Im sechsten Jahr nach dem Wiederaufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga taumelt Borussia Mönchengladbach trost- und wehrlos dem zweiten Abstieg aus der deutschen Eliteklasse entgegen. Auch die Partie im ehemaligen Dortmunder Westfalenstadion, wie schon das Match gegen Aachen, in Bochum, gegen Mainz und in Cottbus ist eine jener Begegnungen gewesen, in denen man mit einer rundum vernünftigen Leistung die zwischendurch stets gelegentlich angedeutete Potenz des eigenen Spiels hätte verdeutlichen und verfestigen können. Der leidenschaftsfreien Borussenmannschaft der Spielzeit 2006/07 fehlt es, wie die Darbietung des heutigen Spieltags unterstrich, dazu jedoch an viel zu vielen elementaren Dingen und deshalb steht sie mit kümmerlichen 16 Saisontreffern 12 Spiele vor Saisonschluss völlig zurecht am Tabellenende.

Auch im dritten Spiel seiner Amtszeit als Betreuer der Lizenzspielermannschaft beorderte Jos Luhukay die identische Startformation wie bei seinem Trainerdebüt bei der Borussia auf das Rasenviereck. In Ermangelung der verletzten Daems und Neuville platzierte er den nach einer Rangelei mit einem Mannschaftskollegen in der Vorwoche nicht berücksichtigten Sonck ebenso wieder auf die Ersatzbank wie Bernd Thijs, für den der bei Luhukay zunächst weiterhin keine Rolle spielende Mikkel Thygesen seinen Platz im 18er-Kader hatte räumen und stattdessen in der Regionalliga für Borussias U23 hatte spielen müssen.

Während man sich bei der Borussia bereits zu Spielbeginn an der Tatsache zu laben schien, dass für „die Musik" im Signal-Iduna-Park zu Dortmund zunächst die Heimmannschaft verantwortlich sei, positionierten sich die keinesfalls ohne Skepsis beäugten Gastgeber vor ihrem Heimpublikum mit energischen Bewegungen in Richtung des Balles. So dauerte es auch bei der Borussia bis nach dem Führungstreffer der Dortmunder, der in der 19. Spielminute durch den Schweizer Alexander Frei erzielt wurde, bis sie zu ersten zaghaften Torschüssen auf das Gehäuse der Gastgeber kam. Nachdem Michael Delura mit mehr oder minder halben Rückgaben in der 27. und in der 34. Spielminute dem Dortmunder Keeper Weidenfeller die unterschwellige Angst vor einer gänzlich beschäftigungsfreien ersten Spielhälfte nahm, aber erst Marcell Jansens Gewaltschuss am Außennetz der Dortmunder endete, schien es so als könne sich die Borussia schrittweise aus der Dortmunder Spieldominanz befreien und ihrerseits den eben bereits vor Spielstart in der Umkleide verschusselten Spielfaden aufnehmen. In jedem Fall sah das Spiel der Borussia ab der 27. und bis zur 45. Spielminute zusammenhängender aus als in jenen ersten 27 Spielminuten, die derweil ausreichend Gelegenheit boten die Dortmunder Führung zur Halbzeit als verdient zu umreißen.

Nachdem sich die Gladbacher Anhänger unter den mehr als 70.000 Zuschauern in der Pausenunterbrechung über den Zustand der von ihr unterstützten Mannschaft, angesichts der dargebotenen Armseligkeit in spielerischer wie emotionaler Hinsicht noch gegenseitig schlimme Fragen stellen durften, machten die ersten Momente der zweiten Spielhälfte eben jener quasi ausgehungerten Reisegruppe gar die trügerische Hoffnung, dass ihre Borussia den Ernst der Lage und die Chance der heutigen Ansetzung fortan doch noch nutzen wollte. So arbeitete sich in der 46. Spielminute über Marvin Compper Marcell Jansen binnen Sekunden zweimal vielversprechend an das Dortmunder Tor heran, doch weder der ansonsten blockstumpfe Kahê, dessen Torschussversuch misslang, noch Federico Insúa, dessen Nachschussgelegenheit ebenso durch Körperteile eines Dortmunder Gegenspielers vereiltelt wurde, wussten diese Vorarbeit gewinnbringend umzusetzen.
Und als wenn man aus Mönchengladbacher Sicht die Uhr danach hätte stellen wollen, bereits vier Minuten nach dieser ersten echten Torgefahr vor dem Tor der Gastgeber stufte die Borussia in ihren zielgerichteten Offensivbemühungen kollektiv auf jenen in die Breite gefächerten Schongang zurück, den sie noch in Bielefeld so angenehm wie überraschend hatte vermissen lassen.

Dass der Gegner der von Jos Luhukay angeleiteten Mannschaft am heutigen Spieltage trotz der eigenen Ohnmacht anfällig war, bewies die Westfalen gleichermaßen in einer zweiten Spielhälfte, die keinesfalls auf einem guten Niveau absolviert wurde.

So nahmen mehrere Akteure der Gastgeber, unter ihnen Ex-Nationalspieler Ricken, die teilweise eklatant offenbarten Räume vor dem Tor von Kasey Keller nicht an und versäumten es den Spielstand frühzeitig über den Zweifel eines Glückstreffers erhaben zu machen. In der 54. Spielminute indes war es keinesfalls die Pomadigkeit der Gastgeber jene kollektive Ohnmacht bei der Borussia nicht auszunutzen, denn dort scheiterte Torschütze Alexander Frei freistehend an einem glänzenden Reflex des Kasey Keller; ausgelöst wurde jene brandgefährliche Situation durch die Unachtsamkeit von Polanski und Compper, wobei der Kapitän der deutschen Juniorennationalmannschaft den Bärenanteil für das Zustandekommen dieser Chance der Dortmunder auf seine Kappe zu nehmen hatte.

Auch im Anschluss an diese sogenannte tausendprozentige Gelegenheit hatten die Dortmunder, die sich gegen Ende des Spiels in zwei Situationen um einen Elfmeter gebracht fühlten, weitere Möglichkeiten den vielbesungenen „Sack" frühzeitig zu zu machen. Unter anderem als Frei mit einem Freistoß in der 59. Minute nur die Latte traf. Dies gelang ihnen allerdings nicht und so hätten der Borussia, die im Verlaufe der zweiten Halbzeit den ehemaliger Kaiserslauterer Roman Weidenfeller zu spärlichen Paraden zwang, beinahe so Situationen noch Erfolg gebracht wie in der 79. Spielminute, als der eingewechselte Sonck den freistehenden Rafael zu bedienen gedachte, der in Angola geborene Juniorennationalstürmer aber aus zehn Metern halbrechts innerhalb des Strafraums den Ball noch nicht einmal zu berühren vermochte. Somit blieb es letztlich beim leistungsgerechten Erfolg der Gastgeber, die ihre größte Schrecksekunde zu überstehen hatten, als Steve Gohouri in der 55. Minute per Kopf Zé António einsetzte und Weidenfeller den darauf erfolgten Kopfballversuch des Portugiesen gerade noch so eben abwehren konnte.

Unwidersprochen gewann die Borussia aus Dortmund die Begegnung unter dem Strich in hochverdienter Art und Weise. Im Gegensatz zu ihrer Namensverwandten vom Niederrhein vermittelten die für sie angetretenen Spieler dem Zuschauer die Gewissheit sich darüber im Klaren zu sein, was ihnen und ihrem Arbeitgeber durch den heutigen Spieltag hätte drohen können. Dies taten bei denen von der Mönchengladbacher Borussia entlohnten Akteuren nur die längst bekannten Ausnahmen wie Torwart Keller, der am heutigen Spieltag zum wiederholten Male ihr bester Spieler war. Der Rest verdeutlichte durch einen zusammenhanglosen und vor allem in jeder Beziehung leidenschaftsfreien Auftritt sein eigentliches Interesse am (dennoch weiter möglichen) Klassenverbleib. Vor allem konterkariert die leidenschaftsfreie Borussenmannschaft zum wiederholten Male das penible wie aufrichtige Bemühen eines ihnen mittlerweile in „schöner Regelmäßigkeit" aufs Neue zugeordneten Übungsleiters.

Dass Borussia Mönchengladbach mit einem offensichtlich derart motivierten Spielerkader zwölf Runden vor dem Saisonschluss nur mit knapp 3 Punkten hinter dem rettenden Ufer zurückliegt, ist das eigentlich Positive des Augenblicks. Eigentlich ein irrer Widersinn in sich. Mit einer derartigen Kaffeefahrt- und Betriebsausflugsmentalität verdient sich die Mannschaft den realistischer werdenden Abstieg nicht nur redlich, sondern auch nach allen Regeln der Kunst. Schade nur, dass es letztlich immer der Klub ist, der am meisten darunter zu leiden haben wird. Der hat es begriffen, die Mannschaft dieselbe Erkenntnis lediglich in Unterstützung heischender Manier vorgetäuscht.

Dortmund: Weidenfeller - P. Degen, Brzenska, C. Metzelder, Kringe - Kruska (Sahin 43) - Tinga, Ricken - Pienaar (Smolarek 65) - Valdez (Amedick 74), Frei

Borussia: Keller - Bögelund, Gohouri, Zé António, Compper - Polanski (D. Degen 65), Kluge - Delura (Rafael 77), Insúa, Jansen - Kahê (Sonck 65)

Ersatz: Heimeroth - Svensson, Thijs, El Fakiri

Tore: 1:0 Frei (19.)

Zuschauer: 73.600

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)

Gelbe Karten (Borussia): Bögelund

Gelb-Rote Karten: -

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Das heutige Auswärtsspiel der Borussia bei Borussia Dortmund war das 97. Auswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg 2001 (bisher: 10 Siege, 28 Remis, 58 Niederlagen). Der letzte Sieg der Borussia in Dortmund datiert vom 18. April 1998, ein 2:1 mit Toren von Jörgen Pettersson und Karlheinz Pflipsen (Gegentor: Julio Cesar).

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