Im 96. Auswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga konnte die Borussia am heutigen Samstagnachmittag auf der ehemaligen Bielefelder „Alm“ ihren Aufwärtstrend der letzten anderthalb Partien fortsetzen und verdientermaßen drei Punkte mit nach Mönchengladbach nehmen. Borussias Argentinier Federico Insúa hatte die Elf von Jos Luhukay in der ersten Spielhälfte mit seinem ersten Bundesligatreffer bereits folgerichtig in Führung gebracht, ehe unmittelbar vor dem Spielende Marcell Jansen einen von zahlreichen Tempogegenstößen zum zweiten Borussentor des Tages verwerten, das Endresultat herstellen und vor gut 24.000 Zuschauern für den erst 10. Bundesligaauswärtssieg der letzten fünfeinhalb Jahre sorgen konnte.

Auf drei Positionen hatte der infolge des Rücktritts von Jupp Heynckes in der Verantwortung stehende Niederländer Luhukay die Anfangsformation im Vergleich zur Partie gegen Nürnberg unter der Woche verändert. Für den verletzten Bo Svensson, der neben Thijs, Sonck, Daems und Neuville heute nicht mit dabei war, agierte in der Innenverteidigung wieder Steve Gohouri, im Mittelfeld ersetzte auf der rechten Bahn Michael Delura David Degen und für den zuletzt als Stürmer eingesetzten Mikkel Thygesen war Peer Kluge im Mittelfeld aufgeboten.

In den ersten zwanzig Minuten der ersten Spielhälfte versuchten beide Teams den richtigen Zugang zum Spiel zu finden, wobei es bei den gastgebenden Bielefeldern in erster Linie ein Versuch wurde, bei dem Standardsituationen eine Rolle spielen sollten. Wie auch Borussia auf der Gegenseite, tat sich aber auch die Arminia schwer eine echte Gelegenheit herauszuarbeiten, nicht zuletzt weil auch Kasey Keller die ihm überlassenen Flankenschläge der Arminen in seinen Strafraum entsprechend festzuhalten wusste. Nach etwa zwanzig Minuten gelangte dann jedoch die Borussia über eine schöne Kombination über die linke Seite mit Marcell Jansen zu ihrer ersten echten Torgelegenheit, wobei Michael Delura sich grämen konnte, dass Bielefelds Torhüter Hain seinen Hackenstoß noch um den Pfosten lenkte und kurze Zeit später Marcell Jansen mit einem ähnlich gewitzten Versuch - er hatte sich durch die Bielefeld Reihen geschlängelt und mit dem rechten Fuß den Ball probiert in das lange Eck zu schlenzen - an der Größe des Bielefelder Gehäuses scheiterte.

Bereits hier war ersichtlich geworden, dass die Borussia gedachte an ihre ordentlichen Auftritte gegen Cottbus (2. Halbzeit) und Nürnberg (beide Spielhälften) anzuknüpfen und neben dem bloßen Engagement auch ein Stück der vorher viel geforderten Leidenschaft  für sich in die Waagschale zu werfen. Schon früh im Mittelfeld setzten die Borussen durchaus Grätschen zum Ball an, so resultierte die Verwarnungskarte für Kahê in der 25. Spielminute aus einem verzweifelten Versuch den von ihm verlorenen Ball durch einen derartigen Einsatz zurück zu erobern.
Bevor die Borussia in der 28. Spielminute über den bis dato sehenswertesten Angriffsspielzug der Partie ihr Führungstor erzielen konnte, lag ein Treffer für die Hausherren in der Luft. Doch vermochte Arminenstürmer Wichniarek seine Nachteile in Sachen Körperlänge nicht durch Sprungkraft wettzumachen und so endete sein Kopfball jenseits der für Borussia gefährlichen Regionen ihres Tores.

Der bis dato sehenswertesten Angriffsspielzug der Partie vollzog sich unmittelbar darauf, als Marvin Compper und Marcell Jansen mit flinken Zuspielen dafür sorgen konnten, dass Peer Kluge etliche Meter vor dem Strafraum der Hausherren über einen ungestörten Aktionsradius verfügte. Kluge trieb daraufhin den Ball einige Meter dem Tor der Bielefelder entgegen und deutete den einen Schussversuch an, den mit den Zuschauern auch die Bielefelder Defensivspieler erwarteten. Im entscheidenden Moment jedoch schob Kluge den Ball nicht dem langsam von der Torlinie rückenden Hain zum Abschlag in die Hände, sondern zu dem auf einer Höhe mit den Abwehrspielern lauernden Federico Insúa. Der Argentinier nutzte die Gunst der Situation und überwand Hain, gleichwohl mit einer Portion Glück, da er quasi lediglich über den Ball wischte, zum 1:0 für die Borussia.

In den ersten Minuten nach der Führung suchte die Borussia, gerne durch Eckballsituationen, die Chance ihrem ersten Treffer ein schnelles zweites Tor folgen zu lassen, doch je stärker es auf die Halbzeitpause zuging probierte sie sich in einer defensiveren Grundhaltung, der jedoch keineswegs die Giftigkeit im Zweikampf fehlte, die sie immer wieder in den Genuss von Balleroberungen brachte. Dennoch war es im Endeffekt Glück, dass die Borussia mit einer Führung im Rücken in die Habzeitunterbrechung gehen konnte, da beispielsweise in der 42. Spielminute Steve Gohouri, der ansonsten den spitzfindigen Abdelaziz Ahanfouf im Griff hielt, auf dem Rasen ausglitt und es nur dem Außenpfosten und einem Hechtsprung Kasey Kellers zu verdanken blieb, dass der ehemalige Duisburger den Ball dort nicht zum Ausgleich ins Borussentor einschieben konnte.

Direkt mit Wiederbeginn der Partie nach der Unterbrechung erlebten die mitgereisten Fans der Borussia die stärksten Minuten des erstmals in der Rückrunde in der Formation Borussias aufgebotenen Peer Kluge. Der schon 2001 aus Chemnitz geholte Mittelfeldspieler, der nach 63 Minuten verwarnt wurde, lieferte bis zu seiner Auswechselung in der 72. Spielminute eine blitzsaubere Partie im defensiven Mittelfeld und konnte über seine zahlreichen Balleroberungen und über diesen Umstand hinausgehende Umsichtigkeiten konsequent das Spiel der Borussia beleben und bereichern. Immer wieder wurden Angriffsversuche der Bielefelder, die noch kurz vor der Pause durch den ehemaligen Borussen Jörg Böhme eine vermeintlich gute Möglichkeit zum Torerfolg ausgelassen hatten, somit frühzeitig in Ballbesitz für die Borussia umgemünzt; es blieb jedoch das große Manko, dass die stets folgenden Kontersituationen, wie über Insúa nach 50 Minuten, nicht bis zum letzten Kontakt schlüssig zu Ende gespielt wurden und das Spiel daher lange Zeit nicht vorentschieden wurde.

Die Bielefelder versuchten mit fortgesetzter Spieldauer von diesen Quäntchen, die der Borussia in ihrem Offensivspiel noch fehlten, zu profitieren, in dem sie ihrerseits ihr Risiko erhöhten und in der Abwehrbewegung zugunsten des Offensivspiels gewisse Wagnisse eingingen. Erstmals nach einer Stunde infolge eines Freistoßes von Jörg Böhme waren sie vor dem Borussentor aufgezogen, sechs Minuten danach übte sich der eingewechselte Eigler mit einem Distanzschuss. Doch Keller konnte  diesen Versuch problemlos unter sich begraben.

Die angesprochene letzte Konsequenz im Abschluss, des öfteren bereits im Zuspiel in der Offensive, ließ die Partie unter Zuhilfenahme risikofreudigerer Bielefelder fortan eine stärkere Wellenbewegung vollführen, bei der die Borussia - wie erwähnt - immer und immer wieder Gelegenheit bekam für das Endergebnis vorzusorgen. In der 67. Minute war es der herauseilende Hain, der Jansen den Torjubel versagte, acht Minuten später setzte der kluge eingesetzte Nationalspieler die Kugel nur Zentimeter am rechten Pfosten vorbei und zwei Minuten vorher konnten sich, nach geschicktem Zuspiel Insúas, der eingewechselte El Fakiri und Marvin Compper nicht einig werden und so versiegte eine weitere Großchance.

Es schien, letztlich, daraus hinauszulaufen, dass entweder den Bielefeldern der Ausgleich oder der Borussia das 2:0 gelingen müsse. Hierbei taten die Hausherren der Borussia den vermeintlichen Gefallen erheblicher Ballverluste in der Vorwärtsbewegung, die Borussia half den Ostwestfalen aber meist prompt mit zu hektischen Abspielen aus und brachte den in der Tabelle besserplatzierten Mannen von Thomas von Heesen damit meist postwendend den gerade abgegebenen Ballbesitz zurück. Hier wirkte die Borussia unreif, hier spiegelte sich natürlich auch der bisherige Saisonverlauf und die Historie auf fremdem Platz in den Aktionen wieder. Die Bielefelder waren so lange Zeit noch nicht geschlagen und versuchten sich immer wieder entsprechend aufzubäumen, entsprechend aufzubauen. Letztlich aber leisteten sie sich in den Schlussminuten einen Ballverlust zu viel, der eingewechselte Fatmir Vata übersah Borussias Kahê, und der Brasilianer in Borussias Diensten konnte jenen Angriff in der 89. Minute auf Marcell Jansen weiterleiten. Borussias Eigengewächs ließ sich diese finale Chance auf einen Torjubel in jener Situation nicht entgehen und überwand Hain.

Wie die Mannschaft auf dem Rasen, feierten die mitgereisten Anhänger der Borussia auf den Rängen den ersten Sieg in der Rückrunde, gleichzeitig den ersten Auswärtssieg seit fast 9 Monaten und den tabellarischen Punktesprung von 16 auf 19 Zähler. Zu verdanken war dieser einer Mannschaftsleistung, wie man sie allwöchentlich benötigt, um im Existenzkampf eine Möglichkeit auf ein erfolgreiches Ende zu besitzen. Neben dem erwähnten Kluge und dem formidablen Torschützen Jansen war es insbesondere die konzentrierte Defensivleistung der gesamten Mannschaft, abgesehen von allenfalls fünf Minuten gegen Ende der ersten Spielhälfte, die dafür die Basis leistete.

Deutlich ist aber auch, dass dieser ersehnte Erfolg auf des Gegners Platz, der Anschluss an die Nichtabstiegsregion der Tabelle und das Ende des monatelangen Wartens auf einen Sieg in einem Pflichtspiel überhaupt keinen Wert hat, wenn die Elf es am Ende der nun anstehenden Woche nicht versteht mit einem Sieg über Mitkonkurrent Aachen diesem heutigen Erfolg auch vor heimischer Kulisse einen Sieg folgen zu lassen. Und dabei muss sie sich zwingend bewusst sein und weiter bewusst werden, dass dies nur mit demselben Feuereifer, mit demselben Teamgeist, mit derselben Motivation und wenigstens mit derselben fußballerischen Qualität zu leisten sein wird. Nur dann kann die heutige Partie in Bielefeld im Nachhinein einen Wert jenseits der Kosmetik erlangen.

Und so endet dieser Spieltag für Borussia mit einer zur Plattitüde verkommenen Erkenntnis: Das nächste Spiel ist das schwerste!

Bielefeld: Hain - Bollmann, Westermann, Gabriel, Schuler - M. Ndjeng (Masmanidis 46), Zuma, Kauf, Böhme (Vata 72) - Ahanfouf (Eigler 58), Wichniarek

Borussia
: Keller - Bögelund, Gohouri, Zé António, Compper - Polanski, Kluge (El Fakiri 72) - Delura, Insúa (Rafael 90), Jansen - Kahê.

Ersatz: Heimeroth - Levels, D. Degen, Thygesen, Baumjohann.

Tore: 0:1 Insúa (28.), 0:2 Jansen (89.)

Zuschauer: 24.000

Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)

Gelbe Karten (Borussia): Kahê, Jansen, Kluge.

Gelb-Rote Karten: -

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Nach dem Rücktritt von Borussias Trainer Jupp Heynckes vom Mittwoch, 31. Januar, trug sein Assistenztrainer Jos Luhukay (* 13. März 1963) für die Partie als Interimslösung die Verantwortung. Das heutige Auswärtsspiel der Borussia bei Arminia Bielefeld war das 96. Auswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg 2001 (bisher: 9 Siege, 28 Remis, 58 Niederlagen). In den beiden vorangegangenen Partien Borussias in Bielefeld (04/05: 0:0, 05/06: 2:0) war die Borussia unter Holger Fach und Horst Köppel ebenso gegentorlos geblieben. In der Partie der Saison 2005/06 gewann Borussia zum bis dato vorletzten Mal auf fremdem Platz in der 1. Bundesliga. Der heutige Sieg war der erste Auswärtssieg Borussias seit dem 34. Spieltag der vergangenen Saison, als man im ehemaligen Frankfurter Waldstadion Eintracht Frankfurt auch mit 2:0 geschlagen hatte. Für Federico Insúa, im Sommer von den Boca Juniors verpflichtet, war sein Tor der erste Treffer seit seinem Wechsel zur Borussia.

... lade FuPa Widget ...

Borussia Mönchengladbach auf FuPa

... lade FuPa Widget ...

Borussia Mönchengladbach auf FuPa

Twitterfeed

  • Gegen Köllner kann man verlieren, gegen den Effzeh niemals! #fohlenelf
  • @tegee1972 Heute ist nicht alle Tage...
  • Eine knappe Auswärtsniederlage bei einem nationalen Spitzenclubb, schließlich war nur Bayern München häufiger Deutscher Meister als der FCN!
  • @HoerenGary Oh ja, allein seine Weltklasseleistung im schweren Auswärtsspiel beim FC Kutzhof!
  • @frankie1960 1978, unvergessen!
  • @Pilzeintopf Fürchte dich nicht, alle unsere Schalke-Tweets sind für die Ewigkeit gemacht!
  • "Annähernd 1000 Fans haben uns begleitet. Das kannte ich so von meinen vorherigen Vereinen nicht." Dieter Hecking, früher Wolfsburg & Aachen

Folge uns auf Twitter