Unglücklicher kann es eine Mannschaft im Abstiegskampf kaum treffen. Trotz einer engagierten, ordentlichen Auswärtsleistung steht Borussia wieder einmal mit leeren Händen da. Ein abgefälschter Weitschuss von Voronin purzelte in der Nachspielzeit ins Tor und bescherte uns eine tragische Niederlage, die unsere Chancen auf den Klassenerhalt weiter minimiert. 

 

Schon vor der Partie war die Ausgangslage paradox. Spätestens nachdem Leverkusen am vergangenen Mittwoch mit dem 3:0 über Frankreichs Tabellen-Zweiten Lens seine gute Form unterstrichen hatte, galt Borussia als krasser Außenseiter. Zumal man seit 10 Jahren kein Spiel in der Bay-Arena für sich entscheiden konnte und als schwächste Auswärtsmannschaft der Liga anreiste. Trotzdem war nach den Spielen der Konkurrenz eigentlich ein Sieg von Nöten, um den Rückstand nicht zu groß werden zu lassen. Entsprechend zwiegespalten ging man ob seiner Erwartungen in dieses erste von 9 Endspielen.

Schon in der ersten Halbzeit konnte man positiv zur Kenntnis nehmen, dass die Mannschaft an das Engagement und die Leidenschaft der letzten Wochen anzuknüpfen verstand. Man merkte zu keiner Phase einen allzu großen qualitativen Unterschied zum Tabellen-Sechsten. Borussia gestaltete das Spiel ausgeglichen, ohne jedoch selbst zwingend Torgefahr zu entwickeln. 
 

Andersherum gestattete man den Gastgebern ebenso wenige Offensivaktionen. Barnettas Schussversuch aus halblinker Position in der 6. Minute war alles, was Bayer in der Anfangsviertelstunde zu Stande brachte. Borussias eingespielte Viererkette stand ansonsten zu gut, um den zuletzt viel gelobten Schneider, Kießling und Co. Chancen zu eröffnen.
 

Nach 18 Minuten machte Andrej Voronin erstmals von sich reden, nachdem Gohouri eine Kießling-Flanke schwach in die Mitte abgewehrt hatte. Doch der Schuss des Ukrainers aus der zweiten Reihe wurde von Keller gekonnt weggefaustet.  

Kurz darauf Borussias beste Offensivaktion des ersten Durchgangs, die aber nicht einmal eine echte Torchance nach sich zog. Rafael war von Kluge schön auf die Reise geschickt worden, verlor das Duell mit Bayer-Keeper Adler aber um Haaresbreite. Der von Adler ca. 30 Meter vor dem Tor nach vorne abprallende Ball gelangte noch einmal vor die Füße von Insua, der dann aber wiederum von Castro entscheidend abgedrängt werden konnte, so daß auch diese Aktion im Keim erstickte. Im Folgenden plätscherte das Spiel bis zur Halbzeit dahin mit nur leichten Feldvorteilen für die Heimmannschaft.

Borussia war einzig der Vorwurf zu machen, aus dem gefälligen Spiel keinerleit Torgefahr zu entwickeln. Bei allem Lob darüber, daß man eine Mannschaft wie Leverkusen in deren Stadion recht gut unter Kontrolle hielt, wäre in unserer Lage selbst ein Punkt nur bedingt hilfreich gewesen. 
 

Jos Luhukay musste zur Halbzeit zwangsweise einen Wechsel vornehmen. Kurz vor der Pause hatte sich Delura in einem Zweikampf am Knie verletzt, wodurch er für die nächsten Wochen auszufallen droht. Ihn ersetzte Sebastian Svärd, der später leider noch eine tragische Rolle in diesem Spiel finden sollte. 

Doch zunächst entwickelte sich nach kurzem Abtasten ein gefälligeres Spiel, in dem sich langsam auch Torchancen offenbarten. Bayer hatte sich offensichtlich vorgenommen, mehr Druck zu entwickeln und näherte sich mit seinen Aktionen immer stärker dem Borussen-Strafraum. Die Elf vom Niederrhein war wiederum bemüht, dem standzuhalten, was ihr mit kleineren Schwierigkeiten ordentlich gelang. Ein Svärd-Foul an Voronin führte in Minute 54 zu einem Freistoß aus gefährlicher halbrechter Position. 20 Meter Torentfernung konnte Babic aber nicht nutzen, sondern er setzte das Leder relativ deutlich übers Tor. Nur 3 Minuten später kam Castro wieder einmal über die rechte Seite zum Flanken und erwischte dieses Mal Voronins Kopf. Der Ukrainer schien aber freistehendzu sehr überrascht, um den Ball platziert zu setzen, so dass dieser nicht den Weg aufs Gehäuse von Kasey Keller fand. 

Als man gerade fürchten musste, dass ein Bayer-Tor nur noch eine Frage der Zeit sein könnte, tat Borussia das einzig richtige. Bevor der Bayer-Druck zu hoch werden konnte, hielt man dagegen und kam in dieser wichtigen Phase gar selbst zu seinen ersten Torchancen. Eingeleitet wieder einmal vom offensiv guten Marcell Jansen, dessen Flanke nur knapp von Insua verfehlt, dafür aber von Leverkusen zur Ecke geklärt wurde. Diese erreichte Degen, der aus 8 Metern einen etwas zu harmlosen Kopfball in Richtung Tor ansetzte, der von Juan zur nächsten Ecke abgewehrt wurde. Jetzt aber wurde es erstmals richtig gefährlich, denn dieses Mal erwischte Nando Rafael den Ball 5 Meter vor dem Tor freistehend per Kopf, konnte ihn aber nicht ausreichend gut platzieren, so dass er knapp übers Tor strich. Die beste Aktion unseres Stürmers an diesem Abend, der ansonsten bei der Bayer-Verteidigung weitgehend abgemeldet war.  

Doch Bayers Offensivdrang war vorläufig gestoppt. Stattdessen war es jetzt gar an Borussia, auf die Führung zu hoffen. Und die große Chance dazu bot sich in der 61. Minute. Federico Insua und Nando Rafael konnten 30 Meter vor dem Tor alleine aufs Tor von Rene Adler zulaufen. Der Argentinier schloss den Angriff dann auch mustergültig mit einem Schuss ins rechte untere Toreck ab, was ihm allerdings statt des Jubels der Kameraden nur eine Gelbe Karte einbrachte. Denn Schiedsrichter Stark wollte hier eine Abseitsstellung erkannt haben, die beim aktiv eingreifenden Insua auf keinen Fall vorlag. So wurde Borussia eine 100%ige Torchance genommen, die mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit die Führung bedeutet hätte. Während aber an den Vortagen die Konkurrenz aus Cottbus und Frankfurt von den Entscheidungen ihrer Schiedsrichter profitierten, mussten wir diese Fehlentscheidung zu unseren Ungunsten akzeptierten.  

Im Gegenzug wäre es dann beinahe knüppeldick gekommen. Einen Rolfes-Distanzschuss konnte Keller nur nach vorne abklatschen lassen, wo Stefan Kießling 5 Meter vor dem Tor den Abpraller nur noch über die Linie zu bugsieren brauchte. Doch dem Ex-Nürnberger versagten die Nerven, so dass er den Ball lediglich an den Pfosten schob und uns so vor dem Rückstand vorläufig bewahrte. 

Es hatte sich jetzt jedoch ein offener Schlagabtausch ergeben, bei dem Bayer insgesamt leichte Vorteile besaß, Erstaunlich aber, dass sich Leverkusen nach der Kießling-Großchance kaum noch wirklich zwingende Torchancen erspielen konnte. Ein Barbarez-Kopfball in der 73. Minute bot noch am ehesten Gelegenheit. Auf der Gegenseite war es aber auch ein Jansen-Schuß aus 20 Metern sowie ein etwas zu schwach angesetzter Schuss von Insua, die mit etwas Glück eine Sensation hätten erzwingen können.  

Doch das Glück war uns an diesem Abend nun wirklich nicht hold. Als man sich bereits auf ein 0:0 eingestellt zu haben glaubte, ereilte uns in der Nachspielzeit der große Schock. Ein schwacher Schneider-Freistoß aus 30 Metern führte im Borussen-Strafraum zu etwas Gewühl, aus dem der Ball zentral in Richtung Andrej Voronin befördert wurde. Der Ex-Borusse schlug den Ball aus 20 Metern zurück ins Gedränge, wo er den Rücken von Sebastian Svärd fand. Von diesem abgefälscht kullerte das Leder höchst tragisch ins rechte untere Toreck, unhaltbar für Kasey Keller und unfassbar für alle Fans von Borussia.  

Mit der letzten Aktion war das Spiel somit verloren. In Analogie zum Bremen-Spiel vor einigen Wochen waren dieses Mal wir die Leidtragenden, die einen verdienten Punktgewinn doch noch herschenken mussten. Diesen einen Zähler hatte sich das Team von Jos Luhukay durch sein erneut vorbildliches Auftreten mehr als verdient. Ein Sieg wäre angesichts des vermeintlichen Abseitstores von Insua zwar ebenfalls möglich gewesen, hätte insgesamt dann aber auch nicht dem Spielverlauf entsprochen. Insgesamt war Borussia in der Offensive zu harmlos und zu wenig torgefährlich, als daß mehr als ein 0:0 realistisch gewesen wäre.  

Ob man ihnen dies bei einem Gegner aus dem oberen Tabellendrittel nachsehen möchte oder ob man argumentiert, in unserer Tabellenlage müsse man notfalls auch dort mit mehr Risiko auf Sieg spielen, mag jeder für sich selbst entscheiden. Festzuhalten bleibt leider, daß Borussia an diesem Abend nicht die Chance beim Schopf ergreifen konnte, die Tabellensituation günstiger zu gestalten. Während andere Mannschaften aus dem Tabellenkeller in den letzten Wochen ähnlich schwierige Spiele erfolgreicher gestalten konnten, müssen wir jetzt mit 5 Punkten Rückstand in die zweiwöchige Länderspielpause gehen. Eine Hypothek, die in den verbleibenden 8 Saisonspielen nur schwer wettzumachen sein wird. 

Jetzt schon aufzugeben ist aber trotz des Schockerlebnisses in der Nachspielzeit verfrüht. Auch wenn man realistisch sein muss, dass die Wahrscheinlichkeit eines Abstiegs höher ist als die des Klassenerhalts, müssen wir weiter alles daran setzen, die letzte Restchance zu nutzen. Natürlich kann man der Tatsache hinterhertrauern, daß die Mannschaft erst viel zu spät in dieser Saison angefangen hat, den Abstiegskampf anzunehmen. Erst seit dem Bremen-Spiel spielt endlich wieder so etwas wie eine Mannschaft in den Trikots mit der Raute. Die qualitativen Defizite, die insbesondere beim Erarbeiten von Torchancen deutlich zu Tage treten, lassen sich mit dem vorhandenen Spielermaterial leider nicht mehr ausgleichen. Dennoch machen die Leistungen der letzten Wochen Mut, dass Borussia mit dem neuen sportlichen Team wieder so etwas wie eine Zukunft hat. Es mag sein, daß diese für mindestens ein Jahr in der 2.Liga stattfinden wird. Aber solange dies nicht rechnerisch feststeht, besteht kein Grund, um jetzt schon die Flinte ins Korn zu schmeißen. Gegen Frankfurt in 2 Wochen ist ein Sieg mehr denn je Pflicht. Und vielleicht ist uns in den Spielen gegen Schalke, Stuttgart oder die Bayern das Glück hold, das uns heute in der Schlussminute so kläglich verlassen hat. 

Borussia:
Keller – Bögelund, Gohouri, Zé Antonio, Jansen – Degen (Thygesen 80), El Fakiri, Delura (Svärd 46), Kluge (Kahê 90) – Insua, Rafael 

Ersatz: Heimeroth – Polanski, Compper, Svensson
 

Bayer 04:
Adler – Castro, Haggui, Juan, Babic – Kießling, Rolfes, Barbarez, Schneider, Barnetta (Freier 69) – Voronin 

Tor:
1:0 Voronin (92.) 

Zuschauer: 22.500 (100%) 

Schiedsrichter:
Wolfgang Stark (Ergolding) 

Gelbe Karte (Borussia): Insúa 

Gelb-Rote Karten
: -

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Das Auswärtsspiel der Borussia bei Bayer Leverkusen war das 99. Bundesligaauswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg im Sommer 2001 (10 Siege, 28 Remis, nunmehr 61 Niederlagen). In den letzten 3 Auswärtspartien kassierte die Borussia jeweils eine Niederlage mit einem Tor Differenz und lag nun in Leverkusen wie zuvor in Wolfsburg beim Halbzeitpfiff mit der Heimelf im Ergebnis noch gleichauf. Torschütze Andrej Voronin erwies sich nach der Partie als „schlechter Gewinner“, der seinen Weggang von der Borussia vor einigen Jahren scheinbar immer noch nicht verwunden hat. So entblößte er nach dem höchst glücklichen Torerfolg seinen Oberkörper, und rannte gezielt in Richtung Borussen-Fankurve, die er mit provozierenden Gesten gegen sich aufbrachte. Für eine ähnliche Aktion war Bayerns van Bommel vor kurzem international bestraft worden. Nimmt es der DFB ernst mit dem Fairplay-Gedanken, so sollte er auch bei Voronin über eine entsprechende Reaktion nachdenken, wenngleich die bekanntermaßen „guten Beziehungen“ zwischen Leverkusen und dem DFB dies nicht erwarten lassen.

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