; so sammelte der Hamburger SV immerhin acht, der FSV Mainz 05 bereits deren dreizehn Zähler im Vergleichszeitraum seit dem  27. Januar.

Indes, nur mit Jammerei hat sich noch keine Situation lösen lassen. Auch wenn die Lage noch so prekär scheint, letztlich ist es immer möglich in jedem Spiel einen Sieg davon zu tragen. Derweil es logisch bleibt, dass es bei der Qualität eines Gegners wie Werder Bremen allein mit gutem Willen längst nicht zum Erfolg reichen dürfte. Der Nachweis von gutem Willen, der letztlich ein Attest über die Bereitschaft der Mannschaft zum Klassenerhalt wäre, wäre im Vergleich zu der Partie gegen Borussia Dortmund im ehemaligen Westfalenstadion am vergangenen Wochenende jedoch wenigstens ein Zeichen der Mannschaft an eine nach Bekenntnissen dürstende Anhängerschar.

Borussias Defensive  

Die wenigste Diskussion gibt es über die Besetzung der Torwartposition. Gerade in Dortmund, als sich seine Mitspieler dem Trend des Saisonverlaufs nicht entgegenstellten, konnte sich Torwart und Mannschaftskapitän Kasey Keller als fester Bestandteil der Spielercombo auszeichnen, die ähnlich der beschriebenen Musikkapelle auf dem versunkenen Luxusliner Titanic bis zum bitteren Ende ihren vertraglichen Pflichten nachkommt. Ohne den Amerikaner im Borussentor hätten die Westfalen in der ersten wie in der zweiten Halbzeit das eine und das andere Tor mehr erzielen können und dabei der banal vor sich hin pfuschenden Borussia die Möglichkeit eines (letztlich nicht eingetretenen) Glückstreffers vorab entzogen.

Gibt es bei der Torwartposition keinerlei Diskussion, beginnt diese schon auf der rechten Abwehrseite bei Kasper Bøgelund. Der mehrfache dänische Nationalspieler steht seit kurz vor Ende der Hinrunde wieder im regelmäßigen Mannschaftstraining, doch hat sich die ihm dort vermittelte Kunst noch nicht in seinem Können etabliert. So mutet es für ihn zu schwierig an, Defensivaufgaben mit Offensivmöglichkeiten zu paaren und damit hebt er sich nicht sonderlich von seinem mittlerweile nach Odense entlassenen Landsmann Thomas Helveg ab. Obschon man gerade bei Helveg sehen konnte, dass es Fußballer gibt, die mittels häufigeren Einsätzen in ihrem Spiel zu mehr Ballsicherheit gelangen können. 

Ein Problem ganz anderer Art besitzt der Bøgelunds Landsmann Bo Svensson zuletzt in der Innenverteidigung vorgezogene Steve Gohouri. Der kopfballstarke Athlet von der Elfenbeinküste droht den gleichen Vorurteilen anheim zu fallen wie der Australier Craig Moore vor zwei Jahren. Ähnlich wie der Mann aus „Down Under" schont der sprunggewaltige Verteidiger beim Zweikampf weder sich noch einen Gegenspieler, doch aufgrund falschverstandenem Fairplay bei Publikum wie vor allem Schiedsrichtern wandelt er dadurch regelmäßig auf dem so genannten „schmalen Grad". In Dortmund, wo die Schwalben in traditioneller Art und Weise tief fliegen, war gerade dies im Spielverlauf wieder breit plakatiert worden. Ein wenig eleganter zieht sich dabei sein Kompagnon Zé António aus der Affäre, wenngleich der Mann aus Torres Vedras längst nicht mehr die Souveränität ausstrahlt, die er in den ersten sechs Monaten seines ersten Borussenvertrages innehatte; inwiefern dies damit zusammenhängt, dass seit geraumer Zeit auf der linken Abwehrseite mit Marvin Compper ein Nachwuchsspieler agiert, sei dahingestellt, dem Tübinger kann man dennoch wie dem Portugiesen eine gute Portion guten Willen nicht absprechen und dies, wenngleich man überlegen müsste, inwiefern es sinniger wäre auf der im aktuellen Fußball nicht unwichtigen linken Außenverteidigerposition besser mit Leistungsträger Marcell Jansen wieder auf ein schon altbewährtes wie gleichermaßen funktionstüchtiges Schwungrad des Borussenspiels zu bauen.

In der Partie gegen Bielefeld beeindruckten auf der der Defensive zuzurechnenden Position vor der Abwehr Eugen Polanski und Peer Kluge, leider wussten beide dies in diesem Rahmen in den folgenden Spielen gegen Aachen und Dortmund nicht zu wiederholen. Wenngleich Peer Kluge insgesamt der leistungsstabilere dieses Duos ist und bei Polanski die Tücke des zweiten Seniorenjahres mit falscher Selbsteinschätzung kollidiert und dazu führt, dass der Kapitän der U21-Nationalmannschaft des DFB in seinen Auftritten rundweg anmaßend und pomadig erscheint; die Situation im Kader will es aber so, dass es kaum Alternativen zu dem dennoch natürlich hochveranlagten Nachwuchsprofi gibt.

Borussias Offensive  

Zieht man alle jene Partien von den gespielten 22 Begegnungen dieser Saison ab, in denen die Borussia mehr als einen Treffer erzielt hat, kommt man einerseits auf die Zahl achtzehn und andererseits auf die Zahl elf. In elf Spielen blieb Borussia ohne eigenes Tor, in weiteren sieben erzielte sie lediglich ein Tor. Und so ergibt sich eine Ausbeute, abzüglich Elfmeter wie Eigentore, von mickrigen sechzehn Saisontoren. Wer nach einem Grund für die Tabellenposition sucht und wem dabei die mangelnde Leistungsbereitschaft bei einem Großteil des Kaders nicht als ausreichendes Argument erscheint, der kann sich im Stile des Katastrophentouristen an der Harmlosigkeit der Borussenoffensive ergötzen.  

Zur Zielscheibe der Kritik ist vor dem Hintergrund dieser Gefahrlosigkeit immer wieder der meist im Joggingtempo tief ins Mittelfeld zurückfallende Carlos Eduardo de Souza Floresta („Kahê") geworden, der im Umfeld längst als Synonym wie alleiniger Prügelknabe für den von großen Teilen ungeliebten Sportdirektor Peter Pander gilt. Trotz all seiner augenscheinlichen Unzulänglichkeiten wäre es aber realitätsfern die Problematik der Borussia vollständig an diesem Spieler festzumachen, da er von seinen Mitspielern meist nur zur Kaschierung eigenen Unwillens missbraucht wird, wenn diese sich dem auf dem Papier symbolisierten Gefahrenpunkt in des Gegners Strafraum selbst berauben, in dem sie Kahê mit turmhohen Bällen in das vordere Mittelfeld dazu zwingen mit dem Rücken zum Tor die Bälle anzunehmen und von dort weiterzuleiten. Dieser Erbärmlichkeit könnte man vermutlich mit einer zweiten Planstelle im Angriff auf die Sprünge helfen, doch wurde diese Planstelle seit einiger Zeit für die Verwendung eines zweiten defensiven Mittelfeldspielers der Defensive zur Verfügung gestellt und damit dem Eindruck Vorschub geleistet, Borussia Mönchengladbach benötige mittlerweile einen elften Feldspieler, um Torgefahr erzeugen zu können.

Es ist derweil jedoch nicht so, dass die fehlende Durchschlagskraft (oder schon die fehlende Möglichkeit während des Spiels diese unter Beweis zu stellen) nicht von den Trainerteams erkannt worden sei. So ist Jos Luhukay keinesfalls der Erste in dieser Saison, der Sonderübungen (für die Offensivabteilung) angesetzt hat. Auch wenn er der Erste ist, der für Sonderübungen vom vollends bematschten Boulevardjournalismus wie ein direkt vom Himmel entsandter dafür gefeiert wird.

Der Gegner aus Bremen  

Immer wenn in Mönchengladbach im fröhlichen Abstand eines Trainerwechsels über Kontinuität palavert wird und man im Anschluss daran wieder vorführt, dass man den Begriff wohl zu keinem Zeitpunkt überhaupt hätte buchstabieren können, wird man sich in Bremen die Hände reiben. Seit dem 10. Mai 1999 ist dort mit Thomas Schaaf ein und derselbe Trainer, seit dem 13. Juli desselben Jahres mit Klaus Allofs ein und derselbe sportliche Geschäftsführer tätig.
Während man die in Mönchengladbach in einem ähnlichen Zeitraum installierten und für den letzten erwähnenswerten Erfolg des Klubs, den Wiederaufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga, verantwortlichen Führungskräfte längst zum Teufel gejagt hat (oder sie hat auch zum Teufel jagen lassen), indem man nicht mit dem nötigen Nachdruck dafür sorgte, dass sie blieben, beweist das Bremer Zusammenwirken von Geschäftsführer mit Trainer nicht erst durch die gewonnene Meisterschaft 2004 und den Pokalsieg im selben Jahr, wie unerlässlich es ist auf den wirklich entscheidenden Positionen eines Fußballvereins miteinander harmonierende Personen platziert zu haben. 

Nachdem der SV Werder in der Vorsaison in der Champions League nur aufgrund eines späten Gegentores gegen Juventus Turin und im DFB-Pokal leidlich aufgrund eines starrköpfigen Entscheids des Deutschen Fußball-Bundes im Viertelfinale beim FC St.Pauli ausgeschieden war, erzielte man mittels der restlichen Bundesligaspielzeit immerhin den Vizemeistertitel vor dem Nordrivalen Hamburger SV und durfte somit in der aktuellen Spielzeit abermals sein Glück in der europäischen Elite der Champions League testen; jenes war den Werderanern jedoch in der Vorrundengruppe mit Chelsea London, Levski Sofia und dem FC Barcelona letztlich nicht wohlgesinnt und so landete der Klub zur zweiten Saisonhälfte im UEFA-Pokal.

Nachdem sich die Elf von Trainer Schaaf beim Regionalligisten Pirmasens ein peinliches Aus im DFB-Pokal geleistet hatte, das im Gegensatz zu den Verhältnissen in Mönchengladbach nach dem Aus in Osnabrück (eine Runde später) allerdings nicht zu Respektlosigkeiten gegenüber dem Qualitätstrainer des Vereins führte, absolvierten die Norddeutschen eine bemerkenswerte Hinrunde. Eher nebenbei besiegten sie in deren Verlauf, an dessen Ende der trophäenarme Herbstmeistertitel prangte, im heimischen Weserstadion die Borussia souverän mit 3:0. Besonders hervor tat sich in diesem Halbjahr der für knapp 6 Millionen Euro aus Portugal geholte Nachfolger von Johan Micoud im zentralen Mittelfeld, Diego Ribas da Cunha, wohingegen der für eine vergleichbare Ablöse aus Hannover abgeworbene deutsche Nationalverteidiger Per Mertesacker erst eine Fersenoperation dafür abwarten musste.

Nach einem erwartet ordentlichen Auftakt in die laufende Rückrunde der Bundesliga strauchelte die Mannschaft zuletzt dreimal in Folge. Den Anfang bot eine 0:2-Heimniederlage gegen den Mitkonkurrenten Schalke 04, als Bremen seinen gesperrten Nationalspieler Torsten Frings nicht adäquat ersetzt bekam, sowie eine deutliche Niederlage beim VfB Stuttgart (1:4), einem weiteren Mitkonkurrenten um den Meistertitel. Eher überraschend blieb dabei die dritte Pleite, daheim gegen den in dieser Spielzeit abstiegsgefährdeten Hamburger Sportverein - kurz unterbrochen wurde diese Schaffenskrise von einem routiniert erzielten 3:0 im UEFA-Cup-Spiel gegen den niederländischen Vertreter Ajax Amsterdam.

Bremens Defensive  

Die Innenverteidigung um Ronaldo Aparecido Rodrigues („Naldo") und den erwähnten Per Mertesacker dürfte zu den besten drei zentralen Abwehrpärchen der Liga zählen, nachdem das Hamburger Duo Boulahrouz/van Buyten seit dieser Saison nicht mehr existent ist, das Duo Lucio/van Buyten nicht reibungslos funktioniert und sonst meist nur ein einziger Verteidiger eines Innenverteidigergespanns (Mathieu Delpierre beim VfB Stuttgart, Marcelo Bordon beim FC Schalke 04) so fehlerlos agiert. Überrascht dies bei Per Mertesacker nicht, ist die genommene Entwicklung des Ronaldo Aparecido Rodrigues bemerkenswert. Noch vor dem Spiel Borussias bei Werder Bremen in der Hinrunde war an dieser Stelle zwar einerseits vor den Vorstößen und vor, vor allem, den Freistößen des Brasilianers gewarnt worden, doch auch darauf verwiesen worden, dass der Südamerikaner gerne Konzentrationsmängel offenbart und dadurch scheinbar leichte Ballverluste in Drucksituationen produziert. Diese Beobachtung war zuletzt hinfällig, der Brasilianer spielt eine ebenso gute Saison wie auch Clemens Fritz als Rechtsverteidiger und Dritter von vier Stammspielern in der Abwehr.

Somit reduziert ist das Gefahrenpotential auf lediglich Torhüter Tim Wiese und Linksverteidiger Pierre Womé, der an guten Tagen, ebenso wie sein Hamburger Pendant Timothee Atouba, prächtige Spiele abliefern kann, im Durchschnitt aber häufig für Aussetzer zahlt, die ihm von Seiten Thomas Schaafs auch noch nicht vollends ausgetrieben wurden. Die Alternative auf dieser Position, Eigengewächs Christian „Schulle" Schulz, wirkt allerdings biederer als der athletische Afrikaner, könnte sich aber vor allem dann bewähren, wenn der Mann aus Kamerun durch seine wiederaufgenommene Nationalmannschaftskarriere abgelenkt wirkt. Nichtsdestotrotz dürfte gegen Borussia dort jedoch Pierre Womé beginnen.

Zu Torwart Tim Wiese hingegen würde sich mit dem Veteranen Andreas Reinke ein ungleich robusterer Ersatzmann anbieten und bei aller Wertschätzung, die man den Werderanern für ihre Personalsuche und für die Akquirierung ihres Kaders offen entgegenzubringen hat, mitunter wird es nicht deutlich, weshalb der ehemalige Kaiserslauterer Wiese ihre Nummer Eins sein sollte. Wiese lebt zunächst von seiner Art Mitspieler für seine eigenen Unzulänglichkeiten verantwortlich zu machen und auch wenn er bisweilen sehr behände aus seinem Tor eilt, wenn man ihn beispielsweise mit dem stilistisch nüchternen Hannoveraner Robert Enke oder dem ebenso überlegen agierenden Nürnberger Raphael Schäfer vergleicht, dürfte es wie auch bei Dortmunds Roman Weidenfeller eigentlich keine Diskussion darüber geben, dass eine Karriere in der deutsche Nationalmannschaft für Wiese wie Weidenfeller noch ein langer, ein ziemlich steiniger und absolut beschwerlicher Weg sein müsste. Seinem Kontrahent im Verein, Andreas Reinke, der seinen Stammplatz im Werdertor nur deshalb verlor, weil ihm in der Vorsaison ein Gegenspieler die Gesichtsknochen zertrümmerte, ist jedenfalls die Enttäuschung darüber abzunehmen, dass das Tor der Werderelf seit geraumer Zeit von Wiese gehütet wird.

Bremens Offensive

 

Die längst heimisch gewordene eselige Peinlichkeit innerhalb des deutschen Sportjournalismus lässt sich dieser Tage auf einen einzigen Umstand herunterbrechen: Die geradezu dummdämlich anmutende Erfassung der Minuten, in denen der Angriffsspieler des SV Werder, WM-Torschützenkönig Miroslav Klose, ohne eigenes Tor ist.

So unzweifelhaft der in Polen geborene und in der Pfalz aufgewachsene ein Weltklassestürmer von oberster Güteklasse ist, so vermessen ist so manche Schlagzeilen erpressende Behauptung in der deutschen Öffentlichkeit gerade in Zeiträumen, in denen der ehemalige Akteur der SG Blaubach Diedelkopf einmal nicht in seiner gewohnten Häufigkeit das gegnerische Tornetz heimsucht. Man erinnere sich beispielsweise an die Weltmeisterschaft 2002 in Asien, als der 28-jährige alle seine fünf Turniertreffer in der Vorrunde markierte und sich spätestens ab dem Viertelfinale vorrechnen lassen musste, dass seine Tore ausschließlich gegen Hinterbänkler der ansonsten gern verschwiegenen FIFA-Weltrangliste gefallen seien. Oder an die nicht minder holzköpfige Rechnung, die in den Jahren zwischen den beiden letzten Weltmeisterschaften immer angestrengt wurde, wonach der agile Stürmer eben seit jener WM im Fernen Osten nunmehr ohne Kopfballtor sei.

Dabei unterschlägt der für die Berichterstattung entlohnt werdende Journalist in seinem auf die Auflagenzahl fixierten Dünkel selbstredend, dass der immerhin schon elf Tore bei Weltmeisterschaften erzielt habende deutsche Topstürmer auch in Phasen, in denen er nicht selbst zum Abschluss gekommen ist, stets wichtige Dienste für seine Mannschaft leistete und mit seiner strebsamen Bereitschaft zum Teamspiel so manchem dadurch freigeblockten Mitspieler einen Torerfolg auflegen konnte; in Mönchengladbach wäre man in Zeiten, in denen die Torgefahr spärlich den homöopathischen Bereich verlässt, froh um jedes auch nur von einem Stürmer so vorbereitete Tor.

Froh wäre dieser Tage gern auch der noch in der Vorsaison neben Klose für Furore sorgende kroatische Nationalspieler Ivan Klasnic, doch der in Hamburg geborene Stürmer fällt schon seit geraumer Zeit, und noch geraume Zeit, wegen einer Nierenerkrankung aus. In diese Phalanx war während der Hinrunde zuvorderst der in Goslar im Harz geborene deutsche Juniorennationalspieler Aaron Hunt gestoßen und hatte an der Seite von, eben, Klose für so manchen Jubelschrei gesorgt. Nachdem jener jedoch im U21-EM-Qualifikationsspiel gegen das ihm mütterlicherseits verbundene Albion von seinen Gegenspielern mit einen Schlichtungstermin vor der UEFA „belohnt" wurde (ihm wurden rassistische Beleidigungen u.a. gegen Anton Ferdinand unterstellt), ist auch er ein Stück von der Ideallinie abgekommen und hat somit den direkt hinter ihm in der Stürmerhierarchie der Norddeutschen rangierten Kräften wieder Hoffnung auf einen Stammplatz machen können.
Nachdem der sich in Bremen kaum zur Geltung gekommene und im Winter auch von der Borussia umworbene Ägypter Mohamed Zidan für 2,5 Millionen Euro ins rheinhessische Mainz abgewandert ist, tummeln sich dort der weiterhin ausgeliehene portugiesische U21-Internationale Hugo Almeida (dessen Verpflichtung am Saisonende die hanseatischen Kassen um eine Summe von 4 Millionen Euro erleichtern würde) und der schwedische A-Nationalspieler Markus Rosenberg, seines Zeichens Wintereinkauf von Ajax Amsterdam und ein weiterer Attest für die formidable Arbeitsweise des vierfachen Meisters in Sachen Spielersichtung.

Zwischen Defensive und Offensive geistern bei den Bremern Spieler herum, die das Prädikat Mittelfeldspieler nicht allein deshalb verdienen, weil sie ihrerseits auch durchaus regelmäßig im Verlauf einer Saison das Tor treffen. Neben dem längst stadtbekannten Diego Ribas da Cunha bilden in Ermangelung des seit geraumer Zeit schwerer an der Achillesssehne verletzten Frank Baumann vor allem die deutschen Nationalspieler Torsten Frings (zentral defensiv) und Tim Borowski (gewiss auf einer der Halbpositionen) das Gerippe der Bremer „Raute" in diesem Mannschaftsteil. Gern ergänzt durch den Dänen Daniel Jensen, bisweilen aber auch vom in Leverkusen wie in Stuttgart gescheiterten Kroaten Jurica Vranjes, bildet sie quasi den Maschinenraum der Elf und verleiht mit ihren multiplen Schwungrädern der Mannschaft (Frings, Diego, Borowski) unverwechselbare Instinkte.

Schiedsrichter

Der Deutsche Fußball-Bund konnte sich trotz gewohnter enger Absprache mit seinen Funktionären für das Schiedsrichterwesen noch nicht dazu durchringen, für diese Partie beiden Mannschaften einen so genannten Unparteiischen zuzuweisen. Bis zum Spieltag sollen die Würfel dafür aber gefallen sein.
 
Bilanz

Wenn man sich allein auf die vergangenen Resultate in Heimspielen gegen den SV Werder Bremen bezieht, so wird man bei 22 Siegen, 6 Remis und zehn Niederlagen eigentlich kaum die Vorzeichen der diesjährigen Begegnung erkennen. 2004 gelang den Gästen von der Weser nicht nur in der Meisterschaft und im Pokal, sondern auch letztmalig ein Erfolg bei der Borussia. In der letzten Minute der Begegnung auf dem nunmehr zu Staub umgebauten Bökelberg erzielte Frank Baumann den Bremer Siegtreffer, nachdem zuvor Vaclav Sverkos für die damals von Holger Fach betreute Borussia die Führung und Ivan Klasnic den Ausgleich für Bremen erzielt hatte. Im ersten Spiel beider Mannschaften in Borussias neuem Stadion gewann die Borussia ebenso (3:1), wie beim letzten Match im vorvergangenen Herbst unter Horst Köppel. Dabei gelang es ihr auch durch ein kurioses Eigentor des Frank Baumann eine Begegnung, in der sie in den ersten 45 Minuten heillos überfordert schien, so mit Fortune herumzureißen, dass sie ihren Fans in der Folgezeit eine Siegessträhne von 3 Erfolgen in 4 Partien auftischte. 

Aufstellungen

Borussia
: Keller - Bøgelund, Gohouri, Zé António, Compper - Delura, Polanski, Insúa, Kluge, Jansen - Kahê.
Reserve: Heimeroth - Svensson, El Fakiri, Thijs, Degen, Sonck, Levels, Kirch, Baumjohann, Thygesen, Fleßers, Rafael.
Verletzt: Neuville, Daems, Svärd (alle Rehabilitationstraining)

Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Womé - Frings - Jensen, Borowski - Diego - Klose, Hunt.
Reserve: Reinke, Vander - Pasanen, Schulz, Vranjes, Niemeyer, Hugo Almeida, Rosenberg.
Verletzt: Baumann (Achillessehnenoperation), Owomoyela (Sprunggelenkverletzung), Klasnic (Nierenoperation)

Schiedsrichter: bei Redaktionsschluß noch nicht bekannt
Assistenz: bei Redaktionsschluß noch nicht bekannt
4. Offizieller: bei Redaktionsschluß noch nicht bekannt

SEITENWAHL-Meinung:

Thomas Zocher: Erklärungen sind immer zur Veranschaulichung angedacht, nicht um damit etwas zu vertuschen. Spiele gegen Werder Bremen sind dazu da, um zu sehen, wie viel Borussia Mönchengladbachs Lizenzspielern fehlt, um ernsthaft Anspruch auf die ihnen größtenteils sinnlos überlassenen Entgelder erheben zu können. Borussia 0, Bremen 4.

Hans-Jürgen Görler: Die Borussia hat lediglich eins ihrer letzten vier Spiele verloren, der SV Werder hingegen ging dreimal als Verlierer vom Platz. Wer als Favorit in die Sonntagspartie geht, liegt somit klar auf der Hand. Leider wird es am Ende doch nur zu einem 1:1 reichen. Aber danach sind es ja immer noch elf Spiele, dann zehn, neun, acht ...

Mike Lukanz: Die Abschiedstour aus der Bundesliga beginnt und zum Auftakt gastiert der Meisterschaftsfavorit aus Bremen im BorussiaPark. Dass Negativserien der Kontrahenten gar nichts bedeuten, wenn es gegen Borussia geht, haben wir in der laufenden Saison schon des öfteren bewiesen bekommen. Erfreuen wir uns also an der Spielkunst eines Diego, Klose und Naldo und bestaunen den nie gefährdeten 2:0-Sieg der Hanseaten.

Christoph Clausen: Dass Werder Bremen trotz dreier Bundesligapleiten in Folge weiterhin zu tollen Leistungen fähig ist, hat die Mannschaft gegen Ajax Amsterdam eindrucksvoll bewiesen. Auch am Sonntag erwischt die Schaaf-Truppe wieder einen Schokoladentag und fährt gegen bemühte, offensiv aber weiter hillose Gladbacher einen ungefährdeten 2:0-Sieg ein.

Christian Heimanns: Besuchen Sie die Liga, solange es noch geht. Frei nach Geier Sturzflug, selbst deren Name passt ins Programm. Nachdem wir letzte Woche die Freundlichkeit hatten, Dortmund aufzubauen, werden wir nun so liebenswert sein, Bremen in der Liga wieder zu Erfolg zu verhelfen. 2:0 für Werder.

Michael Heinen: Borussia wird leider einmal mehr erkennen müssen, dass die Klasse nicht ausreicht, um selbige zu halten. Mit einem 2:0-Sieg rehabilitieren sich die Bremer für die schwächeren Leistungen der Vorwochen gegen engagierte, aber erneut zu ungefährliche Borussen.

Der SV Werder im Internet: http://www.werder.de/ ; http://dasgreenteam.de/  

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  • RT @MichaelCUISANCE: Danke fur allés, es its nur der anfang 🙌🏼🐎 @borussia
  • @Neun_Drei Auch verletzt?
  • Während jeder Raffaels Tore feiert, sollte man auch den Jüngsten sehr loben. Bravo, vous avez bien fait, @MichaelCUISANCE! #bmgvfb
  • @Neun_Drei Was fehlt?
  • Milliarden Chinesen, die am Wochentag nachts um 0.30 Uhr 2 Stunden deutsche Bundesliga gucken, sind die Zielgruppe dieser Anstoßzeit #bmgvfb
  • @jarkoh Siegtor Max Eberl.
  • Wenn das so kommt, wie es sich liest, sind morgen Dirk Bremser, Max Eberl & Uwe Kamps im Kader. #BMGVFB

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