Borussia hat im Spiel gegen den Tabellenletzten aus Mainz zwei existenziell wichtige Punkte hergeschenkt, indem man in der zweiten Halbzeit das eigene Spiel völlig einstellte und nur noch auf Sicherung der 1:0-Führung bedacht war, was kurz vor Schluss zurecht bestraft wurde.
 

Gegen die auswärtsschwachen Mainzer, die seit dem 1.Spieltag keinen einzigen Sieg mehr verbuchen konnten, startete Borussia mit gewachsenem Selbstvertrauen aus der Vorwoche. So merkte man der Elf von Jupp Heynckes zu Beginn an, dass man den Gegner direkt unter Druck setzen und dem Spiel seinen Stempel aufdrücken wollte. In der 5. Minute führte diese offensive Ausrichtung zur ersten Großchance des Spiels, bei der Bo Svensson eine Delura-Ecke auf den Kopf bekam und den Ball aus 2 Metern nur an die Latte lenkte. Der Ball prallte Kahê vor die Füße, der davon aber zu sehr überrascht wurde und ihn nur noch in Richtung Mainzer Torwart abprallen lassen konnte. Während das Bemühen um Überlegenheit spürbar wurde, bescherte uns diese Spielweise aber auch gefährliche Konter der Mainzer, von denen einer nach 10 Minuten zu einem Freistoß aus 22 Metern führte. Markus Feulners gefühlvoller Schuss strich nur knapp übers Tor, versetzte den Borussen aber eine Warnung, dass man diesen Gegner keinesfalls unterschätzen sollte.  

So flachte das Spiel im Folgenden etwas ab und Borussia bekam immer größere Probleme damit, gegen die defensiv kompakt stehenden Mainzer Torgefahr zu entwickeln. Das Selbstbewusstsein aus der Anfangsphase schien erneut Fehlpässen und Ungenauigkeiten zu weichen, ehe in der 17. Minute der Zufall zu Hilfe eilte.  

Oliver Kirch flankte von der rechten Seite hoch in den Strafraum wo sich die neue Mainzer Nr.1 verschätzte und den Ball aus den fangbereiten Armen gleiten ließ. Kahê konnte davon profitieren, gelangte so nämlich an den Ball, stand aber mit dem Rücken zum Tor. Sein Versuch, den Ball auf einen Mitspieler zurückzulegen, landete glücklicherweise in den Füßen des Mainzers Demirtas, von wo aus er unhaltbar für Wetklo im Mainzer Tor landete. Borussia war die wichtige Führung gelungen, die ihnen nun die nötige Sicherheit für das weitere Spiel verschaffen sollte.  

Im weiteren Verlauf der 1. Halbzeit behielt Borussia das Spiel problemlos unter Kontrolle, versäumte es aber, gegen jetzt völlig verunsicherte Mainzer mit entsprechendem Druck nachzulegen. Eine Einstellung, die sich später bitter rächen sollte. Doch zunächst sah alles gut aus denn schon 5 Minuten nach der Führung war es wieder eine Flanke von rechts, die für Gefahr sorgte. Helveg konnte dieses Mal ungestört den Ball in die Mitte bringen, wo Wetklo sich einmal mehr mit der Strafraumbeherrschung schwer tat. Michael Delura hätte dies beinahe ausgenutzt, indem er am kurzen Pfosten zum Kopfball kam. Da die Flanke aber für den Ex-Schalker etwas zu hoch angesetzt war, strich dieser deutlich über das Gehäuse.  

Überhaupt fiel in dieser Phase auf, dass Borussia (gerade in der Offensive) nahezu jeden Kopfball gewann, woraus man durchaus mehr Kapital hätte schlagen dürfen. Doch richtig zwingend wollte man nicht mehr wirklich werden. Jupp Heynckes verwies nach dem Spiel auf den vergebenen Latten-Kopfball von Svensson, um das vermeintliche Pech zu dokumentieren, mit dem wir die 1:0-Führung nicht ausbauen konnten. Bezeichnenderweise war dieser Kopfball aber bereits vor der Führung zustande gekommen. Nach dieser geschah viel zu wenig, was uns entscheidend hätte voranbringen können, so dass es hier viel zu billig ist, von fehlendem Glück zu reden.  

So hatte Borussia das Geschehen bis zum Halbzeitpfiff zwar jederzeit im Griff, dies aber in erster Linie auch deshalb, weil Mainz eindrucksvoll dokumentierte, die sturmschwächste Elf der Liga zu sein. Lediglich ein Pekovic-Schuss aus 6 Metern erzeugte nach 34 Minuten echte Torgefahr, landete aber gleichfalls in den Armen des zentral postierten Kasey Keller.  

Bei Federico Insua blitzte gelegentlich Genialität auf, mit der er seine Mitspieler in Szene setzte. Gerade in der letzten Viertelstunde der ersten Spielhälfte lief der Argentinier zu großer Form auf, ohne aber gleichfalls eine allzu zwingende Torchance initiieren zu können. Bernd Thijs war gleich mehrfach bemüht, mit Weitschüssen zum Erfolg zu kommen. Diese waren aber zum einen viel zu schwach ausgeführt und kamen zudem sämtlich auf die Tormitte, wo Wetklo nicht nur keinerlei Mühe hatte, die Kullerbälle aufzufangen, sondern sich langsam auch die nötige Sicherheit fürs Spiel holte.  

So blieb es nach 45 Minuten beim knappen 1:0, das zweifelsohne verdient war, da Borussia bis hierhin die weniger schwache von zwei Mannschaften war, die nicht zu Unrecht in den Abstiegskampf verwickelt sind. Gegen derart verunsicherte Mainzer, denen man nach dem 0:1 anmerkte, wie wenig sie noch an sich und ihre Chance glaubten, ist es völlig unverständlich, warum man nicht mit größerem Nachdruck auf das zweite Tor zu spielen versuchte.  

Wer gehofft hatte, dies würde im zweiten Durchgang endlich verstärkt der Fall sein, erkannte schon bald, wie er sich geirrt hatte. Borussia startete höchst verhaltend und abwartend, wahrscheinlich in Erwartung eines drohenden Sturmlaufs der Gäste. Doch dieser blieb zunächst aus, so dass sich 15-20 Minuten lang ein extrem langweiliges Spiel ohne Höhepunkte entwickelte. 10 Minuten nach Wiederanpfiff hatte Borussia zwei kleinere Gelegenheiten, als zunächst selbst Peer Kluge frei aus 8 Metern zum Kopfball kommen durfte, diesen aber übers Tor platzierte. Anschließenden war es wieder Kluge, der einen schönen Kahê-Pass in den Strafraum zurückzulegen versuchte, wo Delura aber einen Schritt zu spät kam.  

Jürgen Klopp versuchte nun, durch einige Wechsel das Offensivspiel der Mainzer zu forcieren. Neben Edu und Ruman kam so auch der junge Vrancic zu seinem ersten Bundesligaspiel, was zu sichtlicher Belebung führte. Mainz war im Folgenden wahrlich noch lange nicht gut, konnte sich aber schon mit ein klein wenig Engagement deutlich von der Mönchengladbacher Passivität absetzen. Borussia verharrte in immer stärkerer Lethargie, was den Mainzern nicht entging, die von Minute zu Minute mehr bemüht waren, das Geschehen zu kontrollieren. So bestand Borussias Taktik in den letzten 20 Minuten nur noch darin, das 1:0 mit aller Macht über die Zeit zu bringen. Eigene Konter fanden kaum noch statt und wurden i.d.R. stümperhaft schon bald abgebrochen.  

Ein selbst herausgeholter Freistoß von Vrancic nach 72 Minuten flog noch an allen Spielern vorbei. Aber schon hier hätte ein einziger Kontakt eines Mainzer Spielers für den Ausgleich sorgen können. 4 Minuten später hatte Edu die Riesen-Chance, diesen freistehend vor Keller aus 8 Meter Entfernung herzustellen. Während Zé Antonio einen Schritt zu spät kam, versprang dem Brasilianer der Ball, so dass dieser weit am Tor vorbei strich.  

Trotzdem hätte Borussia beinahe noch seine Chance erhalten, doch noch zu einem eigenen Torerfolg zu kommen. In der 79. Minute lief Delura bereits frei aufs Tor zu, wurde aber fälschlicherweise vom Schiedsrichter zurückgepfiffen, weil dessen Assistent eine Abseitsstellung gesehen haben wollte.  

Jupp Heynckes reagierte auf die verstärkten Offensivbemühungen der Gäste mit einem Wechsel von Eugen Polanski für Michael Delura. Der Sturm wurde also auf Kahê beschränkt, der an diesem Tag aber ohnehin nicht stattfand. So zitterte man sich über die Zeit und hätte damit beinahe Erfolg gehabt, da die Mainzer ihrerseits zwar bemüht, aber kaum richtig zwingend waren.  

Es hätte also durchaus bei diesem 1:0 bleiben können, mit dem man sich dann zufrieden hätte zurücklehnen und die wichtigen 3 Punkte hätte bejubeln können. Doch verdient wäre dies ehrlicherweise nicht gewesen. Zu passiv verhielt man sich bei einem Heimspiel gegen einen schwachen Tabellenletzten, den jede andere Bundesligamannschaft an diesem Tag wohl mit 2-3 Toren aus dem Stadion geschossen hätte. Und so kam es, wie es kommen musste. Eine Minute vor Spielende kamen die unermüdlichen Mainzer zu ihrer letzten Chance. Während Borussia in Hälfte 1 nahezu jeden Kopfball gewonnen hatte, hatte sich dies nach dem Wechsel komplett gedreht. So auch nach der Flanke von Rose, bei der Jovanovic höher stieg als Zé Antonio und aus 6 Metern keine Probleme hatte, zum 1:1 einzunicken. Ein Schock für die Borussen-Spieler, die es den „kleinen Mainzern“ offenbar nicht zugetraut hatten, tatsächlich einen Treffer erzielen zu dürfen.  

Durch den späten Treffer endlich aufgeweckt, blieben nur noch 60 Sekunden zum Gegenschlag, der beinahe gar noch geglückt wäre. In Minute 91 tauchte urplötzlich der eingewechselte David Degen in halbrechter Position im Strafraum auf, wo er freistehend aus 10 Metern seine Torgefahr hätte unter Beweis stellen können. Stattdessen entschied sich der Schweizer für eine Flanke auf den mitgelaufenen Kahê, die diesen aber deutlich verfehlte, was einen bezeichnenden Schlusspunkt unter eine desolate zweite Halbzeit setzte. 
 

Es fehlen einem fast die Worte, um auszudrücken, wie fahrlässig unsere Mannschaft an diesem Nachmittag in einem derart wichtigen Spiel zu Werke ging und zwei unbedingt notwendige Punkte verschenkte. Das glücklich zustande gekommene 1:0 hatte ihnen lange Zeit die nötige Sicherheit geboten, mit der man den verunsicherten Gast schon frühzeitig hätte in die Knie zwingen müssen. Doch wieder einmal gelang es kaum, nach der Führung noch zwingende Chancen zu entwickeln. Insua zeigte in der ersten Halbzeit sehr positive Ansätze, ehe er nach dem Wechsel dann aber mit dem Rest des Teams völlig untertauchte. Bernd Thijs war noch am ehesten bemüht, aus dem Mittelfeld heraus das Glück zu erzwingen, scheiterte dabei aber regelmäßig an seinem zu schwachen Schuss. Die Abwehr stand über weite Strecken ordentlich, wobei Helveg und Svensson nahezu fehlerlos blieben. Zé Antonio dagegen kam nicht nur beim Gegentor etwas zu spät, während auch Compper auf links seine vorhandenen Defizite des öfteren deutlich machte.  

Im Sturm zeigte das Duo Delura-Kahê, das es ihnen deutlich an Qualität fehlt. Selbst wenn der Brasilianer das 1:0 quasi vorbereitete, kann er spätestens nach der Winterpause eigentlich keine Rolle mehr in den Planungen spielen, wenn man sich ernsthaft ans Mittelfeld der Tabelle herankämpfen möchte. Es beeindruckt, wie ein solcher Spieler im vorigen Jahr verpflichtet werden konnte, als man nach einem kopfballstarken Brecher suchte. In der Luft gewinnt Kahê kaum einen Zweikampf, so dass seine Position nächste Woche hoffentlich wieder durch Oliver Neuville ausgefüllt werden kann. 

Dann geht es nach Bochum, die uns in der jetzigen Form bei ihrer wieder gewonnenen Heimstärke kaum eine Chance lassen dürften. Wer nach dem 1:1-Erfolg in München geglaubt hatte, der Kampf und Einsatz aus diesem Spiel würde für den Abstiegskampf ausreichen, sollte sich klar machen, dass diese Qualitäten lediglich Grundvoraussetzung sind, um überhaupt am Abstiegskampf teilnehmen zu dürfen. Erfolge wie in München sind so mit etwas Glück sicher möglich. Doch gerade in den Spielen, in denen die wichtigen Dreier eingefahren werden müssen, erfordert es schon noch etwas mehr. Doch Spielkultur und die Fähigkeit, eigene gefährliche Chancen herauszuarbeiten, ist von unserer Elf zur Zeit leider nicht zu erwarten. Das Bemühen dazu war am heutigen Tage deutlich erkennbar. Und man hatte sicher auch erkannt, dass die Mainzer insbesondere bei hohen Bällen verwundbar waren, was 7 Flanken alleine im ersten Durchgang dokumentieren. Umso trauriger, dass die Mannschaft nicht in der Lage war, dies effektiv umzusetzen und den unsicheren Mainzer Keeper nach dem 1:0 nicht einmal noch ernsthaft prüfen konnte. 
 

Wenn man etwas Positives aus der Partie mitnehmen möchte, dann die Tatsache, dass ein ermauertes 1:0 womöglich die bestehenden Defizite im Kader überdeckt hätte und die Verantwortlichen in der Winterpause ggf. zu weniger engagiertem Handeln verleitet hätte. Der Ausgleich, durch den Borussia mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einem Abstiegsplatz wird überwintern müssen, sollte auch dem Letzten klarmachen, wie ernst es um unsere Lage bestellt ist und dass nur eine deutliche Leistungssteigerung im neuen Jahr den drohenden Rückfall in Liga 2 wird verhindern können. Über entsprechende Neuverpflichtungen wird nachzudenken sein, mit denen Manager Pander hoffentlich mehr Glück hat als in der Vergangenheit. Aber gerade auch der vorhandene Kader wird von Jupp Heynckes endlich zu einer funktionierenden Einheit zusammengefügt werden müssen, damit das elendige Jahr 2006 keine Fortsetzung findet. Nimmt man nämlich die Leistungen des bald abgelaufenen Kalenderjahres zusammen, so war dies keinen Deut besser als jenes, was uns in der Saison 98/99 die größte Katastrophe der Vereinsgeschichte bescherte. 

Tore:
1:0 Demirtas (17., Eigentor), 1:1 Jovanovic (89.) 

Borussia: Keller – Helveg, Svensson, Zé Antonio, Compper (Degen 63) – Kirch, Thijs, Insua, Kluge – Kahê, Delura (Polanski 80) 

Mainz: Wetklo – Demirtas, Friedrich, Noveski, Rose – Azaouagh (Ruman 61), Babatz, Pekovic (Vrancic 68), Feulner – Szabics (Edu 75), Jovanovic 

Ersatz: Heimeroth (Tor), El Fakiri, Bögelund, Sonck 

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart) 

Zuschauer:
44.157 

Datum; Spieltag: Samstag, 9. Dezember 2006, 16. Spieltag 2006/07 

Gelbe Karte (Borussia):
Degen 

Gelb-Rote Karten:
 

Rote Karten:
-

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  • Während jeder Raffaels Tore feiert, sollte man auch den Jüngsten sehr loben. Bravo, vous avez bien fait, @MichaelCUISANCE! #bmgvfb
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