Möglicherweise ist es lediglich die Tatsache ein auf auswärtigem Platz über mehr als zwei Drittel der Partie klar bestimmtes Spiel mit 0:1 verloren zu haben, dass die Niederlage der Borussia beim VfL Wolfsburg so erbarmungslos bitter erscheinen lässt, möglicherweise paart sich dieses Gefühl aber auch einzig unterbewusst mit der immer mehr zur Tatsache werdenden Wahrscheinlichkeit, dass die sechste Saison nach dem Wiederaufstieg das vorläufig letzte Erstligajahr der Borussia werden wird. Ganz sicher aber sind diese Gefühle von Niedergeschlagenheit eng mit brutaler Hilflosigkeit verbunden, denn gerade diese Niederlage ist unter Umständen so unverdient wie keine andere Auswärtsniederlage in den letzten ein bis zwei Jahren und basiert dabei auf einer völlig miserablen Chancenverwertung.

Auf einer Position verändert, David Degen startete für den aus privaten Gründen in Mönchengladbach verbliebenden Bo Svensson im Mittelfeld, begann die Borussia beim ehemaligen Verein ihres derzeitigen Sportdirektors Peter Pander mit einer druckvollen Anfangsviertelstunde. In dieser erarbeitete sich die Mannschaft auch erste Möglichkeiten vor dem Tor des nicht in Mönchengladbach geborenen Wolfsburger Kapitäns Simon Jentzsch, hatte auf der Gegenseite aber auch Glück, dass nach einem Freistoß des insgesamt unauffälligen Marcelinho Paraiba nicht Wolfsburgs Isaac Boakye in der siebten Spielminute einen Stellungsfehler der gesamten Borussenmannschaft zur Führung für die Heimelf verwertete. Abgesehen von der Kopfballmöglichkeit, die Diego Fernando Klimowicz in der 18. Spielminute sich in Folge eines Fouls gegen Steve Gohouri erschlich, verblieb diese Einschusschance Boakyes allerdings die einzige der Wolfsburger in der gesamten ersten Halbzeit.

Während sich die Gastgeber ähnlich uninspiriert zeigten wie der bei aufziehender Gefahr meist vom guten Hassan El Fakiri übernommene Marcelinho Paraiba, dem bis zu seiner Auswechslung gegen Ende der Partie abgesehen von vereinzelten Hereingaben bei Standardsituation keine guten Szenen gelangen, agierte die Borussia eigentlich von Beginn an mit einem engagierten Spiel in Richtung des Gehäuses der Niedersachsen. Bereits in der elften Spielminute, der schon einige meist zu kurz geratene Abwehrversuche der Wolfsburger bei Flankenbällen vorausgegangen waren, hätte es durchaus ein erstes Borussentor geben können, doch leider endete der Torschuss Nando Rafaels am Gestänge des Tores der Hausherren und nicht im Tornetz.
Ungeachtet dieser demzufolge ohne Torerfolg verstrichenen Situation festigte sich sie die Borussia in den Folgeminuten auch innerhalb der gegnerischen Hälfte und, wiederum also Konsequenz, gelangen ihr weitere Spielzüge, die durchaus mit einem Torerfolg hätten Belohnung finden können. Die nächste wirklich große Möglichkeit auf einen Führungstreffer durch die Borussia war in der 30. Spielminute zu verzeichnen, als der erwähnte Jentzsch einen Angriff der Borussia über Kluge und Degen bis tief in den Wolfsburger Strafraum durch eine reaktionsschnelle Bewegung vereiteln konnte.

Auf eine Reaktion der Heimmannschaft warteten die Heimfans vergebens, ganz im Gegenteil dabei die mitgereisten Anhänger der Borussia, die bis zur Halbzeitpause einer relativ blitzsaubere Vorstellung ihrer Mannschaft mit Wohlwollen entgegennehmen konnten. Die Borussia bewies während dieser Phase nicht allein ein durch die Partie gegen Bremen (2:2) erkämpftes Selbstvertrauen, ihr Spiel zeichnete nicht nur eine freudig zu bemerkende Ballsicherheit und steigendes Variantenreichtum aus, nein, vor allem bewies sie mit ihrer Darbietung eine gesunde Ordnung innerhalb ihres Spiels, die in einer gedeihenden Staffelung zum gegnerischen Strafraum aufging und ihr neben eindeutigen Feldvorteilen auch immer wieder Gelegenheiten am oder im Wolfsburger Strafraum ermöglichten. Doch weder Gohouri per Kopf, noch Delura, Degen und Kluge konnten den Ball am Schluss in das Wolfsburger Tor bugsieren und damit die Partie mit einem mit dem Spielverlauf korrespondierenden Resultat in die Halbzeitunterbrechung schicken - bedenkt man die beiden Wolfsburger Chancen, so wäre eine 3:1-Halbzeitführung Borussias nicht allein aufgrund der Chancenvorteile und der Spielanteile ein zu jenem Zeitpunkt verdientes Resultat gewesen.

Letztlich stand es bei Wiederbeginn des Spiels weiterhin 0:0. Durch ein noch vor dem Halbzeitpfiff des Schiedsrichter begangenes Foul hatte sich beim früh gelbverwarnten Kasper Bögelund eine Rote Karte angedroht und so beließ ihn der Trainer in der Kabine und ermöglichte Bögelunds Landsmann Sebastian Svärd seinen zweiten Saisoneinsatz. Der Mann aus Hvidovre verteidigte fortan für Bögelund auf der rechen Außenbahn. Ansonsten veränderte sich am Spielgeschehen auch in den ersten zehn bis zwölf Spielminute nach der Pause nichts, die Borussia war dem Führungstreffer weitaus näher als der gastgebende VfL und hatte durch David Degen in der 58. Spielminute die klarste seiner in dieser Spielphase herausgespielten Gelegenheit, doch der Schweizer platzierte seinen Schuss während eines Tempogegenstoßes weit rechts am rechten Pfosten vorbei und beließ es dadurch beim torlosen Remis.

Ein bisschen ebbte Borussias Elan und ihre Dominanz in den folgenden Minuten ab. Wolfsburgs Trainer Augenthaler hatte während dieser Anfangsviertelstunde durch eine Auswechselung (Santana kam für Boakye nach 53 Minuten) die Spielweise seiner Elf ein wenig variiert und bei der Borussia machte sich schleichend bemerkbar, dass sie durch diese Umstellung das Spiel nicht mehr so einfach im Griff würde halten können. Insgesamt verzeichnete sie ab dieser Phase weniger Attacken auf den Wolfsburger Strafraum, unter dem Strich begann sie sich nach eben einer vollen Stunde Spielzeit diesbezüglich eine kleine Verschnaufpause.

Bereits wenige Minuten vor dem letztlich über Klimowicz herausgearbeiteten Tor hatten die Wolfsburger eine gute Torszene gewinnen können. Klimowicz hatte sich von Gohouri am Strafraum foulen lassen und war beim folgenden Freistoß von Marcelinho Paraiba so eingesetzt worden, dass nur der Körper Kasey Kellers die Wolfsburger Führung unterband. Der letztlich zur Wolfsburger Führung führende Angriff ereignete sich über dieselbe Seite und geradezu nach demselben Muster, nur ließ sich Klimowicz diesmal nicht von Gohouri foulen, sondern umrundete ihn auf Höhe der Torauslinie und wusste von dort aus so punktgenau auf den Kopf des heranstürzenden Cedrick Makiadi zu flanken, dass dieser den Ball ins Tor bugsieren konnte. Zu allem Verdruss über diese Einlage der beiden Wolfsburger Offensivspieler gesellte sich, dass Marcell Jansen unmittelbar vor dem entscheidenden Duell mit Makiadi aus dem Tritt kam und so einzig in das Duell hineinstolperte und seinen Größenvorteil nicht ausspielen konnte.

Fünfundzwanzig Minuten verblieben der Borussia nach Wiederanstoß der Partie für einen Ergebnisumschwung, doch sie vermochte hernach nicht mehr wirklich an ihre Drangphase und an ihre gut gestaffelten Angriffsspielzüge von vor und kurz nach der Halbzeit anzuschließen. Die Mannschaft schien verstört, ihr Vermögen fortan verschütt und so reichte es zwar zu gelegentlichen Halbchancen, wie etwa der Kopfball Nando Rafaels nur eine Minute nach der Wolfsburger Führung, den Jentzsch zum Unglück des auf den Abpraller lauernden Steve Gohouri fest in seinen Händen behielt, und einer weiteren halben Gelegenheit für den zehn Minuten vor Schluss eingewechselten Kahê. Auch dieser Versuch endete nicht hinter, sondern vor der Wolfsburger Torlinie.

Alles in allem blieb der VfL Wolfsburg auch nach Beendigung der zweiminütigen Nachspielzeit mit einem Tor im Vorsprung und verließ den Rasen der Volkswagen-Arena somit als ein Sieger, der sich mit einem Erfolg über einen direkten Konkurrenten im Rennen gegen den Klassenverlust am Leben hielt und die über weite Strecken der Partie bessere Elf durch das in der 65. Spielminute von Makiadi erwirkte Tor buchstäblich strangulierte.

Wäre der Partie, und ihrem Ausgang, aufgrund der Tabellenkonstellation und lediglich zehn noch ausstehenden Partien bis zum Saisonschluss nicht ein erhöhter Stellenwert zuzumessen gewesen, von Seiten der Borussia aus Mönchengladbach würde sich der Spielverlauf und die Art und Weise der Mannschaftsleistung geradezu anbieten, um ein hoffnungsfrohes Bild für kommende Wochen und Monate zu zeichnen, aber wie dieser Leistungsanstieg seit der Bremenpartie am vergangenen Wochenende, dürfte folglich auch so eine Sicht auf die Dinge zu spät kommen; zwar verblieben noch 30 auszuspielende Punkte, wenn man jedoch in Partien wie eben Bremen und Wolfsburg, in denen man gut spielt und Punkte verdient hat, nur einen Zähler mehr auf der Habenseite verbuchen kann, dann sollte man wohl den ohnehin erklecklich dargebotenen Zweckoptimismus hinten an stellen und sich realitätsnäher am Tabellenstand orientieren.

Wolfsburg
: Jentzsch - Möhrle, Madlung, Quiroga, van der Heyden - Makiadi (Menseguez 79), van der Leegte, Krzynowek - Marcelinho (Sarpei 85) - Boakye (Santana 53), Klimowicz.

Borussia:  Keller - Bögelund (Svärd 46), Gohouri, Zé António, Jansen - El Fakiri (Kahê 82) - Degen (Thygesen 77), Kluge - Insua, Delura - Rafael.

Ersatz: Heimeroth - Compper, Polanski, Fleßers.

Tore: 1:0 Makiadi (65.)

Zuschauer
: 21.343

Schiedsrichter: Peter Sippel (München).

Gelbe Karten (Borussia): Bögelund

Gelb-Rote Karten: -

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Das heutige Auswärtsspiel der Borussia war das 98. Auswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg 2001 (bisher: 10 Siege, 28 Remis, 59 Niederlagen). Sechs Mal pfiff Schiedsrichter Peter Sippel die Borussia seit jenem 30. Juni 2001 in der Bundesliga: Während Borussia unter seiner Leitung auch eines der erwähnten 10 Matches gewann (bei Hertha BSC Berlin in der Saison 2002/03), verlor sie viermal (darunter zweimal kontrovers beim 1. FC Kaiserslautern (in der Spielzeit 2001/2002 und in der Saison 2002/03)); die letzten zwei Spiele (daheim gegen den FC Schalke in dieser und auswärts beim SV Werder Bremen in der vorigen Spielzeit) ebenso ohne eigenen Treffer. Unter den besagten 10 Auswärtssiegen in diesem Zeitraum von mehr als fünfeinhalb Jahren befindet sich auch ein Match beim VfL Wolfsburg. Am 22. November 2003 schlug die Borussia den heimischen VfL mit 3:1, die Tore erzielten Joris van Hout, Arie van Lent und Joonas Kolkka.

... lade FuPa Widget ...

Borussia Mönchengladbach auf FuPa

... lade FuPa Widget ...

Borussia Mönchengladbach auf FuPa

Twitterfeed

  • Gegen Köllner kann man verlieren, gegen den Effzeh niemals! #fohlenelf
  • @tegee1972 Heute ist nicht alle Tage...
  • Eine knappe Auswärtsniederlage bei einem nationalen Spitzenclubb, schließlich war nur Bayern München häufiger Deutscher Meister als der FCN!
  • @HoerenGary Oh ja, allein seine Weltklasseleistung im schweren Auswärtsspiel beim FC Kutzhof!
  • @frankie1960 1978, unvergessen!
  • @Pilzeintopf Fürchte dich nicht, alle unsere Schalke-Tweets sind für die Ewigkeit gemacht!
  • "Annähernd 1000 Fans haben uns begleitet. Das kannte ich so von meinen vorherigen Vereinen nicht." Dieter Hecking, früher Wolfsburg & Aachen

Folge uns auf Twitter