Im Stadion der Freundschaft in Cottbus verlor die Borussia am heutigen Samstagnachmittag eine Partie mit 3:1 Toren, die sie vor allem in der ersten Halbzeit den Gastgebern überließ und nach dem Doppelschlag der Lausitzer durch den Rumänen Sergiu Radu trotz einer verbesserten Leistung in der zweiten Spielhälfte nicht mehr gewinnen konnte. Nach dem Anschlusstreffer von David Degen, einer von drei hochkarätigen Chancen der Borussia nach dem Seitenwechsel, fiel das spielentscheidende dritte Cottbusser Tor in bezeichnender Manier, als der ansonsten fehlerfreie Kasey Keller eine Hereingabe von Steffen Baumgart dessen Mitspieler Vlad Munteanu auf den Fuß servierte. In Mönchengladbach wird man sich deshalb bis zum kommenden Spiel gegen Nürnberg am Dienstag wohl vor allem der Frage widmen, wie man im wichtigen Moment den üblich gewordenen Konzentrationsfehlern nicht zum Opfer fällt.

Im Vergleich zum erfolgreich verlaufenen letzten Test gegen die belgische Spitzenmannschaft vom RSC Anderlecht nahm Trainer Jupp Heynckes keine Veränderungen in der Anfangsformation der Borussia vor. Auf die verletzten Oliver Neuville und Filip Daems verzichtend, die beide noch Rehabilitationsmaßnahmen absolvieren, standen mit Steve Gohouri und Mikkel Thygesen zwei der drei Neuzugänge dieses Winters von Beginn an auf dem Feld; mit Alexander Baumjohann begann der dritte Neue die Partie zunächst auf der Ersatzbank, auf der sich mit Kahê, Michael Delura, Peer Kluge und Bo Svensson vier in der Hinrunde noch zu dem Stammspielern zählenden Akteuren wiederfanden.

Schon in der ersten Spielminute hätte der FC Energie, der Heimvorteil genoss, mit 1:0 in Führung gehen können, wenn die Männer von Trainer Sander eine Konfusion in der Borussendeckung besser zu nutzen gewusst hätten, doch so rollte der Schuss des Rumänen Munteanu, nach Vorlage von Landsmann Radu an den Ball gekommen, am Außenpfosten des Borussentores vorbei. Noch bevor beispielsweise Mikkel Thygesen für die Borussia erstmals brauchbar an den Ball gekommen war, hatten die Gastgeber eine weitere Torgelegenheit. Dieses Mal, in der 10. Spielminute, war es erneut Munteanu, der auf Vorarbeit von Gunkel das Führungstor für die Brandenburger hätte markieren können. Erst fünf Minuten später, durch einen Versuch aus der Distanz des aufgerückten Zé António, gelang der Borussia ein erster Gruß an ihre mitgereisten Anhänger, der aber ebenso wie ein ähnlicher Versuch von Eugen Polanski (18.) am Tor vorbeiflog. 

In dieser Phase der ersten Halbzeit schien es so als bekäme die Borussia die Partie in den Griff. So kurbelte der wiedergenesene Marcell Jansen über die linke Seite mehrmals das Borussenspiel an, doch im Endeffekt scheiterten die Schützlinge von Jupp Heynckes an einer fehlenden Zielgenauigkeit im Zusammenspiel. Meistens war man gerade beim versuchten Paß in die Spitze nicht akkurat genug und musste größere Ambitionen in Richtung des Gehäuses von Tomislav Piplica früh zu den Akten legen. Trotzdem, die Gastgeber, die durch einen von Keller vereitelten Versuch Munteanus in der 20. Spielminute ihre dritte gute Chance besaßen, hatten sich während dieser Phase, in der das Spiel allerdings im Grunde genommen vor sich hin plätscherte, zu konsolidieren. Sie taten dies und waren nach 33 Spielminuten schlussendlich die Gedankenschnelleren. Bei einem Ball im Mittelfeld verkalkulierte sich Bernd Thijs, der nicht damit gerechnet hatte, dass sein Gegenspieler an den Ball kommen würde, und stand in der folgenden Situation einen Meter zuviel von Daniel Gunkel weg, der mit einem Geistesblitz den Ball auf den derweil Steve Gohouri wegflitzenden Sergiu Radu in den Strafraum spitzeln konnte. Auch wenn Kasey Keller dem Schützen noch entgegen lief, der US-Amerikaner im Borussentrikot konnte die Führung der Hausherren nicht mehr abwenden.

Aus dem Nichts fiel bloße sechs Minuten später dann das zweite Tor der Elf aus Brandenburg an diesem Nachmittag und dennoch war dieser Treffer bezeichnend, bezeichnend für viel zu viele Treffer dieser Art gegen Borussia auf fremdem Platz in den letzten Jahren. Eigentlich war die Gefahrensituation, die heraufzog, nämlich schon geklärt, doch weil Steve Gohouri zu rasch in Richtung Mittelfeld aufrückte und nicht nur Kasper Bögelund auf der rechten Seite beim Stellen einer möglichen Abseitsfalle infolgedessen überrumpelte, konnte es dem Energie-Abwehrspieler McKenna gelingen seinen Kopfball in Richtung Borussenstrafraum an seinen Mitspieler Munteanu zu bringen. Bögelund, der in dieser Situation verloren zwischen Baum und Borke kauerte, konnte trotz eines gespreizten Schrittes den Rumänen nicht mehr von der Vorlage auf seinen Landsmann Radu abhalten, der sich im Rücken des Gohouri  in Richtung Borussenstrafraum aufgemacht hatte und für Munteanu die ideale Anspielstation war. Kasey Keller und vor allem der verbliebene Zé António waren, bei dem verzweifelten Versuch das zweite Tor der Gastgeber zu verhindern, schließlich völlig machtlos.

Mit diesem unter dem Strich verdienten Vorsprung für die Heimelf ging es sechs Minuten später in die Halbzeitunterbrechung. Aus dieser kamen beide Mannschaften unverändert wieder heraus, doch hatte sich die Spielanlage während der Halbzeitpause verschoben. Die Gastgeber waren fortan bemüht über ihre flinken Konterspieler Tempogegenstöße zu fahren und dabei gegebenenfalls die Entscheidung zu finden, die Borussia versuchte möglichst das Anschlusstor zu finden, dass diese Partie noch einmal hätte spannend machen können. Dabei stellte sich die Heynckes-Elf zunächst nicht sonderlich klug an, bis Marcell Jansen Tomislav Piplica in der 60. Spielminute mit einem Distanzschuss zum Nachfassen zwang, den der glücklos agierende Mikkel Thygesen beinahe als Nachschussmöglichkeit auf den Fuß bekommen hätte.

In der 64. Spielminute entschied sich Heynckes aufgrund der uninspirierten Verfahrensweise seiner Mannschaft zu einem Kräftetausch, er brachte mit Michael Delura für Bernd Thijs und Kahê für Debütant Thygesen zwei frische Leute und beorderte den U21-Nationalspieler Eugen Polanski für Thijs auf die Position des zentral defensiven Mittelfeldspielers und fortan schien die Borussia besser zurecht zu kommen. So hatte unmittelbar nach diesen Wechseln David Degen eine Schussgelegenheit, die Piplica jedoch vereiteln konnte und so verschob sich das Spielgeschehen immer sukzessiver in Richtung des Gehäuses der Lausitzer, die ihrerseits seltener zu Angriffen auf das Borussentor Gelegenheit hatten - in der 73. Spielminute erfolgte Borussias finaler Tausch der Partie, Alexander Baumjohann ersetzte den zum wiederholten Male nicht stattfindenden Wesley Sonck, der Minuten zuvor die bis dato größte Borussenchance des Spiels am rechten Außenpfosten der Gastgeber vorbeigesetzt hatte. 

Bei einem der seltenen Tempogegenstöße der Lausitzer in dieser Phase der Begegnung vereitelte Kasey Keller einen Schnitzer Steve Gohouris, der beinahe Francis Kioyo zum entscheidenden Trefferverholfen hätte und erhielt der Borussia ihre Chance auf ein Comeback. Dies versuchte der in der zweiten Spielhälfte stärker werdende David Degen auf Vorlage Federico Insúas einzuleiten, als er in der 79. Spielminute aus Nahdistanz per Kopf auf 1:2 verkürzte. Die Borussia versäumte es jedoch in den folgenden Spielminuten die Cottbus-Elf von Trainer Sander entscheidend zu verunsichern, vor allem weil vereinzelt Akteure (Kasper Bögelund und Eugen Polanski) glaubten Aggressivität und Einsatzbereitschaft müsse man in erster Linie zeigen, wenn man sich mit dem Schiedsrichter über dessen Zweikampfbeurteilung austauscht. Beide schafften es ihre  Verwarnungskarten in Situationen anzuhäufen, in der der Borussia ein Freistoß zugesprochen und dessen schnelle Ausführung ihr weitaus mehr geholfen hätte als ein sinnfreies Herumgeschubse des Gegenspielers wie im Falle Bögelunds oder das ausschweifende Gezeter Polanskis nach einem Allerwertsfoul Mitreskis schon während der ersten Spielhälfte.

So konnte sich Gästetrainer Sander freuen, dass die Borussia sich quasi selbst um die Restspielzeit brachte und Schiedsrichter Kircher eben nicht auf den plumpen Schwalbenversuch Insúas hereinfiel, der sich zwischen dem Degenschen Anschlusstreffer und dem entscheidenden Tor Munteanus zutrug und dem Argentinier innerhalb der deutschen Refereegilde keine neuen Freunde eingebracht haben dürfte. Es passte zum Verlauf der Partie, dass der Munteanusche Treffer aus der 90. Minute von einem biltzsauberen Torwartfehler Kasey Kellers begünstigt war, als dieser eine überhastete Flanke Steffen Baumgarts auf den Schuh Munteanus abfälschte. 

Auch in einem weiteren Duell gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten vermochte die Borussia an diesem ersten Rückrundenspieltag nicht zu punkten. Nachdem sie gegen Mainz in den letzten Minuten einen Sieg hergeschenkt hatte und in Bochum nicht über die Funktion eines Sparringspartners für den nicht minder Not leidenden VfL hinausgekommen war, blieb sie auch in diesem Spiel im Startblock hängen und verschärfte somit ihre ohnehin schon prekäre Situation weiter. Jupp Heynckes hat zwar vor allem in der 2. Spielhälfte Aktionen seiner Mannschaft gesehen, die deutlich machten, dass sie es können müsste, solange sie aber den üblich gewordenen Konzentrationsfehlern - wie beim 2:0 oder 3:1 -  nicht aus dem Weg gehen kann, wird die simple Aufgabenstellung des Klassenverbleib immer deutlicher zur Sisyphosaufgabe.
Bilanziert man allein das heutige Spiel, so dürften die Stammplatzherausforderer von Eugen Polanski und Wesley Sonck, aber auch die von Mikkel Thygesen und Steve Gohouri auf die Ersatzbank verdrängten ehemaligen Stammspieler nunmehr ein großes Stück Hoffnung mehr auf eine Bewährungschance machen.

Während man bei Gohouri und Thygesen nachsichtig von einem völlig in die Hose gegangenen Debüt sprechen sollte, wäre es an der Zeit sich bei Eugen Polanski und Wesley Sonck bereits zu fragen, inwiefern sie mit der Situation überfordert sind von ihrem Cheftrainer eine erneute Bewährungschance eingeräumt bekommen zu haben. Polanski zeigte sich zwar verbessert als in der von ihm selbst als sehr schlecht eingestuften Hinrunde, Sonck verdaddelte wie schon in Bochum am letzten Spieltag eine wahrlich hundertprozentige Torgelegenheit und beraubt sich so, als ohnehin wenig mannschaftsdienlich denkender Stürmer, den während des Winters stets hübsch eingeklagten Argumenten hinsichtlich einer über dieses Match hinausgehenden Probezeit als Stammkraft in der Angriffsspitze. Der Borussia ist nach diesem Spiels gar unzweifelhaft dringend anzuraten einen vernünftigen Angreifer zu verpflichten, so lange dies noch möglich ist und so lange es noch einen Unterschied machen kann!

Cottbus: Piplica - Szelesi, McKenna, I. Mitreski, Cvitanovic - Kukielka - Munteanu (Küntzel 90), T. Rost - Gunkel (Baumgart 64) - Kioyo (Shao 82), Radu.

Borussia: Keller - Bögelund, Gohouri, Zé Antonio, Jansen - Thijs (Delura 64) - D. Degen, Polanski - Insua - Thygesen (Kahê 64), Sonck (Baumjohann 73).

Ersatz: Heimeroth - Helveg, Svensson, Kluge

Tore: 1:0 Radu (33.), 2:0 Radu (39.), 2:1 D. Degen (79.), 3:1 Munteanu (90.)

Zuschauer: 13.044

Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)

Gelbe Karten (Borussia): Polanski, Gohouri, Bögelund.

Gelb-Rote Karten: -

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Für Borussias Trainer Jupp Heynckes (*09. Mai 1945) war die Partie das 500. Spiel in seiner Karriere als Bundesligacheftrainer. Sein Debüt auf der Trainerbank in der Bundesliga gab Heynckes am 11. August 1979 beim 1:1 (Borussentor: Harald Nickel) auf dem Bökelberg gegen den FC Schalke 04, einen von insgesamt vier deutschen Klubs, die er im Verlauf seiner Laufbahn einmal betreuen sollte. Ferner betreute er im Ausland die Klubs Benfica Lissabon, CD Teneriffa, Athletic Bilbao und Real Madrid, mit denen er 1998 die Champions League gewann. Das heutige Auswärtsspiel der Borussia beim FC Energie Cottbus war das 95. Auswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg 2001 (9 Siege, 28 Remis, 58 Niederlagen). Für die im Winter von Borussia verpflichteten Steve Gohouri, Mikkel Thygesen und Alexander Baumjohann war es das erste Pflichtspiel für ihren neuen Verein.

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