Mit einer für die Tabellenposition und den Verlauf der aktuellen Saison typischen Partie hat sich die Borussia am frühen Sonntagabend in der AWD-Arena in Hannover in die Situation gebracht, dass sie nur noch höchst theoretische Möglichkeiten auf den Klassenverbleib besitzt. Vor etwa 42.000 Zuschauern kamen die Gastgeber in einer niveauarmen Begegnung nach einer halben Stunde zu dem das Spiel entscheidenden Treffer von Bruggink und hatten gegen eine wiederholt traumverlorene Borussenmannschaft nur schemenhaft Probleme die Führung über die restlichen 60 Spielminuten zu bringen.

Neben Filip Daems (Fersenoperation), Alexander Baumjohann (Meniskusverletzung), und den von Trainer Jos Luhukay bereits seit einigen Wochen nicht mehr berücksichtigten David Degen, Wesley Sonck und Bernd Thijs, hatte die Borussia am heutigen Spieltag auf die verletzungsbedingt fehlenden Zé António, Oliver Neuville und Kasey Keller zu verzichten. In der Startformation ersetzte deshalb Christofer Heimeroth den US-Amerikaner, außerdem begann Marvin Compper für Sebastian Svärd und ermöglichte Marcell Jansen durch die Übernahme der Linksverteidigerposition ein Aufrücken in das Mittelfeld. Für Christofer Heimeroth auf der Ersatzbank saß bei diesem Spiel U19-Torwart Frederic Löhe.

Im dem zur letzten Chance auf den Klassenerhalt angekündigten Spiel gegen die zuletzt in sechs Spielen sieglosen Hannoveraner zeigte sich die Borussia in der Anfangsphase ebenso abwartend wie die gastgebende Elf. Gewiss konnte sie sich in der ersten fünfundzwanzig Minuten des öfteren in der gegnerischen Spielhälfte im Ballbesitz bringen, ein stichhaltiges Offensivspiel gelang ihr in dieser Phase des Spiels dennoch nicht. Während die Gastgeber aus der Stadt an der Leine ihrerseits erstmals nach zwanzig Spielminuten in den Genuss einer als torgefährlich zu umschreibenden Spielsituation gelangten - einen Freistoß von der Torauslinie auf der rechten Angriffsseite hatten sie erwirkt und Arnold Bruggink durch ein kurzes Zuspiel einen Schuss ermöglicht – war die Borussia bereits zuvor in der Lage gewesen einen Ball in Richtung des Hannover-Tores zu befördern. Der Freistoß von Delura (14.) hatte allerdings denselben Neigungswinkel wie der von Bruggink sieben Minuten später und endete folglich weit jenseits der von Robert Enke betreuten Torstangen.
Bis zur Halbzeitpause in diesem bei sommerlichen Temperaturen abgehaltenen Aufeinandertreffen war die Borussia, die bei eigenem Ballbesitz gleich mehrfach in Abseitsstellungen taumelte, davon abgesehen noch zwei Mal gefährlich. Einmal bereits Minuten vor Deluras Freistoß durch Insúa, dessen Ball am Tor vorbei ins Aus flog, und einmal in der 22. Spielminute, als ein Flankenball von Kluge durch Gohouri auf das Tor der Gastgeber flog, doch der ehemalige U21-Nationalspieler der Borussia, Robert Enke, vermochte dort genauso souverän zu reagieren wie in der 16. Spielminute, als Kasper Bøgelund ein Flankenball über den Spann rutschte und im Begriff war unter der Latte des Hannoveraner Tores einzuschlagen.

Es war ein niveau- und ohne weiteres tempoarmes Sommerspielchen, das die Borussia und ihr Gastgeber vor 42.000 Interessierten abhielt und so wäre auch ein torloser Zwischenstand beim späteren Halbzeitpfiff des Münchener Unparteiischen Dr. Felix Brych keine Besonderheit gewesen, doch am Ende einer haarsträubenden Fehlerkette der Borussenmannschaft, welche sich in der 32. Spielminute für die aktuelle Saison richtiggehend typisch sich auf dem Rasenviereck abbildete, konnte Hannovers Mittelfeldspieler Bruggink gänzlich freistehend den Ball am bedauerswert anmutenden Christofer Heimeroth vorbei zur Führung der Heimelf in das Borussentor schießen. Dass bei der Situationsentstehung über Szabolcs Huszti Marvin Compper auf dem Grün der AWD-Arena ausglitt und auf der Nase landete, ja, dass Bo Svensson nach der Hereingabe von jenem Huszti mehr als einen Meter von dem satt den Ball ins Tor treffenden Bruggink entfernt stand, wen soll dies in solch einer Saison eigentlich wundern? Die Borussia und die Borussenmannschaft, die durch mehrere tausend Unentwegte in der niedersächsischen Landeshauptstadt frenetisch unterstützt wurde, hatte deshalb bei Halbzeit auch keinerlei Anspruch darauf sich über den im Grunde selbst herbeigeführten Rückstand zu beklagen.

Aus der Halbzeitpause kam die Borussia mit einer Veränderung wieder auf das Rasenviereck zurück. Sebastian Svärd ersetzte den angeschlagen wirkenden Michael Delura, dessen Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte AWD-Arena somit einzig eine Dauer von 45 Minuten hatte.

Stand die Borussia vor der Partie bereits mit dem Rücken zur Wand, hatte sich ihre Positionierung durch das Gegentor auch bei Ende der Halbzeitunterbrechung lediglich verschlechtert. Es war deutlich, dass die zum wiederholten Male uninspiriert und leidenschaftsfrei agierende Elf in der zweiten Spielhälfte eine völlige Leistungssteigerung zu vollziehen hatte, um den Verein vor dem trotzdem wohl unausweichlichen Gang in die erneute Zweitklassigkeit zu bewahren. Die Mannschaft, die derart lange unter ihrem angenommenen Niveau agiert, dass man mittlerweile ihr ein derartiges Niveau zurecht absprechen darf, entschied sich aber nicht dafür, sondern wie schon in Begegnungen wie gegen Frankfurt vor drei Wochen oder in der Vorwoche gegen Hamburg zu einer noch wesentlich zusammenhangloseren Darbietung. Bis zur 61. Spielminute, als Insúa eine von Marcell Jansen erwirkte Torgelegenheit aufgrund eines vermeintlichen Foulspiels gegen Robert Enke vom Schiedsrichtergespann unterbunden bekam, hatte sie am generell schon in der ersten Spielhälfte gezeigten Spielverlauf nichts verändert.

Auch hernach blieb das Spiel eine Partie, in der die Gastgeber von Sechsundneunzig die Zügel fest in ihren Händen behielten. Die Borussia hatte zwar etwas gelegentlicher den Ball und war auch dann und wann mit etlichen Akteuren in der Hannoveraner Spielhälfte gelandet, Torgefahr ließ sich daraus weder ableiten, noch durch erwähnenswerte Möglichkeiten nachweisen. Neben dem, wie seit Wochen, mit vorbildlichem Engagement agierenden Marcell Jansen, dem heutigen Mannschaftskapitän Peer Kluge, dem tollkühnen Innenverteidiger Steve Gohouri fielen viele Spieler mit dem Borussentrikot über den Schultern bisweilen völlig ab. Niemand gelang es (mit Ausnahme der Erwähnten und dem beschäftigungsfreien Christofer Heimeroth) zumindest anzudeuten, dass in dem von Trainer Jos Luhukay seit einiger Zeit geschaffenen Gefüge der Glaube, einen Klassenverbleib noch zu realisieren, weiterhin vorhanden sei. Einzelne Akteure erwirkten zwar noch eine unverdächtig machende Verwarnungskarte - unter Umständen um nicht in den Verdacht zu kommen sich nicht gegen eine Niederlage oder einen Abstieg maximalst gewehrt zu haben - doch unter dem Strich war das Treiben der Borussenelf in dieser 2. Spielhälfte wesentlich zu wenig und zu wenig harmonisch, um diesem Spiel die aus Sicht der Borussia nötige Wende noch zu geben.

Die Hannoveraner, die den fünf (!) Torschussversuchen der Borussia nach dem Seitenwechsel in erster Linie Spielkontrolle und defensive Gründlichkeit gegenüberstellt hatten, wären bei konsequenterer Verfolgung ihres Offensivspiels und Akzentuierung dessen auf einen Torabschluss wahrscheinlich zu größeren Torgelegenheiten gelangt, als jene sporadischen Torschüsse, die ein Hashemian (59.), Huszti (77.) oder der eingewechselte Stajner (89.) für die Elf von Dieter Hecking erringen konnten. 

Ein womöglich absonderliches Bild bewiesen die letzten paar Spielminuten dieser für Borussia Mönchengladbach dennoch nicht unwesentlichen Begegnung. Während die Hannoveraner sich in ihren Gedanken zusehends an der Tatsache ergötzen und ertranken, die Kontrolle über das Spiel zu besitzen, nahm die vorher mit wenig Geschlossenheit agierende Borussenelf diese letzten Augenblicke zum Anlass sich doch noch einige Torchancen auf den Notizbögen der protokollführenden Betrachter zu sichern. Beginnend mit einem Ball an das Außennetz des Hannoveraner Tores durch Jansen in der 86. Minute, aufrechterhalten durch ein mutiges Solo des Moses Lamidi an der rechten Außenkante und dem waghalsigen Unterfangen Christofer Heimeroths sich bei einem Eckball in der Schlussminute mit in den gegnerischen Strafraum zu schleichen, bekam die Borussia hier noch einmal die eine oder andere Möglichkeit einen aufgrund ihrer fortschreitenden Ineffektivität am Ende dann sicher als glücklich zu betitelnden Ausgleichstreffer zu finden. In Anbetracht ihrer Chancenverwertung, die mit schauerlich noch freundlich illustriert ist, war es letztlich aber nicht verwunderlich, dass dies nicht mehr geschah und der Gastgeber aus Niedersachsen sich seinerseits die drei überlebenswichtigen Zähler dieser Begegnung auf sein Punktekonto gutschreiben durfte.

Zusammenfassend muss man eine Fairness besitzen, die es erlaubt nicht nur der besseren Mannschaft, sondern auch vielen besseren Mannschaften zu gratulieren. Jenen, die mit ihren Leistungen die von der Borussia entlohnte klar auf den letzten Tabellenplatz verwiesen haben. Auch Hannover 96 war am heutigen Tage zumindest um eben dieses eine und letztlich entscheidende Tor reifer als die Borussenelf, deren Aufwand in materieller Hinsicht in einem eben solchen Missverhältnis zum Ertrag steht wie in sportlicher Hinsicht die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Idee und Ausführung, einzuordnen ist. Borussia Mönchengladbach steigt (und wer will nunmehr ernsthaft daran zweifeln, obgleich es weiterhin theoretisch die andere Möglichkeit geben würde) wirklich zurecht aus der 1. Bundesliga ab, weil die Mannschaft so wie sie agiert einfach nicht die Tauglichkeit für diese Elite des deutschen Fußballs besitzt.

Fairness und Ehrlichkeit gehören genauso zum Sport und zu einem sportlichen Wettstreit wie Erfolge und Trophäen. Es ist an der Zeit sie zu bekennen und sie zu benennen, denn natürlich hat sich die Borussia hiermit aus dem noch viele Teams umfassenden Streit um die verbliebenen Plätze in der 1. Bundesliga verabschiedet. Das ist traurig, das ist für einzelne Personen in Anhängerschaft, Mitarbeiterschaft und Präsidium sicherlich ohne Zweifel auch herzzerreißend traurig und in der Schnittmenge dieser Wahrheiten auch zu verständlichen Tränen betrüblich, aber weder abwendbar, noch eine unfaire Schlussfolgerung.
Borussias Mannschaft ist halt auch in diesem weiteren Endspiel um den Verbleib in dieser Spielklasse einfach jene Qualität schuldig geblieben, die schlicht und ergreifend nötig wäre und nötig ist.

Hannover:  Enke - Cherundolo, Vinicius, Zuraw, Tarnat - Balitsch, Yankov (Schröter 74) - Rosenthal, Bruggink, Huszti (Jendrisek 90) - Hashemian (Stajner 82)

Borussia
: Heimeroth - Bögelund, B. Svensson, Gohouri, Compper, - El Fakiri (Lamidi 68) - Kluge, Delura (Svärd 46), Insúa, Jansen - Rafael

Ersatz: Löhe - Levels, Kahê, Fleßers, Kirch

Tor
: 1:0 Bruggink (32.)

Zuschauer
: 42.000

Schiedsrichter
:  Dr. Felix Brych (München)

Gelbe Karten (Borussia)
: El Fakiri, Compper, Jansen, Gohouri.

Gelb-Rote Karten: -

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Das heutige Auswärtsspiel der Borussia war das 101. Auswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga 2001. Borussia erreichte dabei 10 Siege, 28 Remis und nunmehr 63 Niederlagen bei einer Torausbeute von 83:186 Toren. Im dritten Spiel in Folge erzielte die Borussia keinen eigenen Treffer, insgesamt beendete sie sechzehn von dreißig Saisonspielen ohne eigenes Tor. Im sechsten Auswärtsspiel unter Jos Luhukay blieb Borussia zum fünften Mal ohne eigenen Treffer, spielortübergreifend war es im elften Spiel unter Jos Luhukay das siebte Spiel ohne eigenen Torerfolg für die Borussia. Der Partie im ehemaligen Niedersachsenstadion wohnte mit Gerhard Schröder (SPD) auch ein ehemaliger deutscher Bundeskanzler bei.

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