FSV Mainz 056 Niederlagen und 2 Unentschieden aus den letzten 8 Spielen, die beiden Punkte dabei paradoxerweise auswärts. Die letzten 3 Heimspiele ohne eigenes Tor verloren und der ungebremste Fall von einer freitagnächtlichen Spitzenposition auf einen Abstiegsplatz. Genau die Konstellation, die uns in der Vergangenheit regelmässig herbstliche Trainerwechsel beschert hat; und dennoch herrscht bei Borussia Ruhe, fast Zuversicht.

Objektiv gründet sich die gegenwärtige Hoffnung auf wenig: 20 gute Minuten in Stuttgart, 1 Punkt in München. Und dennoch ist es einiges mehr. Der Wille, dagegenzuhalten, einen Rückstand umzubiegen, sich nicht wehrlos die Punkte abnehmen zu lassen, war zuletzt spürbar, und das bedeutet bereits einen echten Fortschritt.. Ebenso lässt die Tatsache, dass in München die Fäden unseres Spiels bei Insua zusammenliefen, der mit energischem Einsatz den Weg vorne suchte, darauf hoffen dass wir zukünftig mehr und planvollere Aktionen Richtung Gegners Tor zustande bekommen. Dringend nötig wäre es. Die vergleichsweise Ruhe dieser Woche ist nur geborgt und hängt völlig davon ab, dass gegen Mainz gewonnen wird.

Borussias Defensive

Das 1:1 in München war recht schmeichelhaft, die Bayern spielten sich teils beste Chancen heraus, die sie freundlicherweise versemmelten. Im Zentrum spielen Ze Antonio und Svensson zwar eingermaßen auf Bundesliganiveau, aber vor allem letzterer nicht unbedingt in Bestform. Auf rechts hat sich nach den vorherigen Rotationen nun Helveg einen Posten verdient. Zwar liegen seine Flügelflitzerzeiten zeitlich solange zurück wie Borussias Uefa-Cup Auftritte, dennoch kann er mit Stellungsspiel und Erfahrung viele brenzlige Situationen bereinigen. In München bekam der veranlagte Levels auf links mal wieder eine neue Position zugewiesen, dort ist aber eher wieder Compper zu erwarten. Klar ist, dass Jansen nicht völlig ersetzt werden kann und dass unser oft kaum zu entdeckendes Offensivspiel mit seinem Fehlen zusammenhängt.

Im defensiven Mittelfeld hat sich die Lage zugunsten von Thijs geklärt. Nachdem der Belgier lange brauchte, um nach den üblen Auftritten der letzen Rückrunde wieder in bundesligareife Form zu kommen, hat er dort Polanski erstmal verdrängt. Dessen wahres Potential gibt im Moment Rätsel auf, mal scheint es an Dynamik zu fehlen, mal an Technik oder Zweikampfstärke. Jedenfalls ist die taktisch anspruchsvollste Position nicht die beste, ihn auf lange Sicht in den Kader zu befördern.

Borussias Offensive

Die Halbpositionen im Mittelfeld fielen jedenfalls noch gegen Bayern nicht unter die Kategorie „offensiv". Kluge links und Kirch rechts waren rein damit beschäftigt, die Bayern vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Gegen Mainz  sieht der Aufgabenbereich wieder ganz anders aus; nun ist ausser der  nötigen Defensivarbeit auch solide Unterstützung für Insua gefordert.

Und auf diesem ruhen unsere Hoffnungen. Wie es vor ein paar Wochen unsere Kollegen von Boca Juniors beschrieben, scheint Insua auch bei uns nach einer gewissen Einarbeitung seinen Platz zu finden. Die couragierte Leistung gegen München war schon gut, gerade in Heimspielen ist aber spielerisch noch mehr möglich und nötig. Nur 12 Tore in 15 Spielen sind ärmlich, noch besorgniserregender ist der Umstand, dass sich die Mannschaft bisher kaum Chancen erspielt hat. Wir hoffen auf Insua.

Denkbar wäre im Mittelfeld auch Degen für Kirch; die offensiven Qualitäten des Schweizers auf der Aussenbahn könnten gegen Mainz gut Verwendung finden. Angesichts der bisherigen spärlichen Einsatzzeiten für Degen ist das aber eher unwahrscheinlich.

Im Sturm hängt vieles davon ab, ob Neuville bis zum Spiel wieder fit wird, ansonsten wäre wohl der schnelle Delura sein natürlicher Ersatz. Da Sonck sich gegen Hannover nicht empfehlen konnte, ist ein Einsatz des emsig arbeitenden aber eben meist torungefährlichen Kahê wahrscheinlicher.

Der Gegner aus Mainz

Abrupter hätte der Fall für Jürgen Klopp kaum kommen können. Zu Zeiten des fussballerischen Sommermärchens stand er noch mit Siegerlächeln vor den Kameras und brachte Deutschland die Details der Viererkette näher; dabei fachlich kompetent und sympathisch. Dann kam noch ein Werbevertrag und dann kamen 15 Spiele mit nur einem Sieg. Doch in Mainz würde nie einer dran denken, dem Macher des Aufstiegs und der bisher schönen Bundesligazeit die Tür zu weisen; Klopp sitzt genauso fest im Sattel wie Finke in Freiburg. Und er kann auch nicht für alle Probleme etwas.

Mainzer Defensive

Im Tor vollzog sich ein Wechsel. Dimo Wache, vor seinen nunmehr 10 Jahren in Mainz auch bei Borussia unter Vertrag gewesen, gibt seinen Platz an den  jüngeren Christian Wetklo ab. Dabei kriselte diese Position weniger als zum Beispiel die davor: Die Nationalverteidiger Friedrich und Noveski haben nicht in dieser Saison nicht die Stabilität der beiden letzten Jahre, die beiden Aussenverteidiger Rose und Demirtas bringen nicht den Druck, wie man ihn früher in Mainz kannte.

Mainzer Offensive

Das Problem liegt aber noch mehr in der fehlenden Offensive. Die Mainzer Mannschaft der ersten beiden Bundesligajahre war ein sauber funktionierendes Kollektiv, das sich gemeinsam zurückzog zur Verteidigung und lückenlos nach vorne verschob, um früh Druck aufzubauen. Der Taktgeber der Offensive, da Silva, verliess nun mehr oder weniger erwartungsgemäß den Verein Richtung Stuttgart, ohne dass er annähernd adäquat ersetzt werden konnte. Der Effekt ist nicht zu übersehen, Mainz erspielt sich kaum mehr Chancen als Borussia und erzielte bisher nur 10 Tore.

Der erst nach Schalke verkaufte und dann zurückgeleaste Azaouagh kann von der Position im rechten Mittelfeld nicht an seine früheren Leistungen anknüpfen, der aus Köln  geholte Feulner setzt noch zu wenig spielerische Impulse. Zentral verfügt Christoph Babatz über einen ungeheuren Schuss, war aber im vergangenen Jahr fast schon ausrangiert, bevor nun wieder eine Planstelle frei wurde. Etwas defensiver agiert Milorad Pekovic, der noch einigermaßen brauchbare Vorstellungen abliefert.

Neben da Silva ging im Sommer auch Michael Thurk unter reichlich merkwürdigen Umständen. Eine falsche Antwort von Klopp in einem Interview soll ihm restlos die Lust genommen haben, weiter für Mainz aufzulaufen. Darüber mag man denken, wie man will; Thurks Laufarbeit und Torgefahr fehlen und die nunmehr stürmenden Szabics und Jovanovic bringen mit ihren zusammen 3 Toren kaum eine Abwehr in größere Not. Auch der Tausch des Ex-Gladbacher Sturmidols Auer gegen den Bochumer Edu konnte hieran nichts ändern.

Schiedsrichter

Als Markus Schmidt zuletzt die Borussia "unter der Pfeife" hatte, da trat sie mit Trainer Advocaat zum Auswärtsspiel in Hannover (1:2) an. Es war der 26. Spieltag der Spielzeit 2004/2005 und zur Pause lag die Borussia gar durch einen Treffer von Vaclav Sverkos noch mit 1:0 in Front. In jener Saison pfiff der 33-jährige Schwabe die Borussia ein zwei weitere Male, darunter am 4. Dezember 2004 das Bundesligadebüt von Marcell Jansen, als die Borussia bei Hertha BSC Berlin mit 0:6 in Einzelteile zerlegt wurde. Das letzte Borussenheimspiel unter Schmidts Leitung endete da erfreulicher. Am 6. Februar 2005 fiel die Borussia gegen den SC Freiburg zwar durch einen Wunderschuß Coulibalys mit 0:1 in das Hintertreffen, Vaclav Sverkos und der doppelt einnetzende Wesley Sonck ermöglichten aber noch eine 3:1-Führung, die, durch die Entscheidung Schmidts einen Freistoßkopfball des Freiburgers Riether als "hinter der Linie aufgekommen" zu werten, noch einmal ins Wanken geriet. Schmidt revanchierte sich, erkannte auf Strafstoß für Borussia, doch weil Neuville nicht gegen Golz treffen konnte, mußte die Borussia bis zum Abpfiff um die 3 Punkte gegen den späteren Absteiger aus dem Breisgau bangen.

Bilanz

In erster und zweiter Liga stehen jeweils ein Sieg und ein Unentschieden zu Buche. Aus dem Unterhaus datiert immerhin ein 6:1 für Borussia, erzielt am 21. Mai 2000 in damals vorletzten Spiel der Saison. Das Hinspiel in Mainz, ausgetragen an einem 16. Spieltag, wie dieses Mal, endete damals torlos. In beiden Begegnungen war der heutige Mainzer Trainer Jürgen Klopp als Spieler mit von der Partie, deren damaliger Trainer, Dirk Karkuth, bereits verstorben ist. Das letzte Heimspiel gegen Mainz, vergangene Saison, gewann die Borussia am 1. Oktober 2005 durch einen Kopfballtreffer von José António knapp mit 1:0, erinnerungwürdig aus Mainzer Sicht bleibt das Spiel im Jahr zuvor, als Michael Thurk für die Rheinhessen in der 90. Minute ein Tor Neuvilles ausglich. Es war damals das zweite Heimspiel in Serie, in dem die Borussia in der Nachspielzeit einen Sieg aus den Händen gab, und wurde letztlich zum letzten Match der Ägide Dick Advocaat. Zwei Tage nach dem Spiel gegen Mainz trat der heute in Rußland beschäftigte zurück.

Aufstellungen

Borussia: Keller - Helveg, Svensson, Zé Antonio, Compper - Kluge, Thijs, Insúa, Kirch - Kahê, Delura
Ersatz: Heimeroth, Polanski, Fleßers, Levels, Bögelund, El Fakiri, Degen, Rafael, Sverkos, Sonck
Es fehlen: Daems, Jansen, Svärd, Neuville (alle verletzt bzw. Reha), Melka (unberücksichtigt)

Mainz: Wetklo - Demirtas, Friedrich, Noveski, Rose - Azaouagh, Babatz, Pekovic, Feulner - Szabics, Jovanovic
Ersatz: Wache - Addo, Gerber, Ruman, Diakité, Casey, Amri, Weigelt, Edu, M. Vrancic, Gunesch, Damm, Pupalovic
Es fehlt: keiner

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Assistenten: Detlef Scheppe, Wolfgang Walz
Vierter Offizieller: Christian Fischer
 
SEITENWAHL-Meinung:

Christoph Clausen: Es stimmt ja: Das Spiel gegen Mainz wird ein ganz anderes als das in München, wo kaum jemand etwas anderes als eine Niederlage erwartete. Den größeren psychologischen Druck könnte ein ungeduldiges Heimpublikum bei schlechtem Start noch vergrößern. Dass Borussia gegen voraussichtlich defensive Mainzer diesmal wohl auch das Spiel wird machen müssen, erleichtert die Aufgabe nicht. Dennoch: Nach dem kämpferischen und streckenweise auch spielerischen Aufwärtstrend der letzten 110 Minuten besteht aller Grund, mit Selbstbewusstsein aufzutreten - und zu tippen: Borussia siegt mit 3:0.

Thomas Zocher: "Das lassen wir uns nicht nehmen, von niemand. Schon gar nicht von Polen. Die stehen mit dem Rücken zur Wand - und wir knallen sie durch die Wand hindurch!" Was sich ein wenig anhört als hätte sich meine Zeitmaschine im Datum und in der Begegnung geirrt, ist in Wirklichkeit lediglich das, was man neudeutsch neuerdings als "Spirit" verhunzt. Wer gegen Stuttgart mithält, Bayern München bravourös einen Punkt abtrotzt, der kann selbstbewußt 2:0 gegen Mainz gewinnen. Aber nicht vergessen:  Wer nicht von Anfang an mitzieht, der ist nach 20 Minuten draußen.

Michael Heinen: Borussia wird sich natürlich schwer tun gegen den defensiv kompakt stehenden Gegner. Am Ende steht aber dennoch ein extrem wichtiges 1:0, mit dem wir uns endlich mal wieder etwas Luft im weiter bestehenden Abstiegskampf verschaffen können.

Mike Lukanz: Das Leben ist leichter geworden in Mönchengladbach. War vor einer Woche noch Weltuntergangsstimmung angesagt, blickt man nun optimistisch in die Zukunft. Tatsache ist, dass man einen respektablen Punkt in München geholt hat. Tatsache ist aber auch, dass man nach wie vor mit 14 Punkten tief im Abstiegskampf steckt. Mainz hat man anscheinend schon im Vorübergehen geschlagen, um danach das Bochumer Ruhrstadion zu stürmen. Nach dem 1:1 gegen den Tabellenletzten wird man jedoch feststellen, dass der Weg nicht nur lang, sondern weiterhin sehr steinig bleiben wird.

Hans-Jürgen Görler: Wer von der Isar einen Punkt entführt, wird ja wohl auch am Niederrhein einen Dreier einfahren können. Die Borussia wird gegen den Wiederaufstiegsaspiranten 2007/2008 aus Mainz mit 2:0 die Oberhand behalten und dann mit Elan in die Vorbereitung für das in Bochum startende Herbstabstiegsendspiel starten.

Christian Heimanns: Hoffentlich ist unsere Phase vorbei, in der wir kriselnden Gegnern als Regenerationshilfe dienten. Ich glaube daran und prophezeihe ein 2:0 für Borussia.

Der Gegner im Internet: Offizielle Homepage ; Kigges.

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