Nach einer bis zur 70. Spielminute katastrophal schlechten Vorstellung verliert Borussia das Auswärtsspiel in Stuttgart mit 0:1. Lediglich in den letzten 20 Minuten des Spiels verstand es Borussia ansatzweise, gegen einen sich zurückziehenden und abbauenden Gastgeber etwas Druck aufzubauen und sich Torchancen herauszuspielen. Der Ausgleichstreffer wollte jedoch nicht mehr gelingen, so dass im neunten Auswärtspflichtspiel die siebte Niederlage zu Buche stand. Das Tor des Tages erzielte Cacau bereits in der 5. Spielminute nach einer abgefälschten Flanke. Gleichwohl Borussia als Außenseiter in die Partie gegangen war, muss man sich ob der vergebenen Chance ärgern, gegen einen heute am Ende schwach spielenden Gastgeber aus Stuttgart nicht mindestens einen Punkt mitgenommen zu haben.

Jupp Heynckes stellte die Anfangself erneut auf fünf Position um, wenngleich überwiegend gezwungen, da Keller, Neuville und Rafael verletzungsbedingt ausfielen. Vor Torhüter Christofer Heimeroth agierte die Viererkette in gleicher Formation mit Thomas Helveg, Bo Svensson, Ze António und Marvin Compper. Die bereits in dieser Woche angekündigte Version mit zwei defensiven Mittelfeldspielern wurde von Heynckes exakt umgesetzt. Neben Eugen Polanski spielte Tobias Levels vor der Abwehr. Oliver Kirch und Peer Kluge flankierten den wieder in die Startelf berufenen Federico Insua auf den Außenpositionen. Die einzige nominelle Spitze wurde von Kahê gestellt.

Bereits in der sechsten Spielminute wurde das defensive Grundkonzept der Mannschaft über den Haufen geworfen. Der Stuttgarter Hilbert, von Compper eigentlich zugestellt, von der rechten Seite geflankt. Der Ball wurde von Compper jedoch so abgefälscht, dass er in einem hohen Bogen Richtung Heimeroth flog. Die Flugbahn wurde immer länger, so dass der Ball von der Latte zurück ins Feld prallte. Cacau musste aus kurzer Distanz nur noch abstauben, um die frühe Führung für sein Team erzielen zu können. Auch wenn Heimeroth in dieser Situation unglücklich aussah, ist ihm kein Vorwurf zu machen. Viel mehr den Innenverteidigern, die den langen Ball gedanklich bereits abgeschrieben hatten und so Cacau in dieser Situation nicht entscheidend zustellten.

Dass Borussia in der Folgezeit keine wütenden Angriffe auf das Tor der Gastgeber startete, überraschte den Beobachter nicht. Zu wenig Selbstvertrauen besitzt das Team zur Zeit, als dass der Hebel innerhalb weniger Minuten umgelegt werden könnte. Am Spielverlauf änderte sich demnach wenig. Die selbstbewusst auftretenden Stuttgarter dominierten das Spiel nach Belieben, ohne zwingend in der Offensive eine frühe Vorentscheidung zu suchen. Der Ball lief in Stuttgarter Reihen sauber und flüssig, Borussia war viel zu sehr mit der Einhaltung der defensiven Grundordnung beschäftigt. Speziell in dieser Anfangsphase wurde deutlich, dass das Duo Levels / Polanski mit der taktischen Aufstellung und den Aufgaben, die an eine solche Position gebunden sind, überfordert waren. Speziell der junge Levels produzierte den ein oder anderen haarsträubenden Fehlpass in der Vorwärtsbewegung.

Das Offensivspiel war in der gesamten ersten Halbzeit eine einzige Katastrophe. An Insua lief das Spiel weitestgehend vorbei, und weder Peer Kluge noch Oliver Kirch konnten auf den Flügeln für die nötige Entlastung sorgen. Ein Fehlpass jagte den nächsten, lediglich die Abwehrreihe stand einigermaßen sicher, was mehr an den nicht minder schlechten Offensivbemühungen der Stuttgarter Mannschaft lag. Den ersten Torschuss für Borussia notierten die Beobachter in der 23. Spielminute, wobei die Beschreibung "Schuss" für den Ball von Kahê eigentlich eine maßlose Übertreibung ist. Stuttgart kam nur gelegentlich zu Torchancen, so in der 28. Minute, als es erneut Cacau war, der vor Heimeroth auftauchte, den Ball jedoch im Fallen keinen nötigen Druck mehr geben konnte. Weitere neun Minuten später bewies Hitzlsperger seine enorme Schusskraft, als sein strammer Linksschuss nur knapp am Borussengehäuse vorbeistrich.

Die zweite Halbzeit begann beinahe wie die erste. Die Gastgeber suchten erneut schnell den Weg zum Tor, um eine frühe Vorentscheidung herbeizuführen. Keine 60 Sekunden nach Wiederanpfiff des heute souverän leitenden Dr. Fleischer schoss Gomez mit links aufs Tor. Der Ball erreichte fast den am zweiten Pfosten lauernden Cacau, wenn Ze António nicht mit einer beherzten Grätsche geklärt hätte. Der portugiesische Nationalspieler blieb zuerst angeschlagen auf dem Rasen liegen, konnte aber weiterspielen. Weitere zwei Minuten später hatte Tasci eine weitere Chance, den Spielstand auf 2:0 zu erhöhen. Nach einer Ecke von der rechten Seite stand der 19jährige Tasci völlig frei am Elfmeterpunkt und köpfte platziert ins rechte Eck des Borussentores. Für den bereits geschlagenen Heimeroth klärte Peer Kluge allerdings auf der Linie, so dass Borussia im Spiel blieb.

In den folgenden zehn Minuten plätscherte das Spiel ohne weitere Höhepunkte vor sich, was beide Trainer wohl zum Anlass nahmen, mit Auswechslungen dem Spiel neue Impulse zu geben. Jupp Heynckes wechselte den heute erneut schwach spielenden Polanski aus und brachte mit Michael Delura einen frischen Offensivspieler. Delura agierte fortan an zweite Spitze neben Kahê, ließ sich jedoch immer wieder ins Mittelfeld fallen. Kurze Zeit nach seiner Einwechslung schlug Delura eine Ecke von der linken Seite an den zweiten Pfosten des Stuttgarter Tores, wo Insua nach einem Stellungsfehler seines Gegenspielers zum Kopfball kam. Der Ball traf jedoch nur die Latte und auch den zurückgesprungenen Ball konnte Svensson, der noch im Strafraum lauerte, nicht im Tor unterbringen.

Diese Chance muss in der Rückbetrachtung als eine Art "Startschuss" für die Schlussoffensive der Gäste angesehen werden. Gegen eine sich immer weiter zurückziehende Stuttgarter Mannschaft, die ihre eigenen Offensivaktionen nahezu völlig einstellte, kam Borussia zu immer mehr Spielanteilen. Spätestens mit der Einwechslung von Bernd Thijs für Marvin Compper übernahm Borussia vollends die Kontrolle und speziell Insua steigerte sich nun von Aktion zu Aktion. In der 77. Minute bediente er den im Strafraum stehenden Kluge, der aufgrund enger Manndeckung zurück an den Strafraum passte. Der Schuss von Oliver Kirch strich jedoch knapp am Tor vorbei. Keine Minute später schickte Insua Michael Delura mit einem schönen Pass in die Gasse, der Schuss des von Schalke 04 ausgeliehenen Delura flog Stuttgarts Torhüter Hildebrand genau in die Arme. Die größte Chance zum Ausgleichstreffer hatte Tobias Levels, der nach der Einwechslung von Thijs als linker Verteidiger spielte, fünf Minuten vor dem Ende, als er eine Flanke von der rechten Seite im Strafraumzentrum volley nahm. Der Ball strich jedoch nur wenige Zentimeter am Torwinkel vorbei.

Alle Bemühungen wurden am Ende nicht belohnt. Borussia verlor schlussendlich etwas unglücklich bei sehr schwachen Stuttgarter Gastgebern. Auch wenn in der zweiten Halbzeit eine deutliche Leistungssteigerung festzumachen war, so darf nicht vergessen werden, dass Borussia eben bis zur Chance von Insua aus der 69. Spielminute den gleichen katastrophalen und planlosen Offensivfußball spielte, mit dem man bereits seit Wochen in der Bundesliga die eigene Erfolglosigkeit begründet. Ein stärker spielender Gegner hätte das Spiel gegen Borussia schon früher vorzeitig entschieden und womöglich auch deutlicher gewonnen. Sicher darf man das Bemühen und das Aufraffen der Schlussphase positiv erwähnen, doch darf es nicht über den erneut sehr schwachen Gesamtauftritt hinwegtäuschen. Wie schon so oft in der laufenden Saison merken Borussia und ihre Fans, dass eine gute Halbzeit pro Spiel eben nicht ausreicht. Am Ende der Partie stehen zwar erneut zum Teil lobende und aufmunternde Worte der sportlichen Führung, aber eben auch null Punkte zu Buche. Um in der nächsten Woche beim FC Bayern München bestehen zu können, muss eine deutliche Leistungssteigerung her, die dann über eine längere Zeit abgerufen werden muss.

Tore: 1:0 Cacau (6.)

Stuttgart: Hildebrand – Tasci, Meira, Delpierre, Boka – Pardo – Hilbert, Hitzlsperger (Osorio, 81) – da Silva (Bierofka, 68) – Cacau (Streller, 76), Gomez.

Borussia: Heimeroth – Helveg, Svensson, Zé Antonio, Compper (Thijs, 70) – Levels, Polanski (Delura, 61) – Kirch, Kluge – Insua – Kahê.

Ersatz: Richter - El Fakiri, Bögelund, Sonck, Degen.

Schiedsrichter: Dr. Helmut Fleischer

Zuschauer: 53.000

Datum, Spieltag: 26. November 2006, 14. Spieltag 2006/07

Gelbe Karten (Borussia): Svensson, Delura, Kirch

Gelb-Rote Karten: -

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Das heutige 0:1 war Borussias siebte Niederlage im neunten Auswärtspflichtspiel der Saison, gleichzeitig das achte Spiel in Folge ohne Sieg. Insgesamt reichte es in 92 Auswärtsspielen seit dem Wiederaufstieg einzig zu 9 Erfolgen und 27 Remis.

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