Im viel beschworenen Abstiegsendspiel verpasste es Borussia am heutigen Samstag Nachmittag die Patzer der direkten Konkurrenten auszunutzen, und trennte sich von Eintracht Frankfurt mit 1:1. Federico Insua glich mit einem Kopfballtor in der 89. Minute die frühe Führung der Gäste wieder aus. Ob der Punkt zu wenig war, wird sich erst in den kommenden Wochen herausstellen. Eine große Chance wurde dennoch vertan, und zum ersten Mal seit Wochen konnte Borussia auch spielerisch nicht überzeugen. Der Rückstand auf den 15. Tabellenplatz konnte jedoch um diesen einen Punkt verringert werden.

Jos Luhukay wartete mit einigen Änderungen im Vergleich zum Auswärtsspiel in Leverkusen auf. Neben dem Langzeitverletzten Filip Daems und den seit Wochen aus dem Kader gestrichenen Bernd Thijs und Wesley Sonck fand sich überraschend auch David Degen auf der Tribüne wieder. Kasper Bögelund fehlte aus familiären Gründen, dafür rückten mit Oliver Neuville, Marko Marin und Moses Lamidi drei Neue in den Kader für das heutige Spiel. Letztgenannter rückte sogar direkt in die Startelf, Marin und Neuville blieben zunächst auf der Bank. Für den abwesenden Kasper Bögelund spielte Oliver Kirch als rechter Verteidiger, Federico Insua rückte wieder auf die Position hinter den Spitzen, die von Nando Rafael und Lamidi gebildet wurden.

Im fast voll besetzten BorussiaPark begann Borussia druckvoll und entschlossen. Die erste Chance hatte jedoch der Gast vom Main in der 3. Minute, als Thurk eine lange Freistoßflanke am zweiten Pfosten nicht mehr erreichte. Marcell Jansen scheiterte mit einem sehenswerten Distanzschuss lediglich am Querbalken des von Oka Nikolov gehüteten Tores der Gäste. Eine Anfangsphase, die sich dem stimmungsvollen Rahmen im BorussiaPark anpasste.

Die Eintracht agierte aus einer gesicherten Defensive heraus mit sieben defensiv eingestellten Spielern. Offensiv ausgerichtet waren lediglich die schnellen und beweglichen Thurk, Streit und Takahara, die in dieser Anfangsphase keine Akzente setzen konnten. So bedurfte es einer Standardsituation und der Kopfballstärke von Frankfurts Verteidiger Kyrgiakos, um die überraschend frühe Führung für Eintracht herzustellen. Nach einer Ecke von der rechten Seite kam der Grieche aus kurzer Distanz frei zum Kopfball und traf zum 1:0. Der ihm zugeteilte Steve Gohouri rutschte unmittelbar vor dem Tor aus, so dass Kyrgiakos freie Bahn hatte. Doch schon in zwei Standards vorher kamen die Gäste mit Kyrgiakos relativ unbedrängt zum Kopfball.

Das Gegentor schien Borussia in der Folgezeit zu lähmen und spielte den ohnehin meist defensiv agierenden Gästen in die Karten. Frankfurt agierte mit zwei Viererketten, die sich geschickt zum jeweils ballführenden Gladbacher verschoben. Die Räume wurden so sehr eng gemacht und Borussia fand - wie erwartet - keine eine so massiv stehende Deckung kein Rezept. Speziell die Außen Oliver Kirch und Marcell Jansen sahen schon kurz hinter der Mittellinie zwei direkten Frankfurtern gegenüber. Gleiches galt sowohl für Insua, als auch für die Spitzen Nando Rafael und Lamidi. Der von der U23 berufene Lamidi war dennoch der beweglichere der beiden Stürmer und zeigte zumindest im Ansatz das ein oder andere Mal, welches Potential in ihm steckt. Nando Rafael hingegen war bei Kyrgiakos abgemeldet und kam nicht zur Geltung.

Das Spiel verlor nach dem guten Auftakt enorm an Qualität. Die Gäste beschränkten sich auf gelegentliche Konter, Borussia biss sich an der vielbeinigen Abwehr die Zähne aus und leistete sich insgesamt zu viele Fehlpässe und Unkonzentriertheiten, die es den Frankfurtern leicht machten, die Führung zu verwalten. Bis auf einen Rechtsschuss von Nationalspieler Jansen in der 38. und eines Kopfballs von Nando Rafael in der 43. Minute geschah aus Mönchengladbacher Sicht bis zum Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Kinnhöfer nichts mehr.

Unverändert kam Borussia aus der Pause, am Spiel selber änderte sich vorerst nicht viel. Bemüht war man, doch die in den vergangenen Wochen so oft gesehene Zielstrebigkeit und letzte Entschlossenheit fehlte heute vollends. Eintracht Frankfurt schien eigene Offensivbemühungen nahezu gänzlich einzustellen und vertraute ausschließlich darauf, über Konter zum Torerfolg zu kommen. Selbst bei eigenem Ballbesitz verblieben mindestens fünf der zehn Frankfurter Feldspieler in der eigenen Hälfte. Ein destruktives, aber erfolgreiches System, an dem sich schon der FC Bayern vor 14 Tagen die Zähne ausgebissen hatte. Borussia war sichtlich bemüht, doch ungenaue Zuspiele und die deutlich zu Tage tretende Formschwäche einiger Akteure am heutigen Tag ließen keine nennenswerte Torchance zu.

Mit der Einwechslung von Jungstar Marko Marin und Nationalspieler Oliver Neuville kam etwas Belebung in das Mönchengladbacher Angriffsspiel. Marin bewies schon mit seinen ersten Ballkontakten, warum er zu den größten Talenten in Deutschland gehört. Unbeeindruckt von der gewaltigen Kulisse im BorussiaPark, bewies Marin schon mit seinen ersten Ballkontakten, warum viele Beobachter ihm ein riesiges Potential bescheinigen. Die Zeit rannte jedoch gegen Mönchengladbach und man hatte nicht den Anschein, dass Borussia zwingend auf den Ausgleich drückte. Als jedoch Frankfurts bester Spieler am heutigen Tag, Vaporsis Kyrgiakos, nach einem Foul an Nando Rafael mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde, zogen die Stimmung und die Dramatik an. Von nun an überschlugen sich die Ereignisse:

Nach einem Foul an Oliver Neuville auf dem linken Flügel schlug Youngster Marin den Freistoß mit dem nötigen Effet und Druck in den Strafraum, so dass Federico Insua den Ball per Kopf zum 1:1 verlängern konnte. Wenige Sekunden später verkündete der Schiedsrichter-Assistent eine Nachspielzeit von stolzen fünf Minuten, die sich die Frankfurter durch übertriebenes und zu offensichtliches Zeitspiels in der zweiten Halbzeit „erarbeitet" hatten. Das Stadion stand Kopf, die Fans peitschten Borussia ebenso nach vorne wie Luhukay, der nach der Einwechslung von Kahê gar Steve Gohouri und Ze António ins Sturmzentrum beorderte.

In der Nachspielzeit flankte der heute insgesamt mäßig spielende Marcell Jansen von der linken Seite in den Strafraum. Nach einiger Konfusion bot sich Kahê eine gute Chance, den so wichtigen Siegtreffer zu erzielen, doch hatte der Brasilianer nicht das Glück, das Andrej Voronin vor zwei Wochen hatte, denn seinen recht harmloser Schuss konnte Nikolov parieren. Im direkten Gegenzug hielt dann Kasey Keller den Punkt fest, als die Frankfurter zum ersten Mal einen Konter ordentlich zu Ende fahren konnten und Michael Fink aus fünf Meter freistehend am US-Amerikaner scheiterte.

Kurz darauf war das Spiel beendet und wie schon nach dem Last-Minute-Ausgleich gegen Werder Bremen wusste am Ende keiner der Beteiligten so recht, wie er dieses Ergebnis einzuordnen hatte. Betrachtet man die reinen Fakten und blickt auf die Ergebnisse der Konkurrenz, so hat Borussia mit diesem Unentschieden einen Punkt aufgeholt. Dennoch verpasste man eben aus diesen Gründen, einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt zu machen. Der Abstieg ist - trotz der niedergeschlagenen Stimmung vielerorts - jedoch noch lange nicht entschieden. Allein durch die mediale Überspitzung dieses Spiels betrachten viele dieses Unentschieden als Niederlage. Dennoch bleiben nach wie vor sieben Spiele, in denen noch alles passieren kann. Borussia ist nach diesem Spiel ebenso wenig abgestiegen wie vor zwei Wochen nach der Niederlage in Leverkusen.
Obgleich die viel zitierte Chance, mit fünf Heimspielsiegen den Klassenerhalt sichern zu können, heute ihren ersten Dämpfer erhielt. Denn mit jedem nicht zu Hause erzielten Punkt wächst der Druck, diese Punkte auswärts holen zu müssen. Auf nach Schalke!

Borussia: Keller - Kirch, Gohouri, Zé Antonio, Jansen - El Fakiri (Kahê 84) - Kluge, Compper (Marin 63) - Insua - Lamidi (Neuville 68), Rafael.

Frankfurt: Nikolov - Spycher, Vasoski, Kyrgiakos, Ochs - Chris, Preuß, Fink, Streit (Russ 86) - Thurk (Heller 61), Takahara (Rehmer 89).

Tore: 0:1 Kyrgiakos (11.), 1:1 Insua (89.).

Gelbe Karten (Borussia): Zé Antonio, Kluge (5), El Fakiri, Rafael, Kahê.

Gelb-Rote Karte: Kyrgiakos (86.)

Rote Karten: -

Zuschauer: 52.177 (96,59 %)

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)

Besondere Vorkommnisse: Mit Marko Marin (* 13.03.1989) und Moses Lamidi (* 05.01.1988) feierten gleich zwei Spieler, die vor der Saison für die U19-Regionalligaelf von Trainer Uli Sude vorgesehen waren, ihr Bundesligadebut im Trikot der Borussia. Mit 18 Jahren und 18 Tagen war Marko Marin zugleich der jüngste von der Borussia in der Fußball-Bundesliga eingesetzte Spieler (bisher: Marco Villa mit 18 Jahren und 41 Tagen am 27.8.1996 im Spiel beim SV Werder Bremen).

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