Mit 0:2 verlor Borussia völlig verdient in der Schalker Veltins-Arena, wo man nur knappe 20 Minuten gut mithalten konnte, ehe sich der Unterschied in der Tabelle immer deutlicher auf dem Platz zeigte. Das Team von Jos Luhukay präsentierte sich über weite Strecken wie ein Absteiger. Das Bemühen war ihnen nicht abzusprechen, aber in nahezu allen Bereichen reichte die Qualität nicht aus, um sich mit diesem Gegner auch nur annähernd messen zu dürfen.


Luhukay hatte erneut dem schnellen Moses Lamidi die Chance geboten, Nando Rafael im Sturm zu verstärken. Mit Tempo-Kontern wollte man die Gelsenkirchener überraschen, musste aber zunächst in der Defensive aufpassen, um nicht selbst ein frühes Gegentor zu kassieren. Bereits in der 1. Minute sorgte ein Pander-Freistoß für erste Verwirrung im Borussen-Strafraum. Eine Situation, die sich im späteren Spielverlauf in ähnlicher Form häufig wiederholen sollte. Nachdem Asamoah in der 6. Minute einen Kopfball übers Tor setzte, verflachte das Schalker Angriffsspiel ein wenig, das die Borussen fortan gut in den Griff bekamen.  

Man kam sogar selbst zu ersten Chancen, als Insua in der 9. Minute Nando Rafael auf die Reise schickte, der sich urplötzlich freistehend mit dem herauslaufenden Manuel Neuer konfrontiert sah. Am Schalker Keeper gelangte der Ball noch vorbei, wurde dann aber von der Abwehr zur Ecke geklärt, die wiederum zur ersten (und für lange Zeit letzten) hochkarätigen Chance der Gäste führte. Ausgerechnet Moses Lamidi gelangte 5 Meter vor dem Tor in halblinker Position an den Ball und setzte ihn artistisch an die Latte. Nur wenige Zentimeter fehlten hier zur Führung, die wir uns alle so sehnlichst erträumt hatten. 
 

Bis zur 22. Minute schien Schalke ein klein wenig geschockt davon, dass die auswärtsschwachen Gladbacher hier scheinbar nicht gewillt waren, die Punkte freiwillig herzuschenken. Dann kamen die Gastgeber aber wieder besser ins Spiel und erhöhten langsam, aber sicher ihren Druck, womit sie bis zum Ende des Spiels nicht aufhören sollten.
 

In jener 22. Minute glich Gerald Asamoah aus, was die Lattentreffer anging, indem er eine weite Kobiashvili-Flanke von der linken Seite per Kopf über Keller hinweg ans Aluminium lupfte. Marcell Jansen deutete hier einmal mehr seine immer noch größte Schwäche an, da er wieder einmal zu weit von seinem Gegenspieler weg stand und beim Kopfball übersprungen wurde. 
 

7 Minuten später die nächste Großchance für die Knappen, bei denen sich Lincoln-Ersatz Mesut Özil erstmals auszeichnen konnte. Der Deutsch-Türke wurde von Asamoah geschickt in Szene gesetzt und lief alleine aufs Tor zu, das er aus 18 Metern flach anvisierte. Knapp zischte der Ball hier noch rechts unten vorbei. 
 

Borussia wurde in dieser Phase immer weiter zurückgedrängt und konnte nur noch auf das Angriffsspiel des Tabellenführers reagieren. Eigene Aktionen zeigte nur Sebastian Svärd, der nach einer halben Stunde bereits von Schiedsrichter Meyer deutlichst ermahnt wurde, bei der nächsten Unfairness vom Platz gestellt zu werden. Luhukay musste reagieren und brachte mit Polanski einen neuen Mann fürs defensive Mittelfeld. 
 

Bis zum Pausenpfiff hätte Schalke noch einmal durch Hamit Altintop die Führung erzielen können. Letztlich blieb es aber beim 0:0, das zu diesem Zeitpunkt noch aufgrund der ersten 20 Minuten und des Lattentreffers von Lamidi vertretbar gewesen war. Aber gerade die letzte Viertelstunde ließ erahnen, dass Schalke seinen Offensivdruck weiter erhöhen würde, um zu den anvisierten 3 Zählern zu kommen.
 

Mit Mikkel Thygesen für Marvin Compper schien Borussia zumindest personell etwas offensiver aus der Kabine kommen zu wollen. Auf dem Rasen der Schalke-Arena wurde das aber kaum umgesetzt. 5 Minuten lang hatte man zumindest den Eindruck, auch Schalke wolle es erst einmal etwas ruhiger angehen lassen, ehe dann aber Rafinha in der 50. Minute völlig frei vor Kasey Keller auftauchte und diesen aus 5 Metern zu einer Glanzparade zwang. 
 

Der Autor dieser Zeilen möchte sich dafür entschuldigen, dass er die Worte „völlig frei“ im weiteren Verlauf dieses Textes wiederholend gebrauchen muss. Aber die traurige Realität sah so aus, dass immer wieder Schalker Spieler „völlig frei“ vor dem Borussen-Tor auftauchten und sich somit etliche Großchancen für die Gastgeber auftaten. 
 

In der 56. Minuten hatte Mesut Özil noch etwas Pech, indem er aus 13 Metern knapp am Tor vorbeizielte. Schon eine Minute später hatte er dann aber seinen großen Auftritt. Mit großen Schritten lief er an der Strafraumgrenze von rechts nach links, zog in den Sechzehn-Meter-Raum und flankte aus halblinker Position in die Mitte. Dabei wurde der Ball höchst unglücklich von Kasper Bögelunds Hacke abgefälscht, was ihm den Charakter einer Pletsch-Gedächtnis-Bogenlampe gab und Keller offensichtlich irritierte. Jedenfalls verschätzte sich der bis dahin glänzend aufgelegte US-Keeper und unterlief Kevin Kuranyi. Dem Nationalstürmer fiel der Ball so auf den Kopf, von wo aus er den Fuß von Gerald Asamoah erreichte, der aus 2 Metern völlig freistehend nur noch einzuschieben brauchte.
 

Der Bann war gebrochen und die Hoffnung für Borussia nahezu dahin. Zu dominant war Schalke bis dahin aufgetreten, die in keinster Weise an ihre schwächeren Auftritte aus den Vorwochen anknüpften. Und zu harmlos war wiederum unser Team, das seit der 10. Minute nicht mehr ernsthaft vors gegnerische Tor gekommen war. 
 

Ein großes Aufbäumen war daher auch kaum zu erwarten, denn dafür hätte es einer gewissen Qualität im Kader bedurft, die in dieser Saison einfach nicht vorhanden ist. So konnte Schalke sein Spiel weiter durchziehen und Borussia war leidlich bemüht, mit den eigenen beschränkten Mitteln so gut wie möglich dagegen zu halten.
 

Nachdem Bajramovic in der 66. Minute aus 20 Metern knapp übers Tor zielte, gab drei Minuten später immerhin Polanski mal ein Lebenszeichen von sich. Aus ähnlicher Distanz bemühte er sich. Sein Schussversuch kullerte aber kläglich am linken Torpfosten vorbei. 
 

So kam es, wie es kommen musste. Der nächste Treffer war eh nur eine Frage der Zeit. Und diese war in der 71. Minute gekommen. Schalkes Vorzüge bei Standards waren Luhukays Team mit Sicherheit bekannt. Das 0:2 konnte man trotzdem nicht verhindern. Pander hatte von der linken Seite einen Freistoß hoch in den Strafraum getreten, wo dieses Mal Zé Antonio ein schwaches Stellungsspiel offenbarte. Kevin Kuranyi gewann den Kopfball-Zweikampf und setzte den Ball rechts unten ins Borussen-Tor – dieses Mal unhaltbar für Kasey Keller.
 

In den folgenden Minuten musste man Angst haben um die Mannschaft, die im Schalker Angriffswirbel unterzugehen drohte. Den Schalkern darf hier durchaus der Vorwurf gemacht werden, aus ihren Chancen nicht mehr Tore erzielt zu haben. Wenn man sich das Torverhältnis z.B. gegenüber Stuttgart anschaut, wäre in dieser Phase noch mehr drin gewesen. Doch Bordon (73.) und Kobiashvili (74.) nutzten völlig freistehend beste Gelegenheiten nicht, zeigten der Borussia aber deutlich die Grenzen auf. 
 

Eine Viertelstunde vor Schluss dann aber noch einmal ein letztes Aufbäumen der Gäste. Gohouri konnte sich mal im gegnerischen Strafraum per Kopf durchsetzen, so dass der Ball Rafael an den Fuss und von dort an den linken Pfosten sprang. Im Nachschuss war es wieder der Ivorer, der noch einmal das Gebälk anvisierte. Ins Tor wollte der Ball aber nicht. Immerhin hatte Borussia hiermit seine zweite Großchance zu verzeichnen, die nach Spielende einige dazu verleitete, der fehlenden Chancenverwertung die Schuld für die Niederlage zuzuschieben. Dies mag ein großes Problem unserer Mannschaft sein. Am heutigen Tag war es aber allerhöchstens eine Randnotiz, da der Gegner einfach eine Klasse zu stark war und uns selbst bei 100%iger Chancenverwertung mit hoher Wahrscheinlichkeit bezwungen hätte.
 

Eine Minute nach Borussias Doppelchance waren wieder die Schalker dran, die beim jetzt entstandenen offenen Schlagabtausch die deutlich besseren Karten hatten. Borussias Abwehr war wieder einmal ungeordnet, so dass Kuranyi völlig frei wenige Meter vor Keller zum Kopfball kam. Der US-Keeper reagierte aber wieder einmal glänzend und verhinderte hier das 0:3. 
 

Zu verzeichnen waren noch ein paar weitere Gelegenheiten für die Schalker, die Führung auszubauen sowie ein Kopfball von Nando Rafael in der 83. Minute, als ausnahmsweise auch mal ein Borusse völlig frei vor dem gegnerischen Tor auftauchte, den Ball aber nicht präzise genug traf.
 

Alles in allem blieb es beim gerechten 0:2, das für alle konservativen Toto-Tipper eine sichere Bank war. Sieht man von den ersten 20 Minuten ab, in der sich der Leistungsunterschied in Grenzen hielt, so fand das Spiel des Ersten gegen den Letzten einen normalen Verlauf und Ausgang. 
 

Natürlich sind noch 6 Spiele zu absolvieren, in denen theoretisch noch 18 Punkte erzielbar sind. Natürlich darf man sich niemals aufgeben, solange noch irgendetwas geht. Schon ein Sieg am Freitag gegen den HSV könnte die Hoffnungen wieder neu entfachen. Aber betrachtet man es realistisch, so finden sich kaum noch Argumente, die für einen Klassenerhalt dieses Teams sprechen. Mit einem Sieg auf Schalke war auch vorab nicht zu rechnen. Doch die Art und Weise, wie sich das Team wieder einmal präsentierte, bestätigte leider die Befürchtungen, dass es der Mannschaft insgesamt an der spielerischen Qualität fehlt. Kampf, Engagement und Leidenschaft darf man ihr nicht absprechen, aber diese Eigenschaften bringen mittlerweile selbst die Dortmunder Spieler im Abstiegskampf mit, so dass wir selbst hier keinem Konkurrenten nennenswert überlegen sind.

Borussia: Keller - Bögelund, Gohouri, Zé Antonio, Jansen - El Fakiri. Svärd (Polanski 35), Insua, Compper (Thygesen 46) - Lamidi (Neuville 69), Rafael.

Ersatz: Heimeroth - Svensson, Kirch, Kahê.

Schalke: Neuer – Rafinha, Bordon, Krstajic, Pander – Bajramovic, Altintiop (Hoogland 90), Kobiashvili – Asamoah (Altintop 65), Kuranyi, Özil (Kunert 90)
 

Tore
: 1:0 Asamoah (57.), 2:0 Kuranyi (71.).

Gelbe Karten (Borussia): Svärd, Gohouri

Gelb-Rote Karte: -

Rote Karten: -

Zuschauer: 61.482 (100 %)

Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)

Besondere Vorkommnisse: Das 0:2 war Borussias 61. Niederlage im 100. Auswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg. Die 10 Auswärtssiege in dieser Zeit entsprechen demnach einer Erfolgsquote von 10%. In dieser Saison vermochte es Borussia im 28. Spiel zum 14. Mal nicht, ein eigenes Tor zu erzielen, was einer (fragwürdigen) „Erfolgsquote“ von 50% gleichkommt.

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