Zwei grundverschiedene Halbzeiten bescherten Borussia ein letztlich leistungsgerechtes 1:1-Unentschieden gegen den FC Bayern München. Nach einer desolaten ersten Spielhälfte konnte sich Borussia nach dem Seitenwechsel steigern und wäre durch einige gute Chancen beinahe sogar zum Überraschungssieg gekommen.

Danach sah es zunächst aber überhaupt nichts aus. Die stark ersatzgeschwächte Münchener B-Elf begann engagiert und schien sich für die schwachen Leistungen der letzten Wochen rehabilitieren zu wollen. Schon nach 5 Minuten hatten Görlitz und Pizarro zwei Warnschüsse aufs Tor abgegeben, die ihr Ziel aber jeweils verfehlten. In Minute 6 dann die erste richtig gute Chance nach einer kurz ausgeführten Ecke. Karimi flankte auf den in der Mitte freistehenden Claudio Pizarro, der aus 5 Metern zum Kopfball ansetzte. Doch Borussen-Keeper Christofer Heimeroth war nicht zum letzten Mal in dieser Partie mit hervorragendem Reflex zur Stelle. 

Nach dieser Chance schien sich Borussia ein wenig vom Anfangsdruck der Gäste befreien zu können und kam in der 9. Minute sogar selbst zu einer ersten Gelegenheit. Ein toller Außenrist-Pass von Jansen setzte Peer Kluge im linken Strafraumeck in Szene. Der Neu-Nürnberger zog aus spitzem Winkel aus 7 Metern Torentfernung ab, scheiterte aber im kurzen Toreck am bereit stehenden Michael Rensing. 
 

Doch die Befreiung sollte nicht lange andauern. Schon nach 12 Minuten nämlich der große Schock in Form der Bayern-Führung. Ein unnötiger Ballverlust von Peer Kluge im Mittelfeld, der einem Insua-Pass aufreizend lässig nicht entgegenkam, leitete den bayrischen Gegenangriff ein. Karimi wusste dies aus zentraler Position zu nutzen, indem er mit einem tödlichen Pass auf Makaay gleich 5 Borussen-Spieler aushebelte. Der Holländer ließ sich diese Möglichkeit natürlich nicht entgehen, sondern schob den Ball elegant aus 15 Metern am machtlosen Heimeroth vorbei ins Borussen-Tor. 0:1, das K.O.-Resultat für Borussia war dieses Mal schon zu sehr frühem Zeitpunkt erreicht und das Geschehen schien seinen gewohnten Gang zu gehen.
 

Die Bayern wollten es offenbar nicht dabei belassen. Nach 19 Minuten war es wieder Makaay, der wieder völlig freistehend zum Schuss kam, nachdem die Borussen-Defensive erneut hilflos dem bajuwarischen Angriffswirbel zugeschaut hatte. Doch dieses Mal war Heimeroth in der Lage, den Ball des Holländers abzuwehren und ihn an die Latte zu lenken. 
 

Die erste halbe Stunde wurde insgesamt von den Bayern dominiert, während Borussia neben den altbekannten Qualitätsdefiziten selbst  Engagement und Leidenschaft völlig vermissen ließ. Der aus den letzten Wochen wohlbekannte Sommerfußball wurde von den Fans dann auch zurecht mit ersten Pfiffen bedacht sowie mit höhnischen „Anfeuerungsrufen“ a la „Oh wie ist das schön“.  

Ungefähr ab der 30. Minute zeigte sich Borussia wenigstens etwas bemühter, das Spiel nicht gänzlich unmotiviert abzuschenken. In gleicher Weise schalteten die Bayern unverständlicherweise einen gewaltigen Gang zurück und passten sich vorläufig dem schwachen Spiel der Gastgeber an. 
 

Die kamen jetzt immerhin ab und an mal in Richtung gegnerisches Tor. Und dies in aller Regel über den einzig echten Qualitätsspieler der ersten Halbzeit, Marcell Jansen. In Minute 29 konnte sich der Linksverteidiger aus 20 Metern halblinker Position noch nicht so recht zwischen Schuss und Flanke entscheiden, so dass der Ball zwischen Rensing und Insua hindurch ins Niemandsland vorbeirauschte. 5 Minuten vor dem Seitenwechsel dann ein gefährlicherer Schuss, der noch von Lucio abgefälscht wurde und sein Ziel nur knapp verfehlte. 
 

Daneben waren bis zum Halbzeitpfiff noch zwei Tormöglichkeiten für den heute glücklosen Pizarro zu verzeichnen, der zunächst in Minute 36 von der Strafraumgrenze links am Tor vorbeischoss. Eine Minute vor dem Ende dribbelte er sich dann im Strafraum gegen Bögelund und Zé Antonio durch, schoss aus 6 Metern aufs Tor, wo aber Heimeroth mit dem Kopf zur Stelle war.
 

Der Ex-Schalker war ohnehin der mit Abstand beste Borusse der ersten 45 Minuten. Auf dem Feld genügte bis hierhin einzig Marcell Jansen den Ansprüchen einer Erstligamannschaft. Vom Sturm war wieder einmal überhaupt nichts zu sehen. Ganz eklatant zudem der Auftritt von Hassan El Fakiri, dem beinahe alles misslang.
 

Jos Luhukay reagiert darauf und beließ den Norweger in der Kabine. An seiner Stelle stand vielumjubelt Marko Marin nach dem Pausentee auf dem Feld und durfte für die zweiten 45 Minuten sein Talent unter Beweis stellen.
 

Es wäre vermessen zu behaupten, es habe nur an ihm gelegen, dass es nun merklich besser wurde. Aber zweifelsohne wies der Youngster nach, warum so viele Experten ihm eine glorreiche Zukunft prophezeien. Ohne große Anpassungsschwierigkeiten fand sich Marin im Borussen-Mittelfeld zurecht, wo er auch durchaus ordentlich mit Federico Insua harmonierte.  

In der 50. Minute war es aber eher Glück, dass eine von Marin eingeleitete Situation zum ersten Weckruf wurde. Der 18jährige drang von rechts in den Strafraum, wo er ohne Einwirkung des Gegners zu Boden ging. Irgendwie gelangte der Ball aber dennoch zentral vor den Strafraum zu Kluge, der die vorübergehende Überraschung der bayrischen Abwehr zu nutzen verstand. Eine geschickte Drehung und ein Schuss, der aber hier noch knapp links am Tor vorbei strich. 

Besser machte es der Mittelfeldspieler 2 Minuten später. Nando Rafael war auf der linken Seite per langem Pass schön freigespielt worden und konnte sich erstmals im Spiel gut in Szene setzen. Wo er in Halbzeit 1 bei zwei harmlosen Schüssen aus der zweiten Reihe mit gefühlten 20 km/h noch müde belächelt worden war, machte er jetzt alles richtig. Sein Pass in die Mitte landete bei Kluge, der aus seinen Fehlschüssen der letzten Zeit endlich gelernt hatte. 8 Meter vor dem Tor drehte er sich wieder um einen Gegenspieler und visierte dieses Mal mit Erfolg die lange Ecke an. Das Unfassbare war geschehen. Ein Tor für Borussia war gefallen. 
 

Im Gegenzug wäre Makaay fast direkt das 2:1 gelungen, wo aber wiederum Heimeroth auf dem Posten war. Dennoch war nun eine ganz andere Borussen-Mannschaft auf dem Platz als noch vor dem Seitenwechsel. Hatte man dort noch einem unwürdigen Freundschaftskick beigewohnt, war nun endlich Biss und Leidenschaft zu spüren. Endlich merkte man, dass die Mannschaft es doch noch mal allen zeigen wollte, nicht per se Punktelieferant zu sein. 

Während Borussia das Spiel jetzt immer besser in den Griff bekam, die Zweikämpfe gewann und die Spielanteile auf die eigene Seite verlagerte, war vom Rekordmeister kaum noch etwas zu sehen. Ähnlich wie Borussia in der ersten Halbzeit misslang den Bayern jetzt fast alles und die Lage schien günstig, aus der Situation sogar mehr als nur den einen Punkt herauszuschlagen.
 

Der im zweiten Durchgang wie verwandelte Nando Rafael war quirlig auf den Beinen, ließ aber leider immer noch Torgefahr vermissen. So ließ er sich z.B. in der 60. Minute zentral im Mittelfeld viel zu viel Zeit mit der Ballannahme und schoss den Ball zu guter Letzt noch etwas unmotiviert aus 25 Metern weit übers Tor. Auch solche Situationen sind es, die zu unserer Lage geführt haben, denn aus solchen Szenen muss ein Stürmer einfach mehr Gefahr entwickeln.  

Gefährlich wurde es auf der Gegenseite nur noch durch Claudio Pizarro, der allerdings seinen Borussen-Fluch auch an diesem Tag nicht ablegen konnte. Noch nie traf der Peruaner gegen Gladbach. Dies blieb auch nach 68 Minuten so, obwohl ihn der eingewechselte Mehmet Scholl glänzend in Szene setzte. Erneut kam Pizarro 6 Meter vor dem Tor frei zum Schuss und erneut schoss er Heimeroth an, dem man hier mit Wohlwollen ein exzellentes Stellungsspiel unterstellen konnte.
 

Seine beste Szene hatte der Keeper kurz darauf, als er mit einem Abwurf Borussias bis dato beste Chance hinauf beschwor. Blitzschnell schickte er so Federico Insua auf die Reise, der – verfolgt von zwei Bayern – alleine in Richtung Tor marschierte. Als Bayern-Keeper Michael Rensing vor ihm auftauchte, versuchte er sich mit einem Lupfer, der aber sowohl über Rensing wie auch über das Tor hinweg strich. Eine so genannte 100%ige Chance zur Führung war vergeben, worüber sich der Argentinier aber nur kurz ärgern konnte. 

Denn schon 5 Minuten später hatte er seinen nächsten guten Auftritt. Weltklasse, wie er von der Mittellinie ausgehend mehrere Bayern austanzte und dann noch aus 17 Metern zum Abschluss kam. Dieses Mal gelang der Versuch eines Hebers etwas besser, war aber immer noch ein wenig zu hoch angesetzt. 
 

Teil 3 der großen Insua-Show folgte in Minute 83. Kurz zuvor hatte Marcell Jansen eine Flanke in den Strafraum geschlagen, wo sich Lucio den Ball etwas unbeholfen an die eigene Hand schoss. Schiedsrichter Weiner legte die Situation als unabsichtlich aus, was durchaus gängiger Praxis entspricht. Insgesamt ist es aber unbefriedigend, dass der Tatbestand der „Absicht“ dermaßen schwammig in den Regeln formuliert wird, dass man sich hier rein auf die subjektive Wahrnehmung des jeweiligen Schiedsrichters verlassen muss. Eine klare, eindeutige Regelung, nach der sich alle Referees in gleicher Weise richten können, sollte immer angestrebt werden, ist beim Thema „Handspiel“ aber alles andere als gegeben. 

Doch immerhin kam es so zu einem Eckball, der wiederum Insua glänzend in Szene setzte. 2 Meter vor dem Tor sprang der Ball vor ihm auf und die gesamte Nordkurve wollte förmlich das Knie des Argentiniers in den Ball hineinstöhnen. Doch stattdessen lief der Ball an Knie und Körper vorbei ins Seitenaus. Eine weitere Großchance war vertan. Eine ansonsten untadellose Leistung des Argentiniers – speziell nach dem Seitenwechsel – wurde durch diese Ineffektivität leider geschmälert. Es ist positiv zu werten, wie er sich die Chancen teils selbst erarbeitet und es ist eine Augenweide, ihm inmitten des ansonsten fußballerisch eher beschränkten Borussen-Kaders zuzusehen. Doch all dies ist letztlich leider brotlose Kunst, wenn am Ende kein zählbares Resultat bei herumkommt, so wie es in dieser Saison leider immer wieder der Fall gewesen ist.
 

Neben Insua waren Peer Kluge und Marcell Jansen die positiv auffälligsten Feldspieler bei Borussia, die aber alle vom prächtig haltenden Christofer Heimeroth in den Schatten gestellt wurden. Der Keeper bewies im zweiten Spiel hintereinander seine Klasse und macht somit Hoffnung für die Zukunft des Borussen-Tors. Auf der linken Seite wusste zudem Marvin Compper zu gefallen, dem sein Engagement deutlich anzumerken war. 
 

Insgesamt fällt das Urteil über die Partie aber wieder einmal zwiegespalten aus. Bei aller Freude über die stark verbesserte 2. Halbzeit, die zeigt, dass doch noch ein bisschen Leben in dieser Truppe herrscht. Es ist traurig, dass in den ersten 45 Minuten wieder einmal trostloser Sommerfussball gespielt werden musste, mit dem man uns Fans schon in den letzten Wochen zu genüge verärgert hatte.

Borussia: Heimeroth - Bögelund, Svensson, Zé Antonio, Compper – Kluge (Fleßers 89), El Fakiri (Marin 46), Svärd, Jansen – Insua, Rafael (Lamidi 80)

Ersatz: Löhe - Levels, Kahê, Polanski.

Stuttgart: Rensing – Lell, Lucio, van Buyten, Lahm – Görlitz (Scholl 64), Demichelis, Ottl, Karimi (Fürstner 87) – Pizarro, Makaay (Santa Cruz 74)

Tore: 0:1 Makaay (12.), 1:1 Kluge (52.)

Gelbe Karten (Borussia): Svärd

Zuschauer: 54.019 (100 %)

Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)

Besondere Vorkommnisse: Nach 4 Spielen ohne eigenen Torerfolg markierte Peer Kluge endlich wieder einen Borussen-Treffer. Im 32. Spiel durfte zum 23. Mal gejubelt werden, wobei die 13 eingesetzten Spieler dieses Nachmittags insgesamt nur auf ganze 9 Saisontreffer kommen. Unter den Zuschauern befand sich auch DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, seines Zeichens bekennender Anhänger der Borussia.

... lade FuPa Widget ...

Borussia Mönchengladbach auf FuPa

... lade FuPa Widget ...

Borussia Mönchengladbach auf FuPa

Twitterfeed


Folge uns auf Twitter